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Allein laufen oder in der Gruppe - was bringt mehr? |
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Allein laufen oder in der Gruppe - was bringt mehr?
Trainingseffekt, Motivation und soziale Aspekte im Vergleich
Es gibt diese Tage, an denen
man am liebsten einfach die Tür hinter sich schließt und losläuft, ohne Uhr,
ohne Plan, ohne Begleitung. Und es gibt Tage, an denen der Gedanke an den
gemeinsamen Treffpunkt, an vertraute Gesichter und an ein gemeinsames Ziel genau
der Impuls ist, der einen überhaupt erst in die Laufschuhe steigen lässt. Allein
laufen oder in der Gruppe? Diese Frage begleitet viele Läufer über Jahre hinweg.
Die Antwort ist weniger eindeutig, als man denkt, und genau das macht sie so
spannend.
Denn beide Trainingsformen
haben ihren ganz eigenen Reiz. Beide beeinflussen Trainingseffekt, Motivation
und das persönliche Lauferlebnis auf unterschiedliche Weise. Wer versteht, wie
diese Mechanismen wirken, kann sein Training gezielt steuern und am Ende mehr
aus sich herausholen.
Wenn jeder Schritt nur Ihnen gehört, die Kraft des Alleinlaufens
Allein zu laufen bedeutet vor
allem eines: maximale Freiheit. Sie bestimmen Startzeit, Strecke und Tempo.
Niemand gibt das Tempo vor, niemand wartet, niemand drängt. Diese Unabhängigkeit
ist gerade im strukturierten Training ein großer Vorteil. Regenerative Läufe
lassen sich wirklich locker gestalten, ohne dass man unbewusst das Tempo eines
Trainingspartners übernimmt. Auch Tempodauerläufe oder Intervalle können exakt
nach Plan umgesetzt werden, so schnell, so hart und so lang, wie es der
Trainingsplan vorsieht.
Hinzu kommt ein Aspekt, den
viele erfahrene Läufer besonders schätzen: Allein läuft man aufmerksamer. Man
spürt die Atmung, hört den eigenen Schritt, nimmt kleine Veränderungen im
Bewegungsablauf wahr. Diese geschulte Körperwahrnehmung ist ein wichtiger
Baustein für langfristige Leistungsentwicklung und Verletzungsprävention.
Doch das Alleinlaufen hat auch
seine Schattenseiten. Wenn es richtig anstrengend wird, fehlt manchmal der
äußere Antrieb. Der letzte Intervall, der letzte schnelle Kilometer, genau dort,
wo das Training eigentlich den größten Reiz setzen würde, steigt die Versuchung,
es heute etwas ruhiger angehen zu lassen. Auch beim Tempo lauern Fallen: Manche
starten zu schnell, andere laufen aus Vorsicht dauerhaft unter ihrem
eigentlichen Leistungsvermögen.
Trotzdem bleibt der Sololauf
für viele das Herzstück ihres Trainings, als mentale Auszeit, als Raum für
Gedanken oder einfach als Moment, in dem man ganz bei sich ist.
Wenn Schritte sich addieren, die Dynamik des Gruppenlaufs
Ganz anders fühlt es sich an,
wenn man gemeinsam läuft. Schon der Treffpunkt erzeugt eine gewisse
Verbindlichkeit. Man hat zugesagt, man wird erwartet, und plötzlich fällt das
Aufstehen an dunklen Wintermorgen deutlich leichter. In der Gruppe entsteht eine
Dynamik, die trägt. Gespräche lenken ab, Kilometer vergehen wie im Flug, und
selbst lange Läufe verlieren ihren Schrecken.
Auch aus trainingsmethodischer
Sicht hat das Laufen in der Gruppe klare Stärken. Ein gleichmäßiges Tempo lässt
sich gemeinsam oft leichter finden und halten. Besonders bei Tempodauerläufen
oder längeren Abschnitten im Marathonrenntempo wirkt die Gruppe wie ein
natürlicher Taktgeber. Ein etwas stärkerer Trainingspartner kann dabei als
Zugpferd fungieren und die eigene Leistungsbereitschaft spürbar steigern.
Nicht zu unterschätzen ist
zudem der soziale Faktor. In Laufgruppen wird Wissen geteilt, über Wettkämpfe
diskutiert, über Ausrüstung gefachsimpelt und über Erfolge genauso gesprochen
wie über Rückschläge. Diese Gemeinschaft schafft Zugehörigkeit - und für viele
ist genau das der Grund, warum sie dem Laufsport über Jahre treu bleiben.
Doch auch hier gilt: Wo Licht
ist, ist Schatten. In der Gruppe läuft man schnell nicht mehr nach
Trainingsplan, sondern nach Gruppentempo. Der eigentlich lockere Dauerlauf wird
zum versteckten Tempotraining, die Regeneration bleibt auf der Strecke.
Unterschiedliche Leistungsniveaus können zusätzlich für Druck sorgen - und nicht
jeder fühlt sich in jeder Gruppe wohl.
Motivation: Zwischen innerem Antrieb und äußerem Halt
Motivation ist im Laufsport der
entscheidende Faktor. Ohne sie bleibt der beste Trainingsplan Theorie. Allein zu
laufen bedeutet, sich immer wieder selbst zu motivieren. Das stärkt die
Eigenverantwortung und das Gefühl, etwas aus eigener Kraft zu schaffen.
Gleichzeitig ist man aber auch anfälliger für Ausreden - besonders dann, wenn
Regen, Dunkelheit oder ein langer Arbeitstag locken, den Lauf auf morgen zu
verschieben.
Die Gruppe wirkt hier oft wie
ein Sicherheitsnetz. Sie fängt auf, wenn die Motivation schwankt, und sorgt für
Regelmäßigkeit. Viele Läufer berichten, dass sie ohne ihren Lauftreff deutlich
seltener trainieren würden. Der soziale Rückhalt gibt Struktur und macht aus
einem Vorsatz eine Gewohnheit.
Fokus oder Gemeinschaft, was brauchen Sie?
Ob man lieber allein oder
gemeinsam läuft, ist auch eine Frage der Persönlichkeit. Manche genießen den
Fokus auf sich selbst, den ruhigen Rhythmus und das Gefühl, ganz bei sich zu
sein. Andere blühen erst in der Gemeinschaft richtig auf, ziehen Energie aus
Gesprächen und gemeinsamen Zielen.
Beide Wege sind richtig.
Entscheidend ist, dass das Training nicht nur körperlich wirkt, sondern auch
mental trägt.
Fazit: Die beste Lösung liegt oft dazwischen
Allein laufen oder in der
Gruppe? Wer sich entscheiden müsste, würde immer etwas verlieren. Denn die
Stärken beider Welten ergänzen sich ideal. Sololäufe eignen sich perfekt für
Regeneration, Grundlagenarbeit und präzise Steuerung. Gruppenläufe entfalten
ihre Wirkung bei Tempoeinheiten, langen Läufen und in Phasen, in denen die
Motivation einen zusätzlichen Schub braucht.
Der klügste Weg ist deshalb oft
der Mix: ein ruhiger Lauf für den Kopf, ein gemeinsamer Lauf für den Spaß, eine
strukturierte Einheit für den Fortschritt. So bleibt das Training
abwechslungsreich, wirksam und vor allem dauerhaft attraktiv.
Denn am Ende zählt nicht, ob
man allein oder in der Gruppe läuft. Entscheidend ist, dass man läuft.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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