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Wo der Wind das Tempo macht: Die schönsten Läufe auf Deutschlands Nordseeinseln Salzige Luft, endlose Strände, schmale Dünenwege und eine steife Brise von vorn: Die deutschen Nordseeinseln bieten Laufveranstaltungen, die weit mehr sind als gewöhnliche Straßenrennen. Zwischen Sylt und Borkum warten schnelle Stadtläufe, familiäre Urlaubswettkämpfe, anspruchsvolle Inselrunden und sogar ein Ultramarathon. Schon die Anreise macht den Unterschied. Während man bei einem gewöhnlichen Volkslauf einen Parkplatz sucht, beginnt das Abenteuer Nordsee häufig am Fähranleger. Die Sporttasche steht zwischen Koffern und Kinderwagen, über dem Hafen kreischen die Möwen und am Horizont ist zunächst nicht mehr als ein schmaler Streifen Land zu erkennen. Spätestens auf dem Schiff stellt sich die entscheidende Frage: Wie stark wird der Wind sein? Denn Laufen auf einer Nordseeinsel ist selten vollständig planbar. Eine Strecke kann flach sein und sich trotzdem wie ein Berglauf anfühlen. Fester Sand wird innerhalb weniger Meter weich, eine harmlose Brise entwickelt sich auf dem Deich zum Dauergegner. Dafür bekommt man etwas, das kaum ein Stadtlauf bieten kann: freie Sicht bis zum Horizont, den Geruch des Meeres und das Gefühl, für einige Kilometer weit weg vom Alltag zu sein.
Sylt: Vom Inselklassiker bis zum Ultramarathon Der bekannteste Lauf auf einer deutschen Nordseeinsel dürfte der Syltlauf sein. Traditionell im Frühjahr führt er über rund 34,5 Kilometer von List im Norden bis nach Hörnum im Süden. Die Teilnehmenden durchqueren damit fast die gesamte Insel. Asphalt, Radwege, Dünenlandschaften und lange, windoffene Abschnitte sorgen dafür, dass der Lauf trotz des weitgehend flachen Profils nicht unterschätzt werden sollte. Die Startplätze sind regelmäßig frühzeitig vergeben.
Wer Sylt lieber auf einer kürzeren Strecke erleben möchte, findet beim RUN ums Rantumbecken eine landschaftlich außergewöhnliche Alternative. Die etwa zehn Kilometer lange Runde verläuft ausschließlich auf Deichen rund um das Naturschutzgebiet. Auf der einen Seite liegt das Rantumbecken mit seiner Vogelwelt, auf der anderen öffnet sich der Blick auf die Wasserwelten des Nationalparks Wattenmeer. Das begrenzte Startplatzangebot ist häufig schnell ausgeschöpft.
Am anderen Ende der Leistungsskala wartet der North Sea Ultra. Die 111 Kilometer lange Strecke führt einmal rund um Sylt und kann allein oder als Staffel bewältigt werden. Höhenmeter spielen kaum eine Rolle, dafür können Distanz, Wetter und Wind über viele Stunden an den Kräften zehren. Das Motto "Fast, Flat & Windy" beschreibt den Charakter des Rennens treffend.
Helgoland: Ein Marathon mit eingebautem Düsenjäger Helgoland ist klein, der dortige Marathon ist es nicht. Der Rundkurs führt mehrfach durch Unterland und Oberland, vorbei an den roten Felsen und mit weitem Blick über die Nordsee. Die Verbindung vom Unterland hinauf zum Oberland verlangt bei jeder Runde neue Kraft und macht den Helgoland-Marathon zu einem der ungewöhnlichsten Landschaftsmarathons Deutschlands. Neben der klassischen Marathondistanz gehören weitere Laufangebote zum Veranstaltungsprogramm. Damit können auch Läufer teilnehmen, die das Inselerlebnis suchen, ohne sich gleich der vollständigen Marathondistanz zu stellen. Die Veranstaltung wird traditionell im Frühjahr ausgetragen. Wer auf Helgoland nur nach schnellen Kilometern sucht, könnte enttäuscht werden. Wer dagegen eine Strecke mit Charakter, spektakulären Ausblicken und einer sehr eigenen Atmosphäre erleben möchte, dürfte noch lange von diesem Lauf erzählen.
Amrum: Zwischen Kniepsand und Wattseite Auf Amrum wird aus einer Inselrunde eine kleine Expedition. Beim herbstlichen Insellauf "Rund um Amrum" stehen Strecken über 31,5 Kilometer, 16,5 Kilometer und fünf Kilometer zur Auswahl. Die längste Variante erschließt einen großen Teil der Insel und verbindet das sportliche Erlebnis mit der abwechslungsreichen Amrumer Landschaft.
Noch stärker rückt der berühmte Kniepsand beim Amrumer Mukolauf in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung findet traditionell am Pfingstsamstag statt. Angeboten werden eine lange Inselrunde, eine halbe Runde und ein kürzerer Rundkurs. Auf den längeren Strecken wechseln sich feste Wege mit ausgedehnten Strandpassagen ab. Der Mukolauf ist zugleich eine Benefizveranstaltung. Mit den Einnahmen und persönlichen Laufspenden werden Projekte rund um das Thema Mukoviszidose unterstützt. Der tiefe Sand macht Zeitprognosen schwierig. Genau darin liegt jedoch der Reiz. Auf Amrum geht es weniger darum, eine makellose Zwischenzeit abzuliefern. Es geht darum, mit der Insel zu laufen, nicht gegen sie.
Norderney: Laufabend mit Urlaubsatmosphäre Der NORDERNEY - meine Insel Lauf verbindet klassischen Straßenlauf mit einem sommerlichen Inselfest. Das Programm reicht vom Halbmarathon über zehn und fünf Kilometer bis zu Wettbewerben für Kinder. Auch ein kurzer Lauf für Menschen mit Hund gehört zum Angebot. Die Strecken führen über die Strandpromenade, durch die Fußgängerzone und durch die Parklandschaften der Insel. Start und Ziel liegen zentral am Kurplatz, sodass Urlaubsgäste und Einheimische den Wettkampf unmittelbar miterleben können. Weil die Hauptläufe am Abend stattfinden, verändert sich während des Rennens die Stimmung. Aus einem sonnigen Urlaubstag wird langsam ein Laufabend, während sich rund um den Kurplatz immer mehr Zuschauer versammeln. Gerade diese Mischung macht Norderney auch für Familien interessant. Während ambitionierte Läufer über zehn Kilometer oder im Halbmarathon um Zeiten kämpfen, können Kinder ihren eigenen Wettbewerb bestreiten. Anschließend bleibt genügend Zeit, den Abend gemeinsam auf der Insel ausklingen zu lassen.
Borkum: Von der Piratenmeile bis zum Viertelmarathon Der Borkumer Meilenlauf richtet sich an nahezu alle Alters- und Leistungsklassen. Das Angebot reicht vom Piratenlauf für den Nachwuchs bis zum Viertelmarathon. Auch Walking und Nordic Walking gehören zur Veranstaltung, die gewöhnlich im Spätsommer ausgetragen wird. Die verschiedenen Wettbewerbe machen den Meilenlauf zu einer Veranstaltung für die ganze Familie. Während die Jüngsten erste Wettkampferfahrungen sammeln, können erfahrene Läufer eine schnelle Strecke mit maritimer Atmosphäre genießen.
Juist: Laufen im Ort oder direkt am Strand Juist verfolgt ein besonderes Konzept. Auf dem autofreien Töwerland finden während der Urlaubssaison mehrere Inselläufe statt. Je nach Termin wird entweder am Strand oder durch den Ort gelaufen. Beim Ortslauf absolvieren Erwachsene mehrere Runden und kommen dabei auf eine Gesamtdistanz von rund 8,4 Kilometern. Für Jugendliche, Kinder und Bambini gibt es kürzere Wettbewerbe. Beim Strandlauf wartet auf die Erwachsenen eine etwa 5,4 Kilometer lange Runde, während auch hier altersgerechte Nachwuchsläufe angeboten werden. Die Veranstaltungen wirken weniger wie einmalige Großereignisse und mehr wie ein fester Bestandteil des sommerlichen Insellebens. Für Urlaubsgäste bieten sie die Gelegenheit, spontan an einem echten Laufwettbewerb teilzunehmen.
Langeoog: Vom Osterlauf bis zum Sanddornlauf Auch Langeoog verteilt seine Laufangebote über das Jahr. Beim Langeooger Osterlauf führen die Strecken durch die windgeschützte Dünenlandschaft und den Ortskern. Neben den Hauptläufen gehören Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche zum Programm.
Im Herbst bildet der Sanddornlauf einen weiteren sportlichen Höhepunkt der Insel. Angeboten werden Läufe über fünf und zehn Kilometer, Nordic Walking sowie Wettbewerbe für den Nachwuchs. Die Strecke führt unter anderem am Strand entlang, über den Schniederdamm und durch den Ortskern zurück zum Kurzentrum.
Föhr: Stadtlauf mit Meerblick Der Wyker Stadtlauf richtet sich an alle, die einen überschaubaren Inselwettkampf mit klassischen Distanzen suchen. Angeboten werden ein Hauptlauf über zehn Kilometer und ein Lauf über fünf Kilometer. Gestartet wird im Zentrum von Wyk. Die fünf Kilometer lange Rundstrecke führt durch das Stadtgebiet und wird beim Hauptlauf zweimal absolviert. Der Lauf findet gewöhnlich im Hochsommer statt und erreicht regelmäßig seine Kapazitätsgrenze.
Wangerooge: Rund um den Westturm Auf Wangerooge gehört der Westturmlauf zu den sportlichen Traditionsveranstaltungen. Die Hauptstrecke misst rund zehn Kilometer und führt durch das Dünengebiet in den Westen der Insel. Der namensgebende Westturm bildet dabei einen der markantesten Punkte der Strecke. Kürzere Wettbewerbe für Jugendliche und Kinder sowie Walkingangebote machen die Veranstaltung zu einem Lauftag für verschiedene Alters- und Leistungsklassen. Der Westturmlauf wird gewöhnlich an einem Samstag im Juni ausgetragen.
Baltrum: Der unkomplizierte Urlaubslauf Auf Baltrum steht weniger der große Wettkampf als das gemeinsame Lauferlebnis im Mittelpunkt. Der BaltrumLauf wird während der Urlaubssaison regelmäßig angeboten. Die Strecke ist etwas länger als fünf Kilometer und kann laufend, gehend oder in einer Kombination aus beidem bewältigt werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Damit eignet sich der BaltrumLauf besonders für Urlaubsgäste, die ohne großen organisatorischen Aufwand an einem maritimen Lauf teilnehmen möchten.
Sieben Inseln in acht Tagen Wer sich nicht für eine einzige Insel entscheiden kann, findet mit dem EWE-Nordseelauf die wahrscheinlich konsequenteste Lösung. Der Etappenlauf führt über alle sieben Ostfriesischen Inseln: Borkum, Norderney, Baltrum, Juist, Langeoog, Wangerooge und Spiekeroog. Innerhalb von acht Tagen werden sieben Etappen absolviert, die jeweils ungefähr zehn Kilometer lang sind. Neben der kompletten Serie können abhängig von der Ausschreibung auch einzelne Etappen gebucht werden. Laufen, Walking und Nordic Walking gehören zum Konzept. Der sportliche Teil ist nur eine Seite dieser Veranstaltung. Fähren, Gepäck, Unterkünfte und wechselnde Startzeiten machen den Nordseelauf auch organisatorisch zu einer besonderen Reise. Wegen der begrenzten Kapazitäten auf den Schiffen und der Infrastruktur der Inseln ist das Teilnehmerfeld limitiert. Die Startplätze sind deshalb häufig frühzeitig vergeben.
Was man vor einem Insellauf wissen sollte Die meisten Inselstrecken sind nicht besonders bergig. Leicht sind sie deshalb noch lange nicht. Wind kostet Kraft, vor allem wenn er über mehrere Kilometer von vorn kommt. Sand, Naturwege, Pflaster und schmale Deichpassagen können zusätzlich verhindern, dass sich ein gleichmäßiger Rhythmus entwickelt. Auch die Anreise verlangt mehr Planung als bei einem gewöhnlichen Stadtlauf. Fähren fahren teilweise abhängig von den Gezeiten, Unterkünfte sind während der Ferienzeiten schnell belegt und nicht jede Insel lässt sich nach einer späten Zielankunft noch am selben Abend verlassen. Wer eine bestimmte Inselveranstaltung laufen möchte, sollte deshalb zuerst den Startplatz sichern und unmittelbar danach Unterkunft sowie Überfahrt buchen. Bei einigen Veranstaltungen kann langes Zögern bedeuten, dass die Meldeliste bereits geschlossen ist. Ein Lauf, der bereits auf der Fähre beginnt Inselläufe sind selten die einfachste Möglichkeit, einen Wettkampf zu bestreiten. Die Anreise dauert länger, das Wetter ist unberechenbar und eine vermeintlich flache Strecke kann durch Gegenwind und Sand überraschend hart werden. Genau deshalb bleiben diese Veranstaltungen im Gedächtnis. Man läuft nicht nur eine Distanz. Man läuft durch Dünen, entlang der Brandung, über Deiche und durch kleine Inselorte. Man hört Möwen statt Straßenverkehr und sieht am Horizont häufig nichts als Himmel und Meer. Und wenn nach dem Zieleinlauf die Fähre zurück zum Festland ablegt, fühlt sich selbst ein Zehn-Kilometer-Lauf ein wenig wie eine große Reise an.
__________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |