Laufen.NRW (Köln)
Das überregionale Online-Magazin im Rheinland
Über 10.000 Beiträge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 2026

 

 
 

Hendrik Pfeiffer erlebt in Chicago einen harten Marathon
 
Laufen-in-Koeln >> Rund um's Laufen >> Leichtathletik >> Artikel

11.10.2026 

 

 
Bis Kilometer 25 auf 2:06er-Kurs: Hendrik Pfeiffer erlebt in Chicago einen harten Marathon
 
Die ersten Kilometer ließen kaum erahnen, wie sich dieser Marathon noch entwickeln würde. Hendrik Pfeiffer begann schnell, aber bemerkenswert gleichmäßig. Nach fünf Kilometern zeigte die Uhr 14:56 Minuten, nach zehn Kilometern 29:44. Die nächsten beiden 5-Kilometer-Abschnitte folgten in 15:00 und 14:59 Minuten.
 
Nach 20 Kilometern stand eine Zwischenzeit von 59:43 Minuten. Den Halbmarathon passierte Pfeiffer nach 1:03:02 Stunden.
 
Das war ziemlich genau das Tempo, das er benötigte, um in Chicago eine Zeit im Bereich seiner persönlichen Bestleistung anzugreifen.
 
Und Pfeiffer hielt den Kurs zunächst weiter. Kilometer 25 erreichte er nach 1:14:50 Stunden. Hochgerechnet entsprach das einer Marathonzeit von etwa 2:06:20 Stunden.
 
Bis zu diesem Zeitpunkt lief sein Rennen nahezu nach Plan.
 
Dann änderte sich das Bild.
 
Ab Kilometer 25 wurde es schwer
 
Für die fünf Kilometer zwischen Kilometer 25 und 30 benötigte Pfeiffer 15:37 Minuten. Noch war damit nichts endgültig verloren. Nach 1:30:27 Stunden bei Kilometer 30 hätte er für eine Zeit unter 2:07 Stunden die verbleibenden 12,195 Kilometer allerdings wieder ungefähr im Drei-Minuten-Schnitt absolvieren müssen.
 
Stattdessen ging das Tempo weiter zurück.
 
Von Kilometer 30 bis 35 benötigte Pfeiffer 16:16 Minuten. Die nächsten fünf Kilometer bis Kilometer 40 dauerten 16:30 Minuten. Aus einem Kilometerschnitt von ziemlich genau drei Minuten auf der ersten Rennhälfte war inzwischen ein Tempo von deutlich über 3:15 Minuten geworden.
 
Bei Kilometer 40 zeigte die Uhr 2:03:13 Stunden. Nach 2:10:17 Stunden erreichte Pfeiffer schließlich das Ziel.
 
Die beiden Rennhälften erzählen den Verlauf besonders anschaulich. Die erste Hälfte absolvierte er in 1:03:02 Stunden, für die zweite benötigte er 1:07:15 Stunden. Das entspricht einem positiven Split von 4:13 Minuten.
 
Chicago war damit keineswegs ein Rennen, bei dem Pfeiffer schon früh erkennen musste, dass sein Ziel außer Reichweite geraten würde. Rund 25 Kilometer lang war eine Zeit deutlich unter 2:07 Stunden realistisch. Erst danach konnte er sein Anfangstempo nicht mehr halten.
 
Eine ungewöhnlich umfangreiche Vorbereitung
 
Dass Pfeiffer mit großen Erwartungen nach Chicago gereist war, hatte seine Gründe.
 
Sein Weg zu diesem Herbstmarathon war allerdings alles andere als störungsfrei verlaufen. Im Frühsommer hatte ihn ein Ermüdungsbruch im Fuß zu einer längeren Laufpause gezwungen. Die Verletzung verhinderte auch seinen geplanten Start bei den Europameisterschaften im August.
 
Während der Laufpause versuchte Pfeiffer, seine Ausdauer mit alternativem Training im Wasser zu erhalten. Anschließend kehrte er ins Lauftraining zurück und steigerte die Belastung erheblich.
 
In der unmittelbaren Marathonvorbereitung absolvierte er nach eigenen Angaben acht Wochen hintereinander jeweils mehr als 210 Laufkilometer. Solche Umfänge hatte er zuvor noch nicht trainiert.
 
Auch mit der Qualität seiner Einheiten zeigte er sich vor dem Rennen zufrieden. Das Ziel für Chicago war entsprechend ambitioniert: Pfeiffer wollte die Kadernorm von 2:07 Stunden unterbieten und möglichst eine neue persönliche Bestleistung laufen.
 
Die Zwischenzeiten bis Kilometer 25 zeigen, dass dieses Vorhaben keineswegs unrealistisch war.
 
Warum er anschließend deutlich langsamer wurde, lässt sich anhand der Ergebnisliste allein nicht beantworten. Ob die vorausgegangene Verletzung, die Belastung der umfangreichen Vorbereitung, die Tagesform oder andere Faktoren eine Rolle spielten, wäre ohne eine entsprechende Aussage Pfeiffers Spekulation.
 
Boston zeigte, was Pfeiffer laufen kann
 
Wie hoch das Leistungsniveau des 33-Jährigen inzwischen ist, hatte er erst im Frühjahr unter Beweis gestellt.
 
Beim Boston-Marathon lief Pfeiffer im April 2:06:34 Stunden. Aufgrund des Streckenprofils und der großen Entfernung zwischen Start und Ziel erfüllt Boston allerdings nicht die Voraussetzungen für die Anerkennung von Rekorden.
 
Seine schnellste Zeit auf einer rekordfähigen Strecke stammt aus Valencia. Dort war Pfeiffer im Dezember 2025 nach 2:06:45 Stunden ins Ziel gekommen.
 
Chicago bot ihm nun eine weitere Gelegenheit, eine Zeit in diesem Bereich auf einer der schnellsten Marathonstrecken der Welt zu laufen. Nach 25 Kilometern deutete vieles darauf hin, dass genau das möglich sein könnte.
 
Am Ende fehlten ihm 3:32 Minuten zu seiner Valencia-Zeit und 3:43 Minuten zu den 2:06:34 Stunden aus Boston.
 
Gemessen an Pfeiffers eigenen Ansprüchen ist die 2:10:17 deshalb eine Enttäuschung. Gleichzeitig sollte die Vorgeschichte nicht ausgeblendet werden. Nur wenige Monate nach einem Ermüdungsbruch wieder einen Marathon auf diesem Niveau zu absolvieren, zeigt, wie weit er bereits zurückgekommen ist.
 
Kipruto läuft in einer anderen Dimension
 
Während Pfeiffer in der zweiten Rennhälfte Zeit verlor, entwickelte sich an der Spitze ein außergewöhnlich schneller Marathon.
 
Der Kenianer Amos Kipruto gewann in 2:01:09 Stunden und verbesserte seine persönliche Bestleistung deutlich. Hinter ihm erreichte der Äthiopier Tadese Takele nach 2:02:56 Stunden das Ziel. Dritter wurde dessen Landsmann Milkesa Mengesha in 2:03:46 Stunden.
 
Titelverteidiger Jacob Kiplimo aus Uganda, der im Vorfeld zu den großen Favoriten gezählt hatte, musste sich diesmal mit 2:04:18 Stunden und Platz vier begnügen.
 
Auch bei den Frauen erreichte das Rennen ein außergewöhnliches Niveau. Die Äthiopierin Hawi Feysa gewann in 2:13:33 Stunden vor Sharon Lokedi aus Kenia in 2:14:07 Stunden und deren Landsfrau Brigid Kosgei in 2:14:55 Stunden.
 
Damit blieben drei Frauen in einem Rennen unter 2:15 Stunden.
 
Die Zeiten zeigen, auf welchem Niveau der internationale Marathon inzwischen angekommen ist. Selbst eine 2:06er-Zeit, die Pfeiffer lange anvisierte, hätte in diesem Feld nicht für einen Platz ganz vorne gereicht.
 
Was Chicago für Pfeiffer bedeutet
 
Für Hendrik Pfeiffer dürfte nach diesem Marathon weniger die Endzeit allein interessant sein als die Frage, warum sich sein Rennen nach rund 25 Kilometern so deutlich veränderte.
 
Denn bis dahin lieferte er genau das ab, was er sich vorgenommen hatte. Seine 5-Kilometer-Abschnitte von 14:56, 14:48, 15:00 und 14:59 Minuten zeigen eine bemerkenswerte Konstanz. Auch bis Kilometer 25 blieb das Tempo stabil.
 
Der Bruch kam erst danach.
 
Gerade deshalb liefert Chicago möglicherweise mehr Erkenntnisse für die kommenden Monate, als es eine von Beginn an misslungene Vorstellung getan hätte. Die Geschwindigkeit für einen Marathon im Bereich von 2:06 bis 2:07 Stunden war zumindest über einen erheblichen Teil der Strecke vorhanden. Die entscheidende Aufgabe wird sein, dieses Tempo wieder über die gesamten 42,195 Kilometer tragen zu können.
 
Dass Pfeiffer dazu grundsätzlich in der Lage ist, hat er in Valencia und Boston bereits gezeigt.
 
Chicago 2026 wird für ihn dennoch ein Marathon bleiben, bei dem nach 25 Kilometern vieles nach einer weiteren 2:06er-Zeit aussah und am Ende 2:10:17 Stunden auf der Uhr standen. Genau diese gut vier Minuten erzählen die Geschichte seines Rennens.

__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Hendrik Pfeiffer beim Berlin-Marathon 2024 (Archivfoto: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons, CC0 1.0).