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Warum es sich lohnt, mehr als eine Sportart zu betreiben
 
 
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29.01.2026  

 
 

 
Warum es sich lohnt, mehr als eine Sportart zu betreiben

 
Es beginnt oft harmlos. Ein paar Laufrunden pro Woche, ein klarer Trainingsplan, vielleicht ein konkretes Ziel vor Augen. Der Körper passt sich an, die Form wird besser, die Zeiten schneller. Viele kennen dieses Gefühl: Anfangs geht alles leicht von der Hand, Fortschritte stellen sich fast von selbst ein. Und doch kommt irgendwann dieser Moment, in dem etwas fehlt. Die Beine sind müde, obwohl die Umfänge gleich geblieben sind. Der Kopf ist nicht mehr so frisch wie zu Beginn. Die Motivation schwankt, manchmal ohne klaren Grund. Genau hier beginnt die Geschichte, in der eine zweite Sportart mehr ist als nur ein Zeitvertreib.
 
Wenn der Körper einseitig arbeitet
 
Laufen ist effizient, direkt und vergleichsweise einfach zu organisieren. Schuhe an, Tür auf, los. Gleichzeitig fordert es den Körper immer auf dieselbe Art. Die Bewegungsmuster ähneln sich von Schritt zu Schritt, die Belastungen wiederholen sich tausendfach. Sehnen, Gelenke und bestimmte Muskelgruppen übernehmen dauerhaft die Hauptarbeit, während andere kaum gefordert werden. Das funktioniert eine Zeit lang sehr gut, vor allem solange der Körper frisch ist und ausreichend regenerieren kann.
 
Langfristig jedoch steigt das Risiko für Überlastungen. Kleine Beschwerden schleichen sich ein, zunächst unscheinbar, manchmal erst nach dem Training oder am nächsten Morgen. Aus kleinen Signalen werden mitunter längere Pausen, wenn sie ignoriert werden. Genau an diesem Punkt kann sportliche Abwechslung entscheidend sein.
 
Eine weitere Sportart bringt frische Reize ins System. Schwimmen entlastet die Gelenke und fördert gleichzeitig Kraft und Beweglichkeit. Radfahren schult die Ausdauer ohne Stoßbelastung und erlaubt auch längere Einheiten, ohne den Bewegungsapparat zusätzlich zu stressen. Krafttraining stärkt jene Muskelgruppen, die beim Laufen eher im Hintergrund arbeiten, insbesondere Rumpf, Hüfte und Oberkörper. Der Körper lernt, vielseitiger zu reagieren, stabiler zu werden und Belastungen besser zu verteilen.
 
Training ohne Trainingsgefühl
 
Ein überraschender Effekt des sportlichen Wechsels zeigt sich im Kopf. Wer ausschließlich eine Sportart betreibt, verbindet damit oft klare Erwartungen. Tempo, Strecke, Uhrzeit, Leistung. Jede Einheit wird automatisch bewertet, oft schon während des Trainings. Eine zweite Sportart bricht dieses Muster auf.
 
Plötzlich steht nicht mehr die Pace im Vordergrund, sondern das Gefühl für Bewegung, Rhythmus oder Technik. Beim Schwimmen zählt der saubere Zug, beim Radfahren der gleichmäßige Tritt, im Krafttraining die kontrollierte Ausführung. Viele Läufer berichten, dass sie dabei abschalten können, obwohl sie gleichzeitig trainieren. Der Körper arbeitet, der Kopf bekommt Luft.
 
Diese mentale Entlastung ist kein Nebeneffekt, sondern ein echter Trainingsfaktor. Wer sich nicht permanent unter Druck setzt, bleibt motivierter und ausgeglichener. Motivation entsteht nicht nur durch messbaren Fortschritt, sondern auch durch Freude an der Bewegung selbst.
 
Leistungsgewinn durch Umwege
 
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich. Wer besser laufen will, sollte doch mehr laufen. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass gezielt eingesetztes Crosstraining die Laufleistung sogar verbessert. Der Umweg führt oft schneller ans Ziel.
 
Eine gut entwickelte Grundlagenausdauer aus anderen Sportarten sorgt dafür, dass längere Läufe weniger ermüden. Mehr Rumpfstabilität stabilisiert den Laufstil, besonders gegen Ende einer Einheit oder eines Wettkampfs. Eine bessere Koordination hilft, Bewegungen ökonomischer auszuführen. All das wirkt sich direkt auf die Laufleistung aus.
 
Bewegungsvielfalt schult zudem das Zusammenspiel von Muskeln und Nervensystem. Neue Reize fordern das Gehirn, alte Muster werden aufgebrochen. Das Ergebnis ist häufig ein ruhigerer, effizienterer Bewegungsablauf. Der Lauf wirkt leichter, kontrollierter und am Ende auch schneller, ohne dass die Laufkilometer zwangsläufig steigen müssen.

Verletzungen vorbeugen, Pausen vermeiden
 
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil liegt in der Prävention. Wer mehrere Sportarten betreibt, verteilt Belastung und reduziert monotone Reize. Das senkt das Risiko klassischer Überlastungsverletzungen wie Achillessehnenprobleme, Schienbeinkantensyndrom oder Kniebeschwerden deutlich.
 
Kommt es dennoch zu einer kleinen Zwangspause vom Laufen, bleibt man flexibel. Radfahren oder Schwimmen ermöglichen weiterhin Training, ohne die verletzte Struktur zu belasten. Die allgemeine Fitness bleibt erhalten, der Wiedereinstieg fällt leichter, der Formverlust bleibt gering. Das nimmt Druck heraus und sorgt für mehr Gelassenheit im Umgang mit dem eigenen Körper.
 
Mehr Sport, weniger Stillstand
 
Sportliche Vielfalt wirkt auch jenseits von Leistung und Training. Sie erweitert den Blick, schafft neue soziale Kontakte und eröffnet andere Perspektiven auf Bewegung. Wer einmal erlebt hat, wie unterschiedlich sich Anstrengung anfühlen kann, entwickelt ein feineres Körpergefühl und oft auch mehr Respekt vor anderen Disziplinen.
 
Am Ende geht es nicht darum, alles gleichzeitig zu machen oder jede Woche eine neue Sportart auszuprobieren. Es geht darum, offen zu bleiben. Für Abwechslung, für neue Reize und für den eigenen Körper. Wer mehr als eine Sportart betreibt, bleibt nicht nur körperlich beweglicher, sondern auch mental. Und genau das ist oft der Schlüssel, um dem Sport langfristig treu zu bleiben.

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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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