|
Vorschau: Deutsche Hallenmeisterschaften in Dortmund ASV Köln mit Medaillenhoffnung, Comeback-Geschichten und jungen Herausforderern  Wenn sich am Wochenende die nationale Leichtathletik-Elite in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle trifft, geht es um weit mehr als um Titel und Zeiten. Hallenmeisterschaften sind Standortbestimmungen, Formtests und Bühne für persönliche Geschichten zugleich. Der ASV Köln reist mit einer spannenden Mischung aus etablierten Top-Sprintern und aufstrebenden Athleten an. Im Fokus stehen Joshua Hartmann über 60 Meter und Maurice Grahl über 200 Meter. Hartmann sucht den Weg zurück aufs Podium  Joshua Hartmann zählt seit Jahren zu den prägenden Gesichtern des deutschen Sprints. Als deutscher Rekordler über 200 Meter und viertschnellster Deutscher aller Zeiten über 60 Meter gehört er bei nationalen Meisterschaften grundsätzlich zum Kreis der Medaillenkandidaten. Seine Bestzeit von 6,53 Sekunden liegt nur eine Hundertstel über dem deutschen Rekord und unterstreicht sein Potenzial auf der kurzen Sprintstrecke.  In Dortmund bestreitet Hartmann einen seltenen Hallenstart über 60 Meter. Mit 6,62 Sekunden rangiert er aktuell auf Platz fünf der Meldeliste. Sein Trainer Jannik Engel sieht darin eine gute Ausgangsposition für den Kampf um Edelmetall. Eine kleine Steigerung würde genügen, um mitten in den Medaillenkampf vorzustoßen. Gerade in der Halle entscheiden Start, Reaktionsvermögen und Beschleunigungsphase oft über den Ausgang eines Rennens.  Maurice Grahl überrascht mit starkem Winter  Während Hartmann als Medaillenkandidat erwartet werden kann, kommt der Aufstieg von Maurice Grahl überraschend. Der 22-Jährige hat sich in dieser Hallensaison über 200 Meter auf 21,15 Sekunden gesteigert und ist damit aktuell der zweitschnellste Deutsche über die Hallenrunde. Diese Entwicklung macht ihn zu einem ernsthaften Anwärter auf Edelmetall.  Die Favoritenrolle übernimmt jedoch Robin Ganter von der MTG Mannheim. Er sicherte sich per Sonderstartrecht einen Startplatz in Dortmund und bringt eine beeindruckende Serie mit. In den vergangenen drei Jahren blieb er bei den nationalen Hallenmeisterschaften über 200 Meter ungeschlagen. Trotz gesundheitlicher Probleme in der Vorbereitung ist er bereits mehrfach unter 21 Sekunden geblieben. Ebenfalls zu beachten ist Karl Gattinger von der LG Stadtwerke München, der mit 21,13 Sekunden die schnellste deutsche Hallenzeit des Winters vorweisen kann.  Zusätzliche Spannung bringt eine Neuerung im Wettkampfmodus. Erstmals werden die Medaillen über 200 Meter in zwei gleichberechtigten Zeitfinals vergeben. In beiden Läufen werden die Bahnen drei bis sechs besetzt, um Nachteile der engen Innenbahnen zu vermeiden. Diese Regelung erhöht die Chancengleichheit und macht die Rennen taktisch noch anspruchsvoller. Für Maurice Grahl ist die Zielsetzung klar formuliert. Sein Trainer sieht ihn im Kampf um eine Medaille.  Comeback mit emotionaler Dimension: Felix Wittmann  Auch auf den Mittelstrecken richtet sich der Blick auf den ASV Köln. Über 800 Meter steht mit Neuzugang Felix Wittmann ein Athlet am Start, dessen Geschichte über reine Leistungsdaten hinausgeht. Der 23-Jährige steigerte sich 2022 auf 1:47,66 Minuten und wurde Deutscher U23-Meister. Kurz darauf stoppte eine Hodenkrebserkrankung seine sportliche Entwicklung abrupt.  Nach überstandener Krankheit arbeitet Wittmann an der Rückkehr in die nationale Spitze. Seine Hallenbestleistung in diesem Jahr liegt bei 1:52,51 Minuten, womit der Einzug ins Finale eine anspruchsvolle Aufgabe bleibt. Trainer Jonas Fischer traut ihm dennoch mehr zu, da er seine bisherigen Rennen im Winter häufig von der Spitze aus gestalten musste und dabei viel Kraft investierte. Gelingt ihm ein taktisch kluges Rennen, ist das Finale in Reichweite.  Therese Schuhenn sammelt Erfahrung über 1500 Meter  Im Frauenbereich geht Therese Schuhenn über 1500 Meter an den Start. Ihr Ziel ist der Einzug ins Finale, auch wenn sie um die Schwierigkeit dieser Aufgabe weiß. Erst seit eineinhalb Jahren betreibt sie Leichtathletik auf diesem Niveau. Bereits die Qualifikation für die Deutschen Hallenmeisterschaften stellt mit einer persönlichen Bestzeit von 4:28,26 Minuten einen großen Erfolg dar. In Dortmund will sie die nationale Bühne nutzen, um wertvolle Erfahrung zu sammeln und ihre Entwicklung fortzusetzen.  Dortmund als Bühne für neue Geschichten  Die Deutschen Hallenmeisterschaften gelten traditionell als Gradmesser für die Formkurve der nationalen Spitze. Besonders im Sprintbereich zeigen sich hier oft jene Athleten, die im Sommer auch international Akzente setzen können. Mit Joshua Hartmann und Maurice Grahl hat der ASV Köln zwei Sprinter am Start, die in Dortmund ein sportliches Ausrufezeichen setzen könnten. Ergänzt wird das Team durch die Comeback-Geschichte von Felix Wittmann und das ambitionierte Nachwuchstalent Therese Schuhenn.  Hallenmeisterschaften folgen jedoch eigenen Gesetzen. Enge Kurven, kurze Reaktionszeiten und die besondere Atmosphäre unter dem Hallendach erhöhen den Druck und begünstigen Überraschungen. Genau darin liegt der Reiz dieser Titelkämpfe.  Für den ASV Köln bietet sich die Chance, mit starken Leistungen in den Sprint- und Mittelstreckenwettbewerben ein klares Signal zu senden. Gelingt Hartmann der Sprung aufs Podium oder mischt Grahl im 200-Meter-Finale ganz vorne mit, würde das die positive Entwicklung des Kölner Sprintteams eindrucksvoll unterstreichen. Gleichzeitig könnte Wittmann mit einem Finaleinzug ein neues Kapitel seiner Karriere aufschlagen.  Wenn in Dortmund die Startblöcke klicken und die Hallenrunde zum Taktgeber wird, geht es um mehr als nur um Sekunden. Es geht um Comebacks, um Durchbrüche und um die Frage, wer im entscheidenden Moment den nächsten Schritt macht. Genau diese Geschichten machen die Deutschen Hallenmeisterschaften zu einem Höhepunkt der Hallensaison. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: ASV Köln |