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Warum es sich lohnt, mehr als eine Sportart zu betreiben |
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Warum es sich lohnt, mehr als eine Sportart zu betreiben
Es beginnt oft harmlos. Ein
paar Laufrunden pro Woche, ein klarer Trainingsplan, vielleicht ein konkretes
Ziel vor Augen. Der Körper passt sich an, die Form wird besser, die Zeiten
schneller. Viele kennen dieses Gefühl: Anfangs geht alles leicht von der Hand,
Fortschritte stellen sich fast von selbst ein. Und doch kommt irgendwann dieser
Moment, in dem etwas fehlt. Die Beine sind müde, obwohl die Umfänge gleich
geblieben sind. Der Kopf ist nicht mehr so frisch wie zu Beginn. Die Motivation
schwankt, manchmal ohne klaren Grund. Genau hier beginnt die Geschichte, in der
eine zweite Sportart mehr ist als nur ein Zeitvertreib.
Wenn der Körper einseitig arbeitet
Laufen ist effizient, direkt
und vergleichsweise einfach zu organisieren. Schuhe an, Tür auf, los.
Gleichzeitig fordert es den Körper immer auf dieselbe Art. Die Bewegungsmuster
ähneln sich von Schritt zu Schritt, die Belastungen wiederholen sich
tausendfach. Sehnen, Gelenke und bestimmte Muskelgruppen übernehmen dauerhaft
die Hauptarbeit, während andere kaum gefordert werden. Das funktioniert eine
Zeit lang sehr gut, vor allem solange der Körper frisch ist und ausreichend
regenerieren kann.
Langfristig jedoch steigt das
Risiko für Überlastungen. Kleine Beschwerden schleichen sich ein, zunächst
unscheinbar, manchmal erst nach dem Training oder am nächsten Morgen. Aus
kleinen Signalen werden mitunter längere Pausen, wenn sie ignoriert werden.
Genau an diesem Punkt kann sportliche Abwechslung entscheidend sein.
Eine weitere Sportart bringt
frische Reize ins System. Schwimmen entlastet die Gelenke und fördert
gleichzeitig Kraft und Beweglichkeit. Radfahren schult die Ausdauer ohne
Stoßbelastung und erlaubt auch längere Einheiten, ohne den Bewegungsapparat
zusätzlich zu stressen. Krafttraining stärkt jene Muskelgruppen, die beim Laufen
eher im Hintergrund arbeiten, insbesondere Rumpf, Hüfte und Oberkörper. Der
Körper lernt, vielseitiger zu reagieren, stabiler zu werden und Belastungen
besser zu verteilen.
Training ohne Trainingsgefühl
Ein überraschender Effekt des
sportlichen Wechsels zeigt sich im Kopf. Wer ausschließlich eine Sportart
betreibt, verbindet damit oft klare Erwartungen. Tempo, Strecke, Uhrzeit,
Leistung. Jede Einheit wird automatisch bewertet, oft schon während des
Trainings. Eine zweite Sportart bricht dieses Muster auf.
Plötzlich steht nicht mehr die
Pace im Vordergrund, sondern das Gefühl für Bewegung, Rhythmus oder Technik.
Beim Schwimmen zählt der saubere Zug, beim Radfahren der gleichmäßige Tritt, im
Krafttraining die kontrollierte Ausführung. Viele Läufer berichten, dass sie
dabei abschalten können, obwohl sie gleichzeitig trainieren. Der Körper
arbeitet, der Kopf bekommt Luft.
Diese mentale Entlastung ist
kein Nebeneffekt, sondern ein echter Trainingsfaktor. Wer sich nicht permanent
unter Druck setzt, bleibt motivierter und ausgeglichener. Motivation entsteht
nicht nur durch messbaren Fortschritt, sondern auch durch Freude an der Bewegung
selbst.
Leistungsgewinn durch Umwege
Auf den ersten Blick wirkt es
widersprüchlich. Wer besser laufen will, sollte doch mehr laufen. In der Praxis
zeigt sich jedoch häufig, dass gezielt eingesetztes Crosstraining die
Laufleistung sogar verbessert. Der Umweg führt oft schneller ans Ziel.
Eine gut entwickelte
Grundlagenausdauer aus anderen Sportarten sorgt dafür, dass längere Läufe
weniger ermüden. Mehr Rumpfstabilität stabilisiert den Laufstil, besonders gegen
Ende einer Einheit oder eines Wettkampfs. Eine bessere Koordination hilft,
Bewegungen ökonomischer auszuführen. All das wirkt sich direkt auf die
Laufleistung aus.
Bewegungsvielfalt schult zudem
das Zusammenspiel von Muskeln und Nervensystem. Neue Reize fordern das Gehirn,
alte Muster werden aufgebrochen. Das Ergebnis ist häufig ein ruhigerer,
effizienterer Bewegungsablauf. Der Lauf wirkt leichter, kontrollierter und am
Ende auch schneller, ohne dass die Laufkilometer zwangsläufig steigen müssen.
Verletzungen vorbeugen, Pausen vermeiden
Ein nicht zu unterschätzender
Vorteil liegt in der Prävention. Wer mehrere Sportarten betreibt, verteilt
Belastung und reduziert monotone Reize. Das senkt das Risiko klassischer
Überlastungsverletzungen wie Achillessehnenprobleme, Schienbeinkantensyndrom
oder Kniebeschwerden deutlich.
Kommt es dennoch zu einer
kleinen Zwangspause vom Laufen, bleibt man flexibel. Radfahren oder Schwimmen
ermöglichen weiterhin Training, ohne die verletzte Struktur zu belasten. Die
allgemeine Fitness bleibt erhalten, der Wiedereinstieg fällt leichter, der
Formverlust bleibt gering. Das nimmt Druck heraus und sorgt für mehr
Gelassenheit im Umgang mit dem eigenen Körper.
Mehr Sport, weniger Stillstand
Sportliche Vielfalt wirkt auch
jenseits von Leistung und Training. Sie erweitert den Blick, schafft neue
soziale Kontakte und eröffnet andere Perspektiven auf Bewegung. Wer einmal
erlebt hat, wie unterschiedlich sich Anstrengung anfühlen kann, entwickelt ein
feineres Körpergefühl und oft auch mehr Respekt vor anderen Disziplinen.
Am Ende geht es nicht darum,
alles gleichzeitig zu machen oder jede Woche eine neue Sportart auszuprobieren.
Es geht darum, offen zu bleiben. Für Abwechslung, für neue Reize und für den
eigenen Körper. Wer mehr als eine Sportart betreibt, bleibt nicht nur körperlich
beweglicher, sondern auch mental. Und genau das ist oft der Schlüssel, um dem
Sport langfristig treu zu bleiben.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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