Laufen.NRW (K÷ln)
Das Řberregionale Online-Magazin im Rheinland
▄ber 6.500 Beitrńge zu allen Themen rund um den Laufsport

DRUCK-VERSION 20.12.2008

 

 
 

Erster Rhein-Marathon D├╝sseldorf, grandiose Auftaktveranstaltung
 
Laufen-in-Koeln >> Marathon und Ultral├Ąufe >> Deutschland >> Metro Group Marathon D├╝sseldorf >> Artikel

05.05.2003 

 

 

Eine alte Tradition lebt wieder auf
 
Lange musste die Laufgemeinde darauf warten. Nun war es endlich soweit, eine alte Tradition in der Landeshauptstadt lebte wieder auf. Ein Citymarathon in D├╝sseldorf wurde zu neuem Leben erweckt, der
letztmalig 1961 als deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde. Doch bis dahin war es ein harter und vor allem stressiger Weg. Ein Aufwand, der vorwiegend von drei Idealisten bewerkstelligt wurde. Diese rotieren nicht nur an den Werkstagen, sondern nutzen auch jede freie Minute an den Sonn- und Feiertagen, um die anstehende Arbeit zu erledigen. Nicht selten gingen sie erst gegen 3 Uhr nachts in den verdienten Feierabend, um dann am n├Ąchsten Morgen wieder voll loszulegen. Ihre ganze Kraft investieren sie, um den Marathonis am 4. Mai eine glanzvolle Veranstaltung bieten zu wollen. So reichte beispielsweise einer der Mitwirkenden seinen ganzen Jahresurlaub ein, nur um die t├Ąglich 200 anfallenden Emails zu beantworten. Und dies vor allem ehrenamtlich. Unter der Schirmherrschaft des D├╝sseldorfer Oberb├╝rgermeisters Joachim Erwin, und einem Etat von 700.000 Euro stampften sie das einzige Gro├čsportereignis in der Landeshauptstadt D├╝sseldorf aus dem Boden.

Erfolg direkt von Anfang an
 
Ohne gro├čen Aufwand und Werbung verteilte man die Ausschreibungen auf diversen Laufveranstaltungen. Es dauerte nicht lange, dass sich ein Anmeldesturm in Bewegung setzte, der mit einem "Teilnehmerlimit ├╝berschritten" bereits 2 Wochen vor der Veranstaltung endete. W├Ąhrend andere Veranstalter durch das ganze Land zogen, um kr├Ąftig die Werbetrommel zu r├╝hren, verbreitete sich die Nachricht von dem anstehenden Marathon in D├╝sseldorf fast von allein, was vor allem die Anmeldungen aus dem Ausland zeigen.

Internationale Beteiligung
 
Schon bei der ersten Veranstaltung sollte der Rhein-Marathon D├╝sseldorf 2003 ein sportliches Gro├čereignis mit stark internationaler Beteiligung werden. Aus 34 L├Ąndern aus allen Kontinenten der Erde kamen die Teilnehmer in die Landeshauptstadt eingereist. Die unterschiedlichsten Nationalit├Ąten waren dabei vertreten: an vorderster Stelle die direkten Nachbarn Niederlande, gefolgt von Japan, wo der Marathon ein Volkssport ist - vergleichbar mit Fu├čball in Deutschland. Weitere Spitzenreiter: Gro├čbritannien und Frankreich. Die reiselustigsten L├Ąufer kamen aus Neuseeland und Australien zum Rhein-Marathon D├╝sseldorf. Auch von US Virgin Islands in der Karibik und von den Cook-Inseln in der S├╝dsee lagen Anmeldungen vor.

Vor dem eigentlichen Lauf, Vorfreude auf der Marathonparty
 
Lange musste man nicht suchen, denn Laufmesse, Startunterlagenausgabe und B├╝hnenprogramm befanden sich in unmittelbarer N├Ąhe und das direkt am Rhein, in der Altstadt, im Zentrum von D├╝sseldorf. Logistisch gut gel├Âst, konnte man dadurch mit einem kleinen Rundgang alles n├Âtige Erledigen, um sich anschlie├čend am Vorabend ganz der Marathonparty zu widmen. Denn ab 17 Uhr hie├č es "Partyland". Auf einer gro├čen B├╝hne auf dem Burgplatz unterhielt eine Coverband die G├Ąste mit ihrem umfangreichem Repertoire. Ab 20 Uhr war dann die Samba-Session angesagt. Zur Einstimmung auf den Rhein-Marathon D├╝sseldorf trafen sich die teilnehmenden Sambabands, um die Sportler und Sportlerinnen gemeinsam zu begr├╝├čen. (ca. 70 Bandmitglieder aus 7 Bands). 

Der Hitze-Marathon nahm seinen Lauf
 
Am 4. Mai war es nun soweit. Von den urspr├╝nglich 8.010 Gemeldeten, fanden 6.469 Teilnehmer den Weg zum Start, der sich an den Rheinterassen befand. Bei Temperaturen von rund 28 Grad machten sich gegen 10 Uhr die Inliner auf den Weg, etwas sp├Ąter gefolgt von den Handbikern und Rollstuhlfahrern, sowie gegen 11 Uhr die L├Ąufer.
Wer bis dahin noch nicht ins Schwitzen kam, versp├╝rte schon kurz nach dem Start ein fast nicht aufzuh├Ârendes Durstgef├╝hl. Die Hitze dominierte eindeutig das laufende Geschehen auf der Strecke und zwang so manche Kracks, einen Gang runterzuschalten. Hinzu kam noch zeitweise b├Âig auffrischender Wind. Erschwerende Umst├Ąnde, die nicht nur den Hobbyl├Ąufer, sondern auch Spitzenl├Ąufer zu schaffen machten.

Attraktive Streckenf├╝hrung
 

Die 42,195 km lange Marathonstrecke f├╝hrte durch den Stadtkern und entlang der touristischen Sehensw├╝rdigkeiten. An vielen Stellen ├Âffnete sich der Blick auf den Rhein. Weitere Stationen: Stockum, Derendorf, M├Ârsenbroich, Zoo, Flingern, Innenstadt, Bilk, Medienhafen, Rheinkniebr├╝cke, Ober- und Niederkassel, L├Ârick, Oberkasseler Br├╝cke, K├Â, Graf-Adolf-Str. Zieleinlauf war auf der unteren Rheinuferpromenade. W├Ąhrend der gr├Â├čte Teil durch das Stadtgebiet auf der rechtsrheinischen Seite verlief, wechselte man bei km 27 ├╝ber die Rheinkniebr├╝cke die Rheinseite in das wesentlich belebtere Wohnviertel auf der linksrheinischen Seite. Bei km 38 ging es ├╝ber die Oberkasseler Br├╝cke wieder zur├╝ck, durch die Innenstand zum Zielbereich am Rheinufer. Die weitgehend flache Strecke wies lediglich an den Br├╝cken sp├╝rbare Anstiege auf, lie├čen aber einen eindruckvollen Panoramablick beider Rheinufer zu, w├Ąhrend auf dem Rhein ein Feuerwehrschiff zur Unterhaltung eine Wasserfont├Ąne in den H├Âhe schoss. Einigen L├Ąufern, war die Strecke wohl zu lang, worauf sie kurzerhand einfach abk├╝rzten. Eine Tat, die f├╝r 20 Fuscher ein Nachspiel haben wird, denn sie werden nachtr├Ąglich disqualifiziert.

Zuschauer feierten und f├╝hlten mit den Marathonis
 
Anteilnahme an dem sportlichen Gro├čereignis war in fast ganz D├╝sseldorf zu verzeichnen. Gerade die Olympiagegner, die noch vor kurzem mit Traktoren vor dem NOK demonstrierten, zeigten die gr├Â├čte Begeisterung, wei├č Marathon-Gesamtleiter Jan-Henning Winschermann beeindruckt zu berichten. 300.000 Zuschauer verfolgten mit einer unglaublichen Stimmung das Geschehen entlang der 42,195 km langen Strecke, was man bisher nur von Hamburg oder K├Âln kannte. Jubelnde Menschenmassen feuerten, die durch die Hitze und dem Wind arg strapazierten Marathonis lautstark an und lie├čen sie teilweise Spalier laufen. Zahlreiche Sambagruppen, Bands und Musikanlagen unterstrichen die Stimmung und sorgten f├╝r einen zus├Ątzlichen Antrieb der Aktiven. An den schwierigsten Streckenabschnitten, n├Ąmlich der Br├╝ckenaufstiege befanden sich die meisten Zuschauer, wo sie regelrecht in mehreren Reihen standen. Mit viel Jubel und Applaus erleichterten sie somit den L├Ąufern den Aufstieg. Insbesondere in den Wohngebieten konnte man eindrucksvoll erleben, wie die Zuschauer mit den Athleten regelrecht mitf├╝hlten. Zus├Ątzliche, private Verpflegungsstellen wurden spontan errichtet, um die L├Ąufer zus├Ątzlich mit Wasser zu versorgen. Gartenbesitzer boten den vorbeiziehenden L├Ąufern mit Gartenschl├Ąuchen eine rettende, abk├╝hlende Dusche an. In Vorort L├Ârick lief man in einer Stra├če gleich durch mehrere Duschen hintereinander durch. Eine unglaubliche Anteilnahme der Zuschauer, die so manch m├╝den L├Ąufer von Abbruchgedanken ablenkte und erfolgreich ins Ziel brachte.

Alles hat ein Ende, auch ein Marathon
 
F├╝r die Meisten wahr es mit Sicherheit eine gro├če Erl├Âsung, der Zieleinlauf am Rheinufer. Die unbarmherzige Sonne und der Wind hatte den L├Ąufern ganz schon zugesetzt. Somit ist auch die bescheidene Siegerzeit der Spitzenl├Ąufer
zu erkl├Ąren. Und die ging, so wie man das von den gro├čen City-Marathon her gewohnt ist, an die Kenianer. Der im Vorfeld gehandelte Favorit Gideon Koech konnte sich durchsetzen und gewann das Rennen mit einer Zeit von 2:20:45 Stunden. Auch bei den Frauen gewann eine Kenianerin. Die 24 Jahre alte Joyce Kandie ben├Âtigte 2:55:44 Stunden. Ihnen folgten im Laufe des Nachmittages noch rund 5851 weitere Finisher, wobei 616 weitere Marathonis vorzeitig aufgaben und den Zieleinlauf nicht schafften. Der schnellste Deutscher kam ausgerechnet aus D├╝sseldorf. R├╝diger Heiligtag vom SFD 75 belegte mit 02:32:14 einen hervorragenden neunten Platz. Gewaltige Willenskraft, auch zu den Siegern im Kampf gegen die 42,195km zu geh├Âren, zeigte eindrucksvoll der D├╝sseldorfer OB Joachim Erwin. Nicht gerade der Schnellste, aber zweifellos schneller als der Besenwagen. Mit einer neuen Bestzeit von 05:42:59 Stunden holte er sich hinter der Ziellinie seine verdiente Medaille ab.

Superfest, mit Sch├Ânheitsfehlern

 
Sch├Ânheitsfehler, die bei einer derartigen Gro├čveranstaltung der ersten Auflage passieren k├Ânnen und nun darauf pochen, ausger├Ąumt zu werden. Der Dickste: Im Zielbereich gab es nach der Medaille erst die Kleiders├Ącke und dann ganz zum Schluss die Wasserstelle zur Erfrischung. Das soll n├Ąchstes Jahr anders werden verspricht Sportorganisator Karl-Heinz Engels: "Erst Medaille, dann Wasser, dann Kleidersack.┬ô Erg├Ąnzend f├╝gt Marc R├Âwer vom Organisationsteam die Erkenntnis hinzu, dass man nun wisse, dass noch mehr als die 100 000 Pappbecher und 900 Helfer n├Âtig gewesen w├Ąren. Viele Teilnehmer beklagten sich auch ├╝ber die sp├Ąte Startzeit an dem Hitzetag. Auch hier ist eine ├änderung f├╝r n├Ąchstes Jahr geplant. So soll der Marathon dann schon um 9 Uhr anfangen. "Mit dem Sichtbarwerden von Verbesserungsm├Âglichkeiten l├Ąsst sich die n├Ąchste Veranstaltung deutlich besser planen", hei├čt es weiter vom Veranstalter. Wertvolle Tipps f├╝r die zweite Auflage wird es voraussichtlich auch aus der Nachbarstadt K├Âln geben. Gesch├Ąftsf├╝hrer Harald R├Âsch vom Ford K├Âln-Marathon hat den D├╝sseldorfern seine Hilfe und Zusammenarbeit angeboten.
 

Weitere Sponsoren zeigen reges Interesse
 
Obwohl sich eigentlich von Anfang an abzeichnete, dass der Rhein-Marathon in D├╝sseldorf Erfolg versprechend zu werden scheint, klinkten sich viele Sponsoren erst zum Schluss ein. F├╝r die Zukunft scheinen die Aussichten in Bezug auf finanzielle Unterst├╝tzung aber besser zu werden. Das der Marathon in D├╝sseldorf nach seinem erfolgreichen Start durchaus das Potenzial zu einer gro├čen Nummer hat, haben gleich 2 Weltkonzerne f├╝r sich entdeckt und ihr Interesse auf ein Namenssponsoring angemeldet.

N├Ąchster Termin steht schon fest
 
Muskelkater auskuriert, Blasen an den F├╝├čen wieder verheilt? Der Termin f├╝r n├Ąchstes Jahr steht schon fest: 2. Mai 2004.





__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln