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Severinslauf vor dem Aus? Vom Vereinslauf zur Privatveranstaltung
 
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02.03.2026 

 

 
Severinslauf vor dem Aus? Vom Vereinslauf zur privaten Veranstaltungsstruktur

 
Eine Spendenaktion soll den Lauf 2026 retten. Die Entwicklung zeigt jedoch: Der Severinslauf wurde organisatorisch bereits zuvor vom Vereinsmodell gelöst und privat über eine Sportmarketing-Struktur geführt.
 
Der Severinslauf gilt als traditionsreiche Laufveranstaltung im Kölner Severinsviertel. Über Jahrzehnte hinweg wurde er öffentlich als klassischer Volkslauf wahrgenommen - verbunden mit lokalem Engagement, persönlicher Initiative und Veedels-Atmosphäre. Nun soll eine Spendenaktion die Austragung 2026 sichern. Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung, so die Botschaft, könne der Lauf nicht stattfinden.
 
Ein genauer Blick auf die organisatorische Entwicklung zeigt jedoch, dass sich die Struktur der Veranstaltung bereits zuvor grundlegend verändert hat.
 
Vereinsmantel als formale Hülle
 
Früher war der Lauf formal über den "DauerlaufVerein e.V." beim Leichtathletik-Verband gemeldet. Der Verein diente vor allem als formaler Ansprechpartner des Verbandes und stellte die verbandsseitige Einordnung des Laufes sicher.
 
Nach außen wirkte der Severinslauf damit wie ein klassischer Vereinslauf. Intern war die Veranstaltung jedoch eng mit dem Laufladen Dauerlauf verbunden und organisatorisch stark von einer privaten Struktur geprägt. Einzelne Elemente wie Vorbereitungskurse im Vorfeld des Laufes sowie eine Athletin, die unter "DauerlaufVerein e.V." einen Startpass führte, waren vorhanden. Ein klassisches Vereinsleben mit regelmäßigen Trainingsangeboten, breiter Mitgliederstruktur oder vereinsinternen Veranstaltungen entwickelte sich jedoch nicht.
 
Der Vereinsrahmen erfüllte damit vor allem eine formale Funktion innerhalb des Verbandssystems - eine organisatorische Konstruktion, die grundsätzlich legitim ist, solange Trägerschaft und tatsächliche Organisationsstrukturen transparent bleiben. Der entscheidende Bruch erfolgte, als der Veranstalter sich zunehmend nicht an die Regularien des Verbandes halten wollte.

Konflikt mit dem Leichtathletikverband - dokumentierter Bruch mit den Verbandsstrukturen
 
In einer öffentlich einsehbaren Mitteilung des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein vom 1. Januar 2025 wird ein Verfahren gegen den DauerlaufVerein e.V. dokumentiert. Darin wurde gegen den Verein eine Geldbuße verhängt. Hintergrund waren Verstöße gegen Meldeauflagen, nicht übermittelte Ergebnislisten sowie nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge. Zudem wurde eingeräumt, dass Veranstaltungen nicht ordnungsgemäß angemeldet worden waren und künftig auch nicht mehr angemeldet werden sollten.
 
Der Verband stellte dabei ausdrücklich klar, dass ein Verein auch dann verantwortlich bleibt, wenn er eine Agentur mit der Durchführung einer Laufveranstaltung beauftragt. Diese Auseinandersetzung markiert den strukturellen Wendepunkt in der Organisationsgeschichte des Severinslaufs.
 
Private Veranstaltungsstruktur
 
In der Folge wurde der Lauf nicht mehr über einen Vereinsrahmen im Verband geführt, sondern offen über eine private Veranstaltungsstruktur organisiert. In der Ausschreibung 2025 wird folgerichtig H&S Sportmarketing als Veranstalter genannt. Hinter dieser Bezeichnung stehen Georg Herkenrath, Inhaber des Laufladens Dauerlauf, sowie sein Partner Scheler (mittlerweile verstorben) - die Veranstalterstruktur ist damit personell klar zuzuordnen.
 
Damit wurde ein Zustand formalisiert, der faktisch schon länger bestand: Der Severinslauf war weniger ein klassischer gemeinnütziger Vereinslauf als vielmehr eine privat initiierte Veranstaltung mit enger Bindung an einen Laufladen und eine Sportmarketing-Struktur. Der zuvor genutzte Vereinsrahmen wirkte damit rückblickend eher wie eine organisatorische Hülle, um die Veranstaltung über das Verbandssystem laufen zu lassen.
 
Diese Organisationsform ist grundsätzlich legitim. Viele Laufveranstaltungen werden privatwirtschaftlich organisiert und leisten dennoch einen wichtigen Beitrag zur lokalen Laufszene - entscheidend ist dabei vor allem Transparenz hinsichtlich Trägerschaft und Struktur.
 
Spendenaufruf in neuem Kontext
 
Vor diesem Hintergrund erhält die aktuelle Spendenaktion eine andere Einordnung. Die Initiative dazu ging von Bernd Höft aus. Es geht nicht um die Rettung eines gemeinnützigen Vereinslaufs, sondern um die Finanzierung einer privat organisierten Traditionsveranstaltung.
 
Das persönliche Engagement hinter dem Lauf kann weiterhin groß sein. Strukturell bleibt jedoch festzuhalten: Träger ist kein gemeinnütziger Sportverein, sondern eine privatwirtschaftliche Organisationsform. Damit verschiebt sich auch die Perspektive auf die aktuelle Finanzierungsfrage.
 
Teilnehmerentwicklung und Dynamik
 
Bereits vor der aktuellen Spendenaktion deutete sich an, dass der Lauf nicht mehr die frühere Dynamik erreichte. Die Teilnehmerzahlen waren zuletzt leicht rückläufig, was auf eine Phase der Konsolidierung hindeutete. Der Lauf blieb zwar ein fester Bestandteil der lokalen Laufszene, zeigte jedoch erste Anzeichen struktureller Ermüdung - sowohl organisatorisch als auch hinsichtlich der Teilnehmerentwicklung.
 
Langfristige Entscheidung mit Folgen
 
Die heutige Situation erscheint weniger als plötzliche Krise, sondern eher als Folge einer langfristigen organisatorischen Entscheidung. Wer sich bewusst von Verbandsstrukturen löst, gewinnt größere Freiheit bei der Durchführung - verliert jedoch zugleich institutionelle Einbindung, Planungssicherheit und Teile der sportlichen Anerkennung.
 
Steigende Kosten, fehlende Sponsoren und stagnierende Teilnehmerzahlen treffen privat organisierte Veranstaltungen besonders stark, da ihnen eine breite vereinsbasierte Trägerstruktur fehlt. Eine Spendenkampagne kann kurzfristig helfen, ersetzt jedoch keine dauerhaft tragfähige Organisationsform.
 
Die eigentliche Kernfrage
 
Die Diskussion um den Severinslauf berührt damit einen grundsätzlichen Punkt im Laufsport: Wie tragfähig sind traditionsreiche, lokal verwurzelte Läufe, wenn sie nicht auf einer gemeinnützigen Vereinsbasis stehen?
 
Der Severinslauf ist zweifellos ein Stück Kölner Laufkultur. Gleichzeitig ist er heute formal eine privat organisierte Veranstaltung mit enger Bindung an eine kommerzielle Struktur. Genau dieses Spannungsfeld prägt die aktuelle Debatte.
 
Fehlende Innovation
 
Der Lauf ist sichtbar in die Jahre gekommen. Streckenführung, Ablauf und Gesamtauftritt haben sich über lange Zeit nur wenig verändert. In einer Laufveranstaltungslandschaft, die zunehmend von neuen Formaten, Eventcharakter und zielgruppenspezifischen Konzepten geprägt ist, fehlt es an erkennbarer Innovation.
 
Gerade darin könnte jedoch auch eine Chance liegen. Ein grundlegend neu aufgesetztes Konzept - etwa mit überarbeiteter Streckeninszenierung, stärkerer Einbindung des Veedels, Elite-Lauf und einem attraktiven Bühnenprogramm - könnte dem Traditionslauf neue Impulse geben und ihn wieder zu einem echten Publikumsmagneten machen.
 
 
    Ob der Lauf 2026 stattfindet, hängt weniger von Spenden als von einer klaren, langfristig tragfähigen organisatorischen Struktur ab.
 


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln