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Ein Leben auf langen Strecken - zum Abschied von Lothar Deiters |
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Lothar
Deiters |
Ein Leben auf langen Strecken -
zum Abschied von Lothar Deiters
Ein Nachruf von Laufen-in-Koeln
Als Helmut Urbach, 1.
Vorsitzender des LSV Porz, die Nachricht überbrachte, wurde es für einen Moment
still im Verein. Still, weil mit Lothar Deiters nicht nur ein langjähriges
Mitglied gegangen ist, sondern eine Persönlichkeit, die den Laufsport gelebt hat
wie nur wenige. Einer, der gekommen war, um zu bleiben.
Man hat schon viele Läufer
kommen und gehen sehen. Aber Lothar gehörte zu jener seltenen Sorte, die nicht
einfach trainieren und Wettkämpfe absolvieren. Er füllte den Sport mit Leben,
mit Neugier und mit Geschichten. Geschichten, die im Wald begannen und die ihn
einmal um die halbe Welt führten.
Ein Naturbursche findet den Laufsport
Lothar Deiters, Jahrgang 1934,
war lange bevor er Läufer wurde, vor allem eines: draußen unterwegs. Die Natur
war sein Rückzugsort und sein Abenteuerspielplatz. Gemeinsam mit seiner Frau und
seinem Sohn zog es ihn regelmäßig in die Eifel, ins Sauerland oder ins
Weserbergland. Wanderschuhe statt Wettkampfspikes, Rucksack statt Startnummer.
Ende 1975 änderte sich das.
Eine Ausschreibung für den Königsforst Marathon fiel ihm in die Hände. Die
Sollzeit für den Halbmarathon betrug drei Stunden. Lothar zögerte. Dann fasste
er einen Entschluss, der sein Leben prägen sollte. Mit Laufen und Wandern, heute
würde man es Power Walking nennen, müsste das zu schaffen sein.
Am 28. März 1976 stand er an
der Startlinie des Königsforst Halbmarathons. Nach 2:18:25 Stunden erreichte er
das Ziel. Was wie ein solides Debüt wirkte, war in Wahrheit der Beginn einer
außergewöhnlichen Laufkarriere.
Lothar war ein kontaktfreudiger
Mensch. Er fand schnell Anschluss, traf Gleichgesinnte und begann mit einem
geregelten Lauftraining. Aus einzelnen Läufen wurden Wettkämpfe, aus Wettkämpfen
Erfolge. Die kurzen und schnellen Strecken reizten ihn weniger. Sein Herz schlug
für die langen Distanzen.
1982 lief er seinen ersten
Marathon beim Polizeisportverein rund um das Kölner Stadion. Die Zielzeit von
3:16 Stunden war ein Ausrufezeichen. Noch stärker war jedoch das Gefühl danach.
Der Marathon hatte ihn gepackt.
Es sollte nicht bei diesem
einen bleiben. Im Laufe der Jahre absolvierte Lothar Deiters 155 Marathonläufe.
Nicht auf der Jagd nach Bestzeiten, sondern aus Neugier auf die Welt.
Laufend die Welt entdecken
Seine Marathonreisen führten
ihn nach Südafrika, nach New York, Boston und Honolulu. Er lief in Kanada,
Schweden, Dänemark und Polen. In Japan stand er beim Kawaguchiko Marathon am
Fuße des Fujisan an der Startlinie, ein Lauf vor einer Kulisse, die man nicht
vergisst.
Ein besonderes Abenteuer war
die Reise nach Algerien mit der Teilnahme am Sahara Marathon. Tage lang lebte
Lothar in der Wüste, gemeinsam mit Flüchtlingen in einfachen Hütten und Zelten.
Die sportliche Herausforderung trat dabei fast in den Hintergrund. Die
Begegnungen, die Eindrücke und die Erfahrungen prägten ihn nachhaltig.
Nicht weniger eindrucksvoll war
seine Russlandreise mit Marathonstarts in Moskau, St. Petersburg, Nowosibirsk
und Omsk. Gekrönt wurde diese Reise durch die Fahrt mit der Transsibirischen
Eisenbahn. Für Lothar war auch das Teil des Abenteuers Laufen.
Wenn er jedoch ins Schwärmen
geriet, dann sprach er von Kroatien und dem Nationalpark Plitvicer Seen. Die
Kulisse der bekannten Karl May Verfilmungen war für ihn der schönste
Naturmarathon seines Lebens. Ein Lauf, der sich eingebrannt hat.
Bei aller Reiselust blieb eine
Strecke immer etwas Besonderes. Der Königsforst. Dort, wo alles begann, fühlte
sich Lothar bis zuletzt zu Hause. Mehr als 30 Mal nahm er an den Veranstaltungen
im Königsforst teil. Zehn Mal bewältigte er dort die volle Marathondistanz.
Bestzeiten
3.000 Meter: 11:22 Minuten
5.000 Meter: 22:27 Minuten
10 Kilometer: 39:32 Minuten
15 Kilometer: 1:01:59 Stunden
20 Kilometer: 1:24:38 Stunden
Halbmarathon: 1:30:29 Stunden
25 Kilometer: 1:44:18 Stunden
30 Kilometer: 2:22:13 Stunden
Marathon: 3:11:00 Stunden
Einer, der immer da war
Mit zunehmendem Alter wechselte
Lothar zum Walking. Den Veranstaltungen blieb er dennoch treu. Auch dem Verein.
Bis zuletzt half er im
Vereinsleben mit. Wenn die Beine nicht mehr für lange Strecken reichten, dann
eben an anderer Stelle. Die Ausgabe der Medaillen im Ziel war für ihn mehr als
eine Aufgabe. Es war Nähe zum Sport, Nähe zu den Menschen.
Lothar Deiters war 40 Jahre
Mitglied im GSV und später im LSV Porz. Er war beliebt, präsent und immer Teil
des Ganzen.
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Abschied
Lothar Deiters ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Auf eigenen
Wunsch wird er anonym im Friedwald beigesetzt.
Oder, wie es Helmut Urbach formulierte:
"Mach et joot, Lothar."
Und genau so wird man ihn in Erinnerung behalten. Als Läufer, als Reisenden, als
Vereinskameraden. Und als jemanden, der gezeigt hat, dass der Marathon nicht nur
eine Strecke ist, sondern eine Haltung zum Leben. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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