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Was VO?max wirklich über die Laufleistung aussagt - und was nicht  Von außen betrachtet wirkt die Zahl magisch. 52, 61, 74. Ein Wert, der über Sieg oder Niederlage, über Talent oder Durchschnitt entscheiden soll. VO?max. Kaum ein physiologischer Parameter wird im Laufsport so verehrt, so diskutiert und zugleich so missverstanden.  Doch was verrät dieser Wert wirklich über die Laufleistung - und wo führt seine Bedeutung in die Irre? Wer das versteht, sieht Training, Talent und Fortschritt mit neuen Augen.  Die Zahl, die alles erklären soll  VO?max beschreibt die maximale Menge an Sauerstoff, die der Körper unter Belastung pro Minute aufnehmen, transportieren und in den Muskeln verwerten kann. Gemessen wird sie meist in Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Minute. Damit wird der aerobe Energieumsatz quantifizierbar und somit die Grundlage jeder Ausdauerleistung.  In der Sportwissenschaft gilt dieser Wert als einer der wichtigsten Indikatoren für die aerobe Leistungsfähigkeit. Ein hoher VO?max-Wert steht für eine besonders gute Fähigkeit, Sauerstoff in Energie umzuwandeln. Kein Wunder also, dass Spitzenläufer außergewöhnliche Werte besitzen. Elite-Ausdauersportler erreichen häufig Werte zwischen 70 und 85 ml/kg/min, während Untrainierte deutlich darunter liegen.  Die Schlussfolgerung scheint simpel: Hohe VO?max gleich schnelle Laufleistung.  So einfach ist es jedoch nicht.  Was VO?max tatsächlich über die Laufleistung verrät  Â
Der große Irrtum: Warum VO?max allein keine Laufleistung vorhersagt  Wer nur auf diese Zahl schaut, versteht den Laufsport nur halb. VO?max beschreibt die maximale Kapazität des Systems, nicht die tatsächliche Leistungsfähigkeit im Wettkampf.  Entscheidend ist, wie gut dieses Potenzial genutzt werden kann. Drei Faktoren bestimmen das maßgeblich.  Â
Warum Freizeitläufer VO?max oft überschätzen  Gerade ambitionierte Freizeitläufer fixieren sich gerne auf ihren VO?max-Wert, vor allem wenn er von Sportuhren geschätzt wird. Diese Werte sind jedoch nur Näherungen und können durch Wetterbedingungen, Streckenprofil oder Tagesform deutlich variieren.  Zudem beantwortet der Wert nicht die entscheidende Frage: Wie viel Prozent davon kann im Wettkampf wirklich genutzt werden?  In der Praxis gewinnt selten der Läufer mit der höchsten VO?max, sondern derjenige, der sein Leistungsvermögen am besten entwickelt und einsetzt.  ## Was VO?max nicht über die Laufleistung aussagt  Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet: VO?max beantwortet nicht die Frage, wie schnell jemand tatsächlich laufen wird.  Sie beantwortet lediglich, wie groß das physiologische Potenzial ist, schnell zu laufen.  Nicht enthalten sind unter anderem:  - Laufökonomie - Laktatschwelle - muskuläre Ermüdungsresistenz - mentale Wettkampfstärke - taktisches Pacing  Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren bestimmt am Ende die Zeit auf der Uhr.  Training in der Praxis: Wie relevant ist VO?max wirklich?  Für die Trainingssteuerung bedeutet das eine klare Einordnung. VO?max sollte nie isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit Schwellentempo, Laufökonomie und wettkampfspezifischer Belastbarkeit.  Intervalltraining im Bereich von etwa 90 bis 100 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme kann die VO?max gezielt verbessern. Lange Dauerläufe fördern zusätzlich zentrale Anpassungen wie ein höheres Schlagvolumen des Herzens und eine bessere Kapillarisierung der Muskulatur.  Ebenso wichtig ist jedoch das Training an der individuellen anaeroben Schwelle. Tempodauerläufe, längere Intervalle und wettkampfspezifische Einheiten entscheiden maßgeblich darüber, wie viel der vorhandenen VO?max im Rennen tatsächlich genutzt werden kann.  Parallel dazu verbessert gezieltes Technik- und Krafttraining die Laufökonomie. Lauf-ABC, Stabilisationsübungen und plyometrische Reize reduzieren den Energieaufwand pro Schritt und erhöhen so die Geschwindigkeit bei gleicher physiologischer Belastung.  Die genetische Komponente: Der unsichtbare Rahmen  Ein weiterer oft unterschätzter Aspekt ist die genetische Veranlagung. Studien zeigen, dass die VO?max zu einem relevanten Teil genetisch beeinflusst ist. Training kann den Wert deutlich steigern, doch die individuelle Obergrenze unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.  Das bedeutet: Nicht jeder Läufer kann Weltklassewerte erreichen, wohl aber seine persönliche VO?max verbessern und optimal ausschöpfen. Entscheidend ist daher nicht der Vergleich mit anderen, sondern die Entwicklung des eigenen Leistungsprofils.  Â
__________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |