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Frost, Herz und ein Marathon mit besonderem Vorzeichen Der 4. Weseler Hülskens Marathon eröffnet das Marathonjahr  Drei Grad, ein strammer Südwestwind und vereinzelte Schneeschauer: Der 4. Weseler Hülskens Marathon zeigte sich am vergangenen Sonntag von seiner winterlichen Seite - und war damit genau der richtige Ort für den ersten Marathon des Jahres. Wer hier an den Start ging, suchte keine perfekten Bedingungen, sondern einen ehrlichen Formtest zum Auftakt der neuen Saison.  Schon im Vorfeld war spürbar, dass dieser Lauf mehr sein würde als nur ein weiterer Termin im Kalender. Früh im Jahr, fernab klassischer Frühjahrsmarathons, verlangte der Rundkurs um den Auesee den Teilnehmenden eine bewusste Entscheidung ab. Und genau das machte den Reiz aus - für ambitionierte Einzelstarter ebenso wie für Staffelteams, Debütanten und Routiniers.  "Wir sind froh, dass wir wieder so vielen Menschen positive Emotionen gebracht haben", sagte ein sichtlich bewegter Christopher Kloß, Vorsitzender der ausrichtenden Lauffreunde HADI Wesel, nach dem letzten Zieleinlauf. 1.261 Läuferinnen und Läufer gingen in Marathon, Halbmarathon sowie den jeweiligen Staffelwettbewerben an den Start - und sorgten für einen langen, intensiven und stimmungsvollen Lauftag.  Rundkurs mit Charakter und Gegenwind  Der flache Rundkurs um den Auesee gilt als schnell, zeigte sich an diesem Tag jedoch von seiner anspruchsvollen Seite. Besonders der gut zwei Kilometer lange Abschnitt über den Auedamm und die Rheinwardt wurde durch den Gegenwind zur Geduldsprobe. Dazu kam eine leichte Schneeschicht, die den Untergrund stellenweise rutschig machte. Nach dem verregneten Vorjahr blieb es diesmal zwar weitgehend trocken - einfach war es trotzdem nicht.  Favoriten, frühe Entscheidungen und ein Bürgermeister am Start  Pünktlich um 9:30 Uhr wurden 240 Marathonläufer auf die Strecke geschickt, eine Viertelstunde später folgten 770 Halbmarathonstarter. Wesels Bürgermeister Rainer Benien übernahm beide Starts - wenige Stunden nachdem er selbst erst über schneebedeckte Straßen aus dem Weihnachtsurlaub auf der Insel Föhr zurückgekehrt war.  Schon bei der ersten Durchquerung des Auestadions zeichnete sich ab, dass die Favoriten keine Zweifel aufkommen lassen wollten. Bei den Marathonherren setzte sich früh Timo Schaffeld aus Oberhausen an die Spitze, bei den Damen übernahm Stephanie Breitkreutz vom ASV Duisburg das Kommando. Im Halbmarathon lieferten sich Luca Fröhling und Malte Stockhausen zunächst ein Rennen auf Augenhöhe. Rekordpläne, Vernunft und ein starkes Zeichen  Mit besonderer Spannung war die Teilnahme der niederländischen Profi-Triathletin Yvonne van Vlerken erwartet worden. Sie hatte angekündigt, im Marathon einen neuen niederländischen Altersklassenrekord in der W45 aufstellen zu wollen. Doch Wind, Kälte und der stellenweise rutschige Untergrund luden nicht zur Rekordjagd ein. Van Vlerken entschied sich kurzfristig für den Halbmarathon - eine kluge Entscheidung.  Auch über die kürzere Distanz zeigte sie ihre Klasse eindrucksvoll: Nach rund 1:19 Stunden überquerte sie die Ziellinie und belegte Platz fünf in der Gesamtwertung der Frauen. Ein Rekord blieb aus, ein starkes sportliches Ausrufezeichen zum Jahresbeginn setzte sie dennoch.  Staffeln, Stadionstimmung und viele kleine Geschichten  Besonders lebendig wurde es im Auestadion, wo die Wechselzonen der Staffelwettbewerbe lagen. 20 Marathon- und 63 Halbmarathonstaffeln sorgten hier für ständige Positionswechsel und viel Applaus. "Staffeln sind immer spannend, weil sich die Führungspositionen schnell ändern können", brachte es Veranstalter Kloß auf den Punkt.  Ein Blickfang waren erneut Alexandra Widera und Finja Waldermann von der HSG Alpen-Rheinberg - im Vorjahr als "Covergirls" auf Flyern und Plakaten präsent, nun bei ihrem zweiten Marathon erneut unter der Vier-Stunden-Marke. Ebenso bemerkenswert: Zwei Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr Wesel bewältigten den Halbmarathon in kompletter Einsatzuniform mit 16 Kilogramm Atemschutzgerät auf dem Rücken.  Für Schmunzeln sorgte Polizist Martin Markgraf, der seine Staffelrunde kurzerhand in Jeans absolvierte. Seine Begründung: Bei einer Verfolgung im Dienst ziehe er schließlich auch keine Laufhose an.  Schnelle Zeiten trotz schwieriger Bedingungen  Sportlich setzte besonders der Halbmarathon ein Ausrufezeichen. Malte Stockhausen stürmte unter lautem Applaus als Erster ins Auestadion und gewann in **1:10:24 Stunden** vor Luca Fröhling (1:13:45) und Jonas Schmitz.  Bei den Frauen siegte Yvonne van Vlerken, die trotz der Bedingungen ihren eigenen Streckenrekord unterbot. Lokalmatadorin Carina Hubbert folgte auf Rang zwei und zeigte sich anschließend hochzufrieden.  Im Marathon dominierten die Favoriten: Timo Schaffeld gewann bei den Herren in 2:33 Stunden, Stephanie Breitkreutz siegte bei den Damen in 2:59:41 Stunden mit deutlichem Vorsprung. Auch die Marathonstaffel des "Another Running Club" setzte mit 2:44:49 Stunden ein sportliches Highlight. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: top-top.de |