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Als der Halbmarathon plötzlich durchs Hochwasser führte
 
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16.09.2026 

 

 
Beim Racefaster Half Marathon in New Jersey verwandelte Starkregen Teile der Strecke in einen reißenden Wasserlauf. Rund 250 Läufer kamen trotzdem ins Ziel. Videos von Teilnehmern zeigen Szenen, die inzwischen auch die Behörden beschäftigen.
 
Eigentlich sollten es 13,1 Meilen werden. Ein ganz normaler Halbmarathon durch den Saddle River County Park im US-Bundesstaat New Jersey. Am Sonntag, 13. September 2026, bekam die Distanz jedoch eine zusätzliche Schwierigkeit, mit der vermutlich niemand bei der Anmeldung gerechnet hatte: Auf mehreren Streckenabschnitten stand das Wasser so hoch, dass die Teilnehmer nicht mehr laufen konnten.
 
Videos aus Paramus und Umgebung zeigen Läufer, die durch braunes Hochwasser waten. Manchmal reicht es bis zu den Knien, an anderen Stellen bis zur Hüfte oder sogar zur Brust. Auf einer Aufnahme hält sich ein Teilnehmer an einem Geländer fest, während das Wasser mit deutlich sichtbarer Strömung über den Weg läuft. Andere gehen vorsichtig hintereinander durch die überfluteten Passagen.
 
Was zunächst wie eine besonders bizarre Laufgeschichte aussieht, wirft inzwischen eine deutlich ernstere Frage auf: Warum fand das Rennen unter diesen Bedingungen überhaupt statt?
 
Der Start wurde verschoben, das Rennen aber nicht abgesagt
 
Der Halbmarathon sollte ursprünglich um 8 Uhr morgens beginnen. Wegen der starken Regenfälle wurde der Start um zwei Stunden auf 10 Uhr verschoben.
 
Zu diesem Zeitpunkt war die Hochwassergefahr allerdings längst bekannt.
 
Der National Weather Service hatte bereits für den Morgen Hochwasserwarnungen für die Region herausgegeben. Um 8:53 Uhr wurde eine Sturzflutwarnung für Teile des Bergen County verlängert. Zu diesem Zeitpunkt waren örtlich bereits zwei bis drei Zoll Regen gefallen. Die Wetterbehörde warnte vor Überschwemmungen von Straßen und niedrig gelegenen Bereichen. Später wurden für Teile der Region drei bis fünf Zoll Niederschlag gemeldet.
 
In Paramus wurden insgesamt 4,92 Zoll Regen registriert, also knapp 125 Millimeter. Straßen wurden überflutet, andernorts mussten Menschen aus ihren Fahrzeugen gerettet werden.
 
Um 9:57 Uhr, nur wenige Minuten vor dem verschobenen Start, folgte außerdem eine Hochwasserwarnung für den Saddle River. Genau an diesem Fluss verläuft ein wesentlicher Teil des Parks, durch den das Rennen führte.
 
Der Halbmarathon startete trotzdem.
 
Teilnehmer mussten sich teilweise festhalten
 
Erst unterwegs wurde vielen Teilnehmern offenbar klar, was sie erwartete.
 
Ein Läufer berichtete später, dass auf seinem Smartphone während des Rennens Warnmeldungen wegen Sturzfluten eingingen. Er habe immer wieder geprüft, ob vom Veranstalter noch eine Absage komme. Sie kam nicht. Später habe er auf dem Kurs mehrere überschwemmte Stellen passieren müssen. Teilweise reichte das Wasser bis zur Hüfte oder Brust.
 
Auch andere Teilnehmer schilderten, dass das Wasser wesentlich tiefer und stärker gewesen sei als zunächst erwartet. An einer Stelle hätten sich Läufer gegenseitig festgehalten. Andere berichteten von deutlicher Strömung und verschmutztem Wasser.
 
Nicht jeder wollte das Risiko eingehen. Mindestens einige Läufer brachen das Rennen aufgrund der Bedingungen ab. Andere gingen weiter. Rund 250 Teilnehmer sollen schließlich das Ziel erreicht haben. Nach den bislang vorliegenden Berichten wurden keine Verletzungen gemeldet.
 
Das macht die Situation allerdings nicht automatisch ungefährlich.
 
Bei Hochwasser ist nicht allein die Wassertiefe entscheidend. Strömung kann Menschen bereits bei vergleichsweise niedrigem Wasserstand aus dem Gleichgewicht bringen. Hinzu kommen Hindernisse, Unebenheiten oder offene Schächte, die unter trübem Wasser nicht mehr zu erkennen sind. Genau deshalb wird generell davor gewarnt, überflutete Bereiche zu durchqueren.
 
Wer schickte die Läufer auf diese Strecke?
 
Nach dem Rennen begann die Aufarbeitung. Und sie macht den Fall komplizierter, als es die Bilder zunächst vermuten lassen.
 
Bergen County stellte klar, dass der Landkreis weder Veranstalter noch Sponsor des Halbmarathons gewesen sei. Racefaster hatte lediglich eine Genehmigung zur Nutzung von Teilen des Parks erhalten.
 
Nach Darstellung des Countys sei der Veranstalter darüber hinaus angewiesen worden, wegen der Überschwemmungen eine alternative Strecke zu nutzen und besonders gefährdete Bereiche zu meiden. Mehrere Teilnehmer seien dennoch der ursprünglichen Route gefolgt. Die Behörden prüfen deshalb inzwischen sowohl, ob Racefaster die Bedingungen der Genehmigung eingehalten hat, als auch, ob Läufer Bereiche betreten haben, die eigentlich gesperrt waren.
 
Dem stehen Aussagen von Teilnehmern gegenüber. Mehrere von ihnen erklärten, von einer alternativen Strecke nichts gewusst zu haben. Genau an diesem Punkt dürfte sich eine der entscheidenden Fragen der Untersuchung stellen: Gab es eine geänderte Streckenführung, und wenn ja, wurde sie vor Ort so kommuniziert und gekennzeichnet, dass Läufer sie eindeutig erkennen konnten?
 
Für den Veranstalter hat der Lauf bereits Folgen
 
Bergen County reagierte schnell. Racefaster wurde beim zuständigen Park Department unter Bewährung gestellt und darf mindestens ein Jahr lang keine Rennen innerhalb des Bergen County Parks System veranstalten. Gleichzeitig läuft die Untersuchung der Ereignisse weiter.
 
Damit wird aus einem kuriosen Laufvideo ein Lehrstück über Veranstaltungsorganisation.
 
Ein Straßen- oder Landschaftslauf findet schließlich nicht in einem geschlossenen Stadion statt. Wetter, Verkehr, umgestürzte Bäume oder plötzlich überflutete Wege können eine Strecke innerhalb kurzer Zeit verändern. Veranstalter müssen deshalb Entscheidungen manchmal noch wenige Minuten vor dem Start treffen. Und diese Entscheidung kann bedeuten, eine Streckenführung zu ändern, den Start zu verschieben oder ein Rennen ganz abzusagen.
 
Für Läufer ist eine Absage frustrierend. Wochenlange Vorbereitung, Anreise und Startgeld sind schnell präsent, wenn am Morgen des Wettkampfs die Nachricht kommt, dass nicht gelaufen wird. Aus Sicht der Sicherheit gibt es jedoch Bedingungen, bei denen sportlicher Ehrgeiz keine Rolle mehr spielen darf.
 
Die Bilder aus New Jersey zeigen ziemlich eindrucksvoll, wo diese Grenze liegen kann. Denn ein Halbmarathon darf anstrengend sein. Er darf nass, kalt und unangenehm werden. Was Teilnehmer normalerweise nicht erwarten müssen, ist die Entscheidung, ob sie sich auf dem Weg ins Ziel an einem Geländer festhalten müssen, damit das Hochwasser sie nicht von den Beinen holt.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln