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Strecke per GPS vermessen? Warum das kein Qualitätsmerkmal ist |
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hervorragend für Training und Orientierung. Für eine präzise
Streckenvermessung im Wettkampf ist das System jedoch zu ungenau. |
Strecke per GPS vermessen? Warum das kein Qualitätsmerkmal ist
Immer wieder werben
Laufveranstaltungen damit, ihre Strecke "per GPS vermessen" zu haben. Für viele
Läufer klingt das zunächst nach moderner Technik, Präzision und Verlässlichkeit.
Tatsächlich erreicht diese Aussage jedoch oft das Gegenteil dessen, was sie
suggerieren soll. Wer mit GPS-Vermessung wirbt, macht vor allem eines deutlich:
Die Strecke ist nicht wirklich vermessen.
GPS ist kein Vermessungsinstrument
GPS wurde ursprünglich zur
Navigation entwickelt, nicht zur exakten Längenvermessung von Strecken. Das
System arbeitet mit Positionsbestimmungen, die unter idealen Bedingungen
erstaunlich genau sein können, in der Praxis aber zahlreichen Fehlerquellen
unterliegen. Gebäude, Bäume, Topografie, atmosphärische Einflüsse und die
Qualität des Empfängers beeinflussen das Ergebnis. Abweichungen von mehreren
Metern sind normal und nicht die Ausnahme.
Für eine Laufstrecke summieren sich diese kleinen Ungenauigkeiten schnell. Aus
einzelnen Positionsfehlern wird am Ende eine messbare Differenz über mehrere
hundert Meter. Genau deshalb taugt GPS nicht als Grundlage für eine verbindliche
Streckenlänge.
Mehrere GPS-Geräte machen es nicht besser
Ein häufig genutztes Argument
lautet, man habe die Strecke mit mehreren GPS-Geräten gemessen und daraus einen
Mittelwert gebildet. Das klingt methodisch sauber, ist es aber nicht. Wenn alle
Geräte auf demselben fehleranfälligen System beruhen, bleibt der systematische
Fehler bestehen. Mehr Messungen eines ungenauen Instruments ergeben keine exakte
Messung, sondern lediglich eine statistisch geglättete Ungenauigkeit.
GPS-Fehler sind zudem nicht zufällig verteilt. Sie entstehen oft an denselben
Stellen der Strecke, etwa in Kurven, unter Bäumen oder zwischen Gebäuden. Genau
dort, wo es für eine präzise Vermessung besonders kritisch ist.
Je schneller man läuft, desto größer wird das Problem
Ein weiterer oft übersehener
Punkt ist die zeitliche Auflösung von GPS. Die meisten Geräte erfassen die
Position einmal pro Sekunde. Bei einem lockeren Dauerlauf mag das unauffällig
sein. Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa im Wettkampf, legt ein Läufer in
dieser einen Sekunde jedoch mehrere Meter zurück.
Das hat direkte Auswirkungen
auf die Distanzberechnung. Kurven werden "geschnitten", Richtungswechsel
geglättet, kleine Streckenvariationen gehen verloren. Das Ergebnis ist fast
immer eine zu kurze oder zu lange Strecke, abhängig von Streckenführung und
Laufstil.
Warum GPS-Werbung problematisch ist
Wenn Veranstalter offensiv mit
GPS-Vermessung werben, entsteht bei den Teilnehmern der Eindruck von Genauigkeit
und Professionalität. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Eine per GPS
ermittelte Strecke erfüllt weder nationale noch internationale Standards für die
Anerkennung von Bestzeiten, Rekorden oder Qualifikationsnormen.
Für ambitionierte Läufer bedeutet das, dass Zeiten nicht vergleichbar sind. Für
Veranstalter bedeutet es, dass sie unbewusst Erwartungen wecken, die sie nicht
erfüllen können.
Wie Strecken wirklich vermessen werden
Eine offiziell anerkannte
Streckenvermessung erfolgt mit geeichten Messgeräten durch einen entsprechend
lizensierten Streckenvermesser, in der Regel mit einem kalibrierten Messrad nach
international festgelegten Verfahren. Diese Methode berücksichtigt bewusst die
Ideallinie des Läufers und minimiert Messfehler auf wenige Zentimeter pro
Kilometer. Nur so ist gewährleistet, dass eine Strecke nicht nur ungefähr,
sondern nachweislich korrekt ist.
GPS hat dennoch seinen Platz
Einen legitimen Einsatzbereich
hat GPS dennoch. Bei Trailläufen und Cross-Wettbewerben wird die Streckenlänge
häufig per GPS ermittelt. Der Grund ist pragmatisch. Die weltweit
standardisierte Fahrradmessmethode mit Messrad lässt sich im Gelände oft nicht
anwenden. Schmale Pfade, Wurzeln, Stufen, wechselnder Untergrund und starke
Höhenunterschiede machen eine präzise Bodenvermessung unmöglich oder
unverhältnismäßig aufwendig.
In diesen Fällen dient GPS als
praktikable Näherung, nicht als exakte Messung. Entsprechend werden bei
Trailläufen Streckenlängen meist als ungefährer Wert angegeben, oft ergänzt
durch Höhenmeter und technische Schwierigkeit. Genau hier liegt der
entscheidende Unterschied. GPS wird dort genutzt, wo exakte Vermessung nicht
möglich ist, nicht dort, wo sie aus Bequemlichkeit ersetzt werden soll.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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