Laufen.NRW (Köln)
Das überregionale Online-Magazin im Rheinland
Über 6.500 Beiträge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

DM 10km Straßenlauf - Nils Voigt und Eva Dieterich holen die nationalen Titel
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Leichtathletik >> Artikel

09.03.2026 

 

 
Deutscher Meisterschaftstag über 10 Kilometer in Uelzen
Nils Voigt und Eva Dieterich holen die nationalen Titel
 

Uelzen erlebte an diesem Meisterschaftssonntag einen kompletten Tag im Zeichen des deutschen Straßenlaufs. Örtlicher Ausrichter der Deutschen Meisterschaften war der SV Rosche 1921, organisatorisch angeführt von Ditmar Grote, der mit seinem Team die Titelkämpfe in die Region geholt hatte. Für Uelzen war es dabei nicht die erste große Laufmeisterschaft: Bereits 2021 wurden hier die nationalen Titel über zehn Kilometer vergeben.
 
Dass die Veranstaltung überhaupt unter so guten Bedingungen stattfinden konnte, war noch wenige Wochen zuvor keineswegs selbstverständlich. Nur drei Wochen vor dem Rennen lag auf den Straßen noch Schnee bei Temperaturen um minus sechs Grad. Entsprechend groß war die Erleichterung bei Veranstaltern und Athleten, dass sich das Wetter rechtzeitig drehte und am Wettkampftag nahezu ideale Laufbedingungen herrschten. Bereits am Vormittag füllten sich die Straßen der Innenstadt mit Zuschauern, Betreuern und Athleten, denn auf dem Programm standen gleich drei nationale Titelrennen. Um 11 Uhr starteten zunächst die Männer, eine Stunde später folgte das Rennen der Frauen und um 14:30 Uhr bildeten die Meisterschaften der Seniorenklassen ab M50 und W50 den Abschluss des Tages.
 
Damit entwickelte sich in der 33.000 Einwohner zählenden Stadt am Rand der Lüneburger Heide ein kompakter, intensiver Meisterschaftstag. Die Strecke durch die Innenstadt erwies sich als zuschauerfreundlich und sportlich anspruchsvoll zugleich. Wendepunktpassagen, enge Kurven und ein rhythmischer Rundkurs verlangten den Athleten taktisches Gespür ab. Gleichzeitig bot die Strecke genügend Raum für schnelle Zeiten.
 
Im Rennen der Männer sollte schließlich Nils Voigt mit einem entschlossenen Angriff die Entscheidung herbeiführen. Im Rennen der Frauen triumphierte Eva Dieterich nach einem mutigen Rennen und langer Führungsarbeit. Und am Nachmittag zeigten die erfahrenen Athletinnen und Athleten der Seniorenklassen eindrucksvoll, dass Leistungsfähigkeit im Laufsport keine Frage des Alters ist.
 
Wer an diesem Tag an der Strecke stand oder den Livestream verfolgte, bekam genau das zu sehen, was Meisterschaftsrennen auszeichnet: taktische Entscheidungen, Tempoverschärfungen und Athleten, die im entscheidenden Moment bereit sind, alles zu riskieren.

11 Uhr: Das Männerrennen beginnt mit einer offenen Titeljagd
 
Schon vor dem Start war klar, dass dieses Rennen eine besondere Dynamik entwickeln könnte. Der Titelträger des Vorjahres, Simon Boch, war zwar gemeldet, befand sich jedoch im Trainingslager in Kenia und stand letztlich nicht an der Startlinie. Auch andere deutsche Spitzenläufer wie Mohamed Abdilaahi oder Richard Ringer fehlten.
 
Dadurch entstand eine ungewöhnlich offene Ausgangslage. Mehrere Athleten konnten sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Besonders im Fokus standen Nils Voigt vom TV Wattenscheid, der bereits 2021 in Uelzen Deutscher Meister geworden war, Florian Bremm von Franconia Athletics als amtierender Hallenmeister über 3000 Meter, der erfahrene Marathonläufer Hendrik Pfeiffer sowie Johannes Motschmann aus Berlin.
 
Schon beim Aufwärmen rund um den Startbereich wurde deutlich, dass ein hochklassiges Feld mit zahlreichen Athleten mit Bestzeiten um 28 Minuten am Start stand. Viele Athleten brachten Bestzeiten im Bereich von 28 Minuten mit. Entsprechend konzentriert war die Atmosphäre kurz vor dem Start.

Frühe Tempoarbeit und ein schnelles Sortieren des Feldes
 
Pünktlich um 11 Uhr fiel der Startschuss. Gelaufen wurden fünf Runden auf einem zwei Kilometer langen Rundkurs durch die Innenstadt. Die Bedingungen waren nahezu ideal. Rund elf Grad Temperatur, kaum Wind und eine trockene Strecke boten beste Voraussetzungen für schnelle Zeiten.
 
Das Feld setzte sich zunächst geschlossen in Bewegung. Doch schon nach wenigen hundert Metern begannen sich die Kräfteverhältnisse zu sortieren. Florian Bremm zeigte sich früh an der Spitze und übernahm überraschend offensiv die Tempoarbeit. Eigentlich hätte ein ruhiger Rennverlauf seinem starken Endspurt entgegenkommen können. Stattdessen entschied er sich für eine aktive Rolle.
 
Neben Bremm positionierten sich Voigt, Pfeiffer und Motschmann aufmerksam im vorderen Teil des Feldes. Dahinter bildeten sich erste Lücken. Aus einer größeren Gruppe entwickelte sich schnell eine kompakte Spitzengruppe.
 
Schon nach der ersten Runde wurde für die Zuschauer entlang der Strecke deutlich, dass sich das Feld schnell sortieren würde. Das Tempo war hoch und die Favoriten hielten den Rhythmus konstant.

Vier Namen, drei Medaillen
 
Je länger das Rennen dauerte, desto klarer wurde, dass die Medaillen aus dieser Spitzengruppe vergeben würden. Voigt, Bremm, Pfeiffer und Motschmann liefen lange gemeinsam an der Spitze. Keiner wollte frühzeitig eine Entscheidung erzwingen.
 
Erst rund zwei Kilometer vor dem Ziel bekam die Formation erste Risse. Johannes Motschmann musste eine kleine Lücke hinnehmen und verlor langsam den Kontakt zur Spitze. Damit blieben drei Athleten übrig, die den Titel unter sich ausmachen sollten.
 
Voigt übernahm jetzt häufiger die Initiative. Bremm hielt sich aufmerksam im Windschatten, während Pfeiffer mit seiner großen Erfahrung versuchte, den Rhythmus der beiden mitzugehen.
 
Dann kam die letzte Runde.

Der entscheidende Angriff
 
Nils Voigt wusste genau, dass ein reiner Spurt gegen Bremm ein Risiko darstellen würde. Der Läufer aus Franken besitzt enorme Endgeschwindigkeit. Also entschied sich Voigt für eine andere Strategie.
 
Noch vor dem finalen Abschnitt erhöhte er das Tempo deutlich. Es war kein kurzer Antritt, sondern eine lange Beschleunigung. Schritt für Schritt baute er Druck auf.
 
Bremm versuchte zu reagieren, konnte die Lücke jedoch nicht mehr vollständig schließen. Auch Pfeiffer musste einige Meter abreißen lassen. Das Feld war endgültig auseinandergezogen.
 
Mit jedem Meter wurde klarer, dass Voigt genau den richtigen Moment gewählt hatte.
 
Der Titel bei den Männern geht erneut an Nils Voigt
 
Als Voigt auf die Zielgerade einbog, war der Titel praktisch entschieden. Der Wattenscheider lief kontrolliert dem Ziel entgegen und überquerte die Linie nach 27:56 Minuten als Deutscher Meister.
 
Florian Bremm folgte in 28:05 Minuten auf Rang zwei und bestätigte seine starke Form. Hendrik Pfeiffer sicherte sich mit 28:08 Minuten Bronze. Johannes Motschmann erreichte nach ebenfalls starkem Rennen Platz vier.

Podium Männer
 
1. Nils Voigt - TV Wattenscheid 01 - 27:56
2. Florian Bremm - Franconia Athletics - 28:05
3. Hendrik Pfeiffer - Düsseldorf Athletics - 28:08

12 Uhr: Das Frauenrennen verspricht Spannung
 
Nur eine Stunde später standen die Frauen an der Startlinie. Auch hier war die Ausgangslage hochinteressant. Titelverteidigerin Esther Pfeiffer war ebenso am Start wie mehrere Athletinnen mit internationalen Erfahrungen.
 
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Lisa Merkel aus Tübingen. Sie hatte Anfang des Jahres in Valencia mit 31:01 Minuten eine herausragende Zeit erzielt und gehörte damit zu den schnellsten deutschen Läuferinnen der Saison.
 
Hinzu kamen Gesa Krause, die mehrfache Europameisterin über 3000 Meter Hindernis, Dominika Meyer, Hanna Klein sowie Elena Burkard. Und mit Eva Dieterich stand eine Athletin im Feld, die in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht hatte.
 
Schon am Start war spürbar, dass dieses Rennen viele mögliche Szenarien zuließ.

Ein großes Feld bleibt lange zusammen
 
Der Start bestätigte diesen Eindruck. Anders als bei den Männern blieb die Spitzengruppe zunächst groß. Mehrere Läuferinnen wechselten sich an der Spitze ab. Niemand wollte früh die komplette Verantwortung für das Tempo übernehmen.
 
Lisa Merkel, Dominika Meyer, Esther Pfeiffer, Gesa Krause, Hanna Klein, Elena Burkard und Eva Dieterich liefen lange dicht beieinander. Die ersten Kilometer verliefen kontrolliert, aber dennoch zügig.
 
Erst mit zunehmender Renndauer begann sich das Feld zu sortieren.

Eva Dieterich übernimmt die Initiative
 
Eine Läuferin fiel dabei besonders auf: Eva Dieterich. Die Athletin des LAV Stadtwerke Tübingen zeigte sich immer wieder an der Spitze und erhöhte mehrfach das Tempo.
 
Diese Tempoverschärfungen hatten Wirkung. Nach und nach verloren einige Athletinnen den Anschluss. Hanna Klein musste als erste aus der Spitzengruppe abreißen lassen. Später folgten auch Dominika Meyer und Lisa Merkel.
 
Schließlich blieb ein Trio übrig: Eva Dieterich, Elena Burkard und Esther Pfeiffer.

Ein Finale voller Spannung
 
Die Schlussphase entwickelte sich zu einem packenden Meisterschaftsduell zwischen Eva Dieterich, Elena Burkard und Esther Pfeiffer. Esther Pfeiffer wollte ihren Titel verteidigen. Elena Burkard brachte enorme Endschnelligkeit mit. Eva Dieterich hatte über viele Kilometer die Führungsarbeit übernommen.
 
Trotz dieser Belastung blieb sie stabil und hielt das Tempo weiterhin hoch. Auf den letzten Metern wurde das Rennen zu einem offenen Schlagabtausch.
 
Esther Pfeiffer musste kurz vor dem Ziel leicht abreißen lassen. Damit fiel die Entscheidung zwischen Burkard und Dieterich.

Ein Sieg nach mutigem Rennen
 
Als die beiden Läuferinnen auf die Zielgerade einbogen, lag Dieterich noch knapp vorne. Elena Burkard setzte zum Endspurt an, kam jedoch nicht mehr ganz heran.
 
Nach 31:54 Minuten überquerte Eva Dieterich die Ziellinie und gewann den deutschen Meistertitel. Nur eine Sekunde dahinter folgte Elena Burkard in 31:55 Minuten. Titelverteidigerin Esther Pfeiffer erreichte in 32:01 Minuten Rang drei.
 
Gesa Krause belegte Platz vier, Lisa Merkel Rang fünf.
 
Podium Frauen
 
1. Eva Dieterich - LAV Stadtwerke Tübingen - 31:54
2. Elena Burkard - LG farbtex Nordschwarzwald - 31:55
3. Esther Pfeiffer - Düsseldorf Athletics - 32:01
 
14:30 Uhr: Die Meisterschaften der Senioren
 
Am Nachmittag gehörte die Strecke schließlich den erfahrenen Läuferinnen und Läufern der Altersklassen. Um 14:30 Uhr fiel der Startschuss für die Deutschen Meisterschaften der Senioren ab M50 und W50.
 
Diese Wettbewerbe besitzen innerhalb der deutschen Leichtathletik eine besondere Bedeutung. Viele Athleten bleiben dem Laufsport über Jahrzehnte treu und erreichen auch im fortgeschrittenen Alter beeindruckende Leistungen.
 
In Uelzen zeigte sich diese Stärke eindrucksvoll. Zahlreiche Athleten liefen Zeiten, die auch im Hauptfeld respektabel gewesen wären. Besonders bemerkenswert war die Konstanz vieler Teilnehmer, die seit vielen Jahren im Wettkampfsport aktiv sind.
 
Die Atmosphäre entlang der Strecke war dabei besonders herzlich. Zuschauer und jüngere Athleten feuerten die erfahrenen Läufer lautstark an. Für viele Teilnehmer war dieser Wettbewerb nicht nur eine Titelchance, sondern auch ein Wiedersehen mit alten Weggefährten.
 
Auch sportlich wurde im Seniorenrennen noch einmal stark gelaufen. Als erster Athlet überquerte Matthias Weippert vom TC Fiko Rostock die Ziellinie. Der Jahrgang 1976 erreichte das Ziel nach 34:09 Minuten und war damit der schnellste Läufer des Mastersrennens insgesamt.
 
Bei den Frauen erreichte Tanja Saretzki von der LG Hohenfels als erste Läuferin das Ziel. Die Athletin des Jahrgangs 1971 lief 40:44 Minuten und war damit die schnellste Teilnehmerin im Feld der Seniorinnen.
 
Im Gegensatz zu den Rennen der Männer und Frauen wird im Masterslauf allerdings kein Gesamtsieger über alle Altersklassen ermittelt. Die offiziellen Titel werden ausschließlich in den jeweiligen Altersklassen vergeben (zum Beispiel M50, M55, W50 usw.). Weippert und Saretzki waren somit die schnellsten Athleten im Lauf, während die Deutschen Meistertitel innerhalb der einzelnen Altersklassen entschieden wurden.
 
Bei den Frauen setzte sich Tanja Saretzki von der LG Hohenfels durch. Die Läuferin des Jahrgangs 1971 gewann in 40:44 Minuten und wurde damit erste Finisherin im Rennen der Seniorinnen.
 
Diese Ergebnisse unterstreichen eindrucksvoll das hohe Leistungsniveau der Mastersläuferinnen und -läufer in Deutschland. Viele der Athleten verfügen über jahrzehntelange Wettkampferfahrung und laufen auch jenseits der 50 weiterhin auf bemerkenswertem Niveau. Für zahlreiche Zuschauer entlang der Strecke gehörte dieser Lauf deshalb zu den emotionalen Höhepunkten des Tages.
 
Damit bildeten die Seniorenrennen einen würdigen und sportlich starken Abschluss dieses Meisterschaftstages.
 
 
    Der Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer in Uelzen boten einen kompletten Lauftag mit drei hochklassigen Wettbewerben. Das Rennen der Männer entwickelte sich zu einem taktischen Duell, das Nils Voigt mit einem perfekt gesetzten Angriff für sich entschied.
 
Das Frauenrennen hingegen lebte von mutiger Tempoarbeit und einem dramatischen Finale, in dem Eva Dieterich ihren Vorsprung ins Ziel rettete.
 
Zusammen mit den Leistungen der Senioren zeigte sich in Uelzen einmal mehr die große Bandbreite des deutschen Laufsports.
 
Ein Meisterschaftstag, der in Erinnerung bleiben wird. Für den örtlichen Ausrichter, den SV Rosche 1921 mit dem verantwortlichen Ditmar Grote an der Spitze, verliefen die Titelkämpfe ebenso erfolgreich wie bereits 2021. Mit einer reibungslosen Organisation und einer stimmungsvollen Veranstaltung empfahl sich das Team damit beim Deutschen Leichtathletik-Verband durchaus für weitere Austragungen nationaler Meisterschaften in der Zukunft.


__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Thomas Eickmann