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Wer sich beim Laufen selbst filmen möchte, kennt das Problem. Das Smartphone wird auf ein Stativ gestellt, man läuft daran vorbei, kehrt zurück, verändert die Position und beginnt von vorn. Für eine zehn Sekunden lange Sequenz können schnell mehrere Minuten Aufwand entstehen. Eine Drohne löst zumindest das Problem der bewegten Kamera. Dafür kommen neue hinzu: Startplatz, Flugregeln, andere Menschen, Wind, Akkulaufzeit und nicht zuletzt das Geräusch über dem Kopf. Mondo Robotics versucht nun einen dritten Weg. Die Kamera fliegt nicht. Sie fährt hinterher. Beni heißt der kompakte Kamera-Roboter, der auf zwei motorisierten Rädern unterwegs ist und dabei ein wenig an eine Mischung aus Roboterhund und ferngesteuertem Fahrzeug erinnert. Rund 1,75 Kilogramm bringt er auf die Waage. Seine Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 17,9 mph an, also knapp 29 km/h. Damit liegt zumindest die theoretische Geschwindigkeit deutlich über dem Tempo, das für die meisten Laufeinheiten erforderlich ist. Ein Roboter, der seinen Läufer im Blick behält Das Entscheidende an Beni ist nicht allein die Kamera, sondern das Zusammenspiel aus Bilderkennung, Tracking und Fahrwerk. Im sogenannten Follow-Modus erkennt der Roboter eine Person visuell und versucht anschließend, Position und Bildausschnitt selbstständig zu halten. Nach Angaben des Herstellers läuft die grundlegende Erkennung direkt auf dem Gerät. Für das eigentliche Verfolgen und Filmen ist deshalb keine permanente Internetverbindung erforderlich. Zusätzlich gibt es einen kleinen Motion Tracker, der am Handgelenk oder an der Kleidung getragen werden kann und auch für die manuelle Steuerung verwendet wird. Dabei muss Beni nicht einfach nur hinter seinem Besitzer herfahren. Verschiedene Kameraperspektiven sind vorgesehen. Der Roboter kann von hinten folgen, seitlich mitfahren oder andere Bewegungsmuster ausführen. Erste Praxistests zeigen, dass sich entsprechende Perspektiven auswählen lassen und Beni anschließend versucht, Bewegung und Bildausschnitt selbstständig zu kontrollieren. Gerade beim Laufen wird diese Funktion interessant. Ein Läufer könnte beispielsweise eine Tempolaufeinheit absolvieren, während Beni einige Meter seitlich versetzt mitfährt. Ebenso denkbar sind Aufnahmen von hinten, bei denen Beinachse, Fußaufsatz oder die Bewegung des Oberkörpers sichtbar werden. Für Laufvideos entstehen damit Bilder, für die bislang normalerweise eine zweite Person mit Kamera oder ein deutlich aufwendigerer Aufbau erforderlich war. Und anders als ein Stativ bewegt sich die Perspektive mit. 4K ist nur ein Teil der Geschichte Die integrierte Kamera zeichnet mit maximal 4K und 30 Bildern pro Sekunde auf. Alternativ stehen 3K mit 60 Bildern pro Sekunde sowie Full HD mit höheren Bildraten zur Verfügung. Gerade die schnelleren Aufnahmemodi können für Sport interessant sein, weil Bewegungsabläufe anschließend verlangsamt betrachtet werden können. 32 Gigabyte Speicher befinden sich direkt im Gerät. Zusätzlich lässt sich eine microSD-Karte einsetzen. Mondo Robotics nennt außerdem Bildstabilisierung und eine automatische Horizontkorrektur. Von der Angabe „4K“ allein sollte man sich allerdings nicht zu stark beeindrucken lassen. Für die Qualität einer Sportkamera sind unter anderem Sensor, Objektiv, Lichtverhältnisse, Bildstabilisierung und Datenverarbeitung entscheidend. Ausführliche technische Angaben zu allen Komponenten liegen bislang nicht in dem Umfang vor, wie man sie von etablierten Actioncams kennt. Für Social Media, Trainingsvideos und dynamische Laufaufnahmen dürfte ohnehin eine andere Frage wichtiger sein: Hält Beni den Läufer tatsächlich zuverlässig im Bild? Genau hier wird es interessant Die ersten unabhängigen Tests liefern ein gemischtes, insgesamt aber bemerkenswert positives Bild. Tom's Guide ließ den Roboter unter anderem einem E-Bike folgen und schickte ihn über Erde, Kies und unebenen Untergrund. Geschwindigkeit und Fahrstabilität überzeugten im Test. Selbst nach Stürzen konnte sich Beni wieder aufrichten und weiterfahren. Gleichzeitig verlor der Roboter sein Motiv gelegentlich und kollidierte in einzelnen Situationen mit festen Hindernissen wie Pfosten oder Zäunen. Danach musste das Tracking teilweise neu gestartet werden. Ähnliche Beobachtungen machte The Verge. Dort fuhr Beni bei einem Praxistest unter anderem gegen Wände, nahm manche Kurven zu eng und erwischte einmal sogar den Fuß des Testers. Beim normalen Folgen auf freier Fläche funktionierte das System deutlich besser. Besonders auffällig ist die mechanische Beweglichkeit. Beni kann Treppen beziehungsweise Stufen sowohl hinauf- als auch hinunterfahren und sich nach einem Sturz selbstständig wieder aufrichten. Für Läufer ist das eine wichtige Einordnung. Beni ist derzeit kein autonomer Kameramann, den man auf einem verwinkelten Waldtrail einschaltet und anschließend für zwei Stunden vergisst. Auf einer übersichtlichen Laufbahn, einem breiten Parkweg oder einer freien Asphaltfläche sind die Voraussetzungen wesentlich günstiger. Und genau dort dürfte der Roboter seine stärksten Bilder liefern. Für die Laufanalyse eröffnet die tiefe Perspektive Möglichkeiten Die Kamera sitzt zwangsläufig relativ dicht über dem Boden. Für klassische Filmaufnahmen kann das einschränkend sein. Genau diese niedrige Perspektive kann beim Laufen aber auch interessant werden. Eine seitlich mitfahrende Kamera dicht über dem Boden kann ungewöhnlich klare Bilder von Fußaufsatz und Unterschenkel erzeugen. Von hinten lassen sich Spurbreite und Beinbewegung beobachten. Trainer könnten einen Sportler außerdem über einen längeren Streckenabschnitt aus annähernd gleichbleibender Distanz aufnehmen, statt lediglich einen kurzen Vorbeilauf vor einer stationären Kamera zu erhalten. Für eine standardisierte biomechanische Laufanalyse ersetzt Beni allerdings keine gezielt positionierte Kamera. Dort sind definierte Blickwinkel, Entfernungen und Kamerahöhen wichtiger als spektakuläre Kamerabewegungen. Als Ergänzung für Technikvideos, Trainingsbeobachtung und anschauliche Bewegungsaufnahmen könnte der Roboter dagegen durchaus interessant sein. Auch für schnelles Training theoretisch schnell genug Mit maximal knapp 29 km/h besitzt Beni auf dem Papier genügend Geschwindigkeitsreserve für Dauerläufe, Tempoläufe und viele Intervallformen. Eine theoretische Höchstgeschwindigkeit auf glattem Untergrund darf allerdings nicht mit der möglichen Tracking-Geschwindigkeit unter allen Bedingungen gleichgesetzt werden. Gras, Kies, Kurven, Unebenheiten und Richtungswechsel stellen zusätzliche Anforderungen an Fahrwerk und Steuerung. Gerade auf einer 400-Meter-Bahn wäre deshalb weniger der reine Antrieb spannend als das Kurvenverhalten. Ein Roboter, der seitlich neben einem Läufer fährt, muss gleichzeitig Tempo, Abstand, Kurvenradius und Bildausschnitt kontrollieren. Auf einer freien Bahn könnte daraus eine ungewöhnlich dynamische Kamerafahrt entstehen. Im normalen Vereinsbetrieb sieht die Sache anders aus. Zwischen mehreren Trainingsgruppen möchte man einen kleinen autonomen Roboter kaum durch die Laufbahnen fahren lassen. Beni dürfte vor allem dort sinnvoll sein, wo ausreichend Platz vorhanden ist und andere Sportler nicht behindert werden. Rund anderthalb Stunden pro Akku Die offizielle Spezifikation nennt etwa 1,5 Stunden Laufzeit pro Akku. Die Batterie lässt sich austauschen. Mit mehreren Akkus sind entsprechend längere Einsätze möglich. Damit reicht eine Akkuladung für viele klassische Trainingseinheiten aus. Bei längeren Läufen stellt sich ohnehin die Frage, ob tatsächlich 90 Minuten Videomaterial benötigt werden. Für Content Creator ist deshalb auch die Weiterverarbeitung interessant. Aus ausgewählten Clips soll die Software kurze Zusammenschnitte erstellen können. Während Tracking und Aufnahme weitgehend lokal funktionieren, können zusätzliche KI-Funktionen für die Bearbeitung eine Online-Verbindung benötigen. Die Aufnahmen werden zunächst auf dem Gerät beziehungsweise der eingesetzten Speicherkarte gespeichert. Outdoor-Sportler sollten außerdem beachten, dass Beni zwar für den Einsatz draußen entwickelt wurde, aber keine Actioncam ist, die man bedenkenlos jedem Wetter aussetzt. Starker Regen oder das vollständige Eintauchen in Wasser gehören nicht zum vorgesehenen Einsatzgebiet. Noch kein gewöhnliches Serienprodukt Bei aller Begeisterung über die Technik darf ein Punkt nicht untergehen: Beni befindet sich aktuell noch in der Crowdfunding- beziehungsweise Markteinführungsphase. Die Kickstarter-Kampagne läuft bis zum 6. September 2026. Der Einstiegspreis liegt derzeit bei 549 US-Dollar. Als späteren regulären Verkaufspreis nennt Mondo Robotics 799 US-Dollar. Deutschland gehört nach Angaben des Unternehmens zu den vorgesehenen Lieferländern. Für Kickstarter-Unterstützer wird derzeit Oktober 2026 als geplanter Liefertermin genannt. Bei einer Bestellung aus Deutschland können je nach Versand- und Importabwicklung zusätzliche Kosten entstehen. Der Dollarpreis ist deshalb nicht automatisch mit dem endgültigen Endpreis für deutsche Käufer gleichzusetzen. Hinzu kommt das grundsätzliche Risiko einer Crowdfunding-Kampagne. Produktionsversion, Softwarefunktionen und Liefertermine können sich noch verändern. Hinter dem Projekt steckt allerdings durchaus Robotik-Erfahrung. Mitgründer und Technikchef Shuo Yang arbeitete zuvor am Optimus-Roboter von Tesla und promovierte an der Carnegie Mellon University im Bereich Robotik. Mondo Robotics wurde 2025 gegründet und arbeitet mit Teams in Palo Alto und Shenzhen. Die Kamera, die einfach mitläuft Für Läufer ist Beni vor allem deshalb interessant, weil der Roboter eine bislang wenig besetzte Lücke zwischen Actioncam, Smartphone und Drohne füllt. Das Smartphone auf dem Stativ liefert zuverlässig ein gutes Bild, bewegt sich aber keinen Zentimeter. Eine Drohne kann spektakuläre Verfolgungsaufnahmen produzieren, ist jedoch technisch und organisatorisch aufwendiger. Eine Actioncam muss normalerweise getragen, befestigt oder von jemand anderem geführt werden. Beni rollt einfach mit. Noch verliert er gelegentlich sein Motiv. Noch können Hindernisse Probleme bereiten. Und die Perspektive dicht über dem Boden wird nicht für jede Aufnahme geeignet sein. Von einem vollkommen autonomen Kameramann zu sprechen, wäre deshalb verfrüht. Die eigentliche Idee dahinter ist dennoch bemerkenswert: Der Läufer muss nicht mehr durch das Bild einer feststehenden Kamera laufen. Die Kamera bewegt sich selbst mit und versucht, den Sportler automatisch im Bild zu halten. Sollte Mondo Robotics das Tracking bis zur Serienversion weiter stabilisieren, könnte aus dem derzeit noch etwas verspielten Kamera-Roboter ein durchaus ernst zu nehmendes Werkzeug für Lauftrainer, Vereine und Sport-Content Creator werden. Stand der Produkt- und Kickstarter-Angaben: 9. August 2026. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |