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Himmelgeister Brückenlauf - Ein letzter Lauf mit Gänsehaut  Es gibt Laufveranstaltungen, die funktionieren über Zeiten, Platzierungen und Ergebnislisten. Und es gibt Läufe, die man nicht vollständig erklären kann, wenn man nur auf die Uhr schaut. Der Himmelgeister Brückenlauf gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Wer an diesem Samstagmorgen im Düsseldorfer Süden am Start stand, erlebte mehr als einen Halbmarathon. Es war ein Abschied, ein Jubiläum, ein Teilnehmerrekord und noch einmal dieses besondere Gefühl, das diesen Lauf über zwei Jahrzehnte geprägt hat.  918 Läuferinnen und Läufer erreichten beim 20. Himmelgeister Brückenlauf das Ziel. So viele wie nie zuvor. Schon Wochen vor dem Start waren die Startnummern vergriffen. Dass am Ende trotzdem möglichst viele Interessierte mitlaufen konnten, lag auch an einem fairen Appell der Veranstalter. Wer verhindert war, sollte seine Startnummer nicht einfach verfallen lassen, sondern kostenlos auf eine andere Person übertragen. So konnten vor dem Lauf noch Interessierte von der Warteliste mit bereits angemeldeten Personen zusammengebracht werden. Gerade in diesem Jahr war das wichtig. Denn mit der 20. Auflage ging eine Ära zu Ende. Das Organisationsteam hatte angekündigt, sich nach dem Jubiläumslauf zurückzuziehen.  Vielleicht war deshalb schon vor dem Start zu spüren, dass dieser Morgen anders werden würde.  Der Himmelgeister Brückenlauf ist längst Kult. Nicht, weil er besonders laut wäre. Nicht, weil er sich größer macht, als er ist. Sondern weil er über Jahre eine eigene Identität entwickelt hat. Start und Ziel liegen in Himmelgeist, einem Stadtteil, der sich an solchen Tagen eher wie ein Dorf anfühlt. Die Veranstaltung wird von Fortuna Düsseldorf 1895 e.V., Lauf- und Triathlonabteilung, als ausrichtendem Verein gemeinsam mit dem Team Himmelgeister Brückenlauf organisiert. Aus einer sportlichen Idee ist über die Jahre ein fester Termin in der regionalen Laufszene geworden. Â
Der Himmelgeister Brückenlauf ist auch deshalb besonders, weil seine Strecke mehr ist als nur eine Halbmarathondistanz. Der offiziell vermessene Kurs führt vom Start in Himmelgeist über die Fleher Brücke auf Neusser Stadtgebiet, vorbei am Neusser Yachthafen und anschließend über die Südbrücke zurück auf die Düsseldorfer Rheinseite. Danach geht es entlang des Rheins wieder in Richtung Himmelgeist. Zwei Brücken, zwei Städte, viel Wasser und ein flacher Asphaltkurs machen den Lauf sportlich schnell und landschaftlich reizvoll zugleich. Dass die Strecke offiziell vermessen ist, verleiht den erzielten Zeiten zusätzliches Gewicht.  Kurz vor acht Uhr gehört die Straße aber nicht zuerst den Läufern. Sie gehört einem Bus. Genauer gesagt der Linie 835 der Rheinbahn. In der Laufszene ist das Startritual bekannt. Die Startenden stellen sich links und rechts im Startbereich auf, bilden ein Spalier und feiern den vorbeifahrenden Linienbus mit einer La Ola. Es ist eine dieser Szenen, die man einem Außenstehenden erst beschreiben muss, damit er versteht, warum ein Bus bei einem Halbmarathon Applaus bekommt. In Himmelgeist gehört es einfach dazu. Erst die La Ola, dann der Startschuss. So entsteht Tradition. Anschließend ging es kurz nach 8 Uhr auf die Strecke. Die Bedingungen hätten für einen Abschiedslauf kaum besser sein können. Rund 20 Grad, trocken, kein Regen. Ein Morgen, der sportliche Leistungen zuließ, aber auch genug Raum für Genuss bot. Und genau diese Mischung prägt den Himmelgeister Brückenlauf seit Jahren. Vorne wird ernsthaft gerannt, im Feld wird gekämpft, gelacht, gegrüßt und später im Biergarten weitergefeiert. Â
Sportlich setzte Jannis Wiepck das Ausrufezeichen des Tages. In 1:12:31 Stunden lief er die zweitschnellste Zeit, die jemals in Himmelgeist erzielt wurde. Damit gewann er vor Sven Köpke von den Bridgerunners Düsseldorf, der nach 1:15:27 Stunden das Ziel erreichte. Dritter wurde Arne Kallweit vom Hochschulsport Düsseldorf in 1:17:35 Stunden. Â
Auch bei den Frauen wurde stark gelaufen. Karen Kussmann gewann in 1:23:33 Stunden. Sophie Müller von One Step Closer Triathlon folgte in 1:25:48 Stunden auf Platz zwei, Nadine Böger wurde in 1:26:44 Stunden Dritte. Es waren Zeiten, die zeigen, dass der Himmelgeister Brückenlauf trotz aller familiären Atmosphäre sportlich ernst genommen wird. Doch dieser Lauf lebt nicht allein von den Schnellsten. Er lebt von den vielen Geschichten dahinter. Von denen, die sich auf den Brücken gegen die Steigung stellen. Von denen, die am Rhein entlang ihren Rhythmus finden. Von denen, die bei Kilometer 20,5 noch einmal aufgerichtet werden, wenn die Sambatruppe Ganza Absurdo mit heißen Rhythmen den letzten Schub Richtung Ziel gibt. Wer dort vorbeikommt, hat den größten Teil des Halbmarathons geschafft. Was dann noch fehlt, ist der Wille für die letzten Meter und vielleicht genau dieser musikalische Rückenwind. Â
Im Ziel gab es Medaillen, Erleichterung, Umarmungen und das Wissen, Teil eines besonderen Tages gewesen zu sein. Die traditionelle After Run Party im Biergarten des Landgasthauses Krevet gehört zum Himmelgeister Brückenlauf wie die beiden Brücken zur Strecke. Dort wurde geehrt, angestoßen, erzählt und gefeiert. Bei kalten Getränken und Grillwurst fand die Siegerehrung statt, dazu gab es wie in den Vorjahren eine Tombola mit hochwertigen Preisen. Es war kein anonymer Zieleinlauf mit schnellem Heimweg, sondern ein gemeinsamer Abschluss. Dass eine Veranstaltung dieser Größe funktioniert, liegt nicht nur am Organisationsteam, sondern auch an der Vielzahl ehrenamtlicher Helfer. Sie sichern Wege, reichen Getränke, weisen ein, bauen auf, bauen ab und sorgen dafür, dass aus einer Idee ein verlässlicher Lauftag wird. Der Himmelgeister Brückenlauf war immer ein Lauf mit viel Herzblut. Genau deshalb fällt der Abschied schwer. Ins Leben gerufen wurde der Lauf im Jahr 2004 im Rahmen der 1100-Jahr-Feier von Himmelgeist. Was damals begann, entwickelte sich über zwei Jahrzehnte zu einer festen Größe im Laufkalender. Aus einer Veranstaltung wurde eine Tradition. Aus einem Halbmarathon wurde ein Kult-Lauf. Nun steht hinter dieser Geschichte vorerst ein Schlusspunkt. Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören, heißt es. Selten passt dieser Satz besser als hier. Ein neuer Teilnehmerrekord, ein ausverkauftes Feld, starke Zeiten, ideale Bedingungen, ein letztes Mal La Ola für die Rheinbahn, ein letztes Mal der Weg über beide Rheinbrücken, ein letztes Mal die große Feier im Biergarten. Vielleicht findet sich irgendwann ein neues Team, das diese Geschichte weiterschreibt. Vielleicht bleibt der 20. Himmelgeister Brückenlauf aber auch als jener Morgen in Erinnerung, an dem ein Kult-Lauf sich mit Stil verabschiedete. So oder so bleibt eines sicher: Wer dabei war, wird diesen Samstagmorgen nicht so schnell vergessen. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Detlev Ackermann / Veranstalter |