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Wenn am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr die ersten Halbmarathonläufer in Köln-Deutz losgeschickt werden, beginnt ein Renntag, der schon durch seine schiere Größe auffällt. 40.990 Meldungen hat der Generali Köln Marathon für seine Wettbewerbe registriert, so viele wie noch nie. Allein 20.000 Startplätze entfallen auf den ausgebuchten Halbmarathon, weitere 13.720 auf den Marathon. Um 10.30 Uhr folgt der Start über die 42,195 Kilometer. Ganz vorne wird es allerdings nicht um Finishermedaillen, persönliche Bestzeiten im Bereich von drei oder vier Stunden oder das Erlebnis am Kölner Dom gehen. Die Elitefelder sind in diesem Jahr so besetzt, dass gleich mehrere Kölner Bestmarken zum Thema werden könnten. Besonders interessant: Es gibt nicht nur ein oder zwei große Namen. Hinter den prominentesten Athleten stehen Läufer, die Köln kennen, hier bereits auf dem Podium standen oder mit aktuellen Bestleistungen anreisen. Das kann Rennen erzeugen, die nicht nach zehn Kilometern entschieden sind. Koech gegen Kiplangat: Zwei Namen überragen das Marathonfeld Auf dem Papier führt an Bernard Kiprop Koech zunächst kein Weg vorbei. Der Kenianer bringt eine Marathonbestzeit von 2:04:09 Stunden mit. Gelaufen ist er diese Zeit erstmals 2021 in Amsterdam, wo er hinter Tamirat Tola Zweiter wurde. World Athletics führt die 2:04:09 weiterhin als seine persönliche Bestleistung. Koech ist außerdem kein Läufer, dessen beste Jahre nur auf dem Papier stehen. 2023 und 2024 gewann er den Hamburg-Marathon. Köln bekommt damit einen Mann an die Startlinie, dessen persönliche Bestzeit fast drei Minuten unter dem aktuellen Streckenrekord liegt. Der steht seit dem vergangenen Jahr bei 2:06:54 Stunden. Barnaba Kipkoech hatte 2025 die alte Bestmarke von Alfred Kering aus dem Jahr 2012 deutlich unterboten. Kipkoech sollte ursprünglich erneut starten, steht aber nicht mehr in der aktuellen Elite-Startliste. Nach Angaben des Veranstalters soll er verletzungsbedingt nicht um den Sieg laufen und stattdessen als Tempomacher eingesetzt werden. Damit rückt Victor Kiplangat noch stärker in den Mittelpunkt. Der Ugander wurde 2023 in Budapest Marathon-Weltmeister und gewann ein Jahr zuvor bei den Commonwealth Games. Seine persönliche Bestzeit von 2:05:09 Stunden stammt vom Hamburg-Marathon 2022. Koech gegen Kiplangat klingt deshalb zunächst wie das naheliegende Duell. Ein Marathon hält sich jedoch selten an Startlisten. Hinter den beiden Spitzenleuten wartet eine gefährliche Gruppe Raymond Choge bringt 2:07:36 Stunden mit und hat mit Köln noch eine Rechnung ganz anderer Art: Er weiß bereits, wie sich ein Sieg am Dom anfühlt. 2016 gewann der Kenianer den Köln-Marathon in 2:08:39 Stunden. Seine aktuelle Bestzeit lief er 2024 in Mailand, wo er in 2:07:36 Zweiter wurde. Noch aktueller sind die Kölner Erinnerungen von Boniface Kibiwott und Onesmus Kiplagat. Beide standen 2025 auf dem Podium. Kibiwott wurde in 2:08:15 Stunden Zweiter, Kiplagat folgte in 2:08:33 auf Rang drei. Nun stehen beide erneut in der Startliste. Das macht das Rennen taktisch interessanter. Koech und Kiplangat besitzen die deutlich schnelleren Bestzeiten. Dahinter folgt aber keine Lücke, sondern eine Gruppe von Läufern im Bereich zwischen 2:07 und 2:09 Stunden. Charles Mneria beispielsweise stellte seine Bestzeit von 2:08:42 erst im April beim Vienna City Marathon auf. Der Südafrikaner Thabang Mosiako bringt neben seiner Marathonbestzeit von 2:09:14 auch eine Halbmarathonbestzeit von 59:52 Minuten mit. Sollten die beiden nominellen Spitzenläufer früh konsequent auf Streckenrekordkurs gehen, könnte sich das Feld schnell auseinanderziehen. Wird dagegen zunächst kontrolliert gelaufen, bekommen genau diese Athleten eine andere Rolle. Bei den Frauen ist die Rekordmarke noch angreifbarer 2:25:34 Stunden. Seit 2012 steht Helena Kirop mit dieser Zeit an der Spitze der Kölner Bestenliste. Dreizehn Austragungsjahre später trifft diese Marke nun auf ein Frauenfeld, in dem gleich mehrere Athletinnen persönliche Bestzeiten darunter besitzen. Die schnellste gemeldete Frau ist Agnes Keino. World Athletics führt für die Kenianerin 2:22:53 Stunden, gelaufen beim Frankfurt-Marathon 2024. Dort belegte sie Rang fünf. Fast interessanter ist jedoch die Entwicklung von Fantu Shugi. Die Äthiopierin gewann im vergangenen Jahr in Köln in 2:29:12 Stunden. Vier Monate später lief sie beim Dubai-Marathon 2:23:29. Innerhalb weniger Monate hat sie damit den Abstand zur Kölner Rekordmarke aus eigener Kraft deutlich verkleinert. In Dubai bedeuteten die 2:23:29 Rang acht in einem außergewöhnlich schnellen Rennen. Shugi kehrt also nicht lediglich als Titelverteidigerin zurück. Sie kommt als eine deutlich schnellere Marathonläuferin zurück als noch vor einem Jahr. Und auch hinter Keino und Shugi ist die Liste bemerkenswert dicht. Cynthia Chepchirchir Kosgei wird mit 2:23:43 geführt, Jackline Chepngeno mit 2:24:21, Ayantu Kumela mit 2:24:29 und Aamelmal Tagel mit 2:24:38. Damit stehen allein sechs Frauen auf der Startliste, deren gemeldete Bestleistung schneller ist als der bestehende Kölner Streckenrekord. Natürlich ist eine persönliche Bestzeit noch keine Garantie für ein entsprechendes Rennen. Wetter, Tempoarbeit, Rennverlauf und Tagesform entscheiden darüber, was am Sonntag tatsächlich möglich ist. Die Ausgangslage ist dennoch ungewöhnlich: Die Frage nach dem Frauen-Streckenrekord muss diesmal nicht künstlich konstruiert werden. Die Leistungsdaten geben sie her. Marathon Elite 2026 MEN
WOMEN
*25.09.2026 Richard Ringer macht aus dem Halbmarathon mehr als ein Nebenrennen Noch bevor um 10.30 Uhr das Marathonfeld startet, könnte Köln bereits seinen ersten bemerkenswerten sportlichen Moment erlebt haben. Beim Halbmarathon steht Richard Ringer an der Spitze der Meldeliste. Seine 1:00:51 Stunden aus Berlin 2025 liegen mehr als zwei Minuten unter dem Kölner Männer-Streckenrekord von 1:03:00. In Berlin wurde Ringer damals Vierter. Auch seine Saison 2026 liefert wenig Anlass, diese Zeit als Relikt vergangener Form zu betrachten. Beim Halbmarathon in Dubai lief Ringer im Februar 1:01:07 Stunden. Beim Boston-Marathon folgten im April 2:04:47 Stunden und Rang acht. Die Boston-Zeit ist aufgrund des Punkt-zu-Punkt-Kurses nicht bestenlistenfähig, zeigt aber dennoch, welches Leistungsniveau Ringer in diesem Jahr erreicht hat. Wer deshalb nur auf Ringer schaut, verpasst allerdings einen interessanten Teil des Feldes. Eric Nzambimana aus Burundi steht mit 1:02:22 an Position zwei. Jonny Dahlke folgt mit 1:02:29. Dahinter startet mit Jona Bodirsky der Mann, der den Kölner Halbmarathon 2025 gewonnen hat. Bodirsky lief damals 1:03:11 und verfehlte den Streckenrekord lediglich um elf Sekunden. Seine inzwischen verbesserte Bestzeit wird in der Startliste mit 1:02:59 angegeben. Das ergibt eine reizvolle Konstellation: Ringer besitzt die mit Abstand schnellste Bestzeit, während Bodirsky Strecke, Sieg und Zieleinlauf bereits kennt. Dahlke wiederum dürfte als deutscher Spitzenläufer kaum Interesse daran haben, sich von Beginn an auf die Rolle des Begleiters reduzieren zu lassen. Und dann ist da Fabienne Königstein Bei den Frauen fällt eine Startnummer besonders auf. Fabienne Königstein steht erst als F12 in der Liste. Nach Leistungsvermögen gehört sie ganz nach vorne. Königstein lief beim Berlin-Marathon 2025 2:22:17 Stunden und hat sich längst in der deutschen Marathonspitze etabliert. Über zehn Kilometer steigerte sie sich im August 2026 auf 31:57 Minuten. Ihre offiziell bei World Athletics geführte Halbmarathonbestzeit beträgt 1:09:32 Stunden. Damit geht sie mit einem deutlichen Leistungsvorsprung gegenüber vielen Konkurrentinnen in das Kölner Halbmarathonrennen. Melina Wolf wird mit 1:11:08 Stunden geführt. Diese Zeit lief sie 2025 in Berlin. Nina Chydenius steht mit 1:11:28 in der Meldeliste. Ein Angriff auf den außergewöhnlich starken Kölner Frauen-Streckenrekord von Esther Pfeiffer ist damit eine andere Größenordnung. Pfeiffer lief 2025 in Köln 1:07:28 Stunden und verbesserte die vorherige Bestmarke von Sabrina Mockenhaupt gleich um 83 Sekunden. Für Königstein muss deshalb keine Rekordgeschichte erfunden werden. Spannend genug ist die Frage, was eine 2:22-Marathonläuferin mit inzwischen deutlich verbesserter Grundschnelligkeit über die halbe Distanz zeigen kann. Half Marathon Elite 2026 MEN
WOMEN
*25.09.2026 Zwei Rennen, vier sehr unterschiedliche Geschichten Der Sonntag könnte deshalb schon lange vor dem Zieleinlauf des letzten Marathonläufers mehrere sportliche Geschichten geschrieben haben. Im Halbmarathon der Männer geht Richard Ringer mit einer Bestleistung ins Rennen, die den bestehenden Streckenrekord deutlich unterbietet. Dahinter wartet mit Jona Bodirsky der Titelverteidiger und mit Jonny Dahlke ein weiterer deutscher Läufer mit einer Zeit unter 63 Minuten. Bei den Frauen ist Fabienne Königstein zwar nicht nach Startnummer, wohl aber nach Leistungsvermögen die auffälligste Athletin des Feldes. Im Marathon der Männer steht die Frage im Raum, wie weit Bernard Koech und Victor Kiplangat den 2025 aufgestellten Streckenrekord drücken können. Und im Frauenrennen könnte gerade die Tiefe des Feldes entscheidend werden. Dort steht nicht eine einzelne Läuferin mit einer theoretischen Chance auf 2:25 Stunden, sondern eine ganze Gruppe, deren persönliche Bestzeiten bereits darunter liegen. Um 8.30 Uhr beginnt in Deutz der Halbmarathon. Zwei Stunden später folgt der Marathon. Spätestens dann wird sich zeigen, was von den Zahlen auf den Startlisten übrig bleibt. Denn Bestzeiten erzählen, was eine Läuferin oder ein Läufer schon einmal konnte. Am Sonntag zählt nur, was davon in Köln abrufbar ist. Redaktioneller Hinweis zur Startliste: Die Tabelle wurde entsprechend der vom Veranstalter veröffentlichten Vorlage übernommen. Dort ist für Fabienne Königstein eine Halbmarathonbestzeit von 1:09:23 Stunden in Warschau 2024 angegeben. Die offiziellen Resultate des Warschau-Halbmarathons sowie das Athletenprofil von World Athletics weisen für den 24. März 2024 dagegen 1:09:32 Stunden aus. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |