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Monschau-Marathon 2026: 42 Kilometer, bei denen die Uhr nicht alles ist
 
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08.08.2026 

 

 
Wer am Sonntagmorgen in Konzen an der Startlinie steht, sollte seine gewohnte Marathonrechnung besser nicht zu ernst nehmen. Kilometerzeiten lassen sich planen, Zwischenzeiten berechnen und Zielzeiten hochrechnen. Doch der Monschau-Marathon hält sich nur bedingt an solche Tabellen. 767 Höhenmeter, Wald- und Wirtschaftswege, kurze Trailpassagen und einige Anstiege, die genau dort auftauchen, wo die Beine ohnehin langsam schwer werden: Die 48. Auflage am 9. August verlangt einen anderen Umgang mit den 42,195 Kilometern als ein flacher Stadtmarathon.
 
Und offenbar reizt genau das immer mehr Läufer. Ende Juli lagen dem ausrichtenden TV Konzen rund 1.650 Anmeldungen aus 38 Nationen vor. Das waren nach Angaben des Veranstaltungsumfelds etwa 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Meldungen lag damit sogar über einer früheren Rekordmarke von 1.636 Teilnehmern. Ob daraus tatsächlich ein neuer Teilnehmerrekord wird, entscheidet sich allerdings erst mit den tatsächlichen Starts.
 
Erst bergab, dann zeigt Monschau seine Zähne
 
Der klassische Marathon startet am Sonntag um 8 Uhr in Konzen. Zunächst sieht das Profil fast harmlos aus. Vom Start an der Kirche geht es leicht bergab, über Wiesen und ein kurzes Trailstück Richtung Monschau. Bereits nach rund 4,5 Kilometern erreichen die Läufer die historische Altstadt. Fachwerkhäuser, enge Straßen und das Tal der Rur liefern eine Kulisse, wegen der der Lauf zu den ungewöhnlicheren deutschen Landschaftsmarathons gehört.
 
Wer sich von den ersten Kilometern zu einem schnellen Beginn verleiten lässt, bekommt die Rechnung bald präsentiert. Nach dem tiefsten Punkt an der Kluckbachtalbrücke beginnt das Gelände zu arbeiten. Zwischen Kilometer acht und zehn folgt ein ständiges Auf und Ab, ehe in Widdau bei Kilometer 10,7 der erste Staffelwechsel wartet. Kurz darauf beginnt eine der Passagen, die erfahrene Monschau-Läufer kennen: der Anstieg durch das Holderbachtal. Auf zwei Kilometern kommen dort rund 160 Höhenmeter zusammen.
 
Das klingt auf dem Papier überschaubar. Im Marathon ist es das nicht. Wer hier versucht, seine Minuten pro Kilometer mit Gewalt zu verteidigen, kann dafür später einen hohen Preis zahlen.
 
Danach öffnet sich die Landschaft wieder. Über Waldabschnitte und die Höfener Wiesen geht es zum Brather Hof und zur Halbmarathonmarke. Es folgen das Perlenbach- und Fuhrtsbachtal, ein längerer Abschnitt bergab und anschließend wieder ein steileres Trailstück. Bei Kilometer 30 erreichen die Läufer Kalterherberg und mit etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt der Marathonstrecke.
 
Wer glaubt, damit seien die Schwierigkeiten erledigt, kennt Monschau noch nicht.
 
Bei Kilometer 34 wartet das Leyloch. Rund 90 Höhenmeter auf etwa 1,5 Kilometern stehen zu diesem Zeitpunkt noch einmal im Weg. Und selbst bei Kilometer 41 gibt es am Troisdorfer Weiher einen letzten Anstieg. Erst danach führt der Kirchturm von Konzen die Läufer zurück Richtung Ziel.
 
Der längste Tag beginnt um 5.15 Uhr
 
Während die Marathonläufer um 8 Uhr starten, sind andere zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden unterwegs. Um 5.15 Uhr beginnt der K70 über 70 Kilometer, um 6 Uhr folgt der K56 über 56 Kilometer. Der sogenannte Genuss-Marathon startet um 6.15 Uhr, bevor um 8 Uhr der klassische Marathon und die Staffeln auf die Strecke gehen.
 
Gerade der K70 verschiebt die Dimension des Laufwochenendes noch einmal. 70 Kilometer und rund 1.100 Höhenmeter stehen dort im Programm. Die zusätzlichen Kilometer führen unter anderem hinauf zum Steling und durch das Hohe Venn, bevor die Läufer auf die eigentliche Marathonrunde wechseln. Bereits auf den ersten Kilometern wechseln befestigte Abschnitte, Wiesen und kurze Trails. Anschließend wartet praktisch noch ein kompletter Monschau-Marathon.
 
Damit hat sich aus einem klassischen Landschaftsmarathon längst ein Laufwochenende entwickelt, das sehr unterschiedliche Ausdauerwelten zusammenbringt.
 
Max Schreiber trifft auf die Monschauer Vergangenheit
 
Auch sportlich lohnt der Blick auf das Rennen. Besonders viel Aufmerksamkeit dürfte Max Schreiber vom TV Konzen bekommen. Der 25-Jährige stammt aus dem Ort, gehörte in den vergangenen Jahren bereits zur Spitze des Rennens und geht 2026 mit Ambitionen auf einen vorderen Platz an den Start. Die Geschichte wäre fast zu passend geschrieben: Ein Läufer aus Konzen versucht ausgerechnet beim Heimrennen den nächsten Schritt zu machen.
 
Zu seinen Konkurrenten gehört mit André Collet einer der prägendsten Läufer in der Geschichte der Veranstaltung. Collet hat den Monschau-Marathon mehrfach gewonnen und besitzt darüber hinaus eine außergewöhnliche Ultramarathon-Vita. 2022 lief er bei der 100-Kilometer-Weltmeisterschaft 6:38:51 Stunden und stellte damit den damaligen Weltrekord der Altersklasse M50 auf.
 
Mit dem dreifachen Monschau-Sieger Markus Werker und Raoul Janning sind weitere erfahrene Namen angekündigt. Auf den Ultradistanzen gehören unter anderem Joanna Tallmann und Felix Weber zum gemeldeten Feld. Tallmann hält aktuell die Streckenrekorde der Frauen sowohl über 56 Kilometer mit 4:18:57 Stunden als auch über 70 Kilometer mit 5:48:06 Stunden.
 
Damit dürfte der Sonntag zwei sehr unterschiedliche Geschichten erzählen. Vorne geht es um Platzierungen und möglicherweise um Zeiten. Dahinter geht es für einen großen Teil des Feldes vor allem darum, diese Strecke vernünftig einzuteilen.
 
Das Wetter könnte zum zusätzlichen Gegner werden
 
Für die Läufer spricht zunächst der frühe Start. Für Sonntagmorgen werden in Monschau um 5 Uhr etwa 13 Grad erwartet. Zum Marathonstart um 8 Uhr sollen es ungefähr 17 Grad sein. Danach steigt die Temperatur jedoch deutlich an. Gegen Mittag werden etwa 25 Grad prognostiziert, am frühen Nachmittag bis zu 27 Grad. Regen ist nach der derzeitigen Vorhersage zunächst nicht zu erwarten.
 
Für schnelle Marathonläufer dürfte das nur begrenzt zum Problem werden. Wer fünf oder sechs Stunden unterwegs ist, erreicht dagegen die wärmere Tagesphase. Noch stärker betrifft das die Teilnehmer des K70. Bei 70 Kilometern, 1.100 Höhenmetern und entsprechend langer Belastungsdauer kann die Temperatur zum zusätzlichen Faktor werden.
 
Die zahlreichen Verpflegungsstellen bekommen damit besondere Bedeutung. Für den Marathon nennt der Veranstalter zwölf Verpflegungsstellen einschließlich der Versorgung im Ziel. Auf den Ultrastrecken stehen entsprechend mehr Stationen zur Verfügung.
 
Warum Monschau anders funktioniert
 
Bei großen Stadtmarathons lässt sich die Strecke häufig auf wenige Fragen reduzieren: Ist sie schnell? Gibt es viele Kurven? Wo stehen die Tempomacher? Wie gut ist die Chance auf Bestzeit?
 
In Monschau greifen diese Maßstäbe nur teilweise.
 
Natürlich wird auch hier um Zeiten gekämpft. Der Männer-Streckenrekord von Michael Reuel steht seit 1990 bei 2:33:12 Stunden, bei den Frauen hält Rita Ehmann seit 1998 die Bestmarke von 2:56:15 Stunden. Dass beide Rekorde seit Jahrzehnten Bestand haben, sagt einiges über die Strecke.
 
Der Reiz des Rennens liegt deshalb weniger darin, 42,195 Kilometer möglichst gleichmäßig abzuarbeiten. Die Strecke verändert ständig ihren Charakter. Altstadt folgt auf Wald, Gefälle auf steilen Anstieg, ruhige Naturpassage auf Stimmung in den Ortschaften. In Widdau und Kalterherberg liegen Staffelwechselpunkte, später führen die Kilometer vorbei am Kloster Reichenstein und über Mützenich zurück nach Konzen.
 
Vielleicht erklärt gerade das die hohe Zahl der Meldungen besser als jede Werbebotschaft. Es gibt inzwischen Marathons, bei denen fast alles optimiert ist: Strecke, Tempo, Pacemaker und Zielzeit. Monschau bietet das Gegenmodell. Hier darf ein Kilometer erheblich länger dauern als der vorherige, ohne dass etwas schiefgelaufen sein muss.
 
Am Sonntag werden die ersten Teilnehmer des 70-Kilometer-Laufs deshalb bereits im Morgengrauen unterwegs sein. Stunden später werden noch immer Läufer durch die Eifel ziehen. Einige kämpfen um den Sieg, andere um eine bestimmte Zeit und viele vermutlich nur noch um den nächsten Anstieg.
 
Und genau darin liegt die Besonderheit dieses Marathons: In Monschau entscheidet nicht allein, wie schnell jemand 42,195 Kilometer laufen kann. Entscheidend ist, wie gut er mit allem zurechtkommt, was auf diesen 42,195 Kilometern dazwischenliegt.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln