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Japanisches Intervall-Gehen - Der vielleicht effizienteste Spaziergang der Welt
 
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09.03.2026 

 

 
Japanisches Intervall-Gehen

Der vielleicht effizienteste Spaziergang der Welt
 
Es beginnt mit etwas ganz AlltÀglichem. Ein Spaziergang. Keine Bahn, kein Stadion, kein Intervalltraining auf der Tartanbahn. Kein komplizierter Trainingsplan.
 
Nur ein Weg, ein wenig Zeit und zwei unterschiedliche Geschwindigkeiten.
 
Hinter dieser scheinbar simplen Bewegung steckt jedoch eine Trainingsform, die Sportwissenschaftler weltweit interessiert: das japanische Intervall-Gehen. Eine Methode aus der Forschung, die in Studien untersucht wurde und inzwischen auch in der Laufcommunity Aufmerksamkeit bekommt.
 
Denn sie zeigt etwas Überraschendes. Schon ein halbstĂŒndiger Spaziergang kann ein erstaunlich effektives Training sein.
 
Die Idee aus Japan
 
Vor rund zwei Jahrzehnten entwickelten Wissenschaftler der Shinshu University in Japan, darunter die Forscher Hiroshi Nose und Shizue Masuki, ein Trainingskonzept namens Interval Walking Training.
 
Ihr Ziel war ein Bewegungsprogramm, das möglichst viele Menschen problemlos umsetzen können. Es sollte einfach, alltagstauglich und wissenschaftlich wirksam sein.
 
Das Ergebnis war ein sehr klares Trainingsprinzip:
 
3 Minuten zĂŒgiges Gehen
3 Minuten langsames Gehen
 
Diese beiden Phasen werden fĂŒnfmal wiederholt. Am Ende stehen rund 30 Minuten Bewegung.
 
Die schnellen Abschnitte liegen ungefĂ€hr bei 70 Prozent der maximalen aeroben LeistungsfĂ€higkeit. Die Atmung wird deutlich intensiver, der Puls steigt spĂŒrbar an. Die langsamere Phase dient der aktiven Erholung, bevor die nĂ€chste Belastung beginnt.
 
Gerade dieser Wechsel zwischen Belastung und Erholung sorgt fĂŒr den Trainingseffekt.
 
Warum Intervalle so gut wirken
 
Das Prinzip erinnert an klassisches Intervalltraining im Laufsport. Der Unterschied liegt lediglich in der IntensitĂ€t. Statt schneller Laufintervalle bestehen die Belastungsphasen aus zĂŒgigem Gehen.
 
Physiologisch passiert dennoch viel.
 
WÀhrend der schnellen Phase steigt die Herzfrequenz deutlich an. Das Herz pumpt mehr Blut durch den Körper, die Muskulatur wird stÀrker mit Sauerstoff versorgt. In der langsameren Phase sinkt die Belastung leicht, ohne dass der Körper vollstÀndig in Ruhe kommt.
 
Dieser Wechsel aktiviert Herz, Kreislauf und Muskulatur stĂ€rker als gleichmĂ€ĂŸiges Gehen. Studien zeigen, dass dadurch sowohl die aerobe LeistungsfĂ€higkeit als auch die Muskelkraft verbessert werden können.
 
Was Studien tatsÀchlich zeigen
 
Die ersten Untersuchungen aus Japan verglichen drei Gruppen: Menschen ohne regelmĂ€ĂŸige Bewegung, Menschen mit moderatem Dauergehen und Menschen mit Intervall-Gehen.
 
Die Ergebnisse waren deutlich.
 
Teilnehmer des Intervallprogramms zeigten unter anderem:
 
- höhere aerobe LeistungsfÀhigkeit
- stÀrkere Oberschenkelmuskulatur
- verbesserte Kniekraft
- niedrigeren Blutdruck
 
In mehrmonatigen Studien verbesserte sich die körperliche LeistungsfĂ€higkeit deutlich stĂ€rker als bei gleichmĂ€ĂŸigem Gehen. Gleichzeitig nahm die Muskelkraft der Beine zu, was besonders fĂŒr Ă€ltere Menschen eine wichtige Rolle spielt.
 
Auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wurden positive Effekte auf den Stoffwechsel beobachtet. Die InsulinsensitivitÀt verbesserte sich, und kardiovaskulÀre Risikofaktoren konnten reduziert werden.

Die ĂŒberraschende Effizienz
 
Ein Grund fĂŒr die wachsende PopularitĂ€t des japanischen Intervall-Gehens liegt in seiner Zeitökonomie.
 
Viele Menschen orientieren sich am Ziel von 10.000 Schritten pro Tag. Dieses Ziel kann jedoch ein bis zwei Stunden Bewegung erfordern.
 
Das Intervallprogramm dauert dagegen nur etwa 30 Minuten. Durch die wiederkehrenden IntensitĂ€tswechsel entstehen stĂ€rkere Trainingsreize fĂŒr Herz, Kreislauf und Muskulatur als bei einem gleichmĂ€ĂŸigen Spaziergang.
 
Das bedeutet nicht, dass viele Schritte unwichtig wĂ€ren. RegelmĂ€ĂŸige Bewegung bleibt ein zentraler Gesundheitsfaktor. Doch strukturiertes Training kann zusĂ€tzliche Effekte liefern.
 
Was LÀufer daraus lernen können
 
FĂŒr ambitionierte LĂ€ufer klingt Gehen zunĂ€chst unspektakulĂ€r. Dennoch kann das Intervall-Gehen im Lauftraining sinnvoll eingesetzt werden.
 
  Aktive Regeneration
An lockeren Tagen sorgt es fĂŒr Bewegung, ohne Muskeln, Sehnen und Gelenke stark zu belasten.
 
Einstieg ins Training
FĂŒr AnfĂ€nger oder Wiedereinsteiger kann es eine BrĂŒcke zum Laufsport sein.
 
ErgÀnzung im Grundlagenbereich
Gerade in Trainingsphasen mit hoher Belastung kann Intervall-Gehen eine sinnvolle Alternative zu zusÀtzlichen Laufeinheiten darstellen.
 
Training fĂŒr Ă€ltere LĂ€ufer
Die Methode ermöglicht weiterhin effektives Ausdauertraining bei geringerer Gelenkbelastung.

 
Im Kern handelt es sich um Intervalltraining in einer sehr moderaten IntensitÀtsstufe.
 
So funktioniert das Training in der Praxis
 
Eine Einheit ist leicht umzusetzen und benötigt keine besondere AusrĂŒstung.
 
  Warm‑up
5 Minuten lockeres Gehen

Hauptteil mit fĂŒnf Wiederholungen
3 Minuten schnelles Gehen
3 Minuten lockeres Gehen

Cooldown
5 Minuten lockeres Gehen

Die schnellen Abschnitte sollten so intensiv sein, dass Sprechen nur noch in kurzen SÀtzen möglich ist. Eine aufrechte Haltung, ein aktiver Armschwung und ein dynamischer Schritt erhöhen den Trainingseffekt.
 
Empfohlen werden vier bis fĂŒnf Einheiten pro Woche.
 
Tipps fĂŒr den Einstieg
 
Wer das Training ausprobieren möchte, kann zunÀchst mit drei Intervallen beginnen und die Anzahl schrittweise erhöhen.
 
Hilfreich ist eine Uhr oder ein Smartphone mit Intervallfunktion. Viele Sportuhren lassen sich problemlos fĂŒr solche Zeitintervalle programmieren.
 
FĂŒr den Start eignen sich flache Wege. SpĂ€ter können leichte Anstiege zusĂ€tzliche Trainingsreize setzen.
 
Mehr als nur ein Trend
 
In sozialen Medien wird japanisches Intervall-Gehen hÀufig als neuer Fitness-Trend dargestellt. TatsÀchlich basiert die Methode auf langjÀhriger Forschung.
 
In Japan wird sie teilweise sogar in kommunalen Gesundheitsprogrammen eingesetzt. Teilnehmer erhalten dort SchrittzÀhler oder Apps, mit denen sich das Training dokumentieren lÀsst.
 
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen ihre Fitness deutlich verbessern können, wenn sie dieses Training regelmĂ€ĂŸig durchfĂŒhren.
 
 
    Die 5 Regeln des japanischen Intervall-Gehens
 
1. ZĂŒgig gehen bedeutet deutlich schneller als normales Spazieren.
2. WĂ€hrend der schnellen Phase sollte die Atmung spĂŒrbar schneller werden.
3. Die langsame Phase dient der aktiven Erholung.
4. FĂŒnf Wiederholungen gelten als Standardprogramm.
5. Vier Trainingstage pro Woche reichen bereits fĂŒr messbare Effekte.
 

4‑Wochen‑Einstiegsplan
 
Woche 1
3 Einheiten pro Woche
3 Intervalle pro Einheit
 
Woche 2
3 bis 4 Einheiten pro Woche
4 Intervalle pro Einheit
 
Woche 3
4 Einheiten pro Woche
5 Intervalle pro Einheit
 
Woche 4
4 bis 5 Einheiten pro Woche
5 Intervalle pro Einheit
 
Nach vier Wochen kann das Training dauerhaft mit fĂŒnf Intervallen fortgesetzt werden.
 
 
    Das japanische Intervall-Gehen zeigt eindrucksvoll, wie effektiv einfache Bewegungsformen sein können.
 
Der Wechsel zwischen schnellen und langsamen Gehphasen verbessert die Ausdauer, stÀrkt das Herz-Kreislauf-System und aktiviert die Muskulatur. Gleichzeitig bleibt die Belastung moderat und gelenkschonend.
 
FĂŒr LĂ€ufer ersetzt diese Methode keine Tempoeinheiten oder langen LĂ€ufe. Als ErgĂ€nzung im Training oder als Einstieg in regelmĂ€ĂŸige Bewegung kann sie jedoch ĂŒberraschend wirkungsvoll sein.
 
Und manchmal beginnt gutes Training genau dort, wo es am unspektakulÀrsten aussieht: bei einem Spaziergang.


 

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln