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Dahlke und Schuhenn mit Streckenrekorden im Kölner Regen
 
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13.09.2026 

 

Start Kölsche Runde
 
Streckenrekorde im Kölner Regen: Dahlke und Schuhenn gewinnen den Brückenlauf
 
Ideale Lauftemperaturen, später kräftiger Regen, stark gestiegene Teilnehmerzahlen und schnelle Zeiten: Der Brückenlauf des ASV Köln zeigte am Sonntag, wie unterschiedlich ein Laufvormittag innerhalb weniger Minuten aussehen kann. Während bei der Kölschen Runde über 11,11 Kilometer besonders viele Frauen das Bild prägten, öffnete der Himmel beim Halbmarathon seine Schleusen. An der Spitze ließen sich die Schnellsten davon kaum beeindrucken.**
 
Als um 9 Uhr die „Kölsche Runde“ gestartet wurde, sah es zunächst nach ziemlich guten Laufbedingungen aus. Rund 18 Grad, bedeckter Himmel und etwas Nieselregen empfingen die Läuferinnen und Läufer am Rheinauhafen. Warm genug, um nicht zu frieren, kühl genug für schnelles Laufen.
 
1.603 Teilnehmer gingen über die für Köln passend gewählten 11,11 Kilometer auf die Strecke. Dabei zeigte sich die Kölsche Runde besonders weiblich: 890 Frauen standen 713 Männern gegenüber. Mehr als jede zweite Person im Feld war damit eine Läuferin. Gerade auf der kürzeren Distanz sorgten die Frauen also nicht nur sportlich, sondern auch zahlenmäßig für ein starkes Bild.
 
Annaji und Schmidt gewinnen die Kölsche Runde
 
Sportlich setzte sich bei den Männern Imad Annaji vom gastgebenden ASV Köln durch. Er erreichte nach 37:39 Minuten das Ziel und hatte damit knapp eine Minute Vorsprung auf Max Kreitner, der 38:36 Minuten benötigte. Dahinter wurde es eng. Robin Klein von Milers Colonia 2020 folgte lediglich eine Sekunde später in 38:37 Minuten auf Rang drei.
 
Annaji ist erst seit dieser Saison für den ASV Köln unterwegs und gehört dort zum Laufteam von Jonas Fischer. Seine Stärke liegt auf den langen Distanzen. Seine Halbmarathon-Bestzeit steht bei 1:05:47 Stunden, über zehn Kilometer lief er im März dieses Jahres in Leverkusen 30:52 Minuten. Der Sieg vor heimischer Kulisse passte damit zu seiner sportlichen Entwicklung.
 
Bei den Frauen war Sarah Schmidt von Milers Colonia 2020 die Schnellste. Mit 43:31 Minuten gewann sie vor Vanessa Plath, die nach 44:20 Minuten ins Ziel kam. Nele Carina Hemmert vom ASV Köln komplettierte in 48:02 Minuten das Podium.
 
Schmidt bringt dabei eine bemerkenswerte Vergangenheit von der Mittelstrecke mit. 2015 gewann sie bei den U20-Europameisterschaften Silber über 800 Meter und lief im selben Jahr mit 2:01,44 Minuten ihre persönliche Bestzeit. 2018 wurde sie über 800 Meter Deutsche Vizemeisterin. Inzwischen ist die 1996 geborene Läuferin auch auf deutlich längeren Distanzen unterwegs. Beim Köln-Halbmarathon 2025 erreichte sie nach 1:23:20 Stunden das Ziel.
 
Damit war der erste große Wettbewerb des Vormittags beendet. Zu diesem Zeitpunkt deutete sich allerdings bereits an, dass der Halbmarathon eine deutlich nassere Angelegenheit werden würde.
 
Start Halbmarathon
 
Start vor der Kulisse der Kranhäuser

 
Um 10 Uhr versammelte sich das Halbmarathonfeld am Harry-Blum-Platz. Der eigene Startbereich im Rheinauhafen bot dabei eine Kulisse, die unverkennbar Köln war. Direkt hinter den Läuferinnen und Läufern ragten die Kranhäuser in den grauen Himmel. Viel mehr Großstadtatmosphäre lässt sich für einen Start am Rhein kaum bekommen.
 
Die Strecke führt über die klassische Halbmarathondistanz. Der Start befindet sich am Harry-Blum-Platz, das Ziel auf dem Vorplatz des Schokoladenmuseums.
 
Während sich die Kölsche Runde noch mit etwas Nieselregen begnügen durfte, wurde es nun richtig nass. Im Verlauf des Halbmarathons regnete es zeitweise kräftig. Rund 6,2 Millimeter Niederschlag kamen zusammen. Die Temperaturen um 18 Grad blieben grundsätzlich läuferfreundlich, doch nasse Straßen und zunehmend durchnässte Kleidung machten aus dem Rennen eine andere Herausforderung als noch eine Stunde zuvor.
 
Gerade im großen Feld zeigte sich dabei, was einen Halbmarathon jenseits der Spitzenzeiten ausmacht. Für die einen ging es um Sekunden und persönliche Bestleistungen, für andere darum, die 21,0975 Kilometer überhaupt erstmals zu bewältigen. Der kräftige Regen machte das Vorhaben nicht angenehmer. Aufgeben wollte deshalb aber kaum jemand.
 
Die schnellsten Läufer störte das Wetter offenbar ohnehin wenig.
 
Nores und Dahlke
 
Dahlke und Nores gemeinsam unter dem alten Streckenrekord

 
Jonathan Dahlke und Max Nores vom TSV Bayer 04 Leverkusen bestimmten das Rennen an der Spitze. Am Ende führte sie ihr gemeinsamer Lauf praktisch zeitgleich ins Ziel. Für beide wurden 1:06:43 Stunden gestoppt. Dahlke wurde als Sieger gewertet, Nores belegte Rang zwei.
 
Damit unterboten beide den bisherigen Streckenrekord deutlich. Vor dem Rennen hatte die Bestmarke von Ayoub Chalgoum bei 1:07:46 Stunden gelegen.
 
Dahlke gehört seit Jahren zu den stärkeren deutschen Langstreckenläufern. Seine persönliche Halbmarathon-Bestzeit liegt bei 1:02:29 Stunden. Über 10.000 Meter stehen 28:27,87 Minuten in seiner Bilanz, im Juni dieses Jahres lief er über 5.000 Meter in Vilnius 13:47,03 Minuten. Dass der 31-Jährige auch auf der Straße über längere Distanzen zu Hause ist, machte sein Auftritt in Köln einmal mehr deutlich.
 
Hinter dem Leverkusener Duo entstand eine deutliche Lücke. Phil Lembach vom SRL Triathlon Koblenz sicherte sich in 1:16:49 Stunden den dritten Platz.
 
Dass zwei Läufer gemeinsam die bisherige Bestmarke derart klar unterboten, verlieh dem Rennen an der Spitze eine besondere Note.
 
Schuhenn sorgt für den Heimsieg
 
Bei den Frauen setzte sich Therese Schuhenn vom ASV Köln durch. Sie gewann den Halbmarathon in 1:21:50 Stunden und sorgte damit für einen Heimsieg des Veranstaltervereins. Auch sie blieb unter dem bisherigen Streckenrekord. Nora Schmitz hatte die Bestmarke zuvor mit 1:22:28 Stunden gehalten.
 
Dabei kommt Schuhenn sportlich eigentlich von den deutlich kürzeren Distanzen. Erst Ende Juli belegte die 23-Jährige bei den Deutschen Meisterschaften über 1.500 Meter einen starken sechsten Platz. Im Vorlauf hatte sie ihre persönliche Bestzeit auf 4:19,49 Minuten verbessert. Dass sie auch über 21,1 Kilometer ausgesprochen konkurrenzfähig ist, zeigte sie bereits im Frühjahr: Beim Bonn-Halbmarathon wurde sie in 1:18:25 Stunden Dritte.
 
Roberta Rena Moczigemba folgte in Köln in 1:24:52 Stunden auf dem zweiten Platz. Lara Silva erreichte nach 1:28:22 Stunden als Dritte das Ziel.
 
Zusätzliche sportliche Bedeutung erhielt der Halbmarathon durch die Meisterschaften der LVN-Region Südost, die in das Rennen integriert waren.
 
Bei den Männern ging der Meistertitel an Gesamtsieger Jonathan Dahlke vom TSV Bayer 04 Leverkusen. Bei den Frauen verband Therese Schuhenn ihren Gesamtsieg mit dem Titelgewinn für den ASV Köln.
 
Die Halbmarathon-Idee geht auf
 
Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Zeiten an der Spitze ist die Entwicklung der Teilnehmerzahlen.
 
Bei der Kölschen Runde waren 2025 noch 1.223 Finisher gezählt worden. In diesem Jahr standen 1.603 Teilnehmer in der Bilanz. Das entspricht einem Zuwachs von rund 31 Prozent.
 
Noch wesentlich deutlicher fällt die Entwicklung beim Halbmarathon aus. 1.394 Läuferinnen und Läufer erreichten bei der Premiere im vergangenen Jahr das Ziel. Diesmal waren es 2.920. Damit hat sich die Zahl innerhalb nur eines Jahres mehr als verdoppelt.
 
Insgesamt stieg die Zahl von 2.617 im vergangenen Jahr auf 4.523 bei den beiden großen Wettbewerben in diesem Jahr. Das sind 1.906 mehr und entspricht einem Wachstum von knapp 73 Prozent.
 
Diese Zahlen zeigen ziemlich deutlich, dass die Idee aufgegangen ist, aus dem traditionsreichen Brückenlauf eine Veranstaltung mit der klassischen Halbmarathondistanz als sportlichem Mittelpunkt zu entwickeln. 2025 war der offizielle, bestenlistenfähige Halbmarathon erstmals Bestandteil des neuen Konzepts. Schon damals hatte sich abgezeichnet, dass die Distanz einen Nerv der Kölner Laufszene trifft. Ein Jahr später liefert die Entwicklung der Teilnehmerzahlen dafür ein noch deutlicheres Argument.
 
Und das Ende des Wachstums muss damit noch nicht erreicht sein. Das großzügige Veranstaltungsgelände im Rheinauhafen bietet durchaus noch Platz, um künftig weitere Teilnehmer aufzunehmen.
 
Großes Feld, aber kein Gedränge
 
Dass ein Teilnehmerzuwachs in dieser Größenordnung organisatorisch erst einmal bewältigt werden muss, zeigte sich besonders beim Start. Die Läuferinnen und Läufer wurden in Blöcken auf die Strecke geschickt. Dadurch entzerrte sich das Feld von Beginn an. Größeres Gedränge oder ein gegenseitiges Überlaufen blieben aus.
 
Auch auf der Strecke verlief der Wettbewerb ohne erkennbare Probleme. Die Laufwege waren sehr gut abgesperrt und für die Teilnehmer jederzeit eindeutig zu erkennen. Gerade bei einer Veranstaltung mit mehreren tausend Menschen auf einem innerstädtischen Kurs ist das keine Nebensache. Zahlreiche Verpflegungsstellen entlang der Strecke sorgten zudem dafür, dass die Läufer regelmäßig versorgt wurden.
 
Und vielleicht war das beste Zeugnis für den Veranstaltungstag ohnehin im Ziel zu sehen. Trotz des kräftigen Regens kamen viele Läuferinnen und Läufer mit glücklichen und zufriedenen Gesichtern zurück auf das Hafengelände. Nass waren am Ende fast alle. Die Freude über die geschaffte Strecke, eine schnelle Zeit oder den ersten Halbmarathon ließ sich davon sichtbar nicht verdrängen.
 
Das Orgateam des ASV Köln hatte die Veranstaltung trotz des enorm gewachsenen Feldes sicher im Griff. Die Startblöcke funktionierten, die Strecke war klar geführt, die Absicherung stimmte und die Versorgung war auch bei mehreren tausend Teilnehmern gewährleistet. Damit lieferte das Team eine Leistung ab, die dem Wachstum des Brückenlaufs gerecht wurde.
 
Vor allem aber lebte die Veranstaltung von den Menschen auf der Strecke. Vorne wurde auf hohem Niveau um Sekunden und Platzierungen gekämpft. Dahinter liefen ambitionierte Vereinsathleten neben Freizeitläufern, Routiniers neben Halbmarathondebütanten. Einige jagten einer persönlichen Bestzeit hinterher, andere wollten nur noch diese eine Brücke, diesen einen Kilometer und schließlich die letzten Meter bis zum Ziel schaffen.
 
Am Ende blieb deshalb mehr als ein verregneter Sonntagvormittag. Die Kölsche Runde präsentierte sich mit einem großen und auffallend weiblichen Feld. Der Halbmarathon hat seine Teilnehmerzahl innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Jonathan Dahlke und Max Nores unterboten gemeinsam den bisherigen Streckenrekord, Therese Schuhenn sorgte mit einer neuen Bestmarke für den Heimsieg des ASV Köln.
 
Aus der Idee, den Kölner Brückenlauf um die klassische Halbmarathondistanz herum neu aufzustellen, ist innerhalb kurzer Zeit eine Veranstaltung geworden, die sportlich und organisatorisch eine beachtliche Entwicklung genommen hat. Und wer sich am Sonntag auf dem weitläufigen Hafengelände umsah, bekam durchaus den Eindruck: Ein bisschen Luft nach oben wäre sogar noch vorhanden.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Fotos: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln