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Laufstreckengeheimnisse Teil 26: Eine Kölner Konstruktion für Wuppertal
 
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03.07.2014 

 

Beim Wuppertaler Schwebebahn-Lauf läuft man mehrmals unter den vorbeiziehenden Wagons hindurch. Ein Lauferlebnis der ganz besonderen Art. Die Geschichte zu der Bahn selbst führt nach Köln, wo in den 1880er-Jahren der Prototyp entwickelt wurde.
 
"Wo mir sin is Kölle", heißt es in einem Lied der Kölner Band "De Höhner". Und auch in Wuppertal trifft das sogar zu, wenn man z.B. beim Schwebebahnlauf mitläuft. Die Strecke führt nämlich mehrfach unter der Bahnstrecke durch, so dass man dieses Wahrzeichen laufend bestaunen kann.
 
Um zu verstehen, was Wuppertals Wahrzeichen mit Köln zu tun hat, muss man das Rad der Geschichte etwas zurückdrehen - Im Jahre 1824 stellte der Engländer Henry Robinson Palmer ein Bahnsystem vor, das erheblich von den bis dahin bekannten Konstruktionen abwich. Es war im Grunde eine kleine Schwebebahn, bei der hängende Transportbehälter von Pferden gezogen wurden. Der Industrielle und Politiker Friedrich Harkort begeisterte sich für diese Bahn. Er ließ durch seine Fabrik 1826 probehalber in Elberfeld auf dem Gelände des heutigen Finanzamtes an der Kasinostraße eine solche Bahn aufstellen. Gemeinsam mit dem Bergrat Heintzmann versuchte er, die Öffentlichkeit dafür zu interessieren. Am 9. September 1826 wurde im Rathaus zu Elberfeld von zehn Bürgern unter Vorsitz des Landrates Graf von Seysel de Aix über eine solche Palmersche Bahn von der Ruhr zur Wupper beraten. Harkort, Bergrat Heintzmann und der Markscheider Bohnert inspizierten danach die vorgesehene Strecke. Sie sollte von Elberfeld über Uellendahl-Horath-Herzkamp nach Hinsbeck oder von Elberfeld über Horath bis Langenberg und weiter durch das Deilbachtal führen. Die Pläne wurden jedoch nicht verwirklicht, da verschiedene Grubenbesitzer Einspruch einlegten. Sie fühlten sich benachteiligt, da sie nicht einbezogen wurden. Das Oberbergamt verfügte daraufhin die vorläufige Einstellung der Planungen.
 
Die von Eugen Langen patentierte Bahn wurde von der Waggonfabrik van der Zypen & Charlier in Köln-Deutz den Städten im Wuppertal vorgeschlagen. Die Firma erbaute in Köln eine Probeanlage, durch welche sich die Stadtväter bei einer Besichtigung für das System begeistern ließen.
 
Dann kam der Durchbruch, die schließlich ausgeführte Schwebebahn wurde in den 1880er-Jahren vom Ingenieur Eugen Langen in Köln konzipiert und getestet. Er hatte auf seinem Fabrikgelände schon zuvor mit hängenden Einschienenbahnsystemen experimentiert. Zunächst nur als Transportsystem für seine Fabrikation gedacht, erkannte er die Möglichkeiten des Einsatzes des Systems für Lasten- und Personentransporte in unwegsamen Gegenden, da der Aufbau eines Fahrgerüstes flexibler an ein vorgefundenes Gelände angepasst werden konnte als ein kostspieliges Gleisbett mit Unterbau. Schließlich gelang es Eugen Langen, die Städte Barmen, Elberfeld und die Landgemeinde Vohwinkel für sein System, für das er den Namen "Schwebebahn" erfand, zu gewinnen.
 
 
    www.schwebebahn-lauf.de

 






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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Mit freundlicher Unterstützung des Schwebebahn-Lauf e.V., Deutz AG, RWWA, Wegen de Leut media
Historie: Wikipedia