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Wer bekommt Frankfurts größtes Laufabenteuer? Die Zukunft des Frankfurt Marathons steht auf dem Spiel  Er ist das Herzstück des Herbstlaufkalenders in Deutschland, ein Klassiker mit über vier Jahrzehnten Geschichte und einem Zieleinlauf, den kaum ein anderes Rennen der Welt bieten kann. Doch hinter den Kulissen des Mainova Frankfurt Marathon tobt ein stiller Kampf um die Zukunft einer Ikone.  Wer einmal durch die enge Hallentür in die Frankfurter Festhalle eingelaufen ist, vergisst diesen Moment nicht. Nach 42,195 Kilometern durch das Bankenviertel, entlang der Alten Oper und über den Römerberg öffnet sich plötzlich eine lichtdurchflutete Halle. Ein Teppich in sattem Rot liegt vor den Läufern, die Tribünen sind voller Menschen, der Sound pumpt durch die Rippen. Es ist wahrscheinlich das emotionalste Ziel im deutschen Straßenlauf. Und genau darum geht es jetzt: Wer darf dieses Erlebnis in Zukunft organisieren?  Die Antwort, die die Stadt Frankfurt am 17. Juni 2026 gab, klingt auf den ersten Blick nach Routine. Ab 2029, so die offizielle Mitteilung, soll der Marathon "über ein Ausschreibungsverfahren mit definierten Kriterien" vergeben werden. Der Zuschlag soll dann jeweils für fünf Jahre gelten. Dahinter steckt jedoch weit mehr als bürokratische Ordnung. Dahinter steckt eine der interessantesten Fragen im deutschen Laufsport seit Jahren. Von 3.169 Startern zu 17.000 Meldungen  Um zu verstehen, warum der Frankfurt Marathon überhaupt umkämpft ist, muss man zurück zum 17. Mai 1981. An jenem Frühlingstag startete Lauflegende Emil Zátopek neben einer Fabrik des Chemiekonzerns Hoechst den allerersten Frankfurt Marathon. 3.169 Meldungen, 2.588 Finisher, rund 150.000 Zuschauer an der Strecke. Deutschland erlebte seinen ersten großen Boom der Laufbewegung, und Frankfurt war mittendrin.  Was folgte, ist eine der beständigsten Erfolgsgeschichten im deutschen Ausdauersport. Heute gilt der Mainova Frankfurt Marathon als zweitgrößter City-Marathon Deutschlands und als einer der schnellsten Marathons weltweit. Der ARRS, der internationale Verband der Straßenlauf-Statistiker, listet Frankfurt auf Platz acht der schnellsten Marathonveranstaltungen weltweit, gemessen an der Summe der Männer- und Frauen-Kursbestzeiten. Das ist kein Zufall. Der Kurs ist flach, gut organisiert und lockt seit Jahren die Weltspitze an.  Wilson Kipsang stellte hier 2011 in 2:03:42 Stunden beinahe einen Weltrekord auf und verfehlte die damalige Bestmarke nur um vier Sekunden. Im Jahr 2024 lief Hawi Feysa aus Äthiopien in 2:17:25 Stunden einen neuen Streckenrekord bei den Frauen. Und 2025 knackte die Veranstaltung mit 17.000 gemeldeten Läufern erstmals einen neuen Teilnehmerrekord auf der Marathonstrecke. Das Event war ausgebucht. Wer in Frankfurt starten will, muss sich inzwischen beeilen. 25 Jahre in einer Hand  Seit 2002 lag die Organisation in den Händen von Jo Schindler und seiner Agentur motion events. Schindler hat den Marathon geprägt, das Festhallen-Finish als weltbekanntes Markenzeichen etabliert, die IAAF-Gold-Label-Lizenz gesichert und das Elitefeld Jahr für Jahr auf Weltklasseniveau gehoben. Diese Kontinuität hatte ihren Preis, aber auch ihren Wert.  Doch die Agentur wurde zwischenzeitlich an London Marathon Events verkauft, jenes mächtige Unternehmen, das hinter einem der renommiertesten Marathons der Welt steht. Für 2025 und 2026 bleibt Schindler als Renndirektor die vertraute Konstante. Was danach kommt, ist offen.  Denn seit einiger Zeit meldet eine neue Partei Ansprüche an: die Frankfurter Sportagentur, kurz FSA. Diese hat öffentlich angekündigt, die Organisation ab 2027 übernehmen zu wollen. Damit geht es um eine Veranstaltung, die mit über 26.000 Teilnehmern inklusive Rahmenwettbewerben, Millionenbudgets und enormer Strahlkraft für die Stadtmarke Frankfurt weit mehr ist als ein Laufevent.  Die Stadt reagiert und hinterlässt Fragen  Die Entscheidung der Stadt vom 17. Juni 2026 war ein Kompromiss, der nicht alle zufriedenstellt. Ab 2029 gibt es ein transparentes Ausschreibungsverfahren, fünf Jahre Laufzeit für den Gewinner, rechtliche Klarheit. Das klingt vernünftig. Aber was ist mit 2027 und 2028?  Die FSA ließ umgehend verlauten, dass genau diese Leerstelle "Unklarheit" schaffe. Man habe "den Impuls für eine transparente Vergabe gegeben" und erwarte, dass auch die Jahre 2027 und 2028 auf dieser Grundlage entschieden werden. Schindler seinerseits zeigte sich optimistisch und selbstbewusst: "Keiner kennt den Frankfurt Marathon besser als wir, und wir haben ihn in den letzten 25 Jahren kreativ vorangebracht."  Beides stimmt. Und genau das macht die Situation so reizvoll.  Was ein Marathon für eine Stadt bedeutet  Für Außenstehende mag die Frage, wer eine Sportveranstaltung organisiert, wie eine reine Verwaltungsangelegenheit klingen. Sie ist es nicht. Hinter dem Frankfurt Marathon stehen wirtschaftliche Interessen in erheblichem Umfang, aber auch die touristische Wertschöpfung eines Events, das jedes Jahr Teilnehmer aus über 100 Nationen in die Stadt bringt. Es geht um Ehrenamtsstrukturen, Helfer, Sponsoren, Schulen mit ihren Kinderläufen und um mehr als 1.385 Menschen, die dem sogenannten Marathonclub angehören, weil sie den Lauf mindestens zehnmal gefinisht haben. Peter Schmit aus Rüsselsheim hat nahezu jede Ausgabe seit 1981 absolviert. Er ist der Rekordhalter. Er ist auch das beste Bild dafür, was ein Marathon werden kann: eine lebenslange Beziehung zwischen Mensch und Strecke.  Diese Beziehungen entstehen nicht durch Ausschreibungsverfahren. Sie entstehen durch Vertrauen, Erfahrung und das Gefühl, bei etwas Besonderem dabei zu sein. Offen, aber nicht unentschieden  Bis 2029 läuft der Frankfurt Marathon zunächst weiter wie bisher. Wer ihn 2025 oder 2026 gelaufen ist, hat ein herausragendes Rennen erlebt: Streckenrekorde, ausverkaufte Startlisten, das berühmte Festhallen-Finish. Der nächste Termin ist der 25. Oktober 2026, die 43. Auflage einer Veranstaltung, die seit mehr als vier Jahrzehnten trägt, was Marathon bedeutet: Überwindung, Gemeinschaft, Ankunft.  Was 2029 beginnt, ist noch offen. Vielleicht bleibt alles, wie es ist. Vielleicht kommt etwas Neues. Vielleicht ist es das Beste beider Welten.  Eines ist sicher: Der Einlauf in die Festhalle wird genauso schön sein wie immer. Egal, wer am Ende das Mikrofon in der Hand hält. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |