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Gabriel Kusserow gewinnt den 48. Monschau-Marathon in gut 2:37 Stunden, Julia Schneider setzt sich bei den Frauen durch. Die spektakulärsten Zeiten des Tages fallen jedoch auf der 70-Kilometer-Distanz: Felix Weber und Joanna Tallmann verbessern beide Streckenrekorde deutlich. Als Gabriel Kusserow am Sonntag auf dem Dorfplatz in Konzen ins Ziel läuft, liegt ein Marathon hinter ihm, bei dem eine Endzeit allein nur einen Teil der Leistung erzählt. 42,195 Kilometer sind es auch in Monschau. Doch mit rund 760 Höhenmetern, langen Anstiegen, Gefällpassagen, Waldwegen und dem ständigen Wechsel des Rhythmus hat der Eifelklassiker wenig mit jenen Stadtmarathons gemeinsam, bei denen sich Kilometer für Kilometer ein gleichmäßiges Tempo laufen lässt. Kusserow bewältigt diesen Kurs in gut 2:37 Stunden und gewinnt damit die 48. Auflage des Monschau-Marathons. Der Läufer des LT Ennert war keineswegs als Unbekannter angereist. Im März hatte er bereits den Königsforst-Marathon in 2:32:11 Stunden gewonnen. In Monschau bestätigte er nun, dass ihm auch ein deutlich anspruchsvolleres Streckenprofil liegt. Der traditionsreiche Streckenrekord von Michael Reuel aus dem Jahr 1990 bleibt allerdings bestehen. Er steht weiterhin bei 2:33:12 Stunden. Kusserows Leistung bewegt sich damit nur rund vier Minuten über einer Bestmarke, die mittlerweile seit 36 Jahren Bestand hat. Die Lokalmatadore laufen weit nach vorn Hinter dem Sieger sorgten vor allem zwei Läufer aus der Region für Aufmerksamkeit. Max Schreiber vom TV Konzen erreichte nach rund 2:47 Stunden als Fünfter das Ziel. Markus Werker, dreimaliger Sieger des Monschau-Marathons, belegte in etwa 2:49 Stunden Rang sieben. Für Kusserow bedeutete der Erfolg zugleich eine deutlich schnellere Siegerzeit als im Vorjahr. 2025 hatte Fabian Rahn den Marathon in 2:42:37 Stunden gewonnen. Damals war Joanna Tallmann mit 2:59:51 Stunden sogar unter der Drei-Stunden-Marke geblieben und hatte eine der schnellsten Frauenzeiten in der Geschichte der Veranstaltung erzielt. Diesmal entschied sich Tallmann für eine erheblich längere Aufgabe. Und genau dort sollte die sportlich vielleicht bemerkenswerteste Geschichte dieses Marathon-Sonntags entstehen. Julia Schneider gewinnt das Frauenrennen Im klassischen Marathon der Frauen setzte sich Julia Schneider durch. Sie erreichte das Ziel nach 3:40:25 Stunden und lag damit rund sechs Minuten vor der Zweitplatzierten. Wer diese Zeit mit Ergebnissen flacher Stadtmarathons vergleicht, verpasst allerdings den Charakter des Rennens. Der Monschau-Marathon verlangt nicht nur Ausdauer über 42 Kilometer. Rund 760 Höhenmeter müssen im Verlauf der Runde bewältigt werden. Die Strecke führt von Konzen unter anderem über Widdau, durch das Perlenbach- und Fuhrtsbachtal, nach Kalterherberg und Mützenich, bevor der letzte Anstieg zurück nach Konzen wartet. Gerade auf den letzten Kilometern können aus vermeintlich komfortablen Vorsprüngen schnell kleine Polster werden. Schneider brachte ihres sicher ins Ziel. Weber und Tallmann brechen die K70-Rekorde Während im Marathon um Platzierungen gekämpft wurde, verschoben Felix Weber und Joanna Tallmann auf der längsten Distanz die Maßstäbe der Veranstaltung. Der K70 umfasst 70 Kilometer und rund 1.100 Höhenmeter. Schon um 6.15 Uhr wurden die Läufer auf die Strecke geschickt. Das allein macht deutlich, dass dieser Wettbewerb weit mehr ist als ein verlängerter Marathon. Zusätzliche Kilometer und Höhenmeter führen zunächst unter anderem in Richtung Hohes Venn, ehe große Teile der klassischen Marathonrunde folgen. Bei den Männern gewann Felix Weber in etwa 4:48 Stunden. Der bisherige Streckenrekord hatte bei 5:09:50 Stunden gelegen und stammte von Dominik Welzel aus dem Jahr 2025. Weber unterbot diese Marke damit um mehr als 20 Minuten. Das ist auf 70 profilierten Kilometern keine kleine Verbesserung. Weber setzte dem Wettbewerb eine neue Bestmarke, die deutlich unter dem bisherigen Rekord liegt. Auch Joanna Tallmann schrieb die Rekordliste neu. Sie benötigte rund 5:29 Stunden und verbesserte damit ihre eigene bisherige Bestmarke von 5:48:06 Stunden aus dem Jahr 2023 um fast 19 Minuten. Tallmann kennt die Veranstaltung inzwischen außergewöhnlich gut. Neben ihrem bisherigen K70-Rekord hält sie auch den Frauenrekord über 56 Kilometer mit 4:18:57 Stunden aus dem Jahr 2024. Dass sie nun auf der längsten Strecke erneut so deutlich nachlegen konnte, gehört zu den herausragenden Leistungen dieses Wochenendes. Dass an einem Tag sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen der Streckenrekord über 70 Kilometer fällt, dürfte als eine der sportlich auffälligsten Geschichten dieser noch jungen K70-Historie in Erinnerung bleiben. Die Distanz gehört seit 2022 zum Programm des Monschau-Marathons. Markus Mey gewinnt über 56 Kilometer Auch auf der traditionsreicheren Ultradistanz über 56 Kilometer trug sich ein bekanntes Gesicht in die Siegerliste ein. Markus Mey gewann den K56 in rund 4:18 Stunden. Bei den Frauen setzte sich Urdter Herrebout in etwa 4:45 Stunden durch. Mey kennt das Siegerpodest in Konzen bestens. Bereits 2023 hatte er den klassischen Marathon in 2:50:43 Stunden gewonnen. Sein Wechsel auf die längere Distanz brachte ihm nun einen weiteren Erfolg beim Monschau-Marathon. Der Streckenrekord über 56 Kilometer blieb diesmal unangetastet. Bei den Männern steht er seit 2017 bei 3:39:44 Stunden durch Kay-Uwe Müller. Bei den Frauen hält Joanna Tallmann mit ihren 4:18:57 Stunden von 2024 weiterhin die Bestmarke. Mehr als ein Rennen über 42 Kilometer Mehr als 1.650 Meldungen aus 38 Nationen waren vor dem Wochenende registriert. Nach der Veranstaltung war von mehr als 1.500 Athleten und über 400 Menschen die Rede, die an der Organisation des Sportfestes beteiligt waren. Neben Marathon, K56 und K70 gehören Staffeln, Genuss-Marathon sowie verschiedene Wettbewerbe am Samstag zum Programm. Der TV Konzen richtet den Lauf seit der Premiere 1977 aus. Start und Ziel liegen bis heute in Konzen. Das Rennen führt nicht einfach durch eine Landschaft, sondern durch mehrere Orte, vorbei an Zuschauerpunkten, Verpflegungsstellen und Abschnitten, die über Jahrzehnte zu festen Bestandteilen der Veranstaltung geworden sind. Auch Peter Borsdorff gehörte wieder zu diesem Bild. Im Rahmen seiner Initiative „Running for Kids“ sammelte er während des Laufwochenendes Spenden und übergab jeweils 1.026 Euro an die Kindertagesstätten in Monschau und Konzen. Am Ende stehen deshalb mehrere Geschichten nebeneinander. Gabriel Kusserow gewinnt einen der anspruchsvollsten traditionsreichen Landschaftsmarathons Deutschlands in einer bemerkenswert schnellen Zeit. Julia Schneider setzt sich im Frauenrennen durch. Markus Mey erweitert seine Monschauer Erfolgsgeschichte. Und Felix Weber und Joanna Tallmann sorgen dafür, dass die Rekordtafeln über 70 Kilometer neu geschrieben werden müssen. Bei einem Lauf, dessen Strecke schnelle Zeiten nicht gerade verschenkt, sind diese beiden Rekorde vielleicht die stärksten sportlichen Ausrufezeichen des 48. Monschau-Marathons. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |