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Ingo Froböse: "Wir produzieren die Kranken der Zukunft"
 
 
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17.02.2021  

 
 

Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse und Laufen-in-Koeln Autor Detlev Ackermann bei einer Trainingsvorbereitung für den "Brückenlauf" des ASV Köln

Ingo Froböse: "Wir produzieren die Kranken der Zukunft"
 
Über den renommierten Sport- und Präventionsexperten Ingo Froböse kann man sich sicherlich manchmal wundern, aber was der an der Deutschen Sporthochschule tätige Sportwissenschafter jüngst zum Thema Sport und Corona-Lockdown in einem Interview gegenüber ISPO von sich gab, spricht vielen Menschen aus dem Herzen und der Seele. Es trifft den berühmten Nagel auf den Kopf.
 
Während die Profis trotz Corona in der Bundesliga oder bei der Handball-WM spielen dürfen, ist es Amateuren hingegen untersagt, gemeinsam joggen zu gehen. Eine Lage, die für Froböse nicht nachvollziehbar ist. "Das ist die Strategie Brot und Spiele, wie im alten Rom. Schauen dürft ihr, aber nicht selbst spielen", ärgert sich Froböse. Was ihn aber am meisten ärgert, dass über die Wertigkeit des Sports für die Gesundheit momentan überhaupt nicht geredet wird. "Ich finde es dramatisch, was gerade passiert. Im letzten Jahr waren es schon drei Monate, in denen Sport und Bewegung weitgehend eingeschränkt wurden. Jetzt sind es seit dem 2. November schon wieder bald vier Monate und ein Ende ist nicht abzusehen. Wir produzieren die Kranken der Zukunft und provozieren Entwicklungsdefizite bei Kindern", so Froböse.
 
Unverständnis zeigt Froböse auch für das pauschale Vorgehen seitens der Politik. Statt differenzierter Sichtweisen, wurde großflächig alles dicht gemacht. Ist das gerechtfertigt? "So lange wir nicht genau wissen, wo die Erkrankungen genau herkommen, können wir auch nicht pauschal ganze Bereiche schließen. Jeder weiß, dass körperliche Aktivitäten gut für das Immunsystem sind. Warum ist es nicht möglich, Tennis in der Halle ohne jeden Körperkontakt zu spielen, wenn nur jeder zweite Platz besetzt und Duschen geschlossen werden? Warum kann man im Fußball nicht Trainingsformen ohne Körperkontakt nutzen, um Technik und Taktik zu schulen? Warum darf Reiten nicht stattfinden?", beklagt Froböse.
 
Der SpoHo-Professor greift die Politik an und ist sich sicher, dass diese Entscheidungen für die Menschen dramatische Folgen haben werden. "Das ist ein Skandal". Im Interview beschreibt Froböse, dass er selbst mehrere Gutachten zum Thema "Gewichtszunahme in der Pandemie" erstellt habe. Man darf davon ausgehen, dass je nach Stadt von drei bis vier Kilogramm pro Person auszugehen ist. Mindestens genauso dramatisch sieht Froböse den Verlust motorischer Entwicklungsschritte bei Kindern: "Für Wachstumsprozesse und die Entwicklung bestimmter kognitiver Fähigkeiten braucht es Bewegung. Um zum Beispiel das Knochenwachstum anzuregen, müssen Kinder springen und hüpfen. Aber die Schulen sind geschlossen und selbst, als sie noch geöffnet waren, gab es weitgehend keinen Sportunterricht." Neben den physischen Folgen sieht Froböse aber auch in Folge der Sporteinschränkungen durch Corona psychische Folgen: "Sport ist eines der wichtigsten Stressventile. Wenn Sport nicht stattfinden kann, wird der Stress nicht abgebaut. Das führt zum Beispiel zu mehr Aggressionen in Familien."
 
 
    www.ispo.com
 
www.ingo-froboese.de
 





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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
Foto: Stephan Ehritt

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