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Laufen im Alter Schnelligkeit im Alter: Erhalten statt verlieren
 
 
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22.02.2026  

 
 

 
Laufen im Alter

Schnelligkeit im Alter: Erhalten statt verlieren
 
Der Startschuss fällt. Ein Feld von Läufern setzt sich in Bewegung. Mittendrin: graue Haare, ruhige Entschlossenheit, lange Erfahrung. Und dann das Überraschende. Einige dieser Athleten beschleunigen mit einer Dynamik, die viele Jüngere staunen lässt. Schnelligkeit im Alter ist kein Widerspruch. Sie ist eine Trainingsentscheidung.
 
Dieser Artikel zeigt, warum Tempo mit den Jahren nachlässt, weshalb es dennoch erhalten werden kann und wie ältere Läufer ihre Schnelligkeit gezielt bewahren. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah und motivierend.
 
Altern bedeutet Veränderung, nicht zwangsläufig Verlust
 
Mit zunehmendem Alter verändern sich zentrale leistungsbestimmende Faktoren. Die maximale Sauerstoffaufnahme sinkt im Schnitt ab dem dritten Lebensjahrzehnt. Gleichzeitig nehmen Muskelmasse, Elastizität der Sehnen und neuromuskuläre Reaktionsgeschwindigkeit langsam ab. Diese Prozesse sind biologisch normal.
 
Entscheidend ist jedoch das Ausmaß. Studien zeigen, dass regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining den altersbedingten Leistungsrückgang deutlich verlangsamen kann. Trainierte Läufer verlieren pro Dekade wesentlich weniger Leistungsfähigkeit als inaktive Personen. Altern setzt also Grenzen, doch Training verschiebt sie.
 
Warum gerade die Schnelligkeit leidet
 
Tempo basiert nicht nur auf Herz-Kreislauf-Leistung. Es ist vor allem ein Produkt aus Schnellkraft, Koordination, Schrittlänge und Reaktionsfähigkeit. Genau diese Komponenten reagieren besonders sensibel auf Alterungsprozesse.
 
Viele ältere Läufer verkürzen unbewusst ihre Schritte und verlängern die Bodenkontaktzeit. Das wirkt stabilisierend, kostet aber Dynamik. Hinzu kommt eine längere Regenerationszeit, wodurch intensive Reize seltener gesetzt werden. Die Folge ist ein schleichender Verlust der Tempofähigkeit, obwohl die Grundausdauer oft erstaunlich stabil bleibt.
 
Der eigentliche Grund für den Geschwindigkeitsverlust liegt daher selten im Alter allein. Häufig liegt er darin, dass Schnelligkeit zu selten trainiert wird.
 
Der Denkfehler: Immer langsamer trainieren
 
Mit den Jahren entscheiden sich viele Läufer intuitiv für mehr Umfang und weniger Intensität. Lange, ruhige Läufe dominieren den Trainingsalltag. Das ist gesund und sinnvoll für die Ausdauerbasis, aber es hat einen Preis. Ohne schnelle Reize verliert das neuromuskuläre System seine Aktivierungsfähigkeit.
 
Der Körper passt sich exakt an die Anforderungen an, die regelmäßig gestellt werden. Wird nie schnell gelaufen, verlernt er die Fähigkeit dazu. Wer Schnelligkeit erhalten will, muss sie weiterhin regelmäßig abrufen.
 
Die gute Nachricht: Tempo ist bis ins hohe Alter trainierbar
 
Untersuchungen an Mastersathleten zeigen, dass selbst im höheren Lebensalter Verbesserungen der maximalen Sauerstoffaufnahme und der Laufökonomie möglich sind. Regelmäßige intensive Reize aktivieren schnell zuckende Muskelfasern, verbessern die Koordination und erhalten die Schrittfrequenz.
 
Schnelligkeit verschwindet also nicht zwangsläufig mit dem Alter. Sie geht verloren, wenn sie nicht mehr gefordert wird.
 
Trainingsstrategien für nachhaltige Schnelligkeit
 
Wer im Alter schnell bleiben möchte, benötigt kein exotisches Spezialprogramm, sondern ein klug strukturiertes Training. Entscheidend ist die richtige Balance aus Reiz und Erholung. Ältere Läufer profitieren besonders von klar gesetzten Intensitätspunkten, die gezielt neuromuskuläre Fähigkeiten ansprechen.
 
Ein häufiger Fehler besteht darin, Tempotraining komplett zu meiden, um Verletzungen zu vermeiden. Paradoxerweise führt genau dieses Vermeiden langfristig zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit, da Muskulatur, Sehnen und das Nervensystem ihre Anpassungsfähigkeit verlieren. Kurze, kontrollierte Schnelligkeitsreize wirken wie ein Schutzfaktor, weil sie die Gewebe elastisch und belastbar halten.
 
  Beispiel für eine trainingswirksame Tempowoche
 
Montag: Lockerer Dauerlauf mit sechs kurzen Steigerungen über 80 bis 100 Meter
Mittwoch: Intervalltraining mit 6 × 400 Meter in zügigem, aber kontrolliertem Tempo
Freitag: Kräftigungstraining mit Fokus auf Beinachse, Rumpfstabilität und Schnellkraft
Sonntag: Langer, ruhiger Dauerlauf zur aeroben Stabilisierung
 
Dieses Muster zeigt, dass Schnelligkeit nicht isoliert trainiert wird. Sie ist eingebettet in ein Gesamtsystem aus Technik, Kraft und Ausdauer.
 
Die Rolle der Lauftechnik
 
Mit zunehmendem Alter verändern sich häufig Schrittlänge und Bodenkontaktzeit. Viele Läufer setzen vorsichtiger auf, was Sicherheit vermittelt, aber Tempo kostet. Techniktraining wirkt hier wie ein Verjüngungsprogramm für den Laufstil.
 
Lauf-ABC, Koordinationsläufe und kurze Technikdrills schulen die Reaktivkraft und sorgen dafür, dass Bewegungen dynamisch bleiben. Übungen wie Skippings, Anfersen oder kurze Sprungläufe aktivieren gezielt die schnell zuckenden Muskelfasern und verbessern die Laufökonomie.
 
Krafttraining als zentrale Säule
 
Muskelabbau, die sogenannte Sarkopenie, ist einer der Hauptgründe für Geschwindigkeitsverluste im Alter. Besonders betroffen sind die Muskelfasern, die für Beschleunigung und hohe Schrittfrequenzen verantwortlich sind. Krafttraining ist deshalb kein Zusatz, sondern eine Kernkomponente des Lauftrainings im Alter.
 
Schon zwei Einheiten pro Woche mit Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritten, Wadenheben und Rumpfstabilisation können den Verlust an Muskelkraft deutlich verlangsamen. Ergänzt durch moderate explosive Bewegungen entsteht ein Training, das gezielt die Schnelligkeitsfähigkeit unterstützt.
 
Regeneration: Der unterschätzte Leistungsfaktor
 
Schnelligkeit im Alter zu erhalten bedeutet nicht, härter zu trainieren als früher. Es bedeutet, klüger zu regenerieren. Schlaf, Ernährung und aktive Erholung gewinnen mit den Jahren an Bedeutung. Nur ein erholter Organismus kann intensive Reize verarbeiten und daraus Anpassungen entwickeln.
 
Ältere Läufer sollten zwischen intensiven Einheiten bewusst mehr Zeit lassen. Oft ist eine hochwertige Tempoeinheit pro Woche wirkungsvoller als mehrere mittelmäßige Belastungen. Die Erholungstage sind keine Trainingspause, sondern die Phase, in der der Körper stärker und schneller wird.
 
Wettkämpfe als natürlicher Temporeiz
 
Wettkämpfe liefern Motivation und hochwirksame Geschwindigkeitsreize, die im Training schwer zu simulieren sind. Gerade kürzere Distanzen wie fünf oder zehn Kilometer helfen, die Schrittfrequenz hoch zu halten und das Tempogefühl zu schärfen. Regelmäßige Starts verhindern, dass sich ein zu gleichförmiges Training etabliert.
 
Mentale Stärke: Erfahrung kompensiert Physiologie
 
Mit zunehmendem Alter wächst nicht nur die Vorsicht, sondern auch die Erfahrung. Ältere Läufer verfügen oft über ein besseres Tempogefühl, eine effizientere Technik und eine höhere Trainingsdisziplin. Sie laufen ökonomischer und taktisch klüger. Diese Faktoren können einen Teil des physiologischen Rückgangs ausgleichen.
 
Schnelligkeit ist daher nicht nur Muskelkraft, sondern auch Bewegungsökonomie und mentale Steuerung.
 
 
    Fazit: Schnelligkeit ist eine Frage der Trainingskultur
 

Schnelligkeit im Alter ist kein Zufallsprodukt. Sie ist das Ergebnis einer Trainingskultur, die Dynamik bewusst erhält. Dazu gehören kurze intensive Reize, konsequentes Krafttraining, saubere Technikarbeit und ausreichend Regeneration.
 
Wer Tempo als integralen Bestandteil des Laufens begreift, wird es auch im höheren Alter nicht verlieren. Der Körper folgt den Anforderungen, die an ihn gestellt werden. Werden diese Anforderungen vielseitig gehalten, bleibt auch die Leistungsfähigkeit vielseitig.
 
Die ermutigende Erkenntnis lautet: Alter ist kein Gegner der Schnelligkeit. Gleichförmiges Training ist es. Wer regelmäßig schnell läuft, bleibt es länger, als viele glauben. Und genau darin liegt die besondere Faszination des Laufens über die Jahre hinweg: nicht immer schneller zu werden, sondern die eigene Geschwindigkeit dauerhaft zu bewahren.


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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