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Null Toleranz gegenüber Wetten: Wenn ein Klick zur Sperre führt |
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Null Toleranz gegenüber Wetten: Wenn ein Klick zur Sperre führt
Wetten gelten für viele als harmloses Spiel. Doch für aktive Athleten sind
sie tabu. Drei aktuelle Fälle aus dem Spitzensport zeigen, warum schon kleine
Einsätze große Folgen haben können - und weshalb Integrität im Laufsport keine
Grauzonen kennt.
Es beginnt nicht mit einem
Skandal. Kein verbotener Stoff, kein manipuliertes Zielband, kein Protest im
Zielbereich. Es beginnt leise. Mit einem Smartphone, irgendwo im Trainingslager,
im Hotelzimmer nach dem Abendessen oder auf der Rückfahrt vom Wettkampf. Ein
paar Klicks, ein kleiner Einsatz, scheinbar ohne Bedeutung.
Doch genau hier zieht der
internationale Laufsport eine klare Linie. Ende Januar sanktionierte die
Athletics Integrity Unit, kurz AIU, drei Athleten aus Deutschland und Frankreich
wegen verbotener Sportwetten. Keine nachgewiesene Manipulation, keine
Einflussnahme auf Ergebnisse. Und trotzdem Sperren.
Warum diese Konsequenz? Weil
der Laufsport von einem zentralen Versprechen lebt: Zeiten sind ehrlich,
Platzierungen sind verdient, Leistung ist nicht verhandelbar. Sobald dieses
Versprechen auch nur infrage steht, verliert der Sport einen Teil seines Wertes.
Drei Fälle, die mehr erzählen als ihre Zahlen
Zwei der sanktionierten
Athleten sind deutsche Diskuswerfer. Die Einsätze lagen bei 100 beziehungsweise
40 Euro. Gewettet wurde auf Wettbewerbe mit Beteiligung von Teamkollegen. Die
AIU verhängte dreimonatige Sperren auf Bewährung. Ausschlaggebend für dieses
vergleichsweise milde Strafmaß waren frühe Geständnisse, gezeigte Reue und der
Umstand, dass es sich um Erstverstöße handelte.
Der dritte Fall wirkt auf den
ersten Blick gravierender. Eine französische Mittelstreckenläuferin setzte bei
internationalen Meisterschaften 2.000 Euro auf eine Teamkollegin und gewann
5.000 Euro. Die Konsequenz war eine sechsmonatige Sperre sowie eine zusätzliche
Geldzahlung an wohltätige Zwecke.
So unterschiedlich die Summen
und Sanktionen auch sind, die Gemeinsamkeit aller drei Fälle ist entscheidend:
Es gab keinen Beweis für Manipulation. Niemand hatte nachweislich Einfluss auf
ein Ergebnis genommen. Und dennoch griff die AIU konsequent durch.
Warum im Laufsport kein Platz für Grauzonen ist
Die naheliegende Frage lautet:
Warum so hart, wenn niemand betrogen wurde?
Die Antwort liegt im Kern des
Sports. Wettmärkte gelten weltweit als eines der größten Einfallstore für
Korruption. Schon der bloße Anschein eines finanziellen Eigeninteresses reicht
aus, um Zweifel an Ergebnissen zu säen. Vertrauen aber ist die Währung des
Sports. Geht es verloren, lässt es sich nur schwer zurückgewinnen.
Deshalb verbietet World
Athletics allen aktiven Athleten sowie weiteren beteiligten Personen, etwa
Trainern oder Betreuern, auf Leichtathletik zu wetten. Ohne Ausnahme. Ohne
Bagatellgrenze. Ohne Spielraum für Interpretationen.
Es geht dabei nicht um die Höhe
des Einsatzes. Es geht um das Prinzip. Wer Teil eines Wettbewerbs ist, darf
keinen finanziellen Vorteil aus dessen Ausgang ziehen. Andernfalls verliert das
Ergebnis seinen sportlichen Wert und wird zur Ware.
Wenn Unwissen zur Gefahr wird
Auffällig ist ein Detail, das
alle drei Verfahren verbindet. Die AIU wertete mangelnde Aufklärung über die
geltenden Regeln als mildernden Faktor. Alle Athleten gaben an, sich der
Tragweite ihres Handelns nicht vollständig bewusst gewesen zu sein. Als Teil der
Sanktionen müssen sie verpflichtende Schulungen zur Prävention von
Wettkampfmanipulation absolvieren.
Das offenbart ein strukturelles
Problem. Integritätsverstöße entstehen nicht immer aus krimineller Energie oder
bewusster Täuschung. Häufig entstehen sie aus Unachtsamkeit, aus Gruppendynamik
oder aus einem fehlenden Bewusstsein für Regeln, die im Trainingsalltag kaum
präsent sind.
Gerade in Zeiten, in denen
Sportwetten allgegenwärtig sind und mit wenigen Klicks abgeschlossen werden
können, wächst das Risiko, Grenzen zu überschreiten, ohne es zu merken.
Was das für Läufer, Trainer und Vereine bedeutet
Auch wenn die aktuellen Fälle
aus dem internationalen Spitzensport stammen, reichen ihre Lehren weit in den
Breiten- und Nachwuchssport hinein. Denn Integrität ist kein exklusives Thema
für Medaillenkandidaten.
Erstens: Integrität ist mehr
als Anti Doping. Sie betrifft auch den Umgang mit Wetten, mit sensiblen
Informationen und mit möglichen Interessenkonflikten.
Zweitens: Wetten auf
Teamkollegen oder Freunde sind kein harmloser Spaß. Sie schaffen Abhängigkeiten
und Erwartungshaltungen, selbst dann, wenn sie emotional als Unterstützung
gemeint sind.
Drittens: Aufklärung ist der
wirksamste Schutz. Regeln müssen erklärt werden, nicht stillschweigend
vorausgesetzt. Wer die Regeln kennt, kann sie einhalten.
Für Laufvereine, Trainer und
Veranstalter bedeutet das eine klare Aufgabe. Integrität gehört auf die Agenda
von Schulungen, Trainingslagern und Wettkampfbesprechungen. Nicht als
Drohkulisse, sondern als Schutzmechanismus für alle Beteiligten und für den
Sport selbst.
Die stille, aber zentrale Rolle der AIU
Die Athletics Integrity Unit
wurde geschaffen, um die Leichtathletik unabhängig zu schützen. Sie ist
zuständig für Dopingfälle ebenso wie für nicht dopingbezogene Verstöße, darunter
Wettmanipulation, Bestechung und verbotene Wetten. Ihre Entscheidungen werden
veröffentlicht, Sanktionen transparent kommuniziert.
Diese Offenheit ist Teil der
Strategie. Sie soll abschrecken, aber vor allem sensibilisieren. Der Sport soll
verstehen, wo seine Grenzen verlaufen - und warum sie notwendig sind.
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Die drei Fälle sind kein klassischer Skandal. Und gerade deshalb sind sie so
lehrreich. Sie zeigen, wie schmal der Grat zwischen Alltäglichkeit und
Regelverstoß sein kann. Ein Smartphone genügt, um ihn zu überschreiten.
Der Laufsport lebt von Vertrauen. Von der Gewissheit, dass Leistung entscheidet
und nichts anderes. Dieses Vertrauen ist empfindlich. Die klare Linie der AIU
macht deutlich: Integrität beginnt nicht erst bei manipulierten Rennen. Sie
beginnt viel früher.
Oder anders gesagt: Der Wert eines Ergebnisses liegt nicht im Wettschein,
sondern in der Leistung, die dahintersteht. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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