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Mehr als Kraftpakete Warum Muskeln lebenswichtig sind |
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Mehr als Kraftpakete
Warum Muskeln lebenswichtig sind, und wie man sie erhält
Wer an Muskeln denkt, verbindet
damit meist Kraft, Leistungsfähigkeit oder ein athletisches Erscheinungsbild.
Bilder von durchtrainierten Körpern oder schweren Gewichten dominieren die
Vorstellung. Doch diese Sicht greift viel zu kurz. Muskeln sind weit mehr als
bloße Motoren für Bewegung. Sie übernehmen zentrale Aufgaben für Gesundheit,
Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit, und sie entscheiden maßgeblich darüber, wie
belastbar, widerstandsfähig und selbstständig ein Mensch durchs Leben geht.
Gerade im Laufsport lohnt es
sich, den Blick zu weiten. Denn Muskeln beeinflussen nicht nur das Tempo oder
die Ausdauer, sondern auch Regeneration, Verletzungsanfälligkeit und
langfristige Gesundheit. Wer versteht, welche Rollen Muskeln tatsächlich
spielen, erkennt schnell: Muskelarbeit ist keine Option für Ehrgeizige, sondern
eine biologische Notwendigkeit für alle.
Bewegung, die sichtbarste Aufgabe
Muskeln ermöglichen jede Form
der Fortbewegung. Gehen, Laufen, Springen, Greifen oder Atmen, all das ist nur
durch präzise abgestimmte Muskelarbeit möglich. Mehr als 600 Muskeln arbeiten
dabei zusammen, oft unbewusst und hochkoordiniert. Selbst der Herzschlag ist das
Ergebnis rhythmischer Muskelkontraktionen, ebenso wie die Arbeit der
Atemmuskulatur, die uns bei Belastung mit Sauerstoff versorgt.
Im Laufsport wird besonders
deutlich, wie komplex diese Prozesse sind. Jeder Schritt besteht aus einer
Abfolge aus Anspannung, Entspannung und exzentrischer Bremsarbeit. Muskeln
beschleunigen den Körper, fangen ihn ab und stabilisieren ihn gleichzeitig.
Bewegung ist damit die offensichtlichste, aber längst nicht die einzige Aufgabe
der Muskulatur.
Muskeln als Stoffwechselzentrale
Die Skelettmuskulatur ist eines
der wichtigsten Stoffwechselorgane des Körpers. Sie verbraucht einen großen Teil
der täglichen Energie, speichert Kohlenhydrate in Form von Glykogen und
beeinflusst entscheidend den Blutzuckerspiegel. Nach dem Essen nehmen vor allem
die Muskeln Glukose aus dem Blut auf. Je besser sie trainiert sind, desto
effizienter funktioniert dieser Prozess, ein zentraler Schutzfaktor vor
Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes.
Für Läufer bedeutet das: Jede
Trainingseinheit wirkt weit über den Moment der Belastung hinaus. Aktive
Muskulatur verbessert die Fähigkeit des Körpers, Energie bereitzustellen und zu
nutzen. Gleichzeitig erhöht ein größerer Muskelanteil den Grundumsatz, selbst in
Ruhe.
Darüber hinaus dienen Muskeln
als Eiweißspeicher. In Phasen hoher Belastung, bei Verletzungen oder
Erkrankungen greift der Körper auf diese Reserven zurück. Eine gut entwickelte
Muskulatur wirkt damit wie eine biologische Sicherheitsreserve, die besonders in
stressreichen oder krankheitsbedingten Phasen an Bedeutung gewinnt.
Schutz, Stabilität und Belastbarkeit
Muskeln stabilisieren Gelenke,
entlasten Sehnen und Bänder und schützen die Knochen vor Überlastung. Besonders
beim Laufen wirken sie wie Stoßdämpfer, die Aufprallkräfte abfangen, verteilen
und kontrolliert weiterleiten. Kräftige Waden, stabile Hüftmuskeln und eine
aktive Rumpfmuskulatur sind entscheidend dafür, dass die Belastung nicht
ungebremst auf passive Strukturen trifft.
Eine schwache oder
unausgewogene Muskulatur erhöht dagegen das Verletzungsrisiko deutlich. Typische
Überlastungsbeschwerden wie Achillessehnenprobleme, Läuferknie oder
Rückenbeschwerden lassen sich häufig auf muskuläre Defizite zurückführen.
Muskeltraining ist damit nicht nur leistungsfördernd, sondern ein wesentlicher
Bestandteil der Verletzungsprävention.
Muskeln und Wärmeregulation
Muskeln spielen zudem eine
entscheidende Rolle bei der Wärmeregulation. Muskelarbeit erzeugt Wärme, ein
Effekt, der bei langen Läufen im Winter ebenso relevant ist wie bei intensiven
Einheiten im Sommer. Zittern ist eine unwillkürliche Muskelaktivität, mit der
der Körper versucht, seine Temperatur aufrechtzuerhalten.
Menschen mit geringer
Muskelmasse frieren schneller und sind temperaturempfindlicher. Mit zunehmendem
Alter gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung, da Muskelabbau nicht nur die
Leistungsfähigkeit, sondern auch die Fähigkeit zur Temperaturregulation
beeinträchtigt.
Muskeln als hormonell aktives Organ
Moderne Forschung zeigt:
Muskeln sind weit mehr als mechanische Strukturen. Sie sind ein hormonell
aktives Kommunikationsorgan. Bei Bewegung schütten sie sogenannte Myokine aus,
Botenstoffe, die auf andere Organe wirken. Diese beeinflussen das Immunsystem,
wirken entzündungshemmend, unterstützen die Gehirnfunktion und stehen sogar mit
der psychischen Gesundheit in Verbindung.
Regelmäßige Muskelarbeit kann
Stress reduzieren, die Stimmung verbessern und kognitive Prozesse unterstützen.
Bewegung wird damit zu einer Art innerem Dialog: Aktive Muskeln senden Signale,
die den gesamten Organismus positiv beeinflussen, ein Effekt, der weit über den
sportlichen Nutzen hinausgeht.
Der schleichende Muskelverlust
Bereits ab dem dritten
Lebensjahrzehnt beginnt der natürliche Abbau von Muskelmasse. Ohne gezielte
Trainingsreize gehen pro Jahrzehnt mehrere Prozent verloren. Dieser Prozess,
bekannt als Sarkopenie, bleibt lange unbemerkt, da er schleichend verläuft.
Die Folgen zeigen sich oft erst
spät: sinkende Leistungsfähigkeit, geringere Belastbarkeit, schlechtere
Stoffwechselwerte, ein erhöhtes Sturz- und Verletzungsrisiko sowie ein Verlust
an Selbstständigkeit. Besonders kritisch ist, dass verlorene Muskelmasse im
höheren Alter deutlich schwerer wieder aufzubauen ist.
Gerade Läufer profitieren
davon, diesen Prozess frühzeitig zu bremsen. Denn Ausdauertraining allein reicht
nicht aus, um Muskelmasse langfristig zu erhalten. Ohne ergänzende Reize kann
selbst intensives Lauftraining den Muskelabbau nicht vollständig verhindern.
Was Muskeln brauchen, um zu bleiben
Der Erhalt der Muskulatur
basiert auf mehreren zentralen Säulen, die sich gegenseitig ergänzen:
Gezielte Belastung:
Muskeln benötigen Reize, um sich anzupassen. Neben dem Lauftraining sind Kraft-,
Stabilisations- und Koordinationsübungen entscheidend, um Muskelabbau zu
verhindern und funktionelle Kraft aufzubauen. Schon zwei kurze Einheiten pro
Woche können einen großen Unterschied machen.
Vielfalt der Bewegung:
Unterschiedliche Belastungsformen fördern nicht nur verschiedene Muskelgruppen,
sondern auch die neuronale Ansteuerung. Das verbessert die Bewegungseffizienz
und reduziert einseitige Überlastungen.
Ausreichende Eiweißzufuhr:
Proteine sind der Baustoff der Muskulatur. Eine bedarfsgerechte, über den Tag
verteilte Eiweißzufuhr unterstützt Regeneration, Erhalt und Anpassung,
insbesondere bei intensiver Belastung und im höheren Lebensalter.
Regeneration: Anpassung
findet nicht während, sondern nach der Belastung statt. Schlaf, Pausen und eine
kluge Trainingssteuerung sind unverzichtbar, um Muskeln gesund, belastbar und
leistungsfähig zu halten.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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