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Marathon und Herzgesundheit: Was Läufer wirklich wissen müssen
 
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05.01.2026 

 

 
Marathon und Herzgesundheit: Was Läufer wirklich wissen müssen

Marathonboom und alte Sorgen
 
Marathonlaufen erlebt seit Jahren einen regelrechten Boom. Immer mehr Freizeitläufer setzen sich das Ziel, die 42,195 Kilometer zu bewältigen - sei es als einmaliges Lebensziel oder als regelmäßiger Bestandteil des sportlichen Jahreskalenders. Mit der wachsenden Popularität steigen jedoch auch die Fragen rund um mögliche gesundheitliche Risiken. Kann eine derart lange und intensive Belastung dem Herzen langfristig schaden?
 
Einzelne Schlagzeilen über plötzliche Todesfälle bei Laufveranstaltungen, auffällige Laborwerte nach Wettkämpfen oder Studien zu möglichen Herzveränderungen bei Extremsportlern sorgen immer wieder für Verunsicherung. Gerade ambitionierte Freizeitläufer bewegen sich oft in einem Spannungsfeld zwischen Leistungsstreben und Gesundheitsbewusstsein.

Neue Langzeitstudie bringt Entwarnung
 
Eine aktuelle Langzeitstudie sorgt nun für mehr Klarheit in der Diskussion. Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren wurden Freizeit-Marathonläufer regelmäßig kardiologisch untersucht. Ziel war es, nicht nur kurzfristige Reaktionen des Herzens auf die Marathonbelastung zu erfassen, sondern mögliche langfristige Veränderungen systematisch zu beobachten.
 
Das zentrale Ergebnis: Es fanden sich keine Hinweise auf dauerhafte strukturelle oder funktionelle Schäden des Herzens. Zwar zeigten sich unmittelbar nach Marathonläufen vorübergehende Veränderungen - etwa eine kurzzeitig reduzierte Pumpfunktion der rechten Herzkammer oder erhöhte Troponinwerte -, diese normalisierten sich jedoch vollständig innerhalb weniger Tage.
 
Für die große Mehrheit der Freizeitläufer bedeutet das: Marathontraining und Marathonteilnahmen stellen für ein gesundes Herz kein langfristiges Risiko dar, sofern Training und Regeneration ausgewogen gestaltet sind.
 
Die Quelle der Entwarnung: Ein Blick auf die Studie
 
Besonders relevant ist dabei die Qualität der zugrunde liegenden Daten. Die untersuchten Läufer wurden über viele Jahre hinweg mit modernen bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie sowie mit Blutuntersuchungen begleitet. Anders als in früheren Studien standen nicht nur Momentaufnahmen nach dem Wettkampf im Fokus, sondern auch langfristige Kontrolluntersuchungen.
 
Gerade diese lange Nachbeobachtungszeit macht die Ergebnisse so wertvoll: Kurzfristige Anpassungsreaktionen des Herzens konnten klar von möglichen dauerhaften Veränderungen unterschieden werden. Für den typischen Freizeitläufer liefert die Studie damit eine belastbare Grundlage zur Einordnung der eigenen Trainingsbelastung.

Was im Herzen während eines Marathons passiert
 
Ein Marathon stellt dennoch eine enorme körperliche Belastung dar. Das Herz muss über mehrere Stunden hinweg ein deutlich erhöhtes Herzzeitvolumen liefern, um die arbeitende Muskulatur ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Dabei reagieren insbesondere die rechte Herzkammer und der Herzmuskel sensibel auf die Dauerbelastung.
 
Der nach dem Lauf häufig gemessene Anstieg von Troponin, einem Marker für Herzmuskelstress, wird heute nicht mehr automatisch als Hinweis auf einen Herzinfarkt gewertet. Vielmehr gilt er als Ausdruck einer vorübergehenden, reversiblen Belastungsreaktion des Herzmuskels - vergleichbar mit Muskelkater in der Skelettmuskulatur.
 
Entscheidend ist: Klinische Untersuchungen und bildgebende Verfahren zeigen nach ausreichender Erholung keine bleibenden Schäden. Das Herz passt sich der Belastung an und kehrt bei gesunden Sportlern in den Ausgangszustand zurück.

Anpassung statt Schaden: Das Sportlerherz
 
Regelmäßiges Ausdauertraining führt zu typischen Anpassungen des Herzens, die unter dem Begriff "Sportlerherz" zusammengefasst werden. Dazu gehören eine vergrößerte Herzhöhle, eine verbesserte Schlagvolumenleistung und ein niedriger Ruhepuls. Diese Veränderungen gelten als funktionell und physiologisch - nicht als krankhaft.
 
Gerade bei Marathonläufern sind diese Anpassungen Ausdruck einer effizienten Herzarbeit. Entscheidend ist jedoch, dass sie im Rahmen eines vernünftigen Trainingsaufbaus entstehen und ärztlich eingeordnet werden können.

Die andere Seite: Wenn Training extrem wird
 
So beruhigend die neuen Daten für Freizeitläufer sind, sie haben auch eine klare Grenze. Andere wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass sehr hohe Trainingsumfänge über viele Jahre hinweg - wie sie bei ambitionierten Vielstartern oder Extremsportlern vorkommen - mit strukturellen Veränderungen des Herzens einhergehen können.
 
Dazu zählen vergrößerte Herzvorhöfe, ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern und in seltenen Fällen Hinweise auf Narbenbildung im Herzmuskel. Diese Befunde betreffen jedoch vor allem Sportler mit jahrzehntelanger, sehr intensiver Belastung deutlich oberhalb dessen, was im klassischen Marathontraining üblich ist.

Plötzlicher Herztod: selten, aber medial präsent
 
Todesfälle bei Marathonveranstaltungen sorgen regelmäßig für große Aufmerksamkeit. Statistisch betrachtet sind sie jedoch extrem selten. In den meisten Fällen liegen bislang unerkannte Herzkrankheiten zugrunde, etwa koronare Herzerkrankungen oder angeborene strukturelle Defekte.
 
Das Laufen selbst ist dabei meist der Auslöser, nicht die Ursache. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, solche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Was Läufer für ihr Herz tun können
 
Für Läufer ergeben sich daraus klare Handlungsempfehlungen:
 
- Regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen, insbesondere ab dem mittleren Lebensalter oder bei Wiedereinstieg ins Training
- Ein sinnvoll strukturierter Trainingsaufbau mit moderater Steigerung von Umfang und Intensität
- Ausreichende Erholungsphasen, insbesondere nach Wettkämpfen
- Aufmerksamkeit für Warnsignale wie anhaltende Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot oder Herzrhythmusstörungen
- Verzicht auf Wettkämpfe bei Infekten oder unklaren Krankheitssymptomen
 
 
    Marathonlaufen ist für gesunde Freizeitläufer langfristig nicht herzschädigend. Die aktuelle Studienlage spricht klar für die positiven Effekte eines gut dosierten Ausdauertrainings. Entscheidend bleibt jedoch die Balance zwischen Belastung und Erholung.
 
Wer seinem Körper Zeit zur Anpassung gibt, Training sinnvoll plant und auf Warnsignale hört, tut seinem Herzen langfristig etwas Gutes - und kann den Marathon mit einem guten Gefühl laufen.




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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln