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Warum lockere Läufe wirklich langsam sein müssen |
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Warum lockere Läufe wirklich
langsam sein müssen
Fast jeder kennt ihn. Den Dauerlauf am Dienstagabend. Die Uhr piept, die Runde
ist vertraut, die Beine fühlen sich gut an. Also wird aus dem geplanten lockeren
Lauf ein "zackiges Ding". Nicht hart, aber auch nicht wirklich locker. Am Ende
steht eine Zeit, die sich gut anfühlt. Und genau hier beginnt das Problem.
Denn der lockere Lauf ist das
Fundament jedes Trainings. Und dieses Fundament wird von erstaunlich vielen
Läufern systematisch untergraben.
Wer regelmäßig läuft, kennt das
Gefühl: Man möchte sich bewegen, man möchte etwas tun, man möchte das gute
Gefühl nach dem Training spüren. Und weil sich ein lockerer Lauf manchmal fast
zu einfach anfühlt, wird unbewusst beschleunigt. Ein bisschen schneller hier,
ein bisschen mehr Druck dort. Aus locker wird zügig. Aus zügig wird fordernd.
Und irgendwann wundert man sich, warum die Beine ständig müde sind.
Der häufigste Trainingsfehler im Laufsport
Fragt man Trainer nach dem
größten Fehler im Ausdauertraining, kommt fast immer dieselbe Antwort: zu
schnelle lockere Läufe.
Viele Läufer laufen ihre
Dauerläufe im sogenannten Graubereich. Nicht langsam genug für echte
Regeneration, nicht schnell genug für einen Trainingsreiz. Das Ergebnis: Man
sammelt Kilometer, aber kaum Anpassung. Die Form stagniert, die Müdigkeit wächst
und das Verletzungsrisiko steigt.
Das fühlt sich zunächst nicht
dramatisch an. Im Gegenteil. Das Tempo wirkt angenehm fordernd, der Puls ist
erhöht, das Ego zufrieden. Man kommt mit dem Gefühl nach Hause, etwas
"geleistet" zu haben. Doch genau dieser Bereich ist trainingsphysiologisch der
ineffektivste.
Der Körper bekommt weder die
Ruhe, die er für Anpassung braucht, noch den klaren Reiz, der ihn schneller
macht. Man trainiert viel, aber entwickelt sich wenig weiter.
Locker heißt nicht "ein bisschen anstrengend"
Ein lockerer Lauf ist kein
verstecktes Tempotraining. Er ist auch kein Wettkampf gegen die eigene Uhr. Er
ist die Grundlage für alles, was später schneller werden soll.
Im lockeren Dauerlauf arbeitet
der Körper überwiegend im aeroben Bereich. Die Muskulatur wird besser
durchblutet, die Mitochondrien vermehren sich, der Fettstoffwechsel wird
effizienter. Gleichzeitig bleibt die Belastung für Sehnen, Bänder und Gelenke
gering.
Das Ziel ist nicht Erschöpfung,
sondern Anpassung. Nicht das Gefühl, alles gegeben zu haben, sondern das Gefühl,
den Körper sinnvoll gefordert zu haben.
Ein wirklich lockerer Lauf
fühlt sich am Ende so an, als hätte man problemlos noch weiterlaufen können. Man
kommt entspannt nach Hause, nicht ausgelaugt. Die Beine sind warm, aber nicht
schwer. Der Kopf ist frei, nicht leer.
Das Missverständnis mit dem "Wohlfühltempo"
Viele Läufer sagen: "Ich laufe
nach Gefühl." Das ist grundsätzlich richtig. Das Problem ist nur, dass das
Gefühl oft trügt.
Das sogenannte Wohlfühltempo
liegt häufig deutlich über dem optimalen Dauerlauftempo. Man kommt leicht ins
Schwitzen, die Atmung ist vertieft, Gespräche werden kürzer. Es fühlt sich
sportlich an. Aber genau hier beginnt der Graubereich.
Der Körper bekommt dabei zu
wenig Reiz für echte Tempoentwicklung und gleichzeitig zu viel Belastung für
eine saubere Regeneration. Man bewegt sich ständig in einem Bereich, der zwar
anstrengend wirkt, aber wenig bringt.
Viele Läufer laufen so Woche
für Woche. Sie wundern sich, warum sie trotz vieler Kilometer nicht schneller
werden und warum sie sich oft müde fühlen. Die Antwort liegt meist im Tempo der
lockeren Läufe.
Was wirklich langsame Läufe bewirken
Langsame Läufe sind kein
Zeichen von Schwäche. Sie sind das Geheimnis starker Läufer.
Sie verbessern die
Kapillarisierung der Muskulatur, also die feinen Blutgefäße, die den Sauerstoff
transportieren. Sie stärken das Herz-Kreislauf-System. Sie machen den
Bewegungsapparat belastbarer. Und sie sorgen dafür, dass man intensive Einheiten
überhaupt verkraftet.
Vor allem aber schaffen sie die
Grundlage für jede Form von Tempo. Ohne stabile Basis verpuffen schnelle
Einheiten wirkungslos oder führen direkt in Überlastung.
Wer seine Grundlagen
vernachlässigt, baut ein Haus auf Sand.
Viele Topläufer absolvieren 70
bis 80 Prozent ihres Trainings in einem Tempo, das für Hobbyläufer fast schon
lächerlich langsam wirkt. Sie laufen bewusst entspannt, oft weit unter
Wettkampftempo. Und genau deshalb können sie im Wettkampf schnell laufen.
Der wichtigste Test: Sprechen können
Eine einfache Regel hilft bei
der Orientierung: Beim lockeren Lauf sollte man sich problemlos unterhalten
können. In ganzen Sätzen. Ohne nach Luft zu schnappen.
Wer allein läuft, kann den
Selbsttest machen und laut sprechen. Klingt ungewohnt, funktioniert aber. Ein
kurzer Monolog über den letzten Arbeitstag oder den Einkaufszettel für morgen
reicht schon aus.
Wenn die Atmung ruhig bleibt
und der Puls niedrig, ist man im richtigen Bereich.
Alles andere ist kein lockerer
Lauf.
Die Rolle der lockeren Läufe im Trainingsplan
Lockere Läufe sind nicht nur
"Zwischenfüller" zwischen harten Einheiten. Sie sind eigenständige
Trainingseinheiten mit klarer Aufgabe.
Sie sorgen dafür, dass der
Körper regelmäßig bewegt wird, ohne ihn zu überfordern. Sie fördern die
Durchblutung, unterstützen die Regeneration und halten den Bewegungsapparat
geschmeidig. Gleichzeitig sammeln sie wertvolle Kilometer für die Ausdauerbasis.
Wer zwei- oder dreimal pro
Woche locker läuft, schafft die Grundlage für langfristige Entwicklung. Wer
jeden Lauf zu schnell gestaltet, trainiert ständig am Limit und kommt nie
wirklich erholt an den Start der nächsten Einheit.
Warum langsamer am Ende schneller macht
Der große Vorteil wirklich
lockerer Läufe zeigt sich nicht nach einer Einheit, sondern nach Wochen und
Monaten.
Plötzlich fallen Tempoläufe
leichter. Die Intervalle fühlen sich kontrollierter an. Der Wettkampfpuls sinkt.
Die Erholungszeit verkürzt sich. Der Körper wird belastbarer.
Man wird schneller, obwohl man
öfter langsam läuft.
Das ist kein Widerspruch,
sondern Trainingslogik. Der Körper entwickelt sich dann am besten, wenn
Belastung und Erholung im richtigen Verhältnis stehen.
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Mut zur Langsamkeit
Der lockere Lauf ist kein Lückenfüller im Trainingsplan. Er ist das Fundament.
Wer ihn zu schnell läuft, sabotiert sein eigenes Training. Wer ihn wirklich
locker läuft, legt den Grundstein für Leistungsentwicklung, Gesundheit und
langfristige Freude am Laufen.
Also ruhig öfter auf die Uhr verzichten. Den Puls niedrig halten. Den Kopf frei
laufen.
Und sich daran erinnern: Langsam ist kein Rückschritt. Langsam ist der Weg nach
vorne. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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