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Garmin fenix 9: Was ist neu und lohnt sich der Umstieg für Läufer? |
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Kaum eine Sportuhr steht so sehr für Garmins Anspruch, Trainingscomputer, Outdoor-Navigation und Smartwatch in einem Gerät unterzubringen wie die fēnix. Jetzt ist die nächste Generation da. Garmin hat am 25. August 2026 die fēnix 9 und fēnix 9 Pro vorgestellt. Seit dem 28. August sind die neuen Modelle erhältlich.
Auf dem Papier hat sich einiges getan: hellere Displays, schnellere Karten, mehr Speicher, neue Stamina-Funktionen und bei der Pro-Version ein komplett aus Titan gefertigtes Gehäuse. Wer allerdings bereits eine fēnix 8 am Handgelenk trägt, sollte genauer hinsehen. Denn ausgerechnet bei zwei Punkten, die für Läufer besonders wichtig sind, bleibt vieles beim Alten.
Eine ganze fēnix-Familie zum Start
Garmin verändert zunächst die Modellstrategie. Die fēnix 9 erscheint direkt in mehreren Ausführungen. Die normale fēnix 9 gibt es mit AMOLED-Display in 43, 47 und 51 Millimetern. Darüber steht die fēnix 9 Pro, ebenfalls in allen drei Größen. Bei 47 und 51 Millimetern stehen zusätzlich Solarvarianten mit MIP-Display zur Verfügung.
Wer LTE- und Satellitenkommunikation über Garmins inReach-Technologie benötigt, kann die Pro außerdem entsprechend ausgestattet bestellen. Damit lassen sich unabhängig vom Smartphone unter anderem Nachrichten austauschen und SOS-Nachrichten an Garmin Response senden. Ein entsprechender Tarif ist dafür erforderlich.
Gerade für Trailrunner, Ultraläufer oder Sportler, die häufig allein in abgelegenen Regionen unterwegs sind, kann das ein gewichtiger Unterschied sein. Für den klassischen Trainingslauf im Stadtwald dürfte es dagegen kaum ein Kaufargument darstellen.
Das Display wird deutlich heller
Eine der sichtbarsten Veränderungen betrifft das AMOLED-Display. Garmin gibt an, dass die Anzeige der normalen fēnix 9 doppelt so hell wie bei der fēnix 8 ausfallen kann. Die AMOLED-Versionen der fēnix 9 Pro erreichen bis zu 3.000 Nits.
Das ist keine reine Spielerei. Wer bei direkter Sommersonne läuft und nur einen kurzen Blick auf Pace, Herzfrequenz oder Navigation werfen möchte, profitiert von einer gut ablesbaren Anzeige. Gerade beim Laufen sollte eine Information erfassbar sein, ohne dass man das Handgelenk lange in die richtige Position drehen muss.
Allerdings sollte man den Helligkeitsrekord nicht überbewerten. Die spezielle fēnix 8 Pro MicroLED erreichte bereits bis zu 4.500 Nits. Sie war allerdings hinsichtlich Preis und Akkulaufzeit ein Sonderfall innerhalb der 8er-Reihe.
Endlich schnellere Karten
Eine Neuerung dürfte im Alltag deutlicher zu spüren sein als viele zusätzliche Trainingsmetriken: Garmin hat die Kartenplattform überarbeitet.
Die fēnix 9 verfügt nach Herstellerangaben über 50 Prozent mehr Arbeitsspeicher als die fēnix 8. Zusammen mit einer neuen Karten-Engine soll sich die Karte bis zu 30 Prozent schneller verschieben lassen. Hinzu kommt eine neue perspektivische Kartenansicht, mit der Gelände und Streckenverlauf voraus besser erkennbar sein sollen.
Das klingt zunächst nach einer Komfortfunktion, ist für Trailrunner und Läufer auf unbekannten Strecken aber durchaus relevant. Wer schon einmal während eines Laufes auf einer kleinen Uhr versucht hat, eine Abzweigung zu überprüfen und dabei auf den Kartenaufbau warten musste, kennt das Problem.
Garmin verdoppelt außerdem den internen Speicher auf 64 GB. Damit steht mehr Platz für Karten und Musik zur Verfügung. Bis zu 7.000 Musiktitel sollen sich lokal speichern lassen.
Für reine Straßenläufer ist das alles eher zweitrangig. Wer seine fēnix regelmäßig zur Navigation verwendet, bekommt dagegen eine der greifbarsten Verbesserungen der neuen Generation.
Beim GPS bleibt die Revolution aus
Interessanter wird der Vergleich dort, wo Läufer vermutlich den größten technischen Fortschritt erwarten würden.
Garmin bewirbt bei der fēnix 9 keine grundsätzlich neue GPS-Technologie gegenüber der fēnix 8. Weiterhin kommt Multiband-GNSS zum Einsatz. Auch unabhängige technische Vergleiche finden bislang keinen bestätigten grundlegenden Wechsel bei der GPS-Ausstattung.
Das ist allerdings nicht zwangsläufig ein Nachteil. Die Multiband-Technik der fēnix 8 arbeitet bereits auf sehr hohem Niveau. Unter schwierigen Bedingungen zwischen hohen Häusern, im Wald oder in engen Tälern ist die Positionsbestimmung inzwischen weit besser als noch bei älteren fēnix-Generationen.
Wer jedoch von der fēnix 8 auf die 9 wechselt und sich davon eine deutlich präzisere Streckenmessung verspricht, sollte seine Erwartungen bremsen. Garmin stellt die neue Generation jedenfalls nicht als großen Sprung bei der GPS-Genauigkeit vor.
Und selbst die beste GPS-Uhr macht aus einer aufgezeichneten Laufstrecke keine amtliche Streckenvermessung. Die tatsächlich gelaufene Linie, Kurven, Satellitenabschattung und die Messalgorithmen beeinflussen weiterhin das Ergebnis.
Auch der Herzfrequenzsensor bleibt
Ähnlich sieht es bei der optischen Herzfrequenzmessung aus. Nach den derzeit vorliegenden technischen Angaben verwendet Garmin weiterhin den Elevate-Gen-5-Sensor, der bereits in der fēnix 8 eingesetzt wird.
Damit fehlt ein weiterer möglicher Grund für einen sofortigen Wechsel.
Wer beim Laufen bislang mit der optischen Messung seiner fēnix 8 zufrieden ist, bekommt mit der fēnix 9 nicht automatisch eine neue Sensorgeneration. Und wer für intensive Intervalle oder Wettkämpfe ohnehin einen Brustgurt verwendet, wird von diesem Punkt praktisch gar nichts bemerken.
Stamina wird interessanter für Ausdauerläufer
Auf der Softwareseite hat Garmin dagegen an einer Funktion gearbeitet, die tatsächlich zum Profil der fēnix passt: Stamina.
Die Uhr versucht bereits seit einigen Generationen abzuschätzen, wie viel Leistungsreserve während einer Belastung noch vorhanden ist. Mit der fēnix 9 kommen Stamina-Zonen und eine Stamina-Kurve hinzu. Damit soll sich nicht nur der aktuelle Energieverbrauch während einer Aktivität besser einordnen lassen. Die Uhr berücksichtigt auch Trainingshistorie und Fitnessentwicklung, um Veränderungen der Ausdauer über längere Zeit sichtbar zu machen.
Gerade bei Marathon, Ultramarathon und längeren Trailrennen ist die Idee interessant. Viele Leistungseinbrüche entstehen schließlich nicht auf den letzten Kilometern, sondern deutlich früher, wenn das gewählte Tempo über dem liegt, was sich dauerhaft halten lässt.
Ob eine algorithmisch berechnete Stamina-Anzeige tatsächlich bessere Entscheidungen ermöglicht als Pace, Herzfrequenz, Leistung, Wettkampferfahrung und Körpergefühl, muss sich jedoch erst im praktischen Einsatz zeigen. Drei Tage nach der Vorstellung der Uhr gibt es naturgemäß noch keine belastbare Langzeiterfahrung mit der neuen Funktion.
Garmin Epic: Trainingslager und Etappen zusammenfassen
Eine weitere neue Funktion heißt Garmin Epic. Damit können mehrere Aktivitäten über Tage, Wochen oder sogar Monate zu einem gemeinsamen Projekt zusammengefasst werden.
Das kann beispielsweise ein Trainingslager, eine mehrtägige Laufreise, ein Etappenrennen oder ein längerer Trainingsblock sein. Garmin Connect stellt die einzelnen Aktivitäten anschließend gemeinsam mit Leistungs-, Gesundheits- und Verlaufsdaten dar. Fotos können ebenfalls eingebunden werden.
Für den einzelnen Trainingslauf verändert Epic wenig. Interessant wird die Funktion eher dort, wo ein längerer Zeitraum als zusammengehöriges sportliches Projekt betrachtet werden soll.
Für Läufer ist das eine nette Erweiterung. Ein Grund, eine nahezu neue fēnix 8 auszutauschen, ist sie kaum.
Zumal erste Berichte darauf hinweisen, dass Garmin einen Teil der nicht hardwareabhängigen Neuerungen auch auf aktuelle ältere Uhren übertragen will. Welche Funktionen in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt auf der fēnix 8 landen, sollte man allerdings abwarten.
Beim Akku ist die normale fēnix 9 kaum weiter
Auch hier lohnt der genaue Blick.
Für die normale fēnix 9 nennt Garmin im Smartwatch-Modus bis zu zehn Tage bei 43 Millimetern, 16 Tage bei 47 Millimetern und 29 Tage beim 51-mm-Modell.
Das entspricht praktisch den Angaben der bisherigen fēnix 8 AMOLED: ebenfalls bis zu zehn, 16 beziehungsweise 29 Tage.
Wer nur wegen der Akkulaufzeit von einer fēnix 8 AMOLED auf die normale fēnix 9 wechseln möchte, gewinnt damit kaum etwas.
Anders sieht es bei den Pro-Modellen aus. Für die 51-mm-Version gibt Garmin bis zu 31 Tage im Smartwatch-Modus an. Die Solarversion erreicht unter den von Garmin definierten Bedingungen bis zu 57 Tage.
Das ist vor allem für Ultraläufer, Mehrtagesveranstaltungen und lange Outdoor-Unternehmungen interessant. Beim üblichen Lauftraining oder selbst bei einem Marathon befinden wir uns dagegen längst in einem Bereich, in dem die Akkukapazität kaum noch eine praktische Einschränkung darstellt.
Die Pro wird leichter und schlanker
Die fēnix 9 Pro ist erstmals mit einem vollständigen Titangehäuse ausgestattet. Bei bisherigen Modellen bestanden beispielsweise Lünette und Rückseite aus Titan, nicht jedoch das komplette Gehäuse.
Dadurch kann Garmin die Uhr robuster und zugleich vergleichsweise leicht bauen. Beim 47-mm-Modell spricht Garmin von einem 16 Prozent schlankeren Gehäuse gegenüber der entsprechenden fēnix 8 Pro.
Das klingt nach einem Nebendetail, ist beim Laufen aber durchaus relevant. Eine Uhr wird mehrere Stunden am Handgelenk getragen und bewegt sich bei jedem Armschwung mit. Weniger Masse und ein flacheres Gehäuse sind im Alltag möglicherweise wertvoller als die zehnte zusätzliche Trainingsmetrik.
Die fēnix 9 Pro erhält außerdem eine zusätzliche grüne LED in der integrierten Taschenlampe. Weißes und rotes Licht gab es bereits zuvor. Das grüne Licht soll die Nachtsicht weniger beeinträchtigen. Für Läufer, die früh morgens oder nachts unterwegs sind, ist das sinnvoll, wenn auch sicher kein alleiniger Kaufgrund.
fēnix 8 gegen fēnix 9: Was bleibt für Läufer?
| Bereich |
fēnix 8 |
fēnix 9 |
| GPS |
Multiband-GNSS |
weiterhin Multiband-GNSS |
| Herzfrequenzsensor |
Elevate Gen 5 |
weiterhin Elevate Gen 5 |
| Karten |
umfangreich |
schneller, neue Engine und Perspektivansicht |
| Speicher |
32 GB |
64 GB |
| AMOLED |
bereits sehr gut |
deutlich heller |
| Stamina |
bisherige Version |
Zonen, Kurve und erweiterte Analyse |
| Garmin Epic |
nein |
neu |
| Akku 47 mm AMOLED |
bis 16 Tage |
bis 16 Tage |
| Pro-Gehäuse |
Titananteile |
komplettes Titangehäuse |
| inReach |
fēnix 8 Pro |
optional bei fēnix 9 Pro |
Die Tabelle zeigt ziemlich deutlich, worum es bei dieser Generation geht. Garmin hat die fēnix nicht neu erfunden. Das Unternehmen hat eine bereits sehr ausgereifte Plattform schneller, heller und komfortabler gemacht.
Lohnt sich der Wechsel?
Für Besitzer einer fēnix 8 lautet die Antwort aus reiner Läufersicht meistens: eher nicht.
GPS und Herzfrequenzsensor machen keinen grundlegenden Generationssprung. Die Akkulaufzeit der normalen AMOLED-Modelle verändert sich kaum. Viele der klassischen Laufmetriken, Trainingsfunktionen, Erholungswerte und Navigationsmöglichkeiten sind bereits vorhanden.
Wer seine fēnix 8 hauptsächlich für Straßenlauf, Marathontraining und gelegentliche Navigation nutzt, bekommt mit der 9 zwar die bessere Uhr, aber wahrscheinlich keine 1.000-Euro-bessere Lauferfahrung. Die unverbindliche Preisempfehlung der fēnix 9 beginnt bei 999,99 Euro.
Anders kann die Rechnung bei intensiver Kartennutzung aussehen. Schnellere Karten, mehr Speicher und das hellere Display sind Verbesserungen, die man unmittelbar bemerkt. Gleiches gilt für die fēnix 9 Pro, wenn ein leichteres Titangehäuse, Solar oder die inReach-Kommunikation eine konkrete Rolle spielen.
Wer dagegen noch mit einer fēnix 7, fēnix 6 oder einer ähnlich alten Generation unterwegs ist, sollte die neue Serie wesentlich genauer betrachten. Dann summieren sich mehrere Entwicklungsschritte: Touchscreen und AMOLED beziehungsweise verbesserte Solarvarianten, Multiband-GPS, aktuelle Sensorik, Taschenlampe, Sprachfunktionen, modernere Karten, neue Trainingsmetriken und je nach Modell Satellitenkommunikation.
Damit ist die fēnix 9 vor allem eines: keine Uhr, wegen der Besitzer des unmittelbaren Vorgängers nervös werden müssen. Für Neueinsteiger oder Nutzer älterer Generationen ist sie dagegen die bislang vollständigste fēnix.
Und vielleicht ist genau das die interessanteste Entwicklung. Bei Sportuhren lässt sich Fortschritt inzwischen nicht mehr allein daran messen, ob eine neue Generation zusätzliche Daten produziert. Die fēnix 9 wird vor allem dort besser, wo man eine Uhr tatsächlich benutzt: Das Display lässt sich leichter ablesen, Karten reagieren schneller, die Pro wird schlanker und mehr Daten passen auf das Gerät.
Für Läufer mit einer fēnix 8 bleibt deshalb wahrscheinlich die vernünftigste Lösung, die Uhr einfach weiterzutragen. Wer ohnehin neu kaufen möchte, findet in der fēnix 9 hingegen das derzeit modernere Gesamtpaket.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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