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Olympia-Marathon am Kölner Dom? Für KölnRheinRuhr wird es am Samstag ernst
 
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22.09.2026 

 

Illustration - Olympia-Marathon in Köln
 
Ein olympischer Marathon durch Köln, die letzten Meter vorbei am Dom und das Ziel mitten in der Innenstadt: Was vor einigen Jahren noch nach einer ziemlich weit entfernten Vision klang, gehört inzwischen zum offiziellen Konzept der Bewerbung KölnRheinRuhr. Am Samstag, 26. September 2026, fällt nun eine wichtige Vorentscheidung. Dann bestimmt der Deutsche Olympische Sportbund, mit welchem deutschen Bewerber er in den internationalen Auswahlprozess für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gehen will.
 
Zur Wahl stehen Berlin+, München und KölnRheinRuhr. Die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB beginnt um 9 Uhr im Kurhaus Baden-Baden. Insgesamt sind 144 Stimmen vorgesehen. Die 42 olympischen Spitzenverbände verfügen über jeweils drei Stimmen, hinzu kommen die Stimmen des DOSB-Präsidiums und persönlicher Mitglieder. Für die Wahl ist eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen notwendig. Die Bekanntgabe des deutschen Bewerbers ist zwischen 13.45 und 14.45 Uhr im Rahmen einer ARD-Sondersendung vorgesehen.
 
Für den Laufsport steckt in der Bewerbung aus Nordrhein-Westfalen ein besonders interessantes Detail. Sollte KölnRheinRuhr irgendwann tatsächlich Olympische Spiele ausrichten, soll der Marathon nach den bisherigen Planungen durch Köln führen. Und für den Zieleinlauf gibt es einen Ort, der international kaum erklärungsbedürftig wäre: den Kölner Dom.
 
Köln soll das Herz der Spiele werden
 
Köln nimmt innerhalb der regionalen Bewerbung eine besondere Rolle ein. Die Stadt wird im finalen Konzept als „Leading City“ bezeichnet und soll sowohl das Olympische und Paralympische Dorf als auch ein temporäres Leichtathletikstadion erhalten. Das Stadion für rund 50.000 Zuschauer ist im geplanten neuen Stadtteil Kreuzfeld im Kölner Norden vorgesehen.
 
Andere Wettbewerbe würden auf vorhandene oder temporär angepasste Sportstätten verteilt. In der Lanxess-Arena ist unter anderem Turnen vorgesehen, im RheinEnergieSTADION Fußball und Rugby, der Fühlinger See soll Schauplatz des Marathonschwimmens werden und für den Straßenradsport ist die Strecke von „Rund um Köln“ eingeplant.
 
Eine der Ideen des Konzepts besteht darin, Entscheidungen nicht ausschließlich in klassische Sportstätten zu verlegen. Zieleinläufe sollen bewusst in den städtischen Raum gebracht werden. Die offiziellen Unterlagen nennen dafür ausdrücklich den Kölner Dom, die Rheinwiesen in Düsseldorf und die Zeche Zollverein in Essen. Die Bewerbung KölnRheinRuhr wirbt selbst mit der Vorstellung eines „Marathons unter dem Kölner Dom“.
 
Für Köln wäre das kein völlig neues Bild. Beim Generali Köln Marathon liegt das Ziel bereits heute auf der Komödienstraße unmittelbar neben dem Dom.
 
Soll wirklich die heutige Köln-Marathon-Strecke genutzt werden?
 
Genau hier wird es interessant.
 
Nach dem positiven Bürgerentscheid im April berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“ ausführlich über die damals vorgesehenen Kölner Wettkampfstätten. Dabei wurde auch die Marathonplanung konkret benannt: Der olympische Marathon solle auf die Köln-Marathon-Strecke. In demselben Planungsstand wurden unter anderem der Fühlinger See für das Marathonschwimmen und die Strecke von „Rund um Köln“ für den Straßenradsport aufgeführt.
 
Allerdings stammt diese Information aus dem April. Damals befand sich KölnRheinRuhr noch mitten in der Ausarbeitung des endgültigen Konzepts. Die finalen Unterlagen wurden Anfang Juni beim DOSB eingereicht und am 16. Juli auch als öffentliches Booklet vorgestellt.
 
Darin bleibt der Zieleinlauf im Umfeld des Doms Bestandteil des Konzepts. Eine detaillierte Karte mit der vollständigen olympischen Marathonstrecke, einzelnen Straßen, Wendepunkten sowie Start und Ziel ist in den bislang öffentlich zugänglichen Unterlagen jedoch nicht enthalten.
 
Deshalb lässt sich derzeit sauber zwischen zwei Dingen unterscheiden: Die bestehende Strecke des Köln-Marathons war nachweislich Bestandteil der Planungen. Dass ein olympischer Marathon später exakt auf derselben Ideallinie über dieselben 42,195 Kilometer führen würde, ist bislang nicht veröffentlicht.
 
Von Deutz über die Veedel bis zum Dom
 
Als Grundlage wäre der bestehende Köln-Marathon-Kurs durchaus naheliegend.
 
Der aktuelle Marathon beginnt in Deutz am Ottoplatz beziehungsweise auf der Opladener Straße. Schon auf dem ersten Kilometer geht es über die Deutzer Brücke. Dort öffnet sich der Blick auf Altstadt und Dom. Anschließend führt der Kurs unter anderem über Bayenthal und Rodenkirchen zurück Richtung Südstadt und weiter durch Sülz, Lindenthal, Ehrenfeld und Nippes. Am Ende erreicht das Feld wieder die Innenstadt. Bei Kilometer 42 geht es über die Hohe Straße am Dom vorbei zum Ziel auf der Komödienstraße.
 
Damit bringt die bestehende Strecke vieles mit, was für einen olympischen Marathon interessant wäre. Sie führt durch sehr unterschiedliche Teile Kölns und verbindet Wohnviertel, Innenstadt, Rhein und einige der bekanntesten Bilder der Stadt. Vor allem die Passage über die Deutzer Brücke bietet eine Perspektive, die sich für eine internationale Fernsehproduktion geradezu anbietet.
 
Und am Ende würde der Marathon dort ankommen, wo Köln am eindeutigsten Köln ist.
 
Eine olympische Strecke müsste trotzdem neu geplant und vermessen werden
 
Selbst wenn große Teile des heutigen Köln-Marathons übernommen würden, wäre damit noch keine olympische Strecke fertig.
 
Bei einem Straßenlauf entscheidet nicht allein die Straßenfolge über die exakte Länge. Maßgeblich ist die kürzest mögliche Laufstrecke innerhalb des vorgesehenen Kurses. Veränderungen an Kurven, Fahrbahnteilern, Absperrungen oder Start- und Zielpositionen können deshalb Auswirkungen auf die vermessene Distanz haben.
 
Bei Olympischen Spielen kommen weitere Anforderungen hinzu. Bereiche für Verpflegung, Fernsehen, Begleitfahrzeuge, medizinische Versorgung und Sicherheit müssen in die Planung integriert werden. Auch die Platzverhältnisse an Start und Ziel unterscheiden sich deutlich von denen eines normalen Stadtmarathons.
 
Die heutige Kölner Strecke könnte deshalb eher als Grundlage verstanden werden. Erst mit der endgültigen Verkehrsführung und den exakten Absperrungen ließe sich die tatsächliche Ideallinie festlegen und anschließend nach den Vorgaben von World Athletics vermessen und zertifizieren.
 
Auch die Frage nach dem Start bleibt bislang offen. Beim Köln-Marathon beginnt das Rennen in Deutz. Das geplante Olympiastadion und das Olympische Dorf sollen dagegen weit im Kölner Norden in Kreuzfeld liegen. Dass ein olympischer Marathon dort starten müsste, ergibt sich daraus jedoch nicht. Straßenläufe bei Olympischen Spielen können vollständig außerhalb des Leichtathletikstadions stattfinden.
 
Beim Ziel ist die Planung deutlich konkreter: Der Dom spielt in den veröffentlichten Konzepten eine zentrale Rolle.
 
Eigene Marathon-WM ändert nichts an Olympia
 
Bis zu möglichen Spielen in Deutschland wird sich die internationale Marathonlandschaft allerdings verändern.
 
World Athletics hat im April 2026 angekündigt, ab 2030 eine eigenständige Marathon-Weltmeisterschaft einzuführen. Athen wird derzeit als möglicher Gastgeber der Premiere geprüft. Der Marathon bleibt noch 2027 und 2029 Bestandteil der regulären Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Ab 2031 soll weder der Marathon noch eine andere Straßenlaufdistanz zum Programm dieser Weltmeisterschaften gehören. Die neue Marathon-WM soll jährlich ausgetragen werden, wobei Männer und Frauen abwechselnd antreten.
 
Mit dem olympischen Marathon hat diese Änderung jedoch nichts zu tun. Bei den nächsten Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 sind weiterhin zwei Marathonentscheidungen vorgesehen. Die Frauen laufen am 29. Juli, die Männer am 30. Juli. Der Start befindet sich nach aktuellem Zeitplan am Venice Beach Boardwalk. Damit bleibt der Marathon auch nach Einführung der eigenständigen Weltmeisterschaft Teil des olympischen Programms.
 
Sollte KölnRheinRuhr eines Tages Olympische Spiele ausrichten, wäre ein Marathon durch Köln also weiterhin eine olympische Medaillenentscheidung.
 
Samstag ist erst die erste große Hürde
 
So konkret manche Bilder inzwischen aussehen, über Olympische Spiele in Köln wird am Samstag noch nicht entschieden.
 
Zunächst bestimmt der DOSB lediglich, welches deutsche Konzept international weiterverfolgt wird. Berlin+, KölnRheinRuhr und München haben ihre endgültigen Bewerbungen Anfang Juni eingereicht und die vorherigen Stufen des nationalen Auswahlverfahrens durchlaufen.
 
Mit dem Internationalen Olympischen Komitee befindet sich der DOSB bereits seit November 2025 im sogenannten Continuous Dialogue. Nach dem derzeit vorgesehenen Zeitplan soll im März 2027 erstmals für die Vergabe 2036 der Strategic Dialogue beginnen. Ende 2028 könnte der Targeted Dialogue mit einem oder mehreren Bewerbern folgen. Eine Entscheidung über den Gastgeber der Olympischen Spiele 2036 ist nach Angaben des DOSB für den Sommer 2029 vorgesehen.
 
Bis tatsächlich olympische Marathonläufer durch Köln laufen könnten, wären also noch zahlreiche Entscheidungen zu treffen.
 
Doch erstmals lässt sich zumindest ziemlich konkret vorstellen, wie es aussehen könnte.
 
Der Start vielleicht in Deutz, früh im Rennen über die Deutzer Brücke, anschließend durch die Kölner Veedel und nach 42,195 Kilometern hinein in die Innenstadt. Die Domspitzen wären auf den letzten Metern längst zu sehen, bevor wenige Meter neben dem Wahrzeichen der Stadt die olympischen Medaillen vergeben würden.
 
Ob die Strecke eines Tages tatsächlich so verlaufen wird, ist offen. Dass der Marathon in den bisherigen Planungen für Köln vorgesehen ist und der Dom dabei eine zentrale Rolle spielt, ist dagegen längst mehr als nur eine schöne Visualisierung.
 
Am Samstag entscheidet sich zunächst, ob diese Planung die nächste Runde erreicht.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln