Laufen.NRW (K÷ln)
Das Řberregionale Online-Magazin im Rheinland
▄ber 6.500 Beitrńge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

Der eigentliche Lauf
 
Laufen-in-Koeln >> Marathon und Ultral├Ąufe >> ├ägypten >> 100km Pharaonenlauf >> Artikel

17.11.2002 

 

Fr├╝h begann der Tag. Lange bevor der Muizin die Gl├Ąubigen zum ersten Gebet rief, klingelte bereits das Telefon. Der Hotelweckdienst holte die noch m├╝den Teilnehmer aus ihren Betten. Das Fr├╝hst├╝ck war f├╝r 4:30 angesetzt. Mit verschlafenen Augen versammelten sich die Athleten zum gemeinsamen Fr├╝hst├╝cks-Buffet an. Viel Zeit war nicht, denn schon eine habe Stunde Sp├Ąter sollte sich der Transport zum Start in Bewegung setzen. Doch die enge Terminvorgabe erwies sich als nicht einhaltbar. Denn erst mussten die rund 105 Teilnehmer auf die weit ├╝ber 30 Fahrzeuge verteilt werden. Weiterhin bekam noch jeder Teilnehmer ausreichend Bananen und jede Menge Wasser in die Hand gedr├╝ckt. Eine Aktion, die sich schlie├člich ├╝ber eine Stunde hinzog.
Als letztlich auch der letzte Teilnehmer in einem Fahrzeug untergebracht war, ging es endlich los. Auf den holprigen Stra├čen bewegte sich die nicht enden wollende Autokarawane Richtung Start. 100km weiter entfernt, s├╝dlich von Kairo.
 
   

Mit ├╝ber einer Stunde Versp├Ątung sollte schlie├člich nun auch der Lauf starten. Gasser Riad gab den Startschuss. Vorne Weg liefen die ├ägypter. Ein vorsichtiges Abtasten auf den ersten Kilometer unter den Teilnehmern. Gerade als Einzell├Ąufer durfte man sich da durch die Staffell├Ąufer nicht mitrei├čen lassen und sich in Geduld ├╝ben. Christian Hottas versuchte seiner Lebensgef├Ąhrtin Barbara Szlachetka zu folgen. Aber die zog ihr Lauftempo gleich auf einen 5er Schnitt an. Ein Tempo, das Christin sp├Ąter zum Verh├Ąngnis wurde.

Der erste Abschnitt f├╝hrte durch die W├╝ste. Links und rechts nur Sand und Ger├Âll. Ab und zu entdeckt man in der Ferne herrenlose W├╝stenhunde umherschwirren. Die einzige Abwechslung, die die ersten 30km zu bieten haben. Bis zum Horizont f├╝hrt die Stra├če und da ist noch lange kein Ende. Nach einiger Zeit taucht auf der linken Seite der Strecke ein Zug auf. Der W├╝stenexpress von ├ägypten. Auf den ersten Blick nichts besonderes, abgesehen von den Reisenden. Entgegen aller deutschen Sicherheitsvorschriften stehen diese w├Ąhrend der Fahr an der offenen T├╝r. Doch das war allerdings noch harmlos, im Vergleich was einem in den D├Ârfern noch begegnen sollte.
Alle 10km passiert man die Wechselpunkte der Staffeln. Diese stehen mit ihren Fahrzeugen am Stra├čenrand und warten auf ihre L├Ąufer. Als Einzell├Ąufer schaut man schon mal neidisch auf die im Schatten sitzenden Sportskollegen. Aber an pausieren ist da nicht zu denken, denn die Staffelteams feuern nat├╝rlich nicht nur ihre eigenen Leute an, sondern auch die Einzelstarter.
 
   

├ťber die W├╝ste weht ein leichter Wind. Angesichts der ansteigenden Temperaturen ganz angenehm, aber auf Dauer sehr erm├╝dend. Auch hier gilt es mit den Kr├Ąften haushalten und das Tempo ggf. drosseln. Schlie├člich muss man nicht 42,195km sondern 100km gegen den Wind laufen. Aber auch das sollte irgendwann ein Ende haben, sp├Ątestens dann, wenn man durch die sch├╝tzenden Gr├╝nabschnitte l├Ąuft.
F├╝r die Versorgung war bestens gesorgt. Im Schritt-Tempo trottet das Versorgungsfahrzeug den Einzelstartern hinterher. Somit ist jeder Zeit der Griff zur durstl├Âschenden Wasserflasche gew├Ąhrleistet. Ein Luxus den man nicht untersch├Ątzen darf. Die Luft ist warm und trocken. Schnell werden die Lippen und der Mund trocken.
Ab km 29 erscheint die erste Attraktion am Horizont. Die Meidum Pyramide. Jetzt konnte es nicht mehr weit sein, bis die ersten Gr├╝nfl├Ąchen auftauchen.
 
   

Bei km 32 durchl├Ąuft man erstmalig ein Dorf, von denen noch viele weitere folgen sollten. Gerade diese Abschnitte sind immer wieder ein besonderes Erlebnis. Auf einmal befindet man sich mitten im Alltagsleben der ├ägypter wieder. Frauen sitzen am Kanal, waschen Kocht├Âpfe und Kleidung. Die Bauern bestellen ihre Felder. Die Kinder helfen ihren Eltern, entweder auf dem Feld oder am Fluss. H├Ąndler ziehen mit ihren Eseln umher und verkaufen ihre Ernteertr├Ąge. Als moderner Europ├Ąer f├╝hlt man sich richtig in eine l├Ąngst vergangene Zeit zur├╝ckgesetzt. Lediglich vorbeifahrende Autos deuten auf ein modernes Zeitalter hin. Aber immer wieder beobachtet man Aktivit├Ąten, die einen Sicherheitsbewusten die Haare zu Berge stehen lassen. Z.B. gibt es in ├ägypten auch Busse f├╝r den Nahverkehr, aber gerade in den D├Ârfern nimmt man da eher auf der Ladefl├Ąche eines Lastkraftfahrzeuges Platz. Bis zu 20 Personen stehend auf der Ladefl├Ąche, ungesichert und frohen Mutes. Gut gelaunt scheinen sie allemal zu sein und somit stimmt auch schon mal die ganze Gruppe ein Lied an. Abenteuerlich wird es jedoch wieder, als ein junger Mann w├Ąhrend der Fahrt auf einmal anfing, auf das Dach eines Busses zu klettern. In Deutschland w├╝rde man so etwas S-Bahn Surfen nennen. Aber so sind sie, die ├ägypter. Einfach aber robust. Ein Experte meinte mal hierzu, "Die ├ägypter werden uns alle ├╝berleben".
Die Reaktion der Dorfbewohner auf die L├Ąufer ist recht unterschiedlich. In einem Dorf wird man als Held gefeiert und angefeuert, wobei man in anderen D├Ârfern eher als Eindringling gesehen wird. Zwar freut man sich ├╝ber den Besuch, aber dass man ohne Geschenke weiterl├Ąuft, st├Â├čt dann doch auf Unverst├Ąndnis. Gerade die Kinder und Jugendlichen f├╝hlen sich durch die L├Ąufer angezogen. Sichtlich haben sie ihren Spa├č daran und versuch ein paar Meter mitzulaufen. Allerdings kommt es auch schon mal vor, dass man pl├Âtzlich das halbe Dorf hinter sich her rennen hat. In diesem Fall darf man dann aber auf die Vernunft der ├älteren hoffen, die dem Treiben dann Einhalt gebieten.
 
   
 
   

Die scheinbar endlose Stra├če f├╝hrt geradeaus Richtung Ziel. Vorbei an Palmenfeldern und Gr├╝nanlagen. Lediglich die Elleshet Pyramiden in der Ferne erinnern daran, dass man sich lediglich auf einem fruchtbaren Kanalabschnitt mitten in der W├╝ste befindet. Dies wird insbesondere bei km 83 deutlich. Von der Hauptstra├če abbiegend geht es ├╝ber ein Wendest├╝ck zur Dahshur Pyramide. Nach nur wenigen hundert Metern befindet man sich mitten in der W├╝ste wieder. Endlose Sandfelder bis zum Horizont kennzeichnen das Land.
 


 

 
 
Die W├╝ste macht es einem nicht einfach. Die Hitze und die ungewohnte Umgebung fordern alles von einem. Zwar kommt es unter den L├Ąufern immer wieder mal zu ├ťberholman├Âvern, aber irgendwie sieht man sich dann doch wieder. Selbst der erfahrene Christin Hottas musste einsehen, dass er im ersten Abschnitt zu schnell gelaufen ist. Bei km 60 traf man sich wieder. Mittlerweile ist auch Bela Krausz heranger├╝ckt. Begleitend von Detlev Ackermann versuchen die 3 jeweils f├╝r sich innerhalb der Gruppe eine vordere Position zu halten. Nach einiger Zeit sieht man aber ein, nur gemeinsam kommt man wirklich effektiv weiter. Nach einer l├Ąngeren Powerwalking-Pause und jeder Menge Isostar gelingt es dem K├Âlner L├Ąufer Ackermann schlie├člich dann doch noch, sich bei ca. km 80 von den beiden Verfolgern abzusetzen.
Mittlerweile ist es auch dunkel geworden und die Temperaturen sind auf ein ertr├Ąglichen Ma├č zur├╝ckgegangen. Bei km 96.7 die Erl├Âsung, die Stra├čeneinfahrt nach links f├╝hrt zum Zieleinlauf vor der┬á Sakkara Pyramide.

Im Ziel empf├Ąngt Gert Engel die ├╝berm├╝deten Pharaonenl├Ąufer. Kaum ├╝ber die Ziellinie geschritten und das Zieltor durchlaufen, bekommt man eine Medaille ├╝berreicht, die in Deutschland seines Gleichen suchen d├╝rfte. Die ├╝beraus attraktive Erinnerung wird lediglich noch von der weiterhin ├╝berreichten Urkunde ├ťbertroffen. Auch das d├╝rfte wohl einzigartig sein. Ein ├╝beraus mit leuchtenden Farben verzierte Urkunde auf echtem Papyrus.



__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln