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Das leise Ende eines Traditionslaufs: Der Aggerlauf verabschiedet sich |
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Das leise Ende eines Traditionslaufs: Der Aggerlauf verabschiedet sich
Es gibt Läufe, die sind mehr
als nur ein Termin im Wettkampfkalender. Sie sind Treffpunkt, Ritual und ein
Stück sportliche Heimat. Der Aggerlauf gehörte über Jahrzehnte genau in diese
Kategorie. Nun endet diese Geschichte. Nach 40 Jahren sagt das Organisationsteam
endgültig Abschied.
Ein Jubiläum und ein Abschied
Im Jahr 2025 durfte der
Aggerlauf noch sein 40-jähriges Bestehen feiern. Ein Meilenstein für eine
Veranstaltung, die Generationen von Läufern begleitet hat. Kurz darauf folgt
jedoch die ernüchternde Nachricht: Der Lauf wird in Zukunft nicht mehr
stattfinden. Grund dafür ist der zunehmende Personalmangel im Organisationsteam.
Die Verantwortlichen betonen,
dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht nur am Veranstaltungstag
selbst, sondern vor allem in der monatelangen Vorbereitung enorme Kräfte bindet.
Planung, Genehmigungen, Streckenorganisation, Helfereinsatz, Zeitnahme und
Logistik sind Aufgaben, die im Ehrenamt bewältigt werden müssen. Genau dort wird
es zunehmend schwierig.
Ein Problem, das viele Läufe betrifft
Die Entwicklung ist kein
Einzelfall. Viele traditionelle Volksläufe in Deutschland kämpfen mit ähnlichen
Herausforderungen. Studien und Berichte aus der Vereinslandschaft zeigen, dass
es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu gewinnen und langfristig zu binden.
Gleichzeitig wächst der organisatorische Aufwand durch höhere
Sicherheitsanforderungen und steigende Kosten. Für kleine bis mittlere
Laufveranstaltungen wird das zunehmend zur Belastungsprobe.
Der Aggerlauf reiht sich damit
in eine Reihe traditionsreicher Läufe ein, die in den letzten Jahren aus dem
Kalender verschwunden sind. Der Verlust trifft vor allem die regionale
Laufszene, denn solche Veranstaltungen sind oft wichtige Einstiegsmöglichkeiten
für Freizeitläufer und Walker.
Ein Lauf, der von Menschen lebte
Was den Aggerlauf besonders
machte, war weniger die Größe als vielmehr die Atmosphäre. Ob Kurzstrecke oder
Langdistanz, ob ambitionierter Wettkampf oder entspannter Lauf entlang der Agger:
Jeder Teilnehmer fand seinen Platz. Genau diese Mischung war es, die den Lauf
über vier Jahrzehnte hinweg getragen hat.
Die Strecke rund um die
Aggertalsperre im Oberbergischen Land zwischen Gummersbach, Bergneustadt und
Meinerzhagen prägte den Charakter des Laufs. Die 10-Kilometer-Distanz führte
fast um die gesamte Seenlandschaft. Der Halbmarathon absolvierte zwei Runden und
führte zusätzlich um den Vorsatz Bruch, was naturnahe Wege und weite Ausblicke
über das Wasser bescherte.
Das Organisationsteam betont in
seiner Abschiedsbotschaft vor allem eines: Dankbarkeit. Dank an die vielen
Helfer, die bei Sonnenschein ebenso wie bei Schnee oder Hagel an der Strecke
standen, verpflegten, sicherten und anfeuerten. Dank an Sponsoren, die Jahr für
Jahr mit Geld- und Sachspenden sowie persönlichem Einsatz unterstützten. Und
nicht zuletzt Dank an die Läufer selbst. Denn ein Lauf lebt von denen, die an
der Startlinie stehen.
Mehr als nur ein Rennen
Der Aggerlauf war für viele
mehr als ein Wettkampf. Für einige war er der erste Startnummerlauf überhaupt.
Für andere ein fester Termin im Jahresrhythmus. Für Vereine und Familien ein
gemeinsamer sportlicher Höhepunkt. Gerade diese lokale Verankerung machte den
Lauf so wertvoll.
Mit seinem Ende geht ein Stück
regionaler Laufkultur verloren. Solche Veranstaltungen sind es, die den
Breitensport tragen und Nachwuchs an den Laufsport heranführen. Ohne sie fehlen
niedrigschwellige Wettkampfmöglichkeiten, gerade abseits der großen
Stadtmarathons.
Ein Dank zum Abschied
Zum Schluss bleibt eine
Botschaft, die im Sport selten laut ausgesprochen wird: Dankbarkeit. Das
Organisationsteam verabschiedet sich mit einem klaren Blick zurück auf vier
Jahrzehnte ehrenamtlicher Arbeit und gemeinsamer Laufmomente. Der Tenor ist
eindeutig: Jeder Läufer, jeder Walker, jeder Helfer hat den Aggerlauf zu etwas
Besonderem gemacht.
Der letzte Zieleinlauf ist
erfolgt. Die Erinnerungen bleiben.
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Fotos: Detlev Ackermann, laufen-in-Koeln
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