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Wie Kinder zu lebenslangen Läufern werden |
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Spielerisches Lauftraining vs. strukturiertes Training im Nachwuchsbereich
Wie Kinder zu lebenslangen Läufern werden
Es beginnt auf dem Bolzplatz,
wo ein Kind beim Fangspiel losstürmt, abrupt stoppt und wieder beschleunigt, auf
der Wiese hinter der Schule oder in der Sporthalle. Sie rennen, bremsen, wenden
und lachen. Niemand spricht von Trainingsplänen, Periodisierung oder VO?max. Und
doch entsteht genau hier die Grundlage für spätere Laufleistungen.
Die zentrale Frage für Trainer,
Eltern und Vereine lautet daher:
Soll Lauftraining im Nachwuchsbereich vor allem spielerisch oder früh
strukturiert erfolgen?
Die Antwort ist komplexer, als
es zunächst scheint. Und sie entscheidet darüber, ob aus bewegungsfreudigen
Kindern motivierte Jugendliche oder frustrierte Talente werden.
Der natürliche Instinkt: Kinder laufen anders als Erwachsene
Doch was auf den ersten Blick
wie reines Spielen wirkt, folgt in Wahrheit klaren physiologischen und
entwicklungsbedingten Gesetzmäßigkeiten.
Beobachtet man Kinder beim
Spielen, fällt eines sofort auf: Sie laufen nicht monoton. Sie sprinten,
pausieren, wechseln das Tempo, reagieren spontan auf Reize. Genau dieses
Verhalten entspricht ihrer physiologischen Struktur.
Das Herz-Kreislauf-System von
Kindern passt sich zwar gut an Ausdauerbelastungen an, wie unter anderem
Empfehlungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und sportwissenschaftliche
Leitlinien zeigen, anaerobe Belastungen werden jedoch schlechter toleriert, da
der Laktatabbau verzögert ist. Deshalb sollten längere hochintensive Belastungen
vor der Pubertät vermieden werden.
Zugleich gilt ein
entscheidender Grundsatz der Trainingswissenschaft:
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Training muss sich am
Entwicklungsstand und nicht am Kalenderalter orientieren.
Das bedeutet: Ein
Trainingsplan, der bei Erwachsenen funktioniert, kann im Nachwuchsbereich mehr
schaden als nützen.
Spielerisches Training: Der Schlüssel zur langfristigen Motivation
Spielerisches Lauftraining ist
vor allem ein Motor für die motorische und koordinative Entwicklung im
Kindesalter. Es erfüllt zentrale sportwissenschaftliche Funktionen.
Vielfältige
Bewegungserfahrungen verbessern Koordination, Bewegungsgefühl und Sicherheit.
Gleichzeitig sorgt Abwechslung dafür, dass Kinder motiviert bleiben und positive
Bewegungserlebnisse sammeln.
Die Trainingspraxis zeigt:
Monotones Dauerlaufen wird von
Kindern selten als sinnvoll erlebt. Dagegen wirken Staffelspiele, Fangspiele
oder koordinative Aufgaben als "verstecktes Ausdauertraining".
Gerade Staffelspiele sind
deshalb in der Kinderleichtathletik so beliebt. Sie verbinden Schnelligkeit,
Teamgefühl und spielerische Spannung.
Spielerisches Training erfüllt
drei zentrale Ziele:
- Entwicklung koordinativer
Fähigkeiten
- Aufbau einer aeroben Grundlage ohne Überlastung
- Förderung von Freude und langfristiger Bindung an den Sport
Und genau diese Bindung
entscheidet über den späteren Erfolg.
Die Gefahr des zu frühen Strukturtrainings - ein Beispiel aus dem
Vereinstraining
Im Nachwuchsbereich ist der
Wunsch groß, Talente früh zu erkennen und gezielt zu fördern. Strukturierte
Trainingspläne, Intervallprogramme und Wettkampfvorbereitung erscheinen als
logischer Weg.
Doch die Forschung warnt: Zu
früh eingesetztes leistungsorientiertes Training kann kurzfristige
Leistungssprünge erzeugen, langfristig jedoch die optimale Entwicklung
behindern.
Ein klassisches Beispiel:
Kinder, die bereits früh viele Kilometer laufen, sind ihren Alterskollegen
zunächst überlegen. Später fehlt jedoch oft die Grundlage in Schnelligkeit und
Technik, weil sensible Entwicklungsphasen nicht genutzt wurden.
Die Trainingswissenschaft
spricht hier von sensiblen Phasen, also Zeitfenstern der Entwicklung, in denen
bestimmte Fähigkeiten wie Schnelligkeit oder Koordination besonders gut
trainierbar sind. Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit lassen sich in
bestimmten Altersabschnitten besonders effektiv entwickeln. Werden diese
Zeitfenster verpasst, sind sie kaum vollständig nachholbar.
Wann strukturiertes Training sinnvoll wird
Die folgenden Empfehlungen
konkretisieren sich im anschließenden Stufenmodell des Nachwuchstrainings.
Spielerisches Training bedeutet
nicht planloses Training. Vielmehr geht es um eine altersgerechte
Strukturierung.
Mit zunehmender biologischer
Reife steigt die Trainierbarkeit. Besonders ab etwa 15 Jahren kann ein gezieltes
leistungsorientiertes Lauftraining beginnen, mit mehreren Trainingseinheiten pro
Woche, Intervallen und wettkampfspezifischen Reizen.
Vorher sollte das Training vor
allem vielseitig sein und verschiedene Fähigkeiten entwickeln. Dazu zählen
Schnelligkeit, Technik, Koordination und moderate Ausdauerreize.
Das ideale Modell ist daher
kein Entweder-oder, sondern ein Entwicklungsmodell:
Vom Spiel zur Struktur.
Der ideale Trainingsaufbau im Nachwuchsbereich - differenzierte Schwerpunkte in
den Entwicklungsstufen
Ein langfristig erfolgreicher
Weg folgt einem klaren Stufenmodell.
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1. Kinderalter bis etwa
12 Jahre
Im Vordergrund stehen
Spiel, Bewegungserfahrung und Schnelligkeit.
Variantenreiche Spielformen und kurze Belastungen sind ideal. Längere
intensive Intervalle sollten vermieden werden.
Eine besondere Rolle
spielen in dieser Altersstufe Bambiniläufe. Sie bieten einen
niedrigschwelligen und emotional positiven Einstieg in die Welt des
Laufsports. Ohne Leistungsdruck sammeln Kinder erste Erfahrungen mit
Start, Strecke und Ziel, erleben Applaus und Gemeinschaft und verknüpfen
Wettkampf früh mit Freude statt mit Erwartungshaltung. |
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2. Frühe Pubertät
Die Belastbarkeit
steigt, Ausdauertraining wird besser vertragen.
Dennoch bleibt die Vielseitigkeit der Bewegungsreize entscheidend. |
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3. Späte Jugend ab etwa
15 Jahren
Erst jetzt beginnt das
spezifische Lauftraining mit strukturierten Einheiten, Intervallen und
systematischer Periodisierung.
Diese Progression
schützt vor Überlastung und ermöglicht nachhaltige Leistungsentwicklung. |
Spiel und Struktur im Zusammenspiel - die übergeordnete Perspektive
Die Gegenüberstellung von
spielerischem und strukturiertem Training ist letztlich ein falscher Gegensatz.
Erfolgreiches Nachwuchstraining vereint beide Ansätze.
Spielerische Elemente bilden die Grundlage. Sie schaffen motorische Vielfalt,
Motivation und körperliche Robustheit. Strukturierte Trainingsformen werden
schrittweise integriert, sobald die biologischen Voraussetzungen vorhanden sind.
Entscheidend ist die richtige Gewichtung zum richtigen Zeitpunkt.
Die wichtigste Regel: Freude vor Leistung
"Wenn Kinder mit einem Lächeln nach Hause gehen, war das Training richtig", sagt
ein erfahrener Nachwuchstrainer.
Kinder laufen nicht, um Trainingspläne zu erfüllen. Sie laufen, weil Bewegung
Spaß macht. Und genau dieser Spaß ist der stärkste Motor für langfristigen
Erfolg.
Wer Kinder zu früh in starre Strukturen presst, riskiert mentale Überlastung,
sinkende Motivation und frühe Drop-out-Quoten. Wer hingegen spielerisches
Training nutzt, legt die Basis für ein stabiles sportliches Fundament und eine
lebenslange Begeisterung fürs Laufen.
Oder anders formuliert:
Ein Kind, das gern läuft, wird später bereit sein, strukturiert zu trainieren.
Ein Kind, das nur trainiert, läuft später vielleicht gar nicht mehr.
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Vom Spiel zum System - der goldene Weg vom Spiel zur Struktur
Spielerisches Lauftraining ist im Kindesalter kein Kompromiss, sondern die
effektivste Trainingsform. Es berücksichtigt physiologische Besonderheiten,
fördert koordinative Fähigkeiten und schafft emotionale Bindung an den Sport.
Strukturiertes Training hat seinen Platz, aber erst dann, wenn die körperliche
und mentale Reife es erlaubt.
Der beste Nachwuchstrainer erkennt daher den richtigen Moment für den Übergang.
Er lässt Kinder laufen, spielen, entdecken - und führt sie dann behutsam in die
Welt des Trainings ein.
So entstehen nicht nur schnellere Läufer.
So entstehen begeisterte Sportler, die dem Laufsport ein Leben lang treu
bleiben. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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