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Strecke per GPS vermessen? Warum das kein QualitÀtsmerkmal ist
 
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02.01.2026 

 

GPS eignet sich hervorragend fĂŒr Training und Orientierung. FĂŒr eine prĂ€zise Streckenvermessung im Wettkampf ist das System jedoch zu ungenau.
 
Strecke per GPS vermessen? Warum das kein QualitÀtsmerkmal ist

 
Immer wieder werben Laufveranstaltungen damit, ihre Strecke "per GPS vermessen" zu haben. FĂŒr viele LĂ€ufer klingt das zunĂ€chst nach moderner Technik, PrĂ€zision und VerlĂ€sslichkeit. TatsĂ€chlich erreicht diese Aussage jedoch oft das Gegenteil dessen, was sie suggerieren soll. Wer mit GPS-Vermessung wirbt, macht vor allem eines deutlich: Die Strecke ist nicht wirklich vermessen.

GPS ist kein Vermessungsinstrument
 
GPS wurde ursprĂŒnglich zur Navigation entwickelt, nicht zur exakten LĂ€ngenvermessung von Strecken. Das System arbeitet mit Positionsbestimmungen, die unter idealen Bedingungen erstaunlich genau sein können, in der Praxis aber zahlreichen Fehlerquellen unterliegen. GebĂ€ude, BĂ€ume, Topografie, atmosphĂ€rische EinflĂŒsse und die QualitĂ€t des EmpfĂ€ngers beeinflussen das Ergebnis. Abweichungen von mehreren Metern sind normal und nicht die Ausnahme.
 
FĂŒr eine Laufstrecke summieren sich diese kleinen Ungenauigkeiten schnell. Aus einzelnen Positionsfehlern wird am Ende eine messbare Differenz ĂŒber mehrere hundert Meter. Genau deshalb taugt GPS nicht als Grundlage fĂŒr eine verbindliche StreckenlĂ€nge.

Mehrere GPS-GerÀte machen es nicht besser
 
Ein hÀufig genutztes Argument lautet, man habe die Strecke mit mehreren GPS-GerÀten gemessen und daraus einen Mittelwert gebildet. Das klingt methodisch sauber, ist es aber nicht. Wenn alle GerÀte auf demselben fehleranfÀlligen System beruhen, bleibt der systematische Fehler bestehen. Mehr Messungen eines ungenauen Instruments ergeben keine exakte Messung, sondern lediglich eine statistisch geglÀttete Ungenauigkeit.
 
GPS-Fehler sind zudem nicht zufĂ€llig verteilt. Sie entstehen oft an denselben Stellen der Strecke, etwa in Kurven, unter BĂ€umen oder zwischen GebĂ€uden. Genau dort, wo es fĂŒr eine prĂ€zise Vermessung besonders kritisch ist.

Je schneller man lĂ€uft, desto grĂ¶ĂŸer wird das Problem
 
Ein weiterer oft ĂŒbersehener Punkt ist die zeitliche Auflösung von GPS. Die meisten GerĂ€te erfassen die Position einmal pro Sekunde. Bei einem lockeren Dauerlauf mag das unauffĂ€llig sein. Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa im Wettkampf, legt ein LĂ€ufer in dieser einen Sekunde jedoch mehrere Meter zurĂŒck.
 
Das hat direkte Auswirkungen auf die Distanzberechnung. Kurven werden "geschnitten", Richtungswechsel geglĂ€ttet, kleine Streckenvariationen gehen verloren. Das Ergebnis ist fast immer eine zu kurze oder zu lange Strecke, abhĂ€ngig von StreckenfĂŒhrung und Laufstil.

Warum GPS-Werbung problematisch ist
 
Wenn Veranstalter offensiv mit GPS-Vermessung werben, entsteht bei den Teilnehmern der Eindruck von Genauigkeit und ProfessionalitĂ€t. TatsĂ€chlich ist das Gegenteil der Fall. Eine per GPS ermittelte Strecke erfĂŒllt weder nationale noch internationale Standards fĂŒr die Anerkennung von Bestzeiten, Rekorden oder Qualifikationsnormen.
 
FĂŒr ambitionierte LĂ€ufer bedeutet das, dass Zeiten nicht vergleichbar sind. FĂŒr Veranstalter bedeutet es, dass sie unbewusst Erwartungen wecken, die sie nicht erfĂŒllen können.

Wie Strecken wirklich vermessen werden

 
Eine offiziell anerkannte Streckenvermessung erfolgt mit geeichten MessgerĂ€ten durch einen entsprechend lizensierten Streckenvermesser, in der Regel mit einem kalibrierten Messrad nach international festgelegten Verfahren. Diese Methode berĂŒcksichtigt bewusst die Ideallinie des LĂ€ufers und minimiert Messfehler auf wenige Zentimeter pro Kilometer. Nur so ist gewĂ€hrleistet, dass eine Strecke nicht nur ungefĂ€hr, sondern nachweislich korrekt ist.

GPS hat dennoch seinen Platz
 
Einen legitimen Einsatzbereich hat GPS dennoch. Bei TraillĂ€ufen und Cross-Wettbewerben wird die StreckenlĂ€nge hĂ€ufig per GPS ermittelt. Der Grund ist pragmatisch. Die weltweit standardisierte Fahrradmessmethode mit Messrad lĂ€sst sich im GelĂ€nde oft nicht anwenden. Schmale Pfade, Wurzeln, Stufen, wechselnder Untergrund und starke Höhenunterschiede machen eine prĂ€zise Bodenvermessung unmöglich oder unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig aufwendig.
 
In diesen FÀllen dient GPS als praktikable NÀherung, nicht als exakte Messung. Entsprechend werden bei TraillÀufen StreckenlÀngen meist als ungefÀhrer Wert angegeben, oft ergÀnzt durch Höhenmeter und technische Schwierigkeit. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied. GPS wird dort genutzt, wo exakte Vermessung nicht möglich ist, nicht dort, wo sie aus Bequemlichkeit ersetzt werden soll.



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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln