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Doping im Freizeitsport - das stille Risiko auf der Strecke |
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Doping im Freizeitsport - das
stille Risiko auf der Strecke
Der Startschuss fällt, die
Stimmung ist elektrisierend. Wochen, manchmal Monate der Vorbereitung liegen
hinter den Teilnehmern. Der Marathon oder der Triathlon ist für viele
Freizeitsportler der Höhepunkt des Jahres. Doch zwischen Carbonplatten,
Pulsuhren und Verpflegungsplänen gibt es ein Thema, über das kaum gesprochen
wird und das dennoch allgegenwärtig ist. Doping im Freizeitsport.
Dabei geht es selten um
verbotene Substanzen aus dem Profisport. Es geht um Dinge, die in fast jedem
Haushalt zu finden sind. Schmerzmittel, frei verkäuflich, gesellschaftlich
akzeptiert und oft verharmlost.
Ein unterschätztes Phänomen
Wie hoch ist der Dopinganteil
im Freizeitsport wirklich? Genaue Zahlen gibt es kaum. Studien und Umfragen
zeigen jedoch ein klares Bild. Je nach Sportart und Wettkampfniveau geben zehn
bis über dreißig Prozent der Freizeitausdauerathleten an, regelmäßig Medikamente
einzunehmen, um leistungsfähig zu bleiben oder Schmerzen zu unterdrücken.
Besonders bei großen
Laufveranstaltungen und Triathlons gehört das Schlucken einer Tablette für
manche zur Wettkampfroutine. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Angst. Angst
vor dem Abbruch. Angst davor, das große Ziel nicht zu erreichen.
Schmerzmittel als Einstieg ins Doping
Aspirin und Ibuprofen sind das
einfachste und zugleich gefährlichste Beispiel. Sie gelten als harmlos, weil sie
ohne Rezept erhältlich sind. Doch genau hier beginnt das Problem.
Schmerz ist kein Fehler des
Körpers. Schmerz ist ein Warnsignal. Wird dieses Signal ausgeschaltet, läuft der
Körper weiter, obwohl Strukturen bereits überlastet oder geschädigt sind.
Sehnen, Muskeln und Gelenke werden stärker belastet, als sie es eigentlich
verkraften.
Hinzu kommt, dass Schmerzmittel
im Ausdauersport den Flüssigkeitshaushalt und die Nieren belasten. Gerade bei
langen Wettkämpfen, hohen Temperaturen und ohnehin bestehender Dehydrierung kann
das fatale Folgen haben. Magenblutungen, Nierenschäden und Kreislaufprobleme
sind keine theoretischen Risiken, sondern dokumentierte Notfälle bei
Laufveranstaltungen.
Wenn der Körper nicht mehr geschützt wird
Besonders kritisch wird es,
wenn Schmerzmittel vorbeugend eingenommen werden. Also nicht wegen akuter
Beschwerden, sondern nach dem Motto sicher ist sicher. Der Körper verliert damit
seinen wichtigsten Schutzmechanismus. Die Folge sind oft Verletzungen, die erst
nach dem Wettkampf richtig spürbar werden und dann eine monatelange Pause nach
sich ziehen.
Paradox ist dabei, dass viele
Freizeitsportler genau das vermeiden wollen. Sie möchten gesund bleiben,
leistungsfähig sein und stolz ins Ziel kommen. Kurzfristig funktioniert das
manchmal. Langfristig zahlt der Körper jedoch die Rechnung.
Darüber hinaus greifen
Schmerzmittel tief in zentrale Körperfunktionen ein. Sie hemmen
Entzündungsprozesse, die für die Anpassung an Training eigentlich notwendig
sind. Wer regelmäßig unter Belastung zu Ibuprofen oder Aspirin greift, kann
Trainingsanpassungen abschwächen und die Regeneration verzögern. Der Körper wird
belastet, ohne stärker zu werden.
Die unterschätzte Gefahr für Organe und Kreislauf
Besonders sensibel reagieren
die Nieren auf die Einnahme von Schmerzmitteln unter Ausdauerbelastung.
Medikamente wie Ibuprofen beeinflussen die Durchblutung der Nieren. Gleichzeitig
verliert der Körper im Wettkampf viel Flüssigkeit über Schweiß. Die Kombination
aus Dehydrierung, hoher Belastung und Schmerzmitteln kann dazu führen, dass die
Nieren zeitweise nicht mehr ausreichend durchblutet werden.
Studien aus dem Ausdauerlauf
zeigen, dass bei Marathonläufern nach dem Wettkampf bei bis zu der Hälfte der
Teilnehmer messbare Zeichen einer akuten Nierenbelastung auftreten können. In
Untersuchungen, bei denen zusätzlich Schmerzmittel eingenommen wurden, steigt
dieses Risiko deutlich an. In Einzelfällen wurden akute Nierenschäden
dokumentiert, die eine stationäre Behandlung erforderlich machten.
In solchen Situationen kann es
tatsächlich zu plötzlich auftretenden, stechenden oder ziehenden Schmerzen im
Bereich der Flanken kommen, also dort, wo die Nieren liegen. Diese Schmerzen
sind ein ernstzunehmendes Warnsignal und kein harmloses Begleitphänomen des
Laufens. Medizinische Berichte aus dem Umfeld großer Stadtmarathons zeigen, dass
Nierenprobleme zu den häufigsten internistischen Notfällen nach dem Zieleinlauf
zählen.
Auch der Magen und der Darm
reagieren empfindlich. Studien aus der Sportmedizin belegen, dass unter
Marathonbedingungen bis zu 30 Prozent der Läufer über relevante Magen Darm
Beschwerden klagen. Die Einnahme von Schmerzmitteln erhöht das Risiko für
Schleimhautschäden und Blutungen deutlich. In Notfallstatistiken großer
Laufveranstaltungen gehören blutige Durchfälle und starke Bauchschmerzen
regelmäßig zu den Gründen für medizinische Versorgung.
Der Kreislauf selbst steht
ebenfalls unter Druck. Untersuchungen bei Ausdauerveranstaltungen zeigen, dass
ein erheblicher Teil der Kollapsereignisse im Zielbereich mit
Flüssigkeitsmangel, Elektrolytverschiebungen und Medikamenteneinnahme
zusammenhängt. Schmerzmittel können dabei die natürliche Blutdruckregulation
zusätzlich beeinträchtigen.
Diese Zahlen machen deutlich,
dass es sich nicht um seltene Ausnahmefälle handelt, sondern um ein reales und
regelmäßig auftretendes Risiko im Freizeitsport.
Grauzone statt Betrug, aber mit Folgen
Ist das schon Doping?
Juristisch oft nicht. Moralisch für viele ebenfalls nicht. Doch aus sportlicher
und medizinischer Sicht bewegt man sich klar in einer Grauzone.
Leistungssteigerung durch Substanzen, die nicht aus Training, Regeneration und
Anpassung entstehen, widerspricht dem eigentlichen Gedanken des Sports.
Im Freizeitsport kommt ein
weiterer Aspekt hinzu. Es gibt keine medizinische Betreuung wie im Profibereich.
Keine engmaschigen Kontrollen, keine individuellen Risikoabschätzungen.
Entscheidungen werden allein getroffen, oft auf Basis von Hörensagen oder
Internetforen.
Ein ehrlicher Blick auf die Motivation
Warum greifen Menschen zu
Schmerzmitteln im Wettkampf? Meist geht es nicht um Ruhm oder Platzierungen. Es
geht um persönliche Ziele, um das Gefühl, durchzuhalten und sich selbst zu
beweisen. Genau hier liegt die Chance für einen Umdenkprozess.
Ein Wettkampf darf fordern,
aber er darf nicht krank machen. Wer nur mit Tabletten ins Ziel kommt, hat ein
wichtiges Signal übersehen. Vielleicht war die Vorbereitung zu kurz. Vielleicht
war die Belastung zu hoch. Vielleicht hätte der Mut zum Abbruch mehr Stärke
gezeigt als das Durchquälen.
Veranstalter und Trainer in der Verantwortung
Die Verantwortung für einen
gesunden Umgang mit Schmerzmitteln liegt nicht allein beim einzelnen Sportler.
Auch Veranstalter und Trainer sind gefordert, sich dem Thema aktiv anzunehmen.
Gerade im Freizeitsport prägen sie Erwartungen, Leitbilder und unausgesprochene
Normen.
Veranstalter großer Lauf- und
Triathlonwettkämpfe erreichen tausende Teilnehmer. Informationsmaterialien,
Hinweise in Ausschreibungen oder kurze Aufklärungskampagnen rund um den
Wettkampf könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Der Hinweis, dass die
Einnahme von Schmerzmitteln unter Belastung gesundheitliche Risiken birgt,
gehört ebenso dazu wie der Appell, Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen.
Trainer tragen eine besondere
Verantwortung, weil sie Vertrauen genießen. Wer Trainingspläne erstellt,
Wettkämpfe vorbereitet und Ziele setzt, beeinflusst direkt das Verhalten seiner
Athleten. Eine offene Ansprache des Themas Schmerz, Regeneration und
Medikamenteneinnahme sollte selbstverständlich sein. Leistung darf nicht über
Gesundheit gestellt werden, auch nicht im ambitionierten Freizeitsport.
Aufklärung bedeutet dabei nicht
Verbote auszusprechen, sondern Wissen zu vermitteln. Wer versteht, wie der
Körper unter Belastung reagiert und welche Folgen das Unterdrücken von Schmerzen
haben kann, trifft informiertere Entscheidungen. Langfristig profitieren davon
alle Beteiligten.
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Sportlicher Erfolg braucht keine Abkürzungen
Doping im Freizeitsport ist kein Randthema. Es ist ein stilles, weit
verbreitetes Problem, das oft aus Unwissenheit entsteht. Schmerzmittel sind
keine harmlose Unterstützung, sondern ein ernstzunehmendes Risiko, besonders im
Ausdauersport.
Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit. Der größte Erfolg im Sport ist nicht die
Zielzeit, sondern die Fähigkeit, auch Monate und Jahre später noch gesund
laufen, schwimmen oder Rad fahren zu können. Wer darauf achtet, gewinnt
langfristig mehr als jede Medaille. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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