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Offener Brief der HLV-Präsidentin zur neu geplanten DLV-Laufgebühr
 
 
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13.04.2015  

 
 

Offener Brief der Hessischen Leichtathletikverband (HLV)- Präsidentin:
 
 
  HLV-Präsidentin Anja Wolf-Blanke
   
Liebe Leichtathletinnen und Leichtathleten,

der Verbandsrat des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) hat im Sommer 2014 eine bundeseinheitliche Gebühr für Finisher bei Volks- und Straßenläufen von 1 Euro mit Wirkung zum 1.1.2016 beschlossen. Damit wird das Gebührenwesen im Laufbereich neu geordnet und deutschlandweit harmonisiert. Diese Gebühr ersetzt die bisher erhobenen Landesverbandsgebühren für Volksläufe, die gegenwärtig je nach Landesverband bis zu 50 Cent pro Teilnehmer betragen, sowie die Straßenlaufgenehmigungsgebühr für anerkannte Straßenläufe und fasst sie in einer Gebühr für alle Laufveranstaltungen zusammen.
 
Gebührenpflichtig sind ab 2016 nur volljährige Finisher (bisher alle Teilnehmer mit unterschiedlichen Altersklassen- und Staffelgebühren in den Landesverbänden, in Hessen ab 16 Jahren). Ausnahmen gibt es für Spendenläufe und karitative Laufwettbewerbe.
 
Gegen die Neuregelung erhebt sich Protest, im Wesentlichen initiiert von German Road Races, einem Zusammenschluss vornehmlich kommerzieller Anbieter von Laufevents – wie einer Aufstellung der gegenwärtig 63 Veranstalter entnommen werden kann. Ihre Interessen an der Organisation von Laufveranstaltungen sind der Gewinnmaximierung geschuldet und weitgehend andere als die der zahlreichen ehrenamtlich ausgerichteten Laufveranstaltungen des organisierten Sports. Umso bedauerlicher ist die mancherorts übernommene Position der kommerziellen Anbieter durch Vereine und deren Vertreter.

Hierzu bedarf es folgender grundsätzlicher Feststellungen:
 
Der organisierte Sport vertritt sein hohes Gut und vor allem dessen Preis nicht mit dem nötigen Selbstverständnis und Selbstbewusstsein. Es bedarf dringend eines Umdenkens. Die eigene Leistung und deren Wert müssen offensiv in der Öffentlichkeit vertreten werden, um den ehrenamtlich erbrachten Beitrag für alle ins Bewusstsein zu rücken.

Das hohe Gut des organisierten Sports
 
Der deutsche Sport, zusammengefasst im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), ist gemeinnützig organisiert. Dies gilt in gleichem Maße für die Vereine, den DLV und den Hessischen Leichtathletik-Verband (HLV). Wir alle erbringen umfangreiche sowie vielfältige Leistungen für die Gesellschaft und verfolgen ausschließlich Ziele des Gemeinwohls sowie der Gemeinnützigkeit. Dies lässt sich jederzeit anhand unserer Haushaltentwürfe und -abschlüsse, die wir alljährlich erstellen und den Delegierten unserer Organisationen vorlegen, nachvollziehen.
 
Gleichzeitig gilt im DOSB das Ein-Platz-Prinzip, das jede Ausprägung sportlichen Tuns einer Dachorganisation zuordnet, für das Letztere zusammen mit ihren Verbänden und Vereinen zuständig ist und verantwortlich zeichnet.

Non-Profit-Organisationen

Vereine und Verbände sind Non-Profit-Organisationen, die gemeinnützig und überwiegend ehrenamtlich einen unbezahlbaren Mehrwert für unsere Gesellschaft schaffen. Für „kleines“ Geld profitieren ungezählte Sportlerinnen und Sportler von den vielfältigen Serviceleistungen der Vereine und Verbände.

Mit unseren sehr geringen Beiträgen und Gebühren finanzieren wir in einem Solidarpakt Serviceleistungen für alle Facetten des organisierten Sports; z.B. Leistungs- und Breitensport, Jugendarbeit, Aus- und Fortbildungen, das Wettkampfwesen, Schulkooperationen, Integration und Inklusion. Von diesen Angeboten profitieren alle Kreise unserer Gesellschaft und das Gemeinwohl insgesamt.

Dem organisierten Sport gegenüber stehen kommerzielle Anbieter, deren Beiträge und Gebühren trotz ähnlichen Angebots bei Weitem jene der Vereine und Verbände überschreiten. Agenturen, Firmen und andere kommerzielle Anbieter handeln überwiegend gewinnorientiert und beteiligen sich nicht an der Finanzierung des Solidarpaktes Sport.

Die Laufbewegung

Seit Beginn der organisierten Laufbewegung vor rund 50 Jahren werden alle laufbezogenen Aktivitäten im organisierten Sport, ausgerichtet von Vereinen und Verbänden, über den DLV und seine Landesverbände koordiniert und allen Läufern - vereinsgebunden oder auch nicht – angeboten. Hierzu zählen Volks- und Straßenläufe, Lauf-, Walking- und Nordic-Walkingstreffs. Die Förderung des Spitzen-und Nachwuchsleistungssports im Laufbereich für Vereinsmitglieder ergänzt die Aufgaben des Dachverbandes bzw. der Landesverbände. Orientiert an der gesellschaftlichen Entwicklung erfolgt eine stete Fortschreibung und Erweiterung der Angebotspalette im Laufbereich.

Seit rund 20 Jahren erheben die 20 Landesverbände im DLV unterschiedlich hohe Genehmigungsgebühren für Starter bei Volks- und Straßenläufen. Diese entrichten die Teilnehmer an den Veranstalter eines Laufwettbewerbs über das individuell vom Ausrichter festgelegte Startgeld. Dieser führt die Genehmigungsgebühr nach Abschluss seiner Veranstaltung an die Landesverbände ab.

Serviceleistungen für den Laufsport in Hessen

Im Breitensport hat der frühere HLV-Präsident Wolfgang Schad bereits zahlreiche Initiativen und Serviceleistungen umgesetzt, die in den vergangenen Jahren deutlich erweitert und verbessert wurden. Aus den über den Laufbereich erwirtschaften Mitteln werden vielfältige und umfangreiche Serviceleistungen für Läuferinnen und Läufer im Breiten- und Leistungssport finanziert.

Förderung des Breitensports im Laufbereich
 
- Versicherung nicht vereinsgebundener Sportler bei Volksläufen,
- Kostenlose Startnummern für Volks- und Straßenläufe,
- Ausbildungen für Lauf-, Walking- und Nordic-Walking-Treffbetreuer,
- Ausbildungen für Lauf-, Walking- und Nordic-Walking-Treffleitern,
- Aus- und Fortbildungen für C-Trainer Breitensport,
- 4 regionale Terminbörsen,
- Kostenlose Veranstaltungsveröffentlichung im Hessischen Laufkalender,
- Kostenlose Abgabe und Verteilung des HLV-Laufkalenders,
- Interessensvertretung und Mitarbeit bei der Vereinbarung „Wald und Sport“ mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie der Novellierung des Gesetzes zum Recht des Waldes,
- Seminare für Volks- und Straßenlaufveranstalter.
 
Förderung des Leistungssports im Laufbereich
 
- Finanzierung von Landestrainern,
- Förderung von jährlich ca. 70 Kaderathleten im D- und E-Kader,
- Finanzierung von jährlichen Kadermaßnahmen (unter anderem Höhentrainingslager),
- Ausrichtung von Meisterschaften im Straßen- und Crosslauf,
- Entsendungskosten von Landestrainern im Laufbereich zu Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften,
- Anschaffung von Trainingsgeräten und -einrichtungen, wie Laufbandergometer, Hypoxiekammer, Cross-Stepper, Spinning-Bikes,
- Aus- und Fortbildungen für C-, B-Trainer Leistungssport im Laufbereich,
- Lauf-Cup für Nachwuchsklassen,
- umfangreiche medizinische, physiotherapeutische und weitere Serviceleistungen an den Landesstützpunkten, insbesondere in Frankfurt am Main.
 
Start zum Schwanheimer Pfingstlauf in Frankfurt (Foto: Rosbacher Main-Lauf-Cup)
Summa Summarum werden in Hessen jährlich rund 36.000 Euro über Gebühren im Volks- und Straßenlauf eingenommen und weit über 120.000 € in den Laufbereich investiert. Viele weitere Projekte und Ideen sind gegenwärtig nicht realisierbar, können aber zukünftig finanziert werden.

Was gesagt werden muss

Die Proteste der kommerziellen Veranstalter richten sich in Wahrheit gegen Sie, die Vereine. Es geht nicht um den Finisher-Euro. Das eigentliche Ziel ist offenbar ein ganz anderes – das Aufbrechen der Solidargemeinschaft des organisierten Sports.

Agenturen und Firmen erleiden keinen wirtschaftlichen Nachteil. Sie werden den Finisher-Euro nicht nur 1:1 an die Teilnehmer ihrer Events weitergeben, sondern zeitgleich eine individuelle Gebührenerhöhung zur Gewinnmaximierung zumindest in Erwägung ziehen.

Die Zielrichtung gilt der Kommerzialisierung des gesamten Sports, das Vorantreiben der Privatisierung der Gewinne, ohne die für den Sport erforderlichen Rahmenbedingungen mitzufinanzieren. Hierfür bedienen sich kommerzielle Anbieter der ehrenamtlichen (für sie preiswerten) Struktur des organisierten Sports. Sie bilden keine Kampfrichter, Trainer, Lauftreff-Betreuer etc. aus, sie vermessen keine Strecken und erstellen keine Bestenlisten. Stattdessen rekrutieren sie eine Vielzahl von Helfern aus Vereinen und Verbänden, die ehrenamtlich tätig sind und fast nichts kosten.

Der Solidarpakt des organisierten deutschen Sports darf nicht in Frage gestellt werden. Die Arbeit in Ihren Sportvereinen und unsere in den Verbänden ist ein wertvolles und unbezahlbares Gut, das wir mit aller Kraft behaupten und stärken müssen.

Ihre

Anja Wolf-Blanke




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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: HLV

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