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Wo sonst Vollblüter über den Rasen jagen, gehören die letzten sportlichen Meter des Jahres diesmal den Läufern. Am 31. Dezember 2026 soll auf der Galopprennbahn Düsseldorf-Grafenberg ein Silvester-Crosslauf stattfinden. Hinter der Wiederbelebung steht Jan Winschermann, der die Düsseldorfer Laufszene seit vielen Jahren prägt. Und wer bei „Cross“ sofort an Baumstämme, knietiefen Matsch und Kletterpartien denkt, darf sein Bild von dieser Disziplin gleich mit überarbeiten. Pferderennbahnen und Crosslauf passen erstaunlich gut zusammen. Sogar besser, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Rasen, wechselnde Untergründe, Kurven, kleine Anstiege und ein kompakter Rundkurs bieten fast alles, was einen klassischen Cross ausmacht. Deshalb ist die Düsseldorfer Galopprennbahn am Grafenberg für das Vorhaben weit mehr als nur eine außergewöhnliche Kulisse. Am 31. Dezember soll dort der Silvester Crosslauf Düsseldorf stattfinden. Die Landeshauptstadt führt die Veranstaltung inzwischen offiziell in ihrem Laufkalender. Geplant sind Wettbewerbe über 1.850, 3.700, 5.550 und 7.400 Meter, der Veranstaltungszeitraum ist von 11 bis 13.20 Uhr angegeben. Landeshauptstadt Düsseldorf Die Distanzen verraten bereits das Prinzip: Eine Runde misst 1.850 Meter. Wer die längste Strecke wählt, bekommt vier davon. Das ist Crosslauf in seiner klassischen Form. Statt einer langen Strecke von A nach B entsteht das Rennen auf einem überschaubaren Kurs, den Zuschauer mehrfach einsehen können und auf dem sich der Rennverlauf unmittelbar entwickelt. Zurück zu einer fast vergessenen Laufdisziplin Initiator der Wiederbelebung ist Jan Winschermann. In Düsseldorf ist der Name eng mit dem Laufsport verbunden. Winschermann gehörte zu den prägenden Köpfen des Düsseldorf-Marathons und war über viele Jahre dessen Race Director. Noch 2018 führte ihn die Stadt Düsseldorf beim damaligen METRO Marathon als Race Director des Rhein-Marathon Düsseldorf e.V. Landeshauptstadt Düsseldorf Dass ausgerechnet er nun einen Crosslauf auf die Rennbahn bringt, wirkt deshalb weniger wie eine nostalgische Spielerei als wie eine bewusste Erweiterung des Düsseldorfer Laufkalenders. Der Straßenlauf ist in der Stadt stark vertreten. Marathon, Halbmarathon, Brückenlauf, Kö-Meile und eine Reihe kleinerer Veranstaltungen bedienen viele klassische Distanzen. Ein echter Crosslauf setzt dagegen einen anderen Reiz. Und dafür könnte der Zeitpunkt kaum besser gewählt sein. Cross Country gehört traditionell in die Wintermonate. World Athletics beschreibt die Disziplin ausdrücklich als Rennen auf Gras- oder Waldkursen, bei denen auch Kieswege, kurze Straßenabschnitte oder Hügel vorkommen können. Crossläufe werden typischerweise außerhalb der klassischen Stadion- und Straßenlaufsaison ausgetragen. Leichtathletik Weltverband Silvester passt also nicht nur wegen des Kalenders. Crosslauf heißt nicht „über Stock und Stein“ Mit kaum einer Laufdisziplin ist ein so hartnäckiges Missverständnis verbunden wie mit dem Crosslauf. Wer das Wort hört, denkt schnell an Läufer, die durch Unterholz springen, über Baumstämme klettern, durch Gräben waten und sich irgendwo zwischen Trailrunning und Hindernisrennen bewegen. Genau das ist Crosslauf nicht. Die Internationalen Wettkampfregeln beschreiben einen Crosskurs als Strecke in einem offenen oder bewaldeten Gebiet, möglichst auf Gras. Vorhandene natürliche Hindernisse dürfen einbezogen werden und sollen den Kurs abwechslungsreich und anspruchsvoll machen. Gleichzeitig heißt es ausdrücklich, dass sehr hohe Hindernisse, tiefe Gräben, gefährliche Auf- und Abstiege sowie dichtes Unterholz zu vermeiden sind. Leichtathletik Cross soll fordern. Er soll den Laufrhythmus stören, unterschiedliche muskuläre Anforderungen stellen und ständig kleine Anpassungen verlangen. Aber er soll kein Abenteuerparcours sein. Das unterscheidet ihn auch vom Trailrunning. Beim Trail führt die Strecke häufig über längere Distanzen durch natürliches Gelände, über Waldwege, Pfade und je nach Veranstaltung erhebliche Höhenunterschiede. Beim klassischen Cross konzentriert sich das Geschehen dagegen auf einen relativ kurzen Rundkurs. Bei Meisterschaften und internationalen Veranstaltungen empfehlen die Regeln Runden zwischen 1.500 und 2.000 Metern. Die geplanten 1.850 Meter in Düsseldorf liegen ziemlich genau in diesem Bereich. Leichtathletik Weltverband Die Rennbahn ist deshalb keineswegs zu „ordentlich“ für einen Cross. Der Untergrund macht das Rennen Auf der Straße entscheidet vor allem, wer das gewählte Tempo möglichst ökonomisch halten kann. Beim Cross kommt eine weitere Ebene hinzu. Gras reagiert anders als Asphalt. Feuchter Boden kostet Kraft. In Kurven lässt sich der Rhythmus nicht einfach konservieren. Kleine Steigungen fallen bei einer Runde kaum ins Gewicht, nach dem dritten oder vierten Durchgang aber sehr wohl. Und der Grafenberg bringt dafür natürliche Voraussetzungen mit. Die Galopprennbahn liegt mitten im Waldgebiet und besitzt eine charakteristische Kursführung mit Anstieg. Der Düsseldorfer Reiter- und Rennverein hebt diesen „Anberg“ selbst als besonderes Merkmal der Anlage hervor. Düsseldorf Galopp Wie anspruchsvoll ein Cross tatsächlich wird, entscheidet allerdings nicht allein das Profil. Ende Dezember kann dieselbe Runde zwei völlig unterschiedliche Rennen hervorbringen. Nach trockenen Tagen kann der Untergrund schnell und gut laufbar sein. Nach längerem Regen verändert weicher Rasen das Rennen erheblich. Dann zählt neben Ausdauer plötzlich auch Trittsicherheit, Kraft und die Fähigkeit, trotz wechselnder Bedingungen einen effizienten Laufstil zu behalten. Das gehört zum Cross. Das Wetter ist nicht bloß Begleiterscheinung, sondern Teil der sportlichen Aufgabe. Eine Rennbahn als Laufarena Auch für Zuschauer hat das Format seinen Reiz. Bei einem Straßenlauf verschwindet das Feld nach dem Start meist für längere Zeit. Auf einem Crossrundkurs kommt es immer wieder vorbei. Positionskämpfe lassen sich verfolgen, Abstände werden sichtbar, und wer auf der letzten Runde noch Reserven besitzt, kann sie vor den Augen der Zuschauer ausspielen. Genau darin liegt eine Stärke von Crossveranstaltungen. Das Rennen ist kompakt. Pferderennbahnen besitzen dafür eine lange Tradition. Schon die Vorläufer der heutigen Cross-Weltmeisterschaften wurden auf solchen Anlagen ausgetragen. Die ersten International Cross Country Championships fanden 1903 im schottischen Hamilton Park Racecourse statt. Cross und Pferderennbahn sind also keineswegs eine moderne Zweckgemeinschaft. Leichtathletik Weltverband Auf dem Grafenberg kommt die besondere Architektur der Anlage hinzu. Tribünen, Rennbahn, Grünflächen und der umgebende Wald schaffen einen Veranstaltungsraum, in dem Start, Ziel und große Teile des Wettkampfs eng zusammenliegen können. Die Rennbahn gehört seit mehr als einem Jahrhundert zu den festen Sportstätten Düsseldorfs. Der Düsseldorfer Reiter- und Rennverein selbst wurde bereits 1844 gegründet. Düsseldorf Galopp Am Silvestermorgen bekommt dieser Ort nun eine zweite sportliche Sprache. Vier Distanzen statt einer großen Hürde Auch das Programm spricht gegen die Vorstellung, Cross sei nur etwas für Spezialisten. Mit 1.850 Metern beginnt das Angebot ausgesprochen kurz. 3.700 und 5.550 Meter bilden die Mitte, 7.400 Meter sind die längste Variante. Landeshauptstadt Düsseldorf Das macht den Lauf interessant für sehr unterschiedliche Teilnehmer. Für Mittelstreckenläufer kann eine kurze Crossdistanz ein intensiver Winterwettkampf sein. Straßenläufer bekommen über die längeren Strecken einen kräftigen Trainingsreiz, ohne sich Ende Dezember auf zehn oder mehr Kilometer festlegen zu müssen. Und wer Cross bisher nur aus Fernsehbildern von Meisterschaften kennt, kann sich über eine überschaubare Distanz herantasten. Schnell kann das trotzdem werden. Gerade ein gut laufbarer Crosskurs ist kein gemütlicher Geländelauf. Auf festem Gras entwickeln sich Rennen, die vom ersten Meter an intensiv sind. Weil jede kleine Steigung und jede Kurve zusätzliche Kraft kostet, täuscht die reine Kilometerzahl. 7,4 Kilometer Cross fühlen sich nicht zwangsläufig wie 7,4 Kilometer Straße an. Ein anderer Schlussstrich unter das Laufjahr Silvesterläufe gehören längst zur deutschen Laufkultur. Der 31. Dezember ist einer der dichtesten Veranstaltungstage des Jahres. Vom großen Straßenlauf bis zum kleinen Vereinsrennen nutzen Läufer den Vormittag und Mittag, um das Jahr sportlich abzuschließen. RUNNER’S WORLD bezeichnet Silvesterläufe entsprechend als fest etablierten Bestandteil des Laufkalenders und verweist darauf, dass gerade der Crosslauf bei einigen der traditionsreichsten deutschen Silvesterveranstaltungen eine Rolle spielt. Runner's World Düsseldorf setzt nun einen eigenen Akzent. Keine schnelle Zehn-Kilometer-Runde auf Asphalt, kein klassischer Stadtlauf durch abgesperrte Straßen, sondern kurze Rennen auf der Galopprennbahn. Vielleicht ist gerade das der größte Reiz der Wiederbelebung. Cross braucht kein Gebirge, keine Baumstämme und keinen künstlich verschärften Hindernisparcours. Ein Stück Gras, ein sinnvoll angelegter Kurs, ein paar Höhenmeter und Winterwetter reichen vollkommen. Am 31. Dezember werden auf dem Grafenberg deshalb zwar keine Pferde um die beste Position kämpfen. Das Grundprinzip bleibt erstaunlich ähnlich: Wer nach mehreren Runden noch Kraft für die Zielgerade besitzt, hat vieles richtig gemacht.
__________________________________ Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln |