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Münster-Marathon ruft zur Rekordjagd
 
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22.06.2026 

 

Lisa Huwatscheck
 
Münster-Marathon ruft zur Rekordjagd

 
Beim 24. Volksbank-Münster-Marathon trifft internationale Spitze auf deutsche Klasse, Breitensport auf Stadtfest und die heiße Trainingsphase auf große Ziele.
 
Zwölf Wochen vor einem Marathon verändert sich etwas. Aus einem Vorhaben wird ein konkreter Plan. Die langen Läufe bekommen Gewicht, die Tempoeinheiten werden ernster, der Kalender wird plötzlich in Trainingswochen gedacht. Wer im September 42,195 Kilometer laufen will, steht jetzt an jenem Punkt, an dem der Marathon langsam vom Traum zur Aufgabe wird.
 
Genau in dieser Phase beginnt auch in Münster die heiße Vorbereitung auf den Volksbank-Münster-Marathon. Am 13. September 2026 geht die Veranstaltung in ihre 24. Auflage. Es ist das sogenannte Pre-Jubiläum vor dem großen 25. Geburtstag im kommenden Jahr. Doch schon diesmal deutet vieles darauf hin, dass Münster mehr bekommt als nur einen schönen Lauftag.
 
Sportlich hat das Rennen eine besondere Spannung. Die ostafrikanische Elite bleibt der Maßstab, doch diesmal stehen in der Spitze auch Läufer im Fokus, die nicht aus den klassischen Marathonhochburgen Kenia oder Äthiopien kommen und trotzdem realistische Ambitionen auf große Platzierungen haben. Bei den Frauen ist das Lisa Huwatscheck aus Hannover. Bei den Männern richtet sich der Blick auf Ignacio Erario aus Argentinien. Dazu kommt Hendrik Pfeiffer, einer der bekanntesten deutschen Marathonläufer, der über 28 Kilometer ein eigenes Kapitel schreiben will.
 
Münster bekommt damit genau jene Mischung, die einen Marathon lebendig macht: internationale Klasse, deutsche Namen, Rekordjagd und Tausende Läufer, die nicht um Siege kämpfen, sondern um ihr ganz persönliches Ziel.

Der Streckenrekord ist die große Marke
 
Bei den Männern steht eine Zeit im Raum, an der sich das Rennen messen lassen muss: 2:09:07 Stunden. Diese Marke lief Charles Yosei Muneria 2023 in Münster. Wer sie unterbieten will, muss im Schnitt jeden Kilometer in knapp unter 3:04 Minuten laufen. Das ist ein Tempo, bei dem jeder Rhythmuswechsel zählt und jeder Moment der Schwäche sofort sichtbar wird.
 
Ignacio Erario bringt die Qualität mit, um diese Marke zumindest in Reichweite zu bringen. Der Argentinier lief im April 2026 beim Enschede-Marathon 2:09:49 Stunden und wurde dort Fünfter. Damit gehört er zu den Läufern, die in Münster nicht nur mitlaufen, sondern das Rennen prägen können.
 
Für Erario geht es aber um mehr als einen Platz auf dem Podium. Der nationale Rekord Argentiniens steht bei 2:09:36 Stunden. Nur 13 Sekunden fehlten ihm in Enschede. Münster könnte nun der Ort werden, an dem er diese Lücke schließt. Dass er sich für Münster entschieden hat und nicht für den eine Woche später stattfindenden Marathon in Buenos Aires, zeigt, welchen Ruf die Veranstaltung inzwischen besitzt. Münster ist nicht nur schnell. Münster ist laut, emotional und nah dran an den Läufern.
 
Gerade auf den letzten Kilometern kann das entscheidend sein. Wenn die Beine schwer werden, der Blick enger wird und jeder Kilometer länger wirkt als der davor, kann ein dichtes Publikum mehr sein als Kulisse. Es kann der Unterschied zwischen Einbruch und Rekordversuch sein.
 
Ostafrika bleibt der Maßstab
 
So reizvoll die Geschichte um Erario ist, einfach wird sie nicht. Die ostafrikanischen Läufer haben den internationalen Marathon über Jahre geprägt, und auch in Münster bleibt diese Klasse der sportliche Maßstab. Genannt wird unter anderem Simon Ewar Kameto aus Kenia. Seine Bestzeit liegt so nah an der Münsteraner Rekordmarke, dass ein Angriff auf den Streckenrekord nicht wie ein Traum klingt, sondern wie ein realistisches Szenario.
 
Damit entsteht ein Rennen, das sportlich mehr bietet als die übliche Frage nach dem Sieger. Kann Erario den argentinischen Rekord angreifen? Kann Kameto den Streckenrekord brechen? Entwickelt sich ein gemeinsames Tempo bis weit in die zweite Rennhälfte hinein? Oder wird Münster zu einem taktischen Rennen, in dem erst spät entschieden wird, wer den härtesten Kopf und die frischesten Beine hat?
 
Marathon lebt von solchen Fragen. Die Uhr liefert am Ende die Antwort, aber die Geschichte entsteht unterwegs.
 
Lisa Huwatscheck bringt deutsche Klasse ins Frauenfeld
 
Auch bei den Frauen hat Münster einen Namen verpflichtet, der dem Rennen zusätzliche Bedeutung gibt. Lisa Huwatscheck aus Hannover kommt mit einer persönlichen Bestzeit von 2:33:23 Stunden. Diese Zeit lief sie beim Berlin-Marathon. Damit gehört sie zu den starken deutschen Marathonläuferinnen und bringt eine Qualität ins Feld, die für Münster sportlich wertvoll ist.
 
Der Frauen-Streckenrekord steht bei 2:27:39 Stunden, gelaufen von Lilian Jelagat aus Kenia. Das ist eine sehr hohe Hürde. Doch Huwatschecks Aufgabe muss nicht zwingend der Angriff auf diese Marke sein. Für sie kann Münster ein Rennen werden, in dem es um eine starke Platzierung, ein kluges Tempo und eine sichtbare deutsche Präsenz in einem internationalen Elitefeld geht.
 
Die Aussicht, als schnellste Deutsche in Münster ausgezeichnet zu werden, ist groß. Ebenso realistisch erscheint eine Platzierung weit vorn, vielleicht sogar unter den ersten Drei, wenn Rennverlauf, Tagesform und Bedingungen passen.
 
Für die Veranstaltung ist Huwatscheck ein Gewinn. Deutsche Topläufer schaffen Nähe. Sie sind für viele Zuschauer greifbarer als anonyme internationale Namen. Wer selbst läuft, erkennt sich eher in ihrer Geschichte wieder: Training neben Alltag, langfristiger Aufbau, Rückschläge, Bestzeiten, neue Ziele. Münster bekommt damit nicht nur internationale Klasse, sondern auch Identifikationsfläche.
 
Dass Esther Pfeiffer den Zieleinlauf der Frauen von der Bühne aus mit kommentieren soll, passt hervorragend dazu. Pfeiffer gehört selbst zu den schnellsten deutschen Läuferinnen. Sie kann einordnen, was auf den letzten Metern passiert, und dem Publikum vermitteln, wie viel Arbeit hinter einer starken Marathonleistung steckt.
 
Hendrik Pfeiffer und der Reiz der 28 Kilometer
 
Eine besondere Rolle spielt in Münster der Wecker-28-km-Lauf. Er ist keine klassische Nebendistanz, sondern ein sportlich interessanter Zwei-Drittel-Marathon. Für viele ist er der perfekte letzte Formtest vor einem Herbstmarathon, etwa in Berlin oder Köln. Lang genug, um die Marathonform ehrlich zu prüfen. Kurz genug, um nicht die komplette Substanz zu kosten.
 
In diesem Jahr bekommt diese Distanz einen prominenten Starter: Hendrik Pfeiffer. Der deutsche Spitzenläufer will in Münster über 28 Kilometer antreten und dort den Streckenrekord angreifen.
 
Das Kuriose daran: Bei den bisherigen drei Auflagen wurde die Gesamtwertung zweimal von Frauen gewonnen. Deborah Schöneborn und Esther Pfeiffer setzten sich jeweils gegen das gesamte Feld durch. Der aktuelle Rekord über die 28 Kilometer wird ebenfalls von Esther Pfeiffer gehalten. Nun will ihr Mann Hendrik bei den Männern ein Zeichen setzen und die Marke deutlich verbessern.
 
Für Münster ist das mehr als eine nette Randgeschichte. Es zeigt, dass die Veranstaltung nicht nur vom Marathon lebt. Auch die weiteren Distanzen haben sportlichen Wert. Gerade der 28-km-Lauf trifft einen Nerv, weil er für ambitionierte Läufer eine echte Standortbestimmung ist.
 
Wer dort kontrolliert stark läuft, kann mit Selbstvertrauen in die letzten Wochen vor dem Marathon gehen. Wer merkt, dass noch etwas fehlt, bekommt rechtzeitig eine ehrliche Rückmeldung.
 
Ein Stadtfest auf Laufschuhen
 
Doch Münster wäre nicht Münster, wenn nur über Zeiten gesprochen würde. Der Volksbank-Münster-Marathon ist längst mehr als ein Rennen. Er ist ein Stadtfest auf Laufschuhen.
 
Mehr als 300 Künstler sollen entlang der Strecke und im Umfeld auftreten. Bands, Trommelgruppen, Tanzgruppen, Cheerleader, Artisten, Stelzenläufer und viele weitere Programmpunkte machen aus dem Marathon einen Tag, der weit über den Sport hinausgeht. Im vergangenen Jahr standen nach Angaben der Veranstalter mehr als 80.000 Zuschauer an Strecke und Ziel.
 
Das ist für die Läufer von enormer Bedeutung. Marathon ist eine lange innere Auseinandersetzung. Viele Kilometer laufen sich im Kopf ab. Gerade zwischen Kilometer 28 und 36 entscheidet sich oft, ob ein Rennen stabil bleibt oder kippt. In solchen Momenten helfen Musik, Zurufe, ein dichtes Spalier und das Gefühl, nicht allein gegen die Distanz zu laufen.
 
Münster kann genau das bieten. Die Stadt trägt ihre Veranstaltung. Und sie macht den Marathon auch für jene attraktiv, die nicht mit einer Zielzeit von 2:09 oder 2:33 anreisen, sondern mit dem Wunsch, einmal diese Distanz zu schaffen.
 
Elite trifft Breitensport
 
Das Motto "Elite trifft Breitensport" wird im Laufsport häufig bemüht. In Münster trifft es tatsächlich zu. Vorne kämpfen internationale Spitzenläufer um Rekorde, Podestplätze und nationale Bestmarken. Weiter hinten kämpfen Tausende um ganz persönliche Ziele. Für manche ist es der erste Marathon. Für andere der letzte lange Test vor Berlin oder Köln. Wieder andere laufen die Staffel, den 6,2-km-Lauf oder den 28-km-Lauf.
 
So entsteht ein Feld, das die ganze Bandbreite des Laufsports zeigt. Vom Weltklasseathleten bis zum Laufanfänger. Vom Vereinsläufer bis zum Firmenstaffelteam. Vom Bestzeitenjäger bis zum Genussläufer.
 
Genau darin liegt die Stärke dieses Marathons. Münster stellt die Elite nicht auf ein Podest, das den Breitensport klein wirken lässt. Die Veranstaltung bringt beides zusammen. Die schnellen Läufer liefern die sportliche Spitze. Die Masse liefert die Seele.
 
Warum Münster 2026 besonders werden kann
 
Zwölf Wochen vor dem Start ist noch vieles offen. Wetter, Form, Rennverlauf und die endgültige Besetzung des Elitefeldes entscheiden sich erst später. Aber die Richtung ist klar. Der 24. Volksbank-Münster-Marathon hat das Potenzial, sportlich und atmosphärisch ein besonderer Jahrgang zu werden.
 
Ignacio Erario könnte den argentinischen Rekord angreifen. Simon Ewar Kameto könnte den Streckenrekord ins Visier nehmen. Lisa Huwatscheck bringt deutsche Klasse ins Frauenfeld. Hendrik Pfeiffer macht den 28-km-Lauf zu einem sportlichen Hingucker. Dazu kommen Tausende Teilnehmer, die Münster in Bewegung setzen.
 
Am Ende wird dieser Marathon nicht nur an der Uhr gemessen werden. Sondern auch daran, wie viele Geschichten er schreibt.
 
Vielleicht ist genau das der Kern von Münster: ein Rennen, bei dem Weltklasse und Volkslauf nicht nebeneinander existieren, sondern sich gegenseitig verstärken. Vorne geht es um Sekunden. Weiter hinten um Stolz, Mut und Durchhalten. Und irgendwo dazwischen liegt das, was Marathon so besonders macht.
 
Der Weg nach Münster beginnt jetzt.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Wilhelmi Fotografie