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Verena Cerna läuft in Ulm zum Weltrekord über 50 Kilometer
 
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04.11.2026 

 

 
45-jährige Physikprofessorin unterbietet Weltrekord ihrer Altersklasse und knackt 31 Jahre alten deutschen Frauenrekord
 
50 Kilometer in 3:14:35 Stunden. Mit dieser außergewöhnlichen Leistung hat Verena Cerna am 1. November 2026 in Ulm gleich zwei historische Bestmarken unterboten. Die 45-jährige Läuferin des SSV Ulm 1846 verbesserte den bisherigen Weltrekord ihrer Altersklasse W45 um 2:25 Minuten und blieb zugleich 2:12 Minuten unter dem deutschen Frauenrekord, der seit 1995 Bestand hatte. Bemerkenswert ist nicht nur die Zeit, sondern auch die Geschichte einer Frau, die erst mit 30 Jahren zum Laufsport fand und inzwischen zur internationalen Spitze im Ultralauf gehört. Die offizielle Anerkennung der beiden Rekorde steht noch aus.
 
Es war ein besonderer Sonntagmorgen im Ulmer Donaustadion. Während andernorts Läufer zu ihren üblichen Trainingsrunden aufbrachen, stand hier eine sportliche Herausforderung auf dem Programm, die weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregen sollte. Unter dem Titel „Breaking 50 – powered by Sport Sohn“ hatte die SUN Sportmanagement GmbH einen eigens auf Verena Cerna zugeschnittenen Rekordversuch organisiert.
 
Um 9 Uhr gab Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger den Startschuss. Vor Cerna lagen 50 Kilometer, knapp acht Kilometer mehr als bei einem Marathon. Ihr Ziel war klar definiert: Sie wollte schneller laufen als jede Frau ihrer Altersklasse zuvor. Und möglichst auch schneller als jede deutsche Frau, unabhängig vom Alter.
 
Dafür musste sie über mehr als drei Stunden eine Geschwindigkeit halten, die für viele ambitionierte Freizeitläufer bereits über fünf oder zehn Kilometer eine erhebliche Herausforderung darstellen würde. Am Ende entsprach ihre Leistung einem durchschnittlichen Kilometerschnitt von 3:54 Minuten.
 
Zwei Rekorde bei einem einzigen Lauf
 
Der bisherige Weltrekord über 50 Kilometer in der Altersklasse W45 lag bei 3:17:00 Stunden. Aufgestellt hatte ihn die Niederländerin Yvonne van Vlerken am 13. September 2025 beim traditionsreichen RUN in Winschoten. Ihre Bestmarke hatte damit gerade einmal gut ein Jahr Bestand, bevor Cerna sie in Ulm um 2:25 Minuten unterbot.
 
Noch bemerkenswerter ist der Blick auf die deutsche Rekordgeschichte. Hier hatte seit dem 8. April 1995 eine Zeit von 3:16:47 Stunden Bestand. Damals war Maria Bak im hessischen Rodenbach diese Bestleistung gelaufen. Mehr als drei Jahrzehnte lang war keine deutsche Frau über 50 Kilometer schneller gewesen.
 
Bis zu jenem Sonntag in Ulm.
 
Cerna unterbot die historische Marke um 2:12 Minuten. Dabei handelt es sich keineswegs nur um einen weiteren Altersklassenrekord. Die Ulmerin lief schneller als die bisherige deutsche Bestmarke aller Frauen über diese Distanz, unabhängig von deren Alter.
 
Vier Runden entlang der Donau
 
Die Voraussetzungen für den Rekordversuch waren sorgfältig vorbereitet worden. Anders als bei einem klassischen Straßenlauf, bei dem sich zahlreiche Teilnehmer gemeinsam auf die Strecke begeben, stand bei „Breaking 50“ eine einzelne Athletin im Mittelpunkt.
 
Veranstalter war die SUN Sportmanagement GmbH, die gemeinsam mit dem Einstein-Marathon-Team den Rekordversuch organisierte. Mit Sport Sohn als Hauptsponsor erhielt das Projekt zudem Unterstützung aus der Region.
 
Für den Lauf wurde ein besonderer Rundkurs eingerichtet. Vom Ulmer Donaustadion führte die Strecke entlang der Donau in Richtung Thalfingen und wieder zurück. Viermal absolvierte Cerna den rund elf Kilometer langen Rundkurs und durchlief dabei nach jeder Runde das Stadion. Die abschließenden Kilometer wurden ebenfalls im Donaustadion zurückgelegt. Auf diese Weise konnten die Zuschauer den Rennverlauf immer wieder unmittelbar miterleben.
 
Die eigens für den Rekordversuch eingerichtete 50-Kilometer-Strecke war zuvor von den international lizenzierten Straßenstreckenvermessern Detlev Ackermann (Grad A) und Michael Weber (Grad B) nach den Richtlinien von World Athletics und AIMS vermessen worden. Die exakte Streckenlänge ist eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Anerkennung von Rekordleistungen.
 
Auch sportlich war der Versuch gezielt vorbereitet. Acht Tempomacher unterstützten Cerna dabei, über die gesamte Distanz eine möglichst gleichmäßige Geschwindigkeit einzuhalten.
 
Gerade bei einem 50-Kilometer-Lauf kann eine kluge Renneinteilung entscheidend sein. Wer zu schnell beginnt, riskiert, auf den letzten Kilometern deutlich einzubrechen. Wer dagegen zu vorsichtig läuft, verliert möglicherweise schon früh die Sekunden, die am Ende für eine Rekordzeit fehlen.
 
Bei günstigen äußeren Bedingungen gelang es Cerna, ihren Zeitplan nicht nur einzuhalten, sondern die angestrebten Bestmarken deutlich zu unterbieten. Mehr als 500 Zuschauer verfolgten den Rekordversuch entlang der Strecke und im Stadion.
 
Die Zuschauer feierten sie - Nach jeder Runde lief Verena Cerna (links)im Stadion Spalier

Im Ziel überwog zunächst das Glück

 
Nach 3:14:35 Stunden überquerte Verena Cerna die Ziellinie im Donaustadion. Dort wurde sie von Wolfgang Beck vom Einstein-Marathon-Team und Oliver Holbein, dem Vertreter des Hauptsponsors Sport Sohn, empfangen.
 
Was sie gerade geleistet hatte, konnte die 45-Jährige in diesem Moment selbst noch kaum fassen.
 
„Unbeschreiblich. Also ich hätte nicht gedacht, dass es, es lief echt gut. Ja, ich muss das erst noch bearbeiten. Einfach nur, also im Moment bin ich einfach glücklich und ja, ich glaube, ich brauche noch ein bisschen, bis das gesackt ist und ich bin einfach froh, dass ich das jetzt so gut hinbekommen hab und ja einfach glücklich.“
 
Es sind spontane Worte einer Athletin, die nach mehr als drei Stunden höchster körperlicher Belastung zunächst nach einer Erklärung für ihre eigenen Gefühle sucht. Die Anspannung des Rekordversuchs war vorbei. Was blieb, war die Gewissheit, beide angestrebten Bestmarken unterboten zu haben.
 
Vom späten Laufeinstieg zur Weltspitze
 
Dass Verena Cerna einmal einen Weltrekord angreifen würde, war zu Beginn ihrer Laufkarriere keineswegs absehbar. Erst im Alter von 30 Jahren fand sie zum Laufsport. Inzwischen gehört die 1981 geborene Athletin zu den erfolgreichsten deutschen Läuferinnen auf der Ultramarathondistanz.
 
Beruflich ist Cerna als Professorin für Physik an der Technischen Hochschule Ulm tätig. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit hat sie sich über viele Jahre zu einer leistungsstarken Langstreckenläuferin entwickelt.
 
Beim Berlin-Marathon 2024 erreichte sie mit 2:41:11 Stunden eine beachtliche persönliche Bestzeit. Im Februar 2025 bestritt sie in Ubstadt-Weiher ihren ersten 50-Kilometer-Wettkampf. Nach 3:23:01 Stunden kam sie als deutsche Vizemeisterin ins Ziel.
 
Schon damals deutete sich an, dass Cerna auch jenseits der klassischen Marathondistanz konkurrenzfähig sein würde. Der Schritt zum internationalen Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.
 
Erst Weltmeisterin, dann Weltrekordläuferin
 
Bei den 50-Kilometer-Weltmeisterschaften am 14. März 2026 in Neu-Delhi bewies Cerna, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen zu den stärksten Athletinnen ihrer Disziplin gehört.
 
In der indischen Hauptstadt mussten sich die Läufer mit schwülwarmer Witterung auseinandersetzen. Um den hohen Temperaturen zumindest teilweise auszuweichen, erfolgte der Start bereits um vier Uhr morgens.
 
Cerna teilte sich ihr Rennen kontrolliert ein und ließ sich auch vom hohen Anfangstempo ihrer Konkurrentinnen nicht aus dem Konzept bringen. Mit 3:26:21 Stunden erreichte sie den achten Platz in der Gesamtwertung der Frauen. Zugleich gewann sie den Weltmeistertitel der Altersklasse W45. Als schnellste deutsche Teilnehmerin trug sie außerdem zum fünften Platz der deutschen Frauenmannschaft bei.
 
Mit diesem Erfolg hatte die Ulmerin bereits bewiesen, dass sie sich auch im internationalen Wettbewerb behaupten konnte. Der anschließende Rekordversuch in ihrer Heimatstadt war deshalb mehr als ein ambitioniertes Einzelprojekt. Er bot ihr die Gelegenheit, unter gezielt vorbereiteten Bedingungen ihre persönliche Leistungsgrenze noch einmal deutlich zu verschieben.
 
Der Vergleich ihrer Ergebnisse zeigt die Entwicklung besonders anschaulich: Zwischen ihrem 50-Kilometer-Debüt im Februar 2025 und dem Rekordlauf in Ulm lagen gut 20 Monate. In dieser Zeit verbesserte sie ihre Bestleistung um 8:26 Minuten.
 
Ein Tempo, das selbst über die Marathondistanz beeindruckt
 
Wie außergewöhnlich Cernas Leistung ist, zeigt ein Blick auf die Durchschnittsgeschwindigkeit. Für ihre 50 Kilometer benötigte sie 194 Minuten und 35 Sekunden. Das entspricht einem Tempo von rund 3:54 Minuten pro Kilometer beziehungsweise 15,42 Kilometern pro Stunde.
 
Rechnerische Zwischenzeiten bei konstantem Tempo
 
10 Kilometer 38:55 Minuten
Halbmarathon 1:22:06 Stunden
Marathon 2:44:14 Stunden
50 Kilometer 3:14:35 Stunden
 

 
Cerna lief damit ein Tempo, das rechnerisch einer Marathonzeit von rund 2:44 Stunden entspricht. Allerdings endete ihr Rennen nicht nach 42,195 Kilometern. Sie musste diese Geschwindigkeit anschließend noch weitere 7,805 Kilometer aufrechterhalten.
 
Genau darin liegt eine der besonderen Herausforderungen des Ultramarathons. Mit zunehmender Belastungsdauer steigen die Anforderungen an die Energieversorgung und die muskuläre Ermüdungsresistenz. Gleichzeitig gilt es, auch unter hoher körperlicher Belastung einen möglichst ökonomischen Laufstil beizubehalten.
 
Dass Cerna im Alter von 45 Jahren eine solche Leistung erreicht, macht ihren Erfolg zusätzlich bemerkenswert. Ihre Karriere zeigt, dass sportliche Höchstleistungen nicht zwangsläufig einen frühen Einstieg voraussetzen. Langjährige Trainingsentwicklung, eine kluge Belastungssteuerung und die Fähigkeit zur Regeneration können auch jenseits der 40 noch erhebliche Leistungsfortschritte ermöglichen.
 
Zwischen Hörsaal und Laufstrecke
 
Auch außerhalb des Wettkampfs spielt das Laufen in Cernas Leben eine wichtige Rolle. Als Physikprofessorin an der Technischen Hochschule Ulm verbindet sie ihren Beruf mit ihrer Begeisterung für den Ausdauersport.
 
Im Sommersemester bietet sie regelmäßig einen Lauftreff zur Vorbereitung auf den Ulmer Einstein-Marathon an. Dort laufen Studierende, Hochschulmitarbeiter und Professoren gemeinsam. Cerna vermittelt dabei auch Grundlagen der Laufkoordination und des Trainings. 
 
So gibt sie ihre sportliche Erfahrung an Menschen weiter, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen und deren Ziele häufig weit entfernt von Weltrekordzeiten liegen.
 
Die offizielle Anerkennung steht noch aus
 
Bei aller Freude über die neue Bestzeit bleibt ein wichtiger formaler Schritt offen. Sowohl der Weltrekord in der Altersklasse W45 als auch der deutsche Frauenrekord stehen derzeit noch unter dem Vorbehalt der offiziellen Anerkennung.
 
Im Ultralaufsport genügt eine gemeldete Zielzeit allein nicht für die Anerkennung einer Rekordleistung. Die zuständigen Stellen müssen die erforderlichen Nachweise prüfen. Dazu gehören insbesondere die regelkonforme Streckenlänge und die Einhaltung der für den jeweiligen Rekord geltenden Bestimmungen.
 
Mit der Vermessung des Ulmer Kurses durch zwei international lizenzierte Straßenstreckenvermesser war eine wesentliche Grundlage bereits im Vorfeld des Wettbewerbs geschaffen worden. Die abschließende Entscheidung über die Anerkennung liegt bei den zuständigen Verbänden.
 
Sportlich hat Verena Cerna allerdings bereits ein deutliches Zeichen gesetzt. Innerhalb von knapp zwei Jahren entwickelte sie sich von einer erfolgreichen Marathonläuferin zur Weltmeisterin ihrer Altersklasse über 50 Kilometer und schließlich zu einer Athletin, die auch den mehr als drei Jahrzehnte alten deutschen Frauenrekord unterbot.
 
Vielleicht ist gerade das die bemerkenswerteste Seite ihrer Geschichte. Die Physikprofessorin, die erst mit 30 Jahren zum Laufen kam, erreicht mit 45 Jahren ihre bislang stärkste Leistung. Und diese ist keineswegs nur innerhalb ihrer Altersklasse außergewöhnlich. Sie ist schneller als alles, was eine deutsche Frau zuvor über 50 Kilometer gelaufen war.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln