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Wie Kinder zu lebenslangen Läufern werden
 
 
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28.02.2026  

 
 

 
Spielerisches Lauftraining vs. strukturiertes Training im Nachwuchsbereich
Wie Kinder zu lebenslangen Läufern werden
 

Es beginnt auf dem Bolzplatz, wo ein Kind beim Fangspiel losstürmt, abrupt stoppt und wieder beschleunigt, auf der Wiese hinter der Schule oder in der Sporthalle. Sie rennen, bremsen, wenden und lachen. Niemand spricht von Trainingsplänen, Periodisierung oder VO?max. Und doch entsteht genau hier die Grundlage für spätere Laufleistungen.
 
Die zentrale Frage für Trainer, Eltern und Vereine lautet daher:
Soll Lauftraining im Nachwuchsbereich vor allem spielerisch oder früh strukturiert erfolgen?
 
Die Antwort ist komplexer, als es zunächst scheint. Und sie entscheidet darüber, ob aus bewegungsfreudigen Kindern motivierte Jugendliche oder frustrierte Talente werden.
 
Der natürliche Instinkt: Kinder laufen anders als Erwachsene
 
Doch was auf den ersten Blick wie reines Spielen wirkt, folgt in Wahrheit klaren physiologischen und entwicklungsbedingten Gesetzmäßigkeiten.
 
Beobachtet man Kinder beim Spielen, fällt eines sofort auf: Sie laufen nicht monoton. Sie sprinten, pausieren, wechseln das Tempo, reagieren spontan auf Reize. Genau dieses Verhalten entspricht ihrer physiologischen Struktur.
 
Das Herz-Kreislauf-System von Kindern passt sich zwar gut an Ausdauerbelastungen an, wie unter anderem Empfehlungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und sportwissenschaftliche Leitlinien zeigen, anaerobe Belastungen werden jedoch schlechter toleriert, da der Laktatabbau verzögert ist. Deshalb sollten längere hochintensive Belastungen vor der Pubertät vermieden werden.
 
Zugleich gilt ein entscheidender Grundsatz der Trainingswissenschaft:
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Training muss sich am Entwicklungsstand und nicht am Kalenderalter orientieren.
 
Das bedeutet: Ein Trainingsplan, der bei Erwachsenen funktioniert, kann im Nachwuchsbereich mehr schaden als nützen.
 
 
Spielerisches Training: Der Schlüssel zur langfristigen Motivation

 
Spielerisches Lauftraining ist vor allem ein Motor für die motorische und koordinative Entwicklung im Kindesalter. Es erfüllt zentrale sportwissenschaftliche Funktionen.
 
Vielfältige Bewegungserfahrungen verbessern Koordination, Bewegungsgefühl und Sicherheit. Gleichzeitig sorgt Abwechslung dafür, dass Kinder motiviert bleiben und positive Bewegungserlebnisse sammeln.
 
Die Trainingspraxis zeigt: Monotones Dauerlaufen wird von Kindern selten als sinnvoll erlebt. Dagegen wirken Staffelspiele, Fangspiele oder koordinative Aufgaben als "verstecktes Ausdauertraining".
 
Gerade Staffelspiele sind deshalb in der Kinderleichtathletik so beliebt. Sie verbinden Schnelligkeit, Teamgefühl und spielerische Spannung.
 
Spielerisches Training erfüllt drei zentrale Ziele:
 
- Entwicklung koordinativer Fähigkeiten
- Aufbau einer aeroben Grundlage ohne Überlastung
- Förderung von Freude und langfristiger Bindung an den Sport
 
Und genau diese Bindung entscheidet über den späteren Erfolg.
 
Die Gefahr des zu frühen Strukturtrainings - ein Beispiel aus dem Vereinstraining
 
Im Nachwuchsbereich ist der Wunsch groß, Talente früh zu erkennen und gezielt zu fördern. Strukturierte Trainingspläne, Intervallprogramme und Wettkampfvorbereitung erscheinen als logischer Weg.
 
Doch die Forschung warnt: Zu früh eingesetztes leistungsorientiertes Training kann kurzfristige Leistungssprünge erzeugen, langfristig jedoch die optimale Entwicklung behindern.
 
Ein klassisches Beispiel: Kinder, die bereits früh viele Kilometer laufen, sind ihren Alterskollegen zunächst überlegen. Später fehlt jedoch oft die Grundlage in Schnelligkeit und Technik, weil sensible Entwicklungsphasen nicht genutzt wurden.
 
Die Trainingswissenschaft spricht hier von sensiblen Phasen, also Zeitfenstern der Entwicklung, in denen bestimmte Fähigkeiten wie Schnelligkeit oder Koordination besonders gut trainierbar sind. Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit lassen sich in bestimmten Altersabschnitten besonders effektiv entwickeln. Werden diese Zeitfenster verpasst, sind sie kaum vollständig nachholbar.
 
Wann strukturiertes Training sinnvoll wird
 
Die folgenden Empfehlungen konkretisieren sich im anschließenden Stufenmodell des Nachwuchstrainings.
 
Spielerisches Training bedeutet nicht planloses Training. Vielmehr geht es um eine altersgerechte Strukturierung.
 
Mit zunehmender biologischer Reife steigt die Trainierbarkeit. Besonders ab etwa 15 Jahren kann ein gezieltes leistungsorientiertes Lauftraining beginnen, mit mehreren Trainingseinheiten pro Woche, Intervallen und wettkampfspezifischen Reizen.
 
Vorher sollte das Training vor allem vielseitig sein und verschiedene Fähigkeiten entwickeln. Dazu zählen Schnelligkeit, Technik, Koordination und moderate Ausdauerreize.
 
Das ideale Modell ist daher kein Entweder-oder, sondern ein Entwicklungsmodell:
Vom Spiel zur Struktur.
 
 
Der ideale Trainingsaufbau im Nachwuchsbereich - differenzierte Schwerpunkte in den Entwicklungsstufen

 
Ein langfristig erfolgreicher Weg folgt einem klaren Stufenmodell.
 
- 1. Kinderalter bis etwa 12 Jahre
 
Im Vordergrund stehen Spiel, Bewegungserfahrung und Schnelligkeit.
Variantenreiche Spielformen und kurze Belastungen sind ideal. Längere intensive Intervalle sollten vermieden werden.
 
Eine besondere Rolle spielen in dieser Altersstufe Bambiniläufe. Sie bieten einen niedrigschwelligen und emotional positiven Einstieg in die Welt des Laufsports. Ohne Leistungsdruck sammeln Kinder erste Erfahrungen mit Start, Strecke und Ziel, erleben Applaus und Gemeinschaft und verknüpfen Wettkampf früh mit Freude statt mit Erwartungshaltung.
- 2. Frühe Pubertät
 
Die Belastbarkeit steigt, Ausdauertraining wird besser vertragen.
Dennoch bleibt die Vielseitigkeit der Bewegungsreize entscheidend.
- 3. Späte Jugend ab etwa 15 Jahren
 
Erst jetzt beginnt das spezifische Lauftraining mit strukturierten Einheiten, Intervallen und systematischer Periodisierung.
 
Diese Progression schützt vor Überlastung und ermöglicht nachhaltige Leistungsentwicklung.

Spiel und Struktur im Zusammenspiel - die übergeordnete Perspektive
 
Die Gegenüberstellung von spielerischem und strukturiertem Training ist letztlich ein falscher Gegensatz. Erfolgreiches Nachwuchstraining vereint beide Ansätze.

Spielerische Elemente bilden die Grundlage. Sie schaffen motorische Vielfalt, Motivation und körperliche Robustheit. Strukturierte Trainingsformen werden schrittweise integriert, sobald die biologischen Voraussetzungen vorhanden sind.

Entscheidend ist die richtige Gewichtung zum richtigen Zeitpunkt.

Die wichtigste Regel: Freude vor Leistung
 
"Wenn Kinder mit einem Lächeln nach Hause gehen, war das Training richtig", sagt ein erfahrener Nachwuchstrainer.
 
Kinder laufen nicht, um Trainingspläne zu erfüllen. Sie laufen, weil Bewegung Spaß macht. Und genau dieser Spaß ist der stärkste Motor für langfristigen Erfolg.
 
Wer Kinder zu früh in starre Strukturen presst, riskiert mentale Überlastung, sinkende Motivation und frühe Drop-out-Quoten. Wer hingegen spielerisches Training nutzt, legt die Basis für ein stabiles sportliches Fundament und eine lebenslange Begeisterung fürs Laufen.
 
Oder anders formuliert:
Ein Kind, das gern läuft, wird später bereit sein, strukturiert zu trainieren.
Ein Kind, das nur trainiert, läuft später vielleicht gar nicht mehr.
 
  
    Vom Spiel zum System - der goldene Weg vom Spiel zur Struktur
 
Spielerisches Lauftraining ist im Kindesalter kein Kompromiss, sondern die effektivste Trainingsform. Es berücksichtigt physiologische Besonderheiten, fördert koordinative Fähigkeiten und schafft emotionale Bindung an den Sport.
 
Strukturiertes Training hat seinen Platz, aber erst dann, wenn die körperliche und mentale Reife es erlaubt.
 
Der beste Nachwuchstrainer erkennt daher den richtigen Moment für den Übergang. Er lässt Kinder laufen, spielen, entdecken - und führt sie dann behutsam in die Welt des Trainings ein.
 
So entstehen nicht nur schnellere Läufer.
So entstehen begeisterte Sportler, die dem Laufsport ein Leben lang treu bleiben.


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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln


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