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Richard Ringer zerlegt eine 16 Jahre alte Bestmarke, Esther Pfeiffer läuft eine Woche nach ihrem Berliner Marathon-Aus persönliche Bestzeit. Wenige Stunden später schreiben Bernard Kiprop Koech und Jackline Chepngeno auch über 42,195 Kilometer die Rekordlisten neu. Der Generali Köln Marathon 2026 wird zum schnellsten Renntag seiner Geschichte.** Um 8.30 Uhr fällt in Deutz der Startschuss für den Halbmarathon. Noch bevor der Marathon überhaupt begonnen hat, ist klar: Dieser 4. Oktober wird sportlich kein gewöhnlicher Köln-Marathon. Richard Ringer benötigt 61:50 Minuten für die 21,0975 Kilometer. Esther Pfeiffer läuft 67:24 Minuten. Zwei Starts, zwei Streckenrekorde. Wenige Stunden später wiederholt sich das Spiel über die volle Distanz. Bernard Kiprop Koech gewinnt in 2:06:10 Stunden, Jackline Chepngeno in 2:21:34 Stunden. Vier Bestmarken bei Männern und Frauen über Halbmarathon und Marathon. So schnell war Köln noch nie. Generali Köln Marathon Und doch erzählen die nackten Zeiten nur einen Teil dieses Sonntags. Richard Ringer wollte eigentlich gar nicht so schnell laufen Ausgerechnet Richard Ringer war mit einem vergleichsweise zurückhaltenden Plan nach Köln gekommen. Der Marathon-Europameister von 2022 befindet sich mitten in der Vorbereitung auf den Frankfurt-Marathon, wo er bereits drei Wochen später erneut über 42,195 Kilometer antreten will. Sein Ziel in Köln war deshalb nicht, sich vollständig auszubelasten. Die alte Streckenbestzeit von Leonard Kipkoech Langat schien dennoch erreichbar. Der Kenianer hatte 2010 in 63:00 Minuten gewonnen. Seit 16 Jahren stand diese Marke. Ringer wollte knapp darunter bleiben. Dann entwickelte das Rennen seine eigene Dynamik. „Ich bin eigentlich mit dem Plan gestartet, nur knapp unter dem Rekord zu bleiben, weil ich mich drei Wochen vor dem Frankfurt-Marathon nicht abschießen wollte“, erklärte der 37-Jährige anschließend. Als das Tempo höher wurde als geplant und sich trotzdem gut anfühlte, lief er weiter. Das Ergebnis: 61:50 Minuten. Nicht ein paar Sekunden, sondern 70 Sekunden verschwanden auf einen Schlag aus der Kölner Rekordliste. Dass es kein Sololauf gegen eine überholte Bestmarke war, zeigt das Ergebnis dahinter. Jona Bodirsky vom TSV Bayer 04 Leverkusen lief 62:52 Minuten und blieb damit ebenfalls unter dem bisherigen Streckenrekord. Der Belgier Yohan Zaradzki folgte als Dritter in 63:17 Minuten. Generali Köln Marathon Für Ringer bekommt die Leistung zusätzliches Gewicht, wenn man auf die vergangenen Wochen schaut. Am 16. August hatte er bei den Europameisterschaften in Birmingham noch den Marathon bestritten. Auf dem anspruchsvollen Kurs wurde er in 2:10:05 Stunden Zehnter. Gemeinsam mit Europameister Amanal Petros und Samuel Fitwi gewann er Silber in der Teamwertung. Genau sieben Wochen lagen zwischen diesem Marathon und seinem Auftritt in Köln. World Athletics Ringer erinnerte sich an Birmingham als ein Rennen, das den deutschen Läufern viel abverlangt hatte. Umso bemerkenswerter ist, wie leichtfüßig sein Kölner Halbmarathon wenige Wochen später wirkte. Frankfurt allerdings ist die nächste entscheidende Station. Dort trifft Ringer wieder auf Petros und Fitwi. Köln war also kein Saisonhöhepunkt, sondern ein Formtest. Ein ziemlich schneller. Esther Pfeiffer läuft Bestzeit und ist trotzdem enttäuscht Bei Esther Pfeiffer liegt die Geschichte genau andersherum. Ihre 67:24 Minuten sind Streckenrekord und persönliche Bestzeit. Trotzdem steht im Ziel keine uneingeschränkt glückliche Siegerin. Nur sieben Tage zuvor hatte Pfeiffer beim Berlin-Marathon aufgeben müssen. Der Angriff auf eine Marathonzeit unter 2:20 Stunden war früh beendet. In den offiziellen Ergebnissen wird sie als DNF geführt. World Athletics Dass sie eine Woche später überhaupt in Köln startet, war zunächst nicht vorgesehen. Doch für Pfeiffer ist Köln inzwischen Heimat. Die 29-Jährige ist im Sommer in die Stadt gezogen. Begleitet von ihrem Ehemann Hendrik Pfeiffer als Pacemaker nimmt sie das Rennen offensiv in Angriff. Sie kennt diese Strecke zudem bestens. 2025 hatte sie hier in 67:28 Minuten den Streckenrekord aufgestellt. Im März 2026 folgte beim Berliner Halbmarathon mit 67:25 Minuten ihre bisherige persönliche Bestzeit. Dort war sie auf Rang fünf gelaufen. World Athletics Nun kommen beide Marken zusammen. 67:24 Minuten. Vier Sekunden schneller als vor einem Jahr in Köln, eine Sekunde schneller als in Berlin. Eigentlich eine nahezu perfekte Antwort auf die Enttäuschung der Vorwoche. Für Pfeiffer selbst reicht das nicht. „Ich bin enttäuscht“, sagte sie im Ziel. Nach der langen Vorbereitung auf Berlin waren ihre Ansprüche andere. Dass sie eine persönliche Bestzeit über den Halbmarathon läuft, ändert nichts daran, dass die eigentlich erhoffte Leistung über 42,195 Kilometer noch aussteht. Generali Köln Marathon Genau dieser Kontrast macht ihren Kölner Lauf interessant. Eine Bestzeit muss nicht automatisch bedeuten, dass ein Athlet das Rennen genauso bewertet wie der Blick von außen. Fabienne Königstein nutzt Köln für New York Hinter Pfeiffer läuft Fabienne Königstein in 70:55 Minuten auf Platz zwei. Ihre persönliche Bestleistung von 69:23 Minuten gerät damit nicht in Gefahr. Das war an diesem Morgen allerdings auch nicht das entscheidende Ziel. Die Läuferin von Hannover 96 bereitet sich auf den New-York-Marathon vor. Köln war Teil dieser Vorbereitung und kein Rennen aus vollständiger Erholung heraus. „Ich stecke mitten in der Vorbereitung auf den New York-Marathon und bin nicht mit frischen Beinen angetreten“, ordnete Königstein ihre Leistung ein. Vor allem die Schlussphase stimmt sie zuversichtlich. Auf den letzten Kilometern konnte sie noch einmal zulegen. Dass die 33-Jährige über ausgesprochen hohe Marathonqualität verfügt, hatte sie bereits im April gezeigt. Beim Hannover-Marathon lief sie 2:24:31 Stunden. World Athletics führt diese Leistung in den internationalen Jahreslisten. World Athletics Dritte in Köln wird Melina Wolf von der LG Region Karlsruhe in 73:00 Minuten. Insgesamt schickt der Veranstalter nach eigenen Angaben 20.510 Halbmarathonläufer auf die Strecke. Das Rennen war bereits seit Monaten ausgebucht. Generali Köln Marathon Ringers Eindruck nach seinem ersten Köln-Start passt zu diesen Zahlen: Er habe gemerkt, „wie Laufen boomt“. Bemerkenswert fand er vor allem, wie viele Menschen bereits beim frühen Halbmarathon an der Strecke standen. Königstein formulierte es etwas kölscher: Entweder stehe man in Köln besonders früh auf oder sei noch gar nicht im Bett gewesen.
Dann beginnt erst der Marathon Zu diesem Zeitpunkt sind bereits zwei Streckenrekorde gefallen. Um 10.30 Uhr wird erneut in Deutz gestartet. Jetzt stehen 42,195 Kilometer auf dem Programm. Die Voraussetzungen für ein schnelles Männer-Rennen sind bekannt. Bernard Kiprop Koech bringt eine persönliche Bestzeit von 2:04:09 Stunden mit. Der zweimalige Hamburg-Marathon-Sieger trainiert im kenianischen Kaptagat in einem Umfeld, zu dem auch der frühere Marathon-Weltrekordhalter Eliud Kipchoge gehört. Mit Victor Kiplangat steht zudem der Marathon-Weltmeister von 2023 an der Startlinie, dessen Bestzeit bei 2:05:09 Stunden liegt. Generali Köln Marathon Die Frage vor dem Rennen lautet deshalb weniger, ob der Kölner Streckenrekord gefährdet ist, sondern wie weit er verbessert werden kann. Seit 2025 steht er bei 2:06:54 Stunden. Koech liefert die Antwort. 2:06:10 Stunden: Auch der Männerrekord fällt Nach 2:06:10 Stunden erreicht Bernard Kiprop Koech das Ziel am Kölner Dom. 44 Sekunden schneller als die bisherige Bestmarke. Und ähnlich wie beim Halbmarathon bleibt nicht nur der Sieger unter dem bisherigen Rekord. Habtamu Birlew aus Äthiopien folgt in 2:06:30 Stunden und ist damit ebenfalls schneller als jeder Köln-Marathonläufer vor diesem Sonntag. Raymond Choge aus Kenia läuft in 2:07:20 Stunden auf Rang drei. Erst dahinter erreicht Victor Kiplangat in 2:07:57 Stunden als Vierter das Ziel. World Athletics bestätigt Koech, Birlew, Choge und Kiplangat in dieser Reihenfolge. World Athletics Koech selbst fällt seine Analyse deutlich einfacher als die von Esther Pfeiffer aus. Er habe das Rennen genossen. Der schnelle Kurs, die Bedingungen und das Publikum passten an diesem Sonntag zusammen. Jackline Chepngeno verschiebt den Frauenrekord um vier Minuten Was im Männer-Rennen schnell ist, wird bei den Frauen noch deutlicher. Seit 2012 steht Helena Kirops Kölner Streckenrekord bei 2:25:34 Stunden. 14 Jahre übersteht diese Marke. Dann kommt Jackline Chepngeno. Die Kenianerin aus Iten erreicht das Ziel nach 2:21:34 Stunden. Exakt vier Minuten schneller als der bisherige Rekord. World Athletics Das ist keine knappe Korrektur einer alten Bestmarke. Die Kölner Frauen-Bestenliste bekommt an diesem Sonntag eine völlig neue Größenordnung. Auch Titelverteidigerin Fantu Shugi läuft schneller als Helena Kirop 2012. Die Äthiopierin wird in 2:24:26 Stunden Zweite und verbessert ihre Vorjahreszeit von 2:29:11 Stunden erheblich. Ayantu Kumela komplettiert das Podium in 2:25:53 Stunden. World Athletics Chepngeno lobt anschließend ebenfalls die Strecke und die Unterstützung der Zuschauer. Schon vor dem Rennen hatte der Veranstalter ein außergewöhnlich starkes Frauenfeld angekündigt. Dass am Ende gleich zwei Läuferinnen unter dem 14 Jahre alten Rekord bleiben, bestätigt diese Einschätzung. Laufen im Rheinland Köln wächst nicht nur bei den Zeiten Die sportlichen Rekorde treffen auf einen zweiten Trend. Der Köln-Marathon wird größer. Nach den endgültigen Angaben des Veranstalters waren 41.453 Menschen für die Wettbewerbe des Marathon-Wochenendes gemeldet. Allein für den Marathon standen 13.721 Namen in den Meldelisten, rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr. marathon4you.de Noch wenige Tage vor dem Rennen waren 40.990 Meldungen ausgewiesen worden. Halbmarathon, Staffelmarathon, Kinderlauf und Shake-out-Run waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebucht. Laufen im Rheinland Damit bekommt ein Satz von Richard Ringer zusätzliche Bedeutung: Laufen boomt. In Köln lässt sich dieser Boom an diesem Wochenende nicht nur an Meldezahlen ablesen. Er zeigt sich in einem Halbmarathon mit mehr als 20.000 Startern, an vollen Straßen und an einem Elitefeld, das den Kurs nicht nur als Bühne nutzt, sondern seine Grenzen neu definiert. Köln galt lange vor allem als Marathon mit besonderer Atmosphäre. Schnelle Zeiten gab es, doch im internationalen Vergleich standen andere deutsche Stadtmarathons häufiger im Mittelpunkt, wenn es um Spitzenleistungen ging. Der 4. Oktober 2026 verändert zumindest die sportliche Messlatte. 61:50 Minuten von Richard Ringer. 67:24 Minuten von Esther Pfeiffer. 2:06:10 Stunden von Bernard Kiprop Koech. 2:21:34 Stunden von Jackline Chepngeno. Vier Streckenrekorde innerhalb weniger Stunden. Und vielleicht ist gerade Esther Pfeiffers Reaktion die passendste Pointe dieses Tages. Selbst eine persönliche Bestzeit genügt inzwischen nicht mehr automatisch den eigenen Ansprüchen. Für einen Marathonstandort kann es kaum ein deutlicheres Zeichen dafür geben, wie weit sich das sportliche Niveau verschoben hat. __________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Veranstalter |