| |
|
|
 |
|
 |
Enhanced Games - Willkommen im Zeitalter des "optimierten" Sports? |
| |
Enhanced Games - Willkommen im Zeitalter des "optimierten" Sports?
Stellen Sie sich einen
Sportwettkampf vor, bei dem die Grenzen dessen, was menschlich möglich ist,
nicht durch Regeln, sondern durch Wissenschaft definiert werden. Ein Wettkampf,
bei dem Athleten bewusst leistungssteigernde Substanzen einsetzen dürfen, um
schneller zu laufen, härter zu trainieren und weiter zu gehen als je zuvor.
Genau das ist die Idee hinter den **Enhanced Games** - einer geplanten
internationalen Sportveranstaltung, die den Leistungssport radikal neu denkt und
ihn zugleich tief spaltet.
Was sind die Enhanced Games?
Die Enhanced Games verstehen
sich als Gegenentwurf zu Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Klassische
Anti-Doping-Regeln spielen hier keine Rolle. Stattdessen soll der Einsatz
leistungssteigernder Substanzen erlaubt sein, vorausgesetzt, er erfolgt offen,
dokumentiert und unter medizinischer Aufsicht. Die Initiatoren sprechen von
Transparenz und Ehrlichkeit und davon, den Spitzensport von seiner Doppelmoral
zu befreien.
Der Grundgedanke: Wenn ohnehin
gedopt wird, warum dann nicht offen, kontrolliert und mit maximalem
Erkenntnisgewinn? Leistung soll nicht begrenzt, sondern bewusst gesteigert
werden.
Über mehrere Jahre hinweg war
das Projekt vor allem eine Idee, die in Fachkreisen, Medien und Verbänden
kontrovers diskutiert wurde. Erst seit Kurzem gibt es konkrete Pläne für eine
erste Austragung.
Die Premiere ist derzeit für
Mai 2026 in Las Vegas angekündigt. Austragungsort soll ein großer
Eventkomplex sein, der sowohl sportliche Wettkämpfe als auch eine mediale
Inszenierung auf Show-Niveau ermöglicht. Ob es bei diesem Termin bleibt, wird
sich zeigen - die Aufmerksamkeit ist jedenfalls enorm.
Welche Sportarten sind geplant?
Zum Programm sollen unter
anderem Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben gehören. Für
Laufinteressierte besonders relevant: Sprintdisziplinen wie 100 Meter und 200
Meter stehen im Fokus. Klassische Langstrecken oder Straßenläufe sind bislang
nicht vorgesehen.
Die Veranstalter locken mit
hohen Preisgeldern und Bonuszahlungen für außergewöhnliche Leistungen. Zeiten
und Weiten, die unter diesen Bedingungen erzielt werden, würden jedoch nicht als
offizielle Weltrekorde anerkannt.
Was bedeutet das für den Laufsport?
Gerade aus Sicht des Laufsports
ist das Konzept brisant. Sprintleistungen sind stark von Kraft, Muskelmasse und
Regenerationsfähigkeit abhängig - genau jene Faktoren, die sich durch verbotene
Substanzen massiv beeinflussen lassen. Die Enhanced Games könnten Zeiten
hervorbringen, die jenseits dessen liegen, was bislang als menschlich machbar
galt.
Für den klassischen
Wettkampfsport wären diese Resultate jedoch kaum vergleichbar. Training, Talent
und mentale Stärke träten in den Hintergrund gegenüber pharmakologischer
Optimierung. Die Frage, was eine Laufleistung eigentlich wert ist, stellt sich
damit neu.
Gleichzeitig sehen Kritiker
eine gefährliche Signalwirkung. Wenn öffentlich zelebriert wird, dass
leistungssteigernde Mittel Teil des Erfolgs sind, könnte das besonders im
Nachwuchsbereich falsche Anreize setzen.
Faszination oder Tabubruch?
Befürworter sprechen von
Fortschritt, Selbstbestimmung und wissenschaftlicher Neugier. Gegner von
Gesundheitsrisiken, Werteverfall und dem Ende des fairen Wettkampfs. Die
Enhanced Games sind damit weit mehr als ein weiteres Sportevent - sie sind ein
gesellschaftliches Experiment.
Ob sie sich langfristig
etablieren oder als provokante Randnotiz in die Sportgeschichte eingehen, ist
offen. Sicher ist nur: Sie zwingen den Sport, sich unbequemen Fragen zu stellen.
|
Die Enhanced Games fordern den Laufsport heraus, ohne selbst Teil seiner
Tradition zu sein. Sie versprechen spektakuläre Leistungen, stellen aber
zugleich das Fundament infrage, auf dem der Wettkampfsport seit Jahrzehnten
steht. Für Läufer bleibt damit eine zentrale Frage offen: Geht es am Ende
wirklich nur darum, wie schnell ein Mensch laufen kann - oder auch darum, wie er
diese Leistung erreicht? |
__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
|
|
|
|
 |
|