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Doping im Freizeitsport - das stille Risiko auf der Strecke
 
 
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01.02.2026  

 
 

 
Doping im Freizeitsport - das stille Risiko auf der Strecke

Der Startschuss fällt, die Stimmung ist elektrisierend. Wochen, manchmal Monate der Vorbereitung liegen hinter den Teilnehmern. Der Marathon oder der Triathlon ist für viele Freizeitsportler der Höhepunkt des Jahres. Doch zwischen Carbonplatten, Pulsuhren und Verpflegungsplänen gibt es ein Thema, über das kaum gesprochen wird und das dennoch allgegenwärtig ist. Doping im Freizeitsport.
 
Dabei geht es selten um verbotene Substanzen aus dem Profisport. Es geht um Dinge, die in fast jedem Haushalt zu finden sind. Schmerzmittel, frei verkäuflich, gesellschaftlich akzeptiert und oft verharmlost.
 
Ein unterschätztes Phänomen
 
Wie hoch ist der Dopinganteil im Freizeitsport wirklich? Genaue Zahlen gibt es kaum. Studien und Umfragen zeigen jedoch ein klares Bild. Je nach Sportart und Wettkampfniveau geben zehn bis über dreißig Prozent der Freizeitausdauerathleten an, regelmäßig Medikamente einzunehmen, um leistungsfähig zu bleiben oder Schmerzen zu unterdrücken.
 
Besonders bei großen Laufveranstaltungen und Triathlons gehört das Schlucken einer Tablette für manche zur Wettkampfroutine. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Angst. Angst vor dem Abbruch. Angst davor, das große Ziel nicht zu erreichen.
 
Schmerzmittel als Einstieg ins Doping
 
Aspirin und Ibuprofen sind das einfachste und zugleich gefährlichste Beispiel. Sie gelten als harmlos, weil sie ohne Rezept erhältlich sind. Doch genau hier beginnt das Problem.
 
Schmerz ist kein Fehler des Körpers. Schmerz ist ein Warnsignal. Wird dieses Signal ausgeschaltet, läuft der Körper weiter, obwohl Strukturen bereits überlastet oder geschädigt sind. Sehnen, Muskeln und Gelenke werden stärker belastet, als sie es eigentlich verkraften.
 
Hinzu kommt, dass Schmerzmittel im Ausdauersport den Flüssigkeitshaushalt und die Nieren belasten. Gerade bei langen Wettkämpfen, hohen Temperaturen und ohnehin bestehender Dehydrierung kann das fatale Folgen haben. Magenblutungen, Nierenschäden und Kreislaufprobleme sind keine theoretischen Risiken, sondern dokumentierte Notfälle bei Laufveranstaltungen.
 
Wenn der Körper nicht mehr geschützt wird
 
Besonders kritisch wird es, wenn Schmerzmittel vorbeugend eingenommen werden. Also nicht wegen akuter Beschwerden, sondern nach dem Motto sicher ist sicher. Der Körper verliert damit seinen wichtigsten Schutzmechanismus. Die Folge sind oft Verletzungen, die erst nach dem Wettkampf richtig spürbar werden und dann eine monatelange Pause nach sich ziehen.
 
Paradox ist dabei, dass viele Freizeitsportler genau das vermeiden wollen. Sie möchten gesund bleiben, leistungsfähig sein und stolz ins Ziel kommen. Kurzfristig funktioniert das manchmal. Langfristig zahlt der Körper jedoch die Rechnung.
 
Darüber hinaus greifen Schmerzmittel tief in zentrale Körperfunktionen ein. Sie hemmen Entzündungsprozesse, die für die Anpassung an Training eigentlich notwendig sind. Wer regelmäßig unter Belastung zu Ibuprofen oder Aspirin greift, kann Trainingsanpassungen abschwächen und die Regeneration verzögern. Der Körper wird belastet, ohne stärker zu werden.
 
Die unterschätzte Gefahr für Organe und Kreislauf
 
Besonders sensibel reagieren die Nieren auf die Einnahme von Schmerzmitteln unter Ausdauerbelastung. Medikamente wie Ibuprofen beeinflussen die Durchblutung der Nieren. Gleichzeitig verliert der Körper im Wettkampf viel Flüssigkeit über Schweiß. Die Kombination aus Dehydrierung, hoher Belastung und Schmerzmitteln kann dazu führen, dass die Nieren zeitweise nicht mehr ausreichend durchblutet werden.
 
Studien aus dem Ausdauerlauf zeigen, dass bei Marathonläufern nach dem Wettkampf bei bis zu der Hälfte der Teilnehmer messbare Zeichen einer akuten Nierenbelastung auftreten können. In Untersuchungen, bei denen zusätzlich Schmerzmittel eingenommen wurden, steigt dieses Risiko deutlich an. In Einzelfällen wurden akute Nierenschäden dokumentiert, die eine stationäre Behandlung erforderlich machten.
 
In solchen Situationen kann es tatsächlich zu plötzlich auftretenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen im Bereich der Flanken kommen, also dort, wo die Nieren liegen. Diese Schmerzen sind ein ernstzunehmendes Warnsignal und kein harmloses Begleitphänomen des Laufens. Medizinische Berichte aus dem Umfeld großer Stadtmarathons zeigen, dass Nierenprobleme zu den häufigsten internistischen Notfällen nach dem Zieleinlauf zählen.
 
Auch der Magen und der Darm reagieren empfindlich. Studien aus der Sportmedizin belegen, dass unter Marathonbedingungen bis zu 30 Prozent der Läufer über relevante Magen Darm Beschwerden klagen. Die Einnahme von Schmerzmitteln erhöht das Risiko für Schleimhautschäden und Blutungen deutlich. In Notfallstatistiken großer Laufveranstaltungen gehören blutige Durchfälle und starke Bauchschmerzen regelmäßig zu den Gründen für medizinische Versorgung.
 
Der Kreislauf selbst steht ebenfalls unter Druck. Untersuchungen bei Ausdauerveranstaltungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kollapsereignisse im Zielbereich mit Flüssigkeitsmangel, Elektrolytverschiebungen und Medikamenteneinnahme zusammenhängt. Schmerzmittel können dabei die natürliche Blutdruckregulation zusätzlich beeinträchtigen.
 
Diese Zahlen machen deutlich, dass es sich nicht um seltene Ausnahmefälle handelt, sondern um ein reales und regelmäßig auftretendes Risiko im Freizeitsport.
 
Grauzone statt Betrug, aber mit Folgen
 
Ist das schon Doping? Juristisch oft nicht. Moralisch für viele ebenfalls nicht. Doch aus sportlicher und medizinischer Sicht bewegt man sich klar in einer Grauzone. Leistungssteigerung durch Substanzen, die nicht aus Training, Regeneration und Anpassung entstehen, widerspricht dem eigentlichen Gedanken des Sports.
 
Im Freizeitsport kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Es gibt keine medizinische Betreuung wie im Profibereich. Keine engmaschigen Kontrollen, keine individuellen Risikoabschätzungen. Entscheidungen werden allein getroffen, oft auf Basis von Hörensagen oder Internetforen.

Ein ehrlicher Blick auf die Motivation
 
Warum greifen Menschen zu Schmerzmitteln im Wettkampf? Meist geht es nicht um Ruhm oder Platzierungen. Es geht um persönliche Ziele, um das Gefühl, durchzuhalten und sich selbst zu beweisen. Genau hier liegt die Chance für einen Umdenkprozess.

Ein Wettkampf darf fordern, aber er darf nicht krank machen. Wer nur mit Tabletten ins Ziel kommt, hat ein wichtiges Signal übersehen. Vielleicht war die Vorbereitung zu kurz. Vielleicht war die Belastung zu hoch. Vielleicht hätte der Mut zum Abbruch mehr Stärke gezeigt als das Durchquälen.

Veranstalter und Trainer in der Verantwortung
 
Die Verantwortung für einen gesunden Umgang mit Schmerzmitteln liegt nicht allein beim einzelnen Sportler. Auch Veranstalter und Trainer sind gefordert, sich dem Thema aktiv anzunehmen. Gerade im Freizeitsport prägen sie Erwartungen, Leitbilder und unausgesprochene Normen.
 
Veranstalter großer Lauf- und Triathlonwettkämpfe erreichen tausende Teilnehmer. Informationsmaterialien, Hinweise in Ausschreibungen oder kurze Aufklärungskampagnen rund um den Wettkampf könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Der Hinweis, dass die Einnahme von Schmerzmitteln unter Belastung gesundheitliche Risiken birgt, gehört ebenso dazu wie der Appell, Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen.
 
Trainer tragen eine besondere Verantwortung, weil sie Vertrauen genießen. Wer Trainingspläne erstellt, Wettkämpfe vorbereitet und Ziele setzt, beeinflusst direkt das Verhalten seiner Athleten. Eine offene Ansprache des Themas Schmerz, Regeneration und Medikamenteneinnahme sollte selbstverständlich sein. Leistung darf nicht über Gesundheit gestellt werden, auch nicht im ambitionierten Freizeitsport.
 
Aufklärung bedeutet dabei nicht Verbote auszusprechen, sondern Wissen zu vermitteln. Wer versteht, wie der Körper unter Belastung reagiert und welche Folgen das Unterdrücken von Schmerzen haben kann, trifft informiertere Entscheidungen. Langfristig profitieren davon alle Beteiligten.
 
 
    Sportlicher Erfolg braucht keine Abkürzungen
 
Doping im Freizeitsport ist kein Randthema. Es ist ein stilles, weit verbreitetes Problem, das oft aus Unwissenheit entsteht. Schmerzmittel sind keine harmlose Unterstützung, sondern ein ernstzunehmendes Risiko, besonders im Ausdauersport.
 
Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit. Der größte Erfolg im Sport ist nicht die Zielzeit, sondern die Fähigkeit, auch Monate und Jahre später noch gesund laufen, schwimmen oder Rad fahren zu können. Wer darauf achtet, gewinnt langfristig mehr als jede Medaille.


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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