|
Köln sagt Ja. NRW auch. Und plötzlich fühlt sich Olympia ganz nah an Es war einer dieser Abende, an denen Sportpolitik kurz wie Sport selbst wirkte. Zahlen liefen ein, Städte meldeten ihre Ergebnisse, in vielen Kommunen gab es schnell Klarheit. Nur Köln ließ auf sich warten. Ausgerechnet Köln, die zentrale Stadt der Metropolregion Rhein-Ruhr Bewerbung in NRW, zählte bis tief in die Nacht. Als das Ergebnis schließlich feststand, war klar: Metropolregion Rhein-Ruhr hat der Olympia-Bewegung Rückenwind gegeben. Und Köln ebenso, wenn auch mit mehr Nachdenklichkeit als anderswo. Für die geplante deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 stimmten die betroffenen Spielstädten der Metropolregion Rhein-Ruhr laut vorläufigem Gesamtergebnis 66 Prozent mit Ja. In 16 von 17 beteiligten Kommunen wurde die notwendige Zustimmung erreicht. Nur Herten fiel heraus, weil dort zwar eine deutliche Mehrheit zustimmte, aber das vorgeschriebene Quorum verfehlt wurde. Rund 1,4 Millionen Menschen beteiligten sich an der Abstimmung. Das macht diese Befragung zu einem bemerkenswerten demokratischen Signal. Für Köln ist die Botschaft noch spannender als das Landesergebnis. Die Stadt hat mit 57,39 Prozent für eine Beteiligung an der Bewerbung gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 40 Prozent und war in Köln außergewöhnlich hoch. Das Ergebnis ist ein Ja, aber kein euphorischer Durchmarsch. Genau darin liegt seine politische Aussagekraft. Köln hat die Tür geöffnet, aber nicht blindlings aufgestoßen. Warum ist das für ein Laufmagazin wie Laufen-in-Koeln überhaupt mehr als nur kommunale Politik? Weil Köln im Konzept nicht irgendein Austragungsort ist. Köln ist die führende Stadt der Bewerbung. Hier sollen das temporäre Leichtathletikstadion, das Olympische und Paralympische Dorf sowie der Media Hub verortet werden. Und noch wichtiger aus Sicht des Laufsports: In den offiziellen Beschreibungen der Bewerbung taucht eine Idee auf, die sofort Bilder erzeugt. Marathon unter dem Kölner Dom. Genau da beginnt die Faszination. Denn Olympia ist für Läufer nie nur ein Fernsehereignis. Es ist immer auch eine Projektionsfläche. Ein Marathon vor dieser Kulisse wäre nicht bloß ein Wettkampf, sondern eine Erzählung aus Pflaster, Atem und Geschichte. Köln kennt große Laufbilder. Der Dom, die Rheinachsen, die enge Verbindung zwischen Stadtbild und Bewegung. All das eignet sich für eine olympische Dramaturgie, die Außenstehende ebenso erreicht wie eingefleischte Laufsportfans. Trotzdem wäre es zu billig, das Kölner Ja nur als Begeisterungssturm zu verkaufen. Gerade der Blick auf Köln zeigt, dass viele Bürger sehr genau hinsehen. Während andere Städte noch deutlicher zugestimmt haben, lag Köln klar darunter. Köln ist damit innerhalb der erfolgreichen Kommunen das vorsichtigere Ja. Das kann man als Warnsignal lesen. Oder als gesunden Realismus einer Stadt, die große Versprechen nicht mehr ungeprüft abnickt. Die Kritiker haben ihren Anteil daran. Umweltverbände und Gegner der Bewerbung hatten im Vorfeld bemängelt, dass offene Fragen zu Umweltfolgen und Kosten aus ihrer Sicht nicht ausreichend geklärt seien. Diese Einwände sind nicht vom Tisch, nur weil die Mehrheit Ja gesagt hat. Im Gegenteil. Gerade weil Köln zugestimmt hat, bleibt der Druck hoch, die Bewerbung in den kommenden Monaten sauber zu unterfüttern. Wer Olympia will, muss jetzt belastbar erklären, was es kostet, was neu gebaut wird, was dauerhaft bleibt und was der Breitensport tatsächlich davon hat. Die Befürworter setzen genau dort an. Das offizielle Konzept verweist auf Milliardenpotenziale bei Einnahmen sowie auf die Nachnutzung zentraler Infrastruktur. Ein Olympisches und Paralympisches Dorf samt Leichtathletikstadion könnte nach den Spielen als Wohnquartier im Kölner Norden weitergenutzt werden. Das ist der Kern des Narrativs: nicht kurzfristiger Glanz, sondern nachhaltige Nachnutzung. Noch steht allerdings fest, dass eine genaue Kostenaufstellung zu den Investitionen weiter ausgearbeitet werden muss. Für den Laufsport liegt gerade darin eine Chance und eine Verpflichtung. Chance, weil kaum eine andere Sportart so sichtbar macht, wie sehr Stadt und Sport zusammengehören. Ein olympischer Marathon zieht keine Linie nur durch Straßen, sondern durch die Identität einer Region. Verpflichtung, weil Laufbegeisterte sehr genau wissen, dass gute Veranstaltungen nicht von Bildern allein leben. Sie leben von Logistik, von freiwilligen Helfern, von Verkehrskonzepten, von Akzeptanz an der Strecke und von Vertrauen.
__________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |