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Arthrose, und jetzt? Warum Bewegung trotz Gelenkverschleiß möglich bleibt |
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Arthrose, und jetzt?
Warum Bewegung trotz Gelenkverschleiß möglich bleibt
Die Diagnose Arthrose trifft
viele Menschen unerwartet. Sie steht für Schmerzen, Einschränkungen und häufig
auch für die Sorge, dass sportliche Aktivität künftig nur noch eingeschränkt
oder gar nicht mehr möglich ist. Besonders im Laufsport hält sich hartnäckig die
Vorstellung, dass beanspruchte Gelenke zwangsläufig weiter geschädigt werden.
Der Gedanke liegt nahe, denn Laufen bedeutet Wiederholung, Stoßbelastung und
tausendfache Schritte. Doch moderne Forschung zeichnet ein deutlich
differenzierteres Bild und eröffnet neue Perspektiven für ein aktives Leben
trotz Arthrose.
Arthrose ist heute eine der
häufigsten chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Allein in
Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen. Dennoch bleibt sie für
viele abstrakt, bis die Diagnose im Raum steht. Dann wird aus einem
medizinischen Begriff eine sehr persönliche Frage nach Lebensqualität,
Selbstständigkeit und sportlicher Zukunft.
Arthrose ist kein Schicksal
Arthrose ist eine chronische
Erkrankung der Gelenke, bei der sich der schützende Knorpel allmählich verändert
und abbaut. In der Folge kann es zu Schmerzen, Steifheit und eingeschränkter
Beweglichkeit kommen. Häufig treten die Beschwerden zunächst belastungsabhängig
auf und nehmen im weiteren Verlauf auch im Alltag zu. Am häufigsten betroffen
sind Knie, Hüfte und Wirbelsäule, also jene Gelenke, die im Alltag und im Sport
besonders gefordert sind.
Lange galt Arthrose als reiner
Verschleißprozess, ausgelöst durch jahrzehntelange Belastung. Diese Sichtweise
ist heute überholt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Arthrose ein
komplexes Zusammenspiel aus mechanischer Belastung, Stoffwechselprozessen,
genetischer Veranlagung, hormonellen Faktoren und früheren Verletzungen ist.
Auch Entzündungsprozesse spielen eine größere Rolle als lange angenommen.
Entscheidend ist dabei nicht
allein, ob ein Gelenk belastet wird, sondern wie diese Belastung erfolgt.
Gleichmäßige, gut gesteuerte Bewegung unterscheidet sich grundlegend von
einseitiger Überlastung oder dauerhaftem Bewegungsmangel. Arthrose verläuft
individuell sehr unterschiedlich und ist in ihrem Fortschreiten keineswegs
zwangsläufig.
Laufen und Arthrose: ein Widerspruch?
Über Jahre hinweg galt Laufen
als Risikofaktor für Gelenkverschleiß. Besonders Kniegelenke standen im
Verdacht, durch die wiederholten Stoßbelastungen Schaden zu nehmen. Neuere
Studien widersprechen dieser Annahme deutlich. Große Übersichtsarbeiten zeigen,
dass Freizeitläufer kein erhöhtes Arthroserisiko im Kniegelenk haben. In
mehreren Untersuchungen war die Häufigkeit von Arthrose bei moderat laufenden
Menschen sogar geringer als bei körperlich inaktiven Vergleichsgruppen.
Die Erklärung liegt in der
Physiologie des Knorpels. Gelenkknorpel besitzt keine eigene Blutversorgung. Er
wird über den Wechsel von Be- und Entlastung mit Nährstoffen versorgt. Bewegung
wirkt wie eine Pumpe, die Gelenkflüssigkeit durch den Knorpel presst und so den
Stoffwechsel aufrechterhält. Ohne Bewegung verschlechtert sich diese Versorgung.
Entscheidend ist dabei die
Dosierung. Extreme Belastungen, monotones Training ohne Regeneration, starkes
Übergewicht oder vorbestehende Gelenkschäden können das Risiko für Beschwerden
erhöhen. Regelmäßige, kontrollierte Bewegung hingegen unterstützt die
Gelenkfunktion und kann dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren und die
Belastbarkeit zu erhalten.
Bewegung als Therapiebaustein
In aktuellen medizinischen
Leitlinien gilt Bewegung als zentraler Bestandteil der Arthrosetherapie. Ziel
ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Gelenkfunktion zu erhalten und das
Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dabei steht nicht Schonung im
Vordergrund, sondern gezielte, angepasste Aktivität.
Laufen kann unter bestimmten
Voraussetzungen Teil dieses Konzepts sein. Voraussetzung sind eine angepasste
Trainingssteuerung, ausreichend lange Regenerationsphasen und eine stabile
muskuläre Umgebung des betroffenen Gelenks. Besonders die kräftige Oberschenkel-
und Hüftmuskulatur spielt bei Knie- und Hüftarthrose eine entscheidende Rolle,
da sie einen großen Teil der Gelenkbelastung abfängt.
Auch Lauftechnik, Schuhwahl und
Untergrund gewinnen an Bedeutung. Kleine Anpassungen können große Effekte haben,
wenn es darum geht, Belastungsspitzen zu reduzieren und Bewegungsabläufe
ökonomischer zu gestalten.
Alternativen und Ergänzungen zum Laufen
Nicht jede Form der Bewegung
eignet sich in jeder Phase der Arthrose gleich gut. Deshalb setzen moderne
Trainingskonzepte auf Abwechslung und Kombination verschiedener Reize.
Radfahren, Schwimmen oder Aqua-Jogging ermöglichen effektives Ausdauertraining
mit deutlich geringerer Stoßbelastung. Nordic Walking verbindet rhythmische
Bewegung mit zusätzlicher Stabilisierung durch den Stockeinsatz und spricht
große Muskelgruppen an.
Krafttraining gewinnt im
Zusammenhang mit Arthrose zunehmend an Bedeutung. Studien zeigen, dass gezieltes
Muskeltraining Schmerzen reduzieren, die Gelenkfunktion verbessern und die
Belastung im Alltag deutlich senken kann. Besonders effektiv sind Übungen zur
Stabilisierung der Beinachse sowie zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur.
Mobilisationsübungen,
Koordinationstraining und Gleichgewichtsschulung verbessern zusätzlich die
Bewegungsqualität. Sie helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden und das Vertrauen in
die eigene Bewegung zurückzugewinnen.
Vom Stillstand zur Strategie
Die Diagnose Arthrose markiert
keinen Endpunkt, sondern einen Wendepunkt. Statt pauschaler Verbote rückt ein
bewusster Umgang mit Belastung in den Fokus. Entscheidend ist eine individuelle
Strategie, die medizinische Befunde, Trainingszustand und langfristige Ziele
berücksichtigt.
Wissen über den eigenen Körper,
professionelle Begleitung durch Physiotherapie oder Sportmedizin und ein
realistischer Trainingsaufbau sind dabei zentrale Faktoren. Schmerzen dienen als
Signal, nicht als Gegner. Sie helfen, Belastungsgrenzen zu erkennen und
Trainingsreize sinnvoll zu steuern.
Langfristig geht es weniger um
Verzicht als um Anpassung. Wer bereit ist, Trainingsinhalte zu variieren, Pausen
zu akzeptieren und ergänzende Maßnahmen zu integrieren, kann auch mit Arthrose
körperlich aktiv bleiben.
Trainingsprinzipien bei Arthrose
Training mit Arthrose folgt
anderen Gesetzmäßigkeiten als leistungsorientierter Aufbau ohne Einschränkungen.
Im Mittelpunkt stehen Kontinuität, Belastungsverträglichkeit und eine saubere
Abstimmung von Reiz und Erholung. Kurze, regelmäßig wiederkehrende Belastungen
sind langfristig wirksamer als sporadische intensive Einheiten.
Bewährt hat sich ein moderates
Grundlagentraining mit niedriger bis mittlerer Intensität. Tempohärte,
Wettkampforientierung und starre Trainingspläne treten in den Hintergrund.
Stattdessen gewinnt das subjektive Belastungsempfinden an Bedeutung. Tage mit
guter Beweglichkeit dürfen genutzt werden, Phasen mit erhöhter Gelenkreaktion
erfordern Anpassung.
Regeneration ist kein Zusatz,
sondern Teil des Trainings. Ausreichender Schlaf, aktive Erholung und gezielte
Entlastungseinheiten sind zentrale Bausteine, um Gelenke langfristig belastbar
zu halten.
Laufsteuerung bei bestehender Arthrose
Eine angepasste Laufsteuerung
kann entscheidend dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren. Kürzere Laufdauern,
häufigere Pausen und das Einbauen von Gehintervallen entlasten die Gelenke, ohne
den Trainingseffekt aufzuheben. Auch die Wochenstruktur spielt eine Rolle.
Mehrere kurze Einheiten sind oft verträglicher als wenige lange Läufe.
Untergründe mit leichter
Dämpfung, gleichmäßige Schrittfrequenz und ein ökonomischer Laufstil reduzieren
Belastungsspitzen. Technische Hilfsmittel wie Laufanalyse oder Videoauswertung
können helfen, ungünstige Bewegungsmuster zu erkennen und zu korrigieren.
Wettkampfambitionen sollten
realistisch eingeordnet werden. Für viele Betroffene steht nicht die Zeit im
Ziel, sondern die Fähigkeit, schmerzarm laufen zu können, im Vordergrund. Diese
Verschiebung der Prioritäten ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck einer
nachhaltigen Trainingsphilosophie.
Stimmen aus der Sportmedizin
Sportmediziner und Orthopäden
betonen zunehmend, dass Bewegung ein unverzichtbarer Bestandteil der
Arthrosebehandlung ist. Ein vollständiger Verzicht auf Belastung wird heute nur
noch in akuten Entzündungsphasen empfohlen. Langfristig führt Inaktivität häufig
zu Muskelabbau, Instabilität und einer Verschlechterung der Gelenksituation.
Zentral ist die individuelle
Betrachtung. Bildgebende Befunde allein sagen wenig über Belastbarkeit aus.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Funktion, Schmerzverhalten und muskulärer
Stabilität. Viele Betroffene können trotz deutlich sichtbarer Veränderungen im
Gelenk ein hohes Maß an Aktivität erreichen.
Die sportmedizinische
Empfehlung lautet daher nicht Schonung, sondern Steuerung. Wer bereit ist,
Trainingsreize anzupassen und Bewegung als langfristigen Prozess zu begreifen,
kann auch mit Arthrose aktiv bleiben.
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Arthrose bedeutet nicht zwangsläufig den Abschied vom Laufsport oder von
körperlicher Aktivität. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt klar, dass
Bewegung kein Feind der Gelenke ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil ihrer
Gesunderhaltung. Moderates Laufen, eingebettet in ein vielseitiges
Trainingskonzept, kann auch mit Arthrose möglich sein.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Bewegung erlaubt ist, sondern wie
sie sinnvoll gestaltet wird. Arthrose verlangt Anpassung, nicht Stillstand. Wer
diesen Perspektivwechsel zulässt, kann auch mit veränderten Gelenken aktiv
bleiben und Bewegung weiterhin als festen Bestandteil des Lebens begreifen. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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