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Pose Method: Laufen als kontrolliertes Fallen oder klassischer Abdruck?
 
 
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03.02.2026  

 
 

 
Pose Method: Laufen als kontrolliertes Fallen oder klassischer Abdruck?

 
Wer sich heute intensiver mit Lauftechnik beschäftigt, stößt früher oder später auf eine These, die bewusst provoziert: Laufen ist Fallen. Genau mit diesem Gedanken beginnt die sogenannte Pose Method, entwickelt von dem russischen Sportwissenschaftler Dr. Nicholas Romanov. Sie verspricht einen effizienteren Laufstil, weniger Bremskräfte und ein natürlicheres Bewegungsmuster. Für viele klingt das wie eine einfache Abkürzung zu besserer Technik. Doch was steckt tatsächlich dahinter?
 
Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein genauer Blick auf das Konzept, seine Chancen und Grenzen sowie den Vergleich zum klassischen Laufstil, wie er in Leichtathletik, Vereinen und nach gängiger Lehrmeinung vermittelt wird.
 
Was die Pose Method meint, wenn sie von Laufen spricht
 
Die Pose Method versteht Laufen nicht primär als aktives Abdrücken vom Boden, sondern als eine Abfolge klar definierter Bewegungsmomente. Ausgangspunkt ist eine stabile Laufhaltung, die sogenannte Pose. In diesem Moment befindet sich der Läufer auf einem Bein, der Oberkörper ist aufrecht, das Becken stabil und der Körperschwerpunkt befindet sich über dem Standfuß. Aus dieser Haltung heraus entsteht der Vortrieb nicht durch bewusstes Wegdrücken, sondern durch ein leichtes Nach-vorne-Neigen des gesamten Körpers aus den Sprunggelenken. Dieses Neigen wird als kontrolliertes Fallen beschrieben. Der Fuß verlässt anschließend aktiv den Boden, indem er unter dem Körper nach oben gezogen wird, statt sich kraftvoll nach hinten abzustoßen.
   
Diese Sichtweise verändert den Fokus. Nicht die Kraft im Abdruck steht im Mittelpunkt, sondern Haltung, Schwerpunktkontrolle und das Vermeiden von Bremsbewegungen. Laufen wird damit weniger als kraftvolle Bewegung nach vorne, sondern als rhythmische Folge von Stützen, Fallen und schnellem Abheben verstanden.
 
Warum viele Läufer darin Vorteile sehen
 
Ein zentrales Argument der Pose Method ist die Reduktion von Bremskräften. Wer den Fuß weit vor dem Körper aufsetzt, erzeugt unweigerlich einen bremsenden Impuls. Die Pose Method lenkt die Aufmerksamkeit konsequent darauf, den Fuß möglichst nahe unter dem Körperschwerpunkt aufzusetzen. Allein dieser Fokus führt bei vielen Läufern zu kürzeren Schritten, einer höheren Schrittfrequenz und einem flüssigeren Bewegungsrhythmus.
 
Hinzu kommt, dass das bewusste Anheben des Fußes häufig zu kürzeren Bodenkontaktzeiten führt. Viele Läufer berichten subjektiv von einem leichteren Laufgefühl und einem ruhigeren Bewegungsablauf. Nicht zuletzt bietet die Pose Method eine klare Struktur. Wer bisher wenig Techniktraining betrieben hat, findet hier ein verständliches Modell mit klaren Übungen und eindeutigen Leitlinien.
 
Wo die Methode an ihre Grenzen stößt
 
So klar die Pose Method aufgebaut ist, so deutlich sind auch ihre Risiken. Besonders problematisch ist eine zu schnelle Umstellung. Da die Methode häufig mit einem Mittel- oder Vorfußaufsatz verbunden wird, verlagern sich die Belastungen stärker in Richtung Wade, Achillessehne und Fußgewölbe. Wer jahrelang mit deutlichem Fersenaufsatz gelaufen ist und abrupt umstellt, riskiert Überlastungsprobleme in genau diesen Bereichen.

Auch wissenschaftlich ist Vorsicht geboten. Die Vorstellung, dass ein bestimmter Fußaufsatz automatisch ökonomischer oder verletzungsärmer sei, lässt sich nicht eindeutig belegen. Studien zeigen, dass sich Laufökonomie individuell sehr unterschiedlich entwickelt und dass ein Wechsel des Laufstils neue Belastungen erzeugt, statt alte Probleme einfach zu lösen. Spezifische Studien zur Pose Method selbst sind vorhanden, aber in ihrer Aussagekraft begrenzt und nicht eindeutig zugunsten der Methode.
 
Der Vergleich zum klassischen Laufstil aus Verein und Leichtathletik
 
Spannend wird es dort, wo Pose Method und klassische Lauftechnik aufeinandertreffen. Denn auf den ersten Blick ähneln sich gute Läufer oft erstaunlich stark, unabhängig davon, ob sie jemals von Pose gehört haben oder nicht.
 
Der entscheidende Unterschied liegt weniger im äußeren Erscheinungsbild als im Denkmodell. Die Pose Method beschreibt Vortrieb primär als Folge der Schwerkraft. Der klassische Laufstil, wie er in Leichtathletik und Vereinsarbeit vermittelt wird, erklärt den Laufzyklus dagegen über Stütz- und Schwungphasen, in denen der Abdruck je nach Tempo mehr oder weniger aktiv ausgeprägt ist. Während Pose den Abdruck bewusst aus dem Fokus nimmt, wird er in der klassischen Lehre als Teil der Bewegung akzeptiert, ohne ihn zwangsläufig zu überbetonen.
 
Auch beim Fußaufsatz zeigen sich Unterschiede. Die Pose Method bevorzugt klar den Mittel- oder Vorfußaufsatz unter dem Körperschwerpunkt. Klassische Technikmodelle sind hier deutlich offener. Sie betrachten den Fußaufsatz als tempoabhängig und individuell und legen den Schwerpunkt vor allem darauf, ein Überstriden zu vermeiden. Entscheidend ist nicht, welcher Teil des Fußes zuerst den Boden berührt, sondern wo dies im Verhältnis zum Körperschwerpunkt geschieht.
 
Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Schwungphase. In der Pose Method wird das aktive Anheben des Fußes unter dem Körper betont. In der klassischen Technikschulung wird dagegen häufig mit Kniehub, Lauf-ABC und koordinativen Übungen gearbeitet, um Bewegungsqualität, Stabilität und Rhythmus zu verbessern. Hier steht weniger ein einzelnes Technikmerkmal im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
 
Didaktisch betrachtet ist die Pose Method ein geschlossenes System mit klaren Regeln. Die klassische Lauftechnik in Verein und Leichtathletik funktioniert eher wie ein Baukasten. Haltung, Armführung, Rhythmus, Fußaufsatz und Stabilität werden je nach Leistungsstand und Zielsetzung unterschiedlich gewichtet.

Fazit: Provokation mit Erkenntnisgewinn

Die Pose Method ist keine Revolution, aber eine bewusst zugespitzte Perspektive auf Lauftechnik. Sie zwingt dazu, über Haltung, Schwerpunkt und Bremskräfte nachzudenken. Für Läufer mit sehr langem Schritt oder starkem Überstriden kann sie wertvolle Impulse liefern. Als starres Dogma oder schnelle Lösung für Verletzungsprobleme taugt sie jedoch nicht.

Interessant ist am Ende eine einfache Beobachtung: Viele sehr gute Läufer laufen so, wie es die Pose Method beschreibt, ohne jemals danach trainiert zu haben. Der Unterschied liegt weniger im Zielbild als im Weg dorthin. Während die klassische Lehre Entwicklung, Anpassung und Vielfalt betont, bietet die Pose Method Struktur, Klarheit und Provokation. Wer beides versteht, läuft am Ende meist besser.
 


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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