|
Beim 13. Kölner Zoolauf wurde der Zoo erneut zur Laufstrecke. Mehr als 2.000 Kinder und Erwachsene erlebten einen warmen, aber gut verträglichen Sommerabend. Sportlich sorgte vor allem die Aufholjagd von Robert Fülle für Spannung. Normalerweise bestimmen Giraffen, Elefanten, Erdmännchen und Flamingos das Geschehen im Kölner Zoo. Einmal im Jahr kommen noch einige ungewöhnlich schnelle Zweibeiner hinzu. Dann werden die Wege zwischen den Gehegen zur Laufstrecke, aus Zoobesuchern werden Teilnehmer und aus einem Freitagabend wird eines der außergewöhnlichsten Lauferlebnisse der Stadt. Bei der 13. Auflage des Kölner Zoolaufs am 17. Juli 2026 war der Andrang so groß wie selten zuvor. Der FunRun war bereits Mitte Mai ausgebucht. Kurz vor der Veranstaltung konnten nur noch wenige zusätzliche Startplätze vergeben werden, während bei den Kinderläufen keine Nachmeldungen mehr möglich waren. Auch das Wetter spielte mit. Es war sommerlich warm, aber nicht so heiß, dass der Laufabend zur Belastungsprobe wurde. Gerade bei einer Veranstaltung, deren erste Starts bereits am frühen Abend erfolgen und deren längste Wettbewerbe aus mehreren Runden bestehen, war das keine Selbstverständlichkeit. Die vertraute Strecke ist zurück Eine wichtige Neuerung fiel vermutlich besonders denjenigen auf, die den Zoolauf schon aus den Vorjahren kannten. Nach Abschluss der Arbeiten an der Giraffenanlage konnte wieder die frühere Streckenführung genutzt werden. Damit führte die Runde erneut am Giraffengebäude vorbei. Die Anlage war in rund zweijähriger Bauzeit grundlegend saniert und wesentlich erweitert worden. Anfang Juli, knapp zwei Wochen vor dem Lauf, war der Neubau bereits fertiggestellt. Die neue Giraffenanlage ist deutlich größer und bietet zusätzliche Einblicke sowie mehr Platz für die Tiere. Für die Läufer bedeutete das die Rückkehr auf einen vertrauten Rundkurs. Die Strecke führte vorbei an zahlreichen Gehegen, unter anderem an Flamingos, Geparden, Bären, Zebras, Elefanten, Nashörnern und Giraffen. Eine vollständige Runde durch den Zoo war rund 1,66 Kilometer lang.
Der große Auftritt der Kleinsten Den Auftakt übernahmen um 18.15 Uhr die Bambini. Auf ihrer 410 Meter langen Runde ging es nicht um Sekunden, Platzierungen oder persönliche Bestzeiten. Entscheidend war allein die Freude an der Bewegung. Für viele Kinder dürfte es der erste Start bei einer großen Laufveranstaltung gewesen sein. Startnummer, applaudierende Eltern, ein echtes Ziel und schließlich die eigene Medaille machten aus wenigen hundert Metern einen ganz besonderen Auftritt. Eine Zeitmessung gab es bewusst nicht. Jedes Kind, das die Runde bewältigte, erhielt im Ziel eine Goldmedaille. Eine Viertelstunde später wurde es beim KidsLauf sportlicher. Die rund 1.140 Meter lange Runde wurde offiziell gestoppt, fast 300 Kinder erreichten das Ziel. Bei den Mädchen gewann Livie Feiss vom TuS Köln rrh. in 4:25 Minuten. Nur zwei Sekunden später folgte Anna Schulz von Cologne Athletics und dem Marienburger Sportclub in 4:27 Minuten. Lisa Spillecke vom LT DSHS Köln komplettierte das Podium in 4:31 Minuten. Noch enger ging es bei den Jungen zu. Marc Constantin Chiru vom LT DSHS Köln und Liam Feiss vom TuS Köln rrh. wurden beide mit 4:05 Minuten gestoppt. In der offiziellen Reihenfolge lag Chiru vorn. Dritter wurde Theo Katz vom LT DSHS Köln, der nach 4:15 Minuten das Ziel erreichte. Alle Kinder erhielten eine Medaille. Für die drei Schnellsten gab es zusätzlich eine Siegerehrung. So verband der KidsLauf den spielerischen Charakter des Zoolaufs bereits mit einem echten sportlichen Wettbewerb.
Robert Fülle dreht das Rennen Um 19 Uhr begann der TopLauf. Wer um den Gesamtsieg kämpfen wollte, musste sechs Runden und damit 10,05 Kilometer absolvieren. Erstmals war es jedoch auch in diesem Wettbewerb möglich, bereits nach einer, zwei, drei, vier oder fünf Runden ins Ziel abzubiegen. Für die Siegerehrung wurden ausschließlich diejenigen berücksichtigt, die die vollständige Distanz bewältigten. Bei den Männern sah zunächst alles nach einem Duell zwischen Paul Kamp und Marian Bunte aus. Paul Kamp von Decathlon Köln eröffnete das Rennen mit einer schnellen Runde von 5:43 Minuten. Nur eine Sekunde dahinter folgte Marian Bunte vom Kölner Laufteam. Der spätere Sieger Robert Fülle ließ es zunächst deutlich ruhiger angehen. Nach seiner ersten Runde in 6:10 Minuten betrug sein Rückstand bereits 27 Sekunden. Nach zwei Runden lag er sogar rund eine halbe Minute hinter dem Spitzenduo. Auf einem kurzen Rundkurs ist das eine beträchtliche Lücke. Doch Fülle hatte sein Rennen offenbar genau eingeteilt. In der dritten Runde beschleunigte er auf 5:49 Minuten. Kamp und Bunte lagen zu diesem Zeitpunkt nach den gerundeten Zwischenzeiten weiterhin praktisch gleichauf, während Fülle den Abstand verkürzte. In Runde vier folgte der nächste Angriff. Mit 5:53 Minuten kam Fülle bis auf wenige Sekunden an die Führenden heran. Spätestens jetzt war aus dem scheinbar klaren Zweikampf ein Dreikampf geworden. Die Entscheidung fiel in der fünften Runde. Während Kamp und Bunte jeweils etwas mehr als sechs Minuten benötigten, lief Fülle 5:55 Minuten und übernahm die Spitze. Auf der Schlussrunde ließ er keine Zweifel mehr aufkommen. Mit 5:28 Minuten gelang ihm die schnellste Runde seines gesamten Rennens. Nach sechs Runden gewann Robert Fülle in einer Bruttozeit von 35:23 Minuten. Paul Kamp verteidigte Platz zwei in 35:28 Minuten, Marian Bunte wurde in 35:36 Minuten Dritter. Zwischen dem Sieger und dem Drittplatzierten lagen damit lediglich 13 Sekunden. Fülles Rennverlauf war ein Beispiel für kluge Tempogestaltung. Er ließ sich von der schnellen Anfangsphase seiner Konkurrenten nicht aus der Ruhe bringen, steigerte sich von Runde zu Runde und war ausgerechnet auf dem letzten Abschnitt am schnellsten.
Sabine Lerche übernimmt früh die Kontrolle Auch bei den Frauen führte die spätere Siegerin nach der ersten Runde noch nicht. Steffi Jansen setzte sich mit 6:42 Minuten zunächst an die Spitze. Sabine Lerche folgte fünf Sekunden dahinter, Hannah Otten erreichte die erste Zwischenzeit nach 7:04 Minuten. Bereits in der zweiten Runde änderte sich das Bild. Lerche benötigte 6:56 Minuten und übernahm die Führung. Jansen fiel mit ihrer 7:08-Minuten-Runde sieben Sekunden zurück. Otten hielt Rang drei, musste die beiden Führenden jedoch allmählich ziehen lassen. Von diesem Zeitpunkt an baute Lerche ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Ihre Zwischenzeiten von 7:04, 7:11 und 7:17 Minuten zeigten zwar, dass auch sie auf dem kurvenreichen Kurs und bei den sommerlichen Bedingungen langsamer wurde. Ihre Verfolgerinnen verloren jedoch stärker. Nach fünf Runden hatte Lerche ein komfortables Polster herausgelaufen. Auf dem letzten Abschnitt konnte sie noch einmal zulegen und schloss das Rennen mit einer 7:04-Minuten-Runde ab. Sabine Lerche gewann in 42:19 Minuten. Steffi Jansen sicherte sich mit einer schnellen Schlussrunde von 7:02 Minuten den zweiten Platz in 43:05 Minuten. Hannah Otten lief in 44:44 Minuten als Dritte ins Ziel. Während das Männerrennen erst in der vorletzten Runde entschieden wurde, stellte Lerche die Weichen bereits auf dem zweiten Umlauf. Danach kontrollierte sie das Rennen und geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr.
Beim FunRun war der Weg das Ziel Nach der sportlichen Spannung des TopLaufs veränderte sich um 20.15 Uhr die Atmosphäre. Mit dem FunRun begann das große Finale des Abends. Mehr als 1.400 Menschen gingen auf die Strecke. Eine Siegerehrung war nicht vorgesehen. Jeder konnte nach einer Runde entscheiden, ob es ins Ziel gehen oder noch einmal an den Gehegen vorbeigehen sollte. Möglich waren bis zu sechs Runden. Einige Teilnehmende absolvierten die vollständigen zehn Kilometer. Andere ließen es bei einer oder zwei Runden bewenden. Manche liefen verkleidet, legten zwischendurch eine Pause ein oder blieben stehen, um Tiere zu beobachten und Fotos zu machen. Genau darin liegt die besondere Stärke des Zoolaufs. Wer schnell laufen möchte, findet im TopLauf einen echten Wettkampf. Wer dagegen einen ungewöhnlichen Sommerabend erleben will, kann sich im FunRun Zeit lassen. Die Strecke wird nicht nur bewältigt, sondern wahrgenommen. Der Zoo war zu diesem Zeitpunkt bereits für den regulären Besucherverkehr geschlossen. Entlang der Strecke waren aus Rücksicht auf die Tiere keine Zuschauer vorgesehen. Angefeuert wurde ausschließlich rund um den Start- und Zielbereich. Im Inneren des Zoos gehörten die Wege den Läuferinnen und Läufern und natürlich den tierischen Bewohnern.
Ein Lauf, der mehr als Zeiten bietet Rechnet man die Wettbewerbe zusammen, kamen beim 13. Kölner Zoolauf weit mehr als 2.000 Menschen ins Ziel. Die Mischung aus Kinderlauf, ambitioniertem Wettkampf und entspanntem Erlebnislauf traf erneut den Nerv der Teilnehmenden. Dazu kam eine Kulisse, die kein gewöhnlicher Straßenlauf bieten kann. Hier führt die Ideallinie nicht an Häuserfassaden oder Verkehrsinseln entlang, sondern an Flamingos, Elefanten und Giraffen vorbei. Jede Runde bietet neue Eindrücke, selbst wenn die Beine allmählich schwerer werden. Der vorzeitige Anmeldestopp zeigt allerdings auch, wie begehrt die Veranstaltung inzwischen ist. Wer bei einer kommenden Auflage dabei sein möchte, sollte mit der Anmeldung nicht zu lange warten. Startnummer aufbewahren Nach dem Zieleinlauf sollte die Startnummer nicht im nächsten Mülleimer landen. Sie ist noch bis zum 31. Dezember 2026 bares Geld wert. Gegen Vorlage der Startnummer erhalten alle Starter bei einem weiteren Besuch einmalig 50 Prozent Nachlass auf den regulären Tageseintritt in den Kölner Zoo. Die Vergünstigung gilt für Erwachsene und für Kinder von vier bis zwölf Jahren. Sie kann nicht mit anderen Rabatten kombiniert und nicht bar ausgezahlt werden. Damit endet der 13. Kölner Zoolauf für viele womöglich nicht im Ziel. Die Startnummer ist zugleich eine Einladung, noch einmal zurückzukehren. Dann allerdings ohne Zeitnahme, ohne sechs Runden und mit deutlich mehr Zeit für Giraffen, Elefanten und Flamingos.
__________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Detlev Ackermann, Laufen-in-koeln |