| |
|
|
 |
|
 |
Der besondere Lauf in Prag - Wenn dir kalt ist, dann geh laufen |
| |
 |
| Winter in
Prag - Wenn dir kalt ist, dann geh laufen |
Wenn dir kalt ist, dann geh laufen
Ein Winterlauf, der mehr erzählt als jede Ergebnisliste
Am 2. Dezember 2025 bot sich in
der Prager Altstadt rund um die Karlsbrücke ein ungewöhnliches Bild. Bei
winterlichen Temperaturen liefen zahlreiche junge Menschen durch die Stadt, alle
nur in knapper Bekleidung. Shorts, Bikinioberteile, vereinzelt Mützen und
Handschuhe als einziger Schutz gegen die Kälte. Wer zufällig vorbeikam, dürfte
sich verwundert die Augen gerieben haben. Für die Beteiligten war es jedoch kein
spontaner Spaß, sondern ein bewusst gewähltes Erlebnis.
Der begleitende Slogan lautete
auf Tschechisch "K?dy? ti je zima, b?? b?hat." ("Wenn dir kalt ist, dann geh
laufen."). Ironisch formuliert, aber mit ernstem Kern. Der Lauf wurde zur
Einladung, winterliche Temperaturen nicht als Ausrede zu akzeptieren, sondern
als Herausforderung anzunehmen.
Knappe Bekleidung als klares Signal
Dass alle Teilnehmenden
bewusst nur minimal bekleidet liefen, war kein Zufall. Es gehörte zum Konzept
und verlieh der Veranstaltung ihre besondere Symbolik. Wer im Dezember nahezu
unbekleidet läuft, setzt ein sichtbares Zeichen. Es geht um Mut, um mentale
Stärke und um die Bereitschaft, sich selbst zu überwinden. Solche Bilder wirken
provokant, aber genau darin liegt ihre Kraft. Die knappe Bekleidung zwingt zur
Auseinandersetzung mit der Kälte und macht den Lauf zu einem intensiven
körperlichen Erlebnis. Gleichzeitig entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl,
denn niemand versteckt sich hinter Funktionsjacken oder mehreren Schichten
Thermobekleidung. Alle stellen sich denselben Bedingungen und erleben die Kälte
als gemeinsamen Gegner.
Der Hintergrund dieses
Phänomens lässt sich auch kulturell einordnen. In Tschechien besitzt die
bewusste Abhärtung gegen niedrige Temperaturen eine lange Tradition. Unter dem
Begriff Otu?ování ist es verbreitet, sich gezielt der Kälte auszusetzen, etwa
beim Winterbaden oder beim Sport im Freien. Der Lauf durch die historische
Altstadt von Prag knüpfte genau an diese Tradition an und übertrug sie in die
moderne Laufkultur. Die knappe Bekleidung wurde so zum zentralen Element der
Erfahrung. Sie machte die Kälte unmittelbar spürbar und verwandelte den Lauf in
eine Mutprobe, die nur im Verbund mit anderen ihre volle Wirkung entfaltet.
Bemerkenswert war die
Geschlossenheit der Gruppe. Alle liefen unter denselben Bedingungen, ohne
sichtbare Ausnahmen. Gerade diese Einheitlichkeit verstärkte den Eindruck eines
gemeinsamen Rituals. Der Lauf wurde zu einem kollektiven Erlebnis, das weit über
die reine sportliche Betätigung hinausging. In einer Zeit, in der Training
häufig individualisiert und digital gesteuert wird, setzte diese Aktion ein
anderes Zeichen. Hier ging es nicht um persönliche Bestwerte oder
Trainingspläne, sondern um das gemeinsame Erleben eines Moments, der sich tief
einprägt.
Die Wirkung solcher Läufe
entfaltet sich besonders über visuelle Eindrücke. Läufer in knapper Bekleidung
vor winterlicher Kulisse erzeugen Aufmerksamkeit und bleiben im Gedächtnis. Die
historische Szenerie der Prager Altstadt mit ihren engen Gassen, barocken
Fassaden und dem Blick auf die Türme rund um die Karlsbrücke verstärkte diesen
Effekt zusätzlich. Die Bilder transportieren Emotionen und erzählen eine
Geschichte, ohne viele Worte zu benötigen. Sie zeigen, dass Laufen nicht nur
Leistung bedeutet, sondern auch Ausdruck von Lebensfreude und Selbstüberwindung
sein kann. Gerade die Reduktion auf das Wesentliche, auf Bewegung und
unmittelbares Körpergefühl, verleiht dem Erlebnis seine besondere Intensität.
Der Winterlauf durch die Prager
Altstadt war damit weit mehr als eine sportliche Aktion. Er wurde zu einem
Statement für Mut, Gemeinschaft und die Freude an der Bewegung selbst unter
widrigen Bedingungen. Die knappe Bekleidung fungierte dabei als sichtbares
Symbol. Sie machte deutlich, dass Laufen manchmal genau dort beginnt, wo
Bequemlichkeit endet. Und genau darin liegt die anhaltende Faszination solcher
Momente. Sie erinnern daran, dass der Reiz des Laufens nicht nur in Kilometern
und Zeiten liegt, sondern vor allem im Erleben, im gemeinsamen Durchhalten und
in Geschichten, die noch lange nach dem Zieleinlauf weitererzählt werden.
__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
|
|
|
|
 |
|