| |
|
|
 |
|
 |
Sporttourismus 2026: Warum deutsche Fans lieber vor dem Bildschirm bleiben |
| |
Sporttourismus 2026: Warum deutsche Fans lieber vor dem Bildschirm bleiben
Wenn im Winter 2026 die
olympischen Flammen in Norditalien lodern und wenige Monate später die
Fußball-Weltmeisterschaft auf drei Kontinenten angepfiffen wird, wird die Welt
in Bewegung geraten. Millionen Fans werden ihre Koffer packen, Stadien füllen
und Medaillenentscheidungen live verfolgen. 2026 verspricht ein Ausnahmejahr des
internationalen Sports zu werden. Doch ausgerechnet in Deutschland scheint die
Bereitschaft, für solche Großereignisse zu reisen, vergleichsweise gering
ausgeprägt. Eine aktuelle internationale Studie liefert dazu belastbare Zahlen
und eröffnet einen differenzierten Blick auf das Reiseverhalten von Sportfans.
Der neue YouGov-Report "Sport
tourism: Measuring fan appetite" analysiert in 17 Märkten weltweit, wer zu
Sportveranstaltungen reist, was diese Menschen motiviert und welche Hürden sie
davon abhalten. Die Daten geben nicht nur Veranstaltern und Destinationen
wichtige Hinweise, sondern zeigen auch, wie unterschiedlich Sportbegeisterung
und tatsächliches Reiseverhalten miteinander verknüpft sind.
Deutschland im internationalen Vergleich
Lediglich 26 Prozent der Deutschen haben laut Studie bereits eine Freizeitreise
unternommen, um eine Sportveranstaltung zu besuchen. Damit liegt Deutschland
deutlich unter dem internationalen Durchschnitt von 38 Prozent. Besonders hoch
ist die Reiseaffinität in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 57 Prozent,
gefolgt von Mexiko und Indonesien mit jeweils 49 Prozent.
Auch beim Blick in die Zukunft
bleibt Deutschland zurückhaltend. Nur 14 Prozent planen innerhalb der kommenden
zwölf Monate eine Reise zu einem Sportevent. International liegt dieser Wert bei
23 Prozent. Lediglich Dänemark mit 13 Prozent und die USA mit 10 Prozent weisen
noch niedrigere Planungsquoten auf.
Für ein Land mit ausgeprägter
Sportkultur ist das bemerkenswert. Ob ausverkaufte Fußballarenen, große
Stadtmarathons oder Wintersportklassiker. Das Interesse am Sport ist hoch. Doch
die Bereitschaft, dafür gezielt zu reisen, fällt im internationalen Vergleich
unterdurchschnittlich aus.
Was Fans wirklich antreibt
Bei jenen Deutschen, die
bereits gereist sind oder in den kommenden zwölf Monaten eine Sportreise planen,
stehen klare Motive im Vordergrund. Für 52 Prozent ist die besondere Atmosphäre
einer Live-Veranstaltung der wichtigste Grund. Die Spannung im Stadion, die
Dynamik auf der Strecke, das gemeinsame Erleben eines sportlichen Höhepunkts.
51 Prozent nennen ihre
Leidenschaft für die jeweilige Sportart als zentrale Motivation. 37 Prozent
möchten ihr Team oder ihre Athleten vor Ort unterstützen. Das direkte Dabeisein,
die Nähe zum Geschehen und das emotionale Gemeinschaftsgefühl sind die
entscheidenden Faktoren.
Weniger relevant ist für
deutsche Fans der touristische Aspekt. Nur 17 Prozent geben an, dass sie aus
Neugier auf neue Reiseziele zu Sportevents fahren. International liegt dieser
Wert mit 28 Prozent deutlich höher. In Deutschland steht klar das Event selbst
im Mittelpunkt, nicht das Reiseziel.
Kosten und Sicherheit als Bremsfaktoren
Warum also bleibt ein Großteil
der Sportbegeisterten zu Hause? Weltweit nennen 60 Prozent der Sportreisenden
die Kosten für Flug, Unterkunft oder Mietwagen als größte Hürde. In Deutschland
liegt dieser Wert mit 61 Prozent nahezu identisch. Besonders ausgeprägt ist die
Kostenwahrnehmung in Großbritannien und den USA, wo jeweils 70 Prozent
finanzielle Aspekte als entscheidendes Hindernis betrachten.
Hinzu kommen
Sicherheitsbedenken. International empfinden 41 Prozent Sicherheitsaspekte als
potenzielles Reisehindernis. In Deutschland liegt dieser Anteil mit 47 Prozent
spürbar höher. Große Menschenmengen, internationale Austragungsorte und globale
Sicherheitslagen beeinflussen offenbar die Reiseentscheidung stärker als in
vielen anderen Märkten.
Ein Wachstumsfeld mit strategischer Bedeutung
Nicole Pike, Global Head bei
YouGov Sport, ordnet die Ergebnisse ein. 2026 werde mit der
FIFA-Weltmeisterschaft, den Olympischen Winterspielen und weiteren
Großereignissen wie der Leichtathletik-Europameisterschaft ein Schlüsseljahr für
den internationalen Sporttourismus. Der Sport beeinflusse zunehmend, wohin
Menschen reisen, wie sie reisen und welche Erwartungen sie an Destinationen
stellen.
Die Studie analysiert
Einstellungen, Verhaltensweisen sowie Unterschiede zwischen Ländern und
Generationen. Daraus ergibt sich ein datenbasiertes Bild einer Branche im
Wandel, das für Rechteinhaber, Marken und Reiseziele strategische Relevanz
besitzt.
Implikationen für die Laufszene
Gerade im Laufsport ist das
Thema Sporttourismus seit Jahren präsent. Internationale City-Marathons,
Major-Serien oder spektakuläre Trail-Events ziehen Teilnehmer und Zuschauer aus
aller Welt an. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass für viele deutsche
Sportbegeisterte der Schritt vom lokalen Wettkampf zur internationalen Reise
noch mit Vorbehalten verbunden ist.
Für Veranstalter ergeben sich
daraus klare Handlungsfelder. Transparente Kostenstrukturen, frühzeitige
Planungssicherheit und überzeugende Sicherheitskonzepte können Hemmschwellen
senken. Wer es schafft, das emotionale Versprechen eines Live-Erlebnisses mit
organisatorischer Verlässlichkeit zu verbinden, erhöht die Wahrscheinlichkeit,
dass aus Interesse tatsächliche Buchungen werden.
2026 wird damit zum Gradmesser.
Die Begeisterung für große Sportmomente ist vorhanden. Entscheidend wird sein,
ob es gelingt, ökonomische und sicherheitsbezogene Barrieren so weit zu
reduzieren, dass mehr Fans den Schritt vom Bildschirm ins Stadion oder an die
Strecke wagen.
Am Ende steht eine einfache
Erkenntnis. Sport lebt vom gemeinsamen Erleben. Je besser es gelingt, dieses
Erlebnis zugänglich, planbar und sicher zu machen, desto größer dürfte auch die
Bereitschaft sein, dafür Grenzen zu überschreiten.
__________________________________
Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
|
|
|
|
 |
|