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Der Einfluss von Schrittfrequenz auf Laufökonomie
 
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26.02.2026 

 

 
Der Einfluss von Schrittfrequenz auf Laufökonomie

 
Es ist ein leiser, oft übersehener Rhythmus. Während Herzfrequenz, VO₂max und Trainingskilometer die Schlagzeilen dominieren, tickt im Hintergrund ein unscheinbarer Taktgeber, der maßgeblich über Effizienz und Leistungsfähigkeit entscheidet: die Schrittfrequenz. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell, dass sie weit mehr ist als eine bloße Zahl auf der Uhr. Sie ist ein biomechanischer Schlüssel, der darüber mitentscheidet, wie ökonomisch ein Läufer sich bewegt.
 
Doch wie groß ist ihr Einfluss wirklich? Und kann ein gezieltes Spiel mit der Kadenz die Laufökonomie messbar verbessern?

Laufökonomie - der unterschätzte Leistungsfaktor
 
Laufökonomie beschreibt den Energieverbrauch bei submaximaler Geschwindigkeit und gilt als zentrale physiologische Kennzahl für Ausdauerathleten. Je weniger Sauerstoff ein Läufer bei einem bestimmten Tempo benötigt, desto ökonomischer ist sein Laufstil.
 
Spitzenläufer unterscheiden sich nicht nur durch VO₂max oder Trainingsumfang, sondern vor allem durch ihre Fähigkeit, Bewegungsenergie effizient umzusetzen. Eine bessere Laufökonomie bedeutet, schneller laufen zu können, ohne proportional mehr Energie zu verbrauchen.
 
Biomechanische Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle. Analysen zeigen, dass Bewegungsmuster, Bodenkontaktzeiten oder vertikale Auslenkung eng mit der Laufökonomie verbunden sind.
 
Und genau hier kommt die Schrittfrequenz ins Spiel.
 
Was die Wissenschaft zur Schrittfrequenz sagt
 
Die Schrittfrequenz beschreibt die Anzahl der Schritte pro Minute. Sie beeinflusst unmittelbar Schrittlänge, Bodenkontaktzeit und die Kräfte, die bei jedem Aufsetzen wirken.
 
Studien zeigen, dass eine niedrigere Kadenz häufig mit höheren Bodenreaktionskräften und längeren Kontaktzeiten einhergeht, während eine höhere Schrittfrequenz diese Belastungen reduziert. Hohe Stoßbelastungen erhöhen nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern verschlechtern oft auch die Effizienz der Bewegung.
 
Meta-Analysen deuten darauf hin, dass eine erhöhte Schrittfrequenz tendenziell die vertikale Bewegung des Körperschwerpunkts reduziert und die Energieaufnahme in Hüfte, Knie und Sprunggelenk senkt. Das bedeutet weniger Energieverlust in der Auf- und Abbewegung und mehr Vortrieb pro eingesetzter Energie.
 
Kleine Änderung, große Wirkung?
 
Wie stark sich eine Anpassung der Kadenz auswirkt, hängt stark vom Ausgangsniveau ab. Untersuchungen zeigen, dass schon moderate Veränderungen messbare Effekte haben können.
 
Interventionsstudien weisen darauf hin, dass Läufer durch eine moderate Erhöhung der Schrittfrequenz bei gleicher Geschwindigkeit den Sauerstoffverbrauch und teilweise auch die Herzfrequenz senken können. In Einzelfällen verbesserten sich die ökonomischen Kennwerte um mehrere Prozent.
 
Gleichzeitig verdeutlichen andere Studien, dass selbst kleine Abweichungen von der selbstgewählten Schrittfrequenz den Energieverbrauch messbar beeinflussen. Daraus lässt sich ableiten, dass jeder Läufer eine individuell optimale Kadenz besitzt, die nicht beliebig verschoben werden sollte.
 
Der Mythos der "magischen 180"
 
In Trainingskreisen hält sich hartnäckig die Vorstellung, 180 Schritte pro Minute seien der Goldstandard. Tatsächlich liegt die bevorzugte Kadenz vieler leistungsstarker Läufer in diesem Bereich.
 
Die Forschung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Die optimale Schrittfrequenz hängt von Körpergröße, Laufgeschwindigkeit, Technik und neuromuskulärer Effizienz ab. Einen universellen Idealwert gibt es nicht. Vielmehr scheint die selbstgewählte Kadenz häufig bereits nahe am ökonomischen Optimum zu liegen.
 
Veränderungen können dennoch sinnvoll sein, wenn sie gezielt erfolgen und biomechanische Defizite korrigieren.
 
 
Biomechanik: Warum mehr Schritte effizienter sein können
 
Eine leicht erhöhte Schrittfrequenz führt in der Regel zu kürzeren Schritten. Dadurch wird das Überstrecken des Beins vor dem Körperschwerpunkt reduziert und die Bremskräfte beim Bodenkontakt nehmen ab.
 
Biomechanisch bedeutet das:
 
- geringere vertikale Bewegung
- kürzere Bodenkontaktzeit
- reduzierte Stoßbelastung
 
Diese Faktoren tragen dazu bei, dass weniger Energie in unproduktive Bewegungen verloren geht. Allerdings ist der Zusammenhang nicht linear. Zu hohe Schrittfrequenzen können ebenfalls ineffizient sein, da sie eine erhöhte muskuläre Aktivität erfordern. Die optimale Zone liegt daher meist leicht oberhalb der spontan gewählten Frequenz, variiert jedoch individuell.
 
Praxisrelevanz: Wann eine Anpassung sinnvoll ist
 
Die Praxis zeigt ein klares Muster. Besonders Läufer mit einer vergleichsweise niedrigen Schrittfrequenz profitieren häufig von einer moderaten Erhöhung. Dies gilt vor allem bei ausgeprägtem Overstriding, langen Bodenkontaktzeiten oder wiederkehrenden Überlastungsbeschwerden.
 
Für leistungsstarke Läufer ist der Spielraum dagegen kleiner. Hier entscheidet weniger die absolute Schrittzahl als vielmehr das Zusammenspiel aus Frequenz, Schrittlänge und Kraftentwicklung.
 
Wichtig ist: Die Schrittfrequenz ist kein isolierter Stellhebel. Sie wirkt immer im Kontext von Lauftechnik, Kraftfähigkeiten und individueller Anatomie.
 
Training: So lässt sich die Schrittfrequenz gezielt optimieren
 
Eine Anpassung sollte behutsam erfolgen. Untersuchungen zeigen, dass Veränderungen von etwa fünf bis zehn Prozent ausreichen können, um biomechanische Effekte zu erzielen, ohne die natürliche Bewegungsökonomie zu stören.
 
Bewährte Methoden aus der Trainingspraxis sind:
 
- kurze Technikläufe mit Metronom
- Lauf-ABC zur Verbesserung der neuromuskulären Ansteuerung
- Steigerungsläufe mit Fokus auf schnelle Bodenkontakte
- Feedback durch Wearables oder Videoanalyse
 
Entscheidend ist die schrittweise Integration in den Trainingsalltag. Ein abruptes Erzwingen einer höheren Kadenz kann kontraproduktiv sein und zu neuen muskulären Belastungen führen.
 
 
    Rhythmus als Effizienzfaktor
 

Die Schrittfrequenz ist kein modischer Trendparameter, sondern ein wissenschaftlich relevanter Einflussfaktor der Laufökonomie. Eine leicht erhöhte Kadenz kann Bremskräfte reduzieren, die vertikale Bewegung minimieren und damit die energetische Effizienz verbessern.
 
Gleichzeitig gilt: Der optimale Rhythmus ist individuell. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Technik, Kraft, Tempo und Körperbau.
 
Wer seine Laufökonomie verbessern will, sollte deshalb nicht nur schneller trainieren, sondern auch genauer auf den eigenen Rhythmus achten. Denn oft entscheidet nicht der stärkste Muskel über die Leistung, sondern der richtige Takt.


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln