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Severinslauf vor dem Aus? Vom Vereinslauf zur Privatveranstaltung |
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Severinslauf vor dem Aus? Vom
Vereinslauf zur privaten Veranstaltungsstruktur
Eine Spendenaktion soll den
Lauf 2026 retten. Die Entwicklung zeigt jedoch: Der Severinslauf wurde
organisatorisch bereits zuvor vom Vereinsmodell gelöst und privat über eine
Sportmarketing-Struktur geführt.
Der Severinslauf gilt als
traditionsreiche Laufveranstaltung im Kölner Severinsviertel. Über Jahrzehnte
hinweg wurde er öffentlich als klassischer Volkslauf wahrgenommen - verbunden
mit lokalem Engagement, persönlicher Initiative und Veedels-Atmosphäre. Nun soll
eine Spendenaktion die Austragung 2026 sichern. Ohne zusätzliche finanzielle
Unterstützung, so die Botschaft, könne der Lauf nicht stattfinden.
Ein genauer Blick auf die
organisatorische Entwicklung zeigt jedoch, dass sich die Struktur der
Veranstaltung bereits zuvor grundlegend verändert hat.
Vereinsmantel als formale Hülle
Früher war der Lauf formal über
den "DauerlaufVerein e.V." beim Leichtathletik-Verband gemeldet. Der Verein
diente vor allem als formaler Ansprechpartner des Verbandes und stellte die
verbandsseitige Einordnung des Laufes sicher.
Nach außen wirkte der
Severinslauf damit wie ein klassischer Vereinslauf. Intern war die Veranstaltung
jedoch eng mit dem Laufladen Dauerlauf verbunden und organisatorisch stark von
einer privaten Struktur geprägt. Einzelne Elemente wie Vorbereitungskurse im
Vorfeld des Laufes sowie eine Athletin, die unter "DauerlaufVerein e.V." einen
Startpass führte, waren vorhanden. Ein klassisches Vereinsleben mit regelmäßigen
Trainingsangeboten, breiter Mitgliederstruktur oder vereinsinternen
Veranstaltungen entwickelte sich jedoch nicht.
Der Vereinsrahmen erfüllte damit vor allem eine formale Funktion innerhalb des
Verbandssystems - eine organisatorische Konstruktion, die grundsätzlich legitim
ist, solange Trägerschaft und tatsächliche Organisationsstrukturen transparent
bleiben. Der entscheidende Bruch erfolgte, als der Veranstalter sich zunehmend
nicht an die Regularien des Verbandes halten wollte.
Konflikt mit dem Leichtathletikverband - dokumentierter Bruch mit den
Verbandsstrukturen
In einer öffentlich einsehbaren
Mitteilung des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein vom 1. Januar 2025 wird ein
Verfahren gegen den DauerlaufVerein e.V. dokumentiert. Darin wurde gegen den
Verein eine Geldbuße verhängt. Hintergrund waren Verstöße gegen Meldeauflagen,
nicht übermittelte Ergebnislisten sowie nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge. Zudem
wurde eingeräumt, dass Veranstaltungen nicht ordnungsgemäß angemeldet worden
waren und künftig auch nicht mehr angemeldet werden sollten.
Der Verband stellte dabei
ausdrücklich klar, dass ein Verein auch dann verantwortlich bleibt, wenn er eine
Agentur mit der Durchführung einer Laufveranstaltung beauftragt. Diese
Auseinandersetzung markiert den strukturellen Wendepunkt in der
Organisationsgeschichte des Severinslaufs.
Private Veranstaltungsstruktur
In der Folge wurde der Lauf
nicht mehr über einen Vereinsrahmen im Verband geführt, sondern offen über eine
private Veranstaltungsstruktur organisiert. In der Ausschreibung 2025 wird
folgerichtig H&S Sportmarketing als Veranstalter genannt. Hinter dieser
Bezeichnung stehen Georg Herkenrath, Inhaber des Laufladens Dauerlauf, sowie
sein Partner Scheler (mittlerweile verstorben) - die Veranstalterstruktur ist
damit personell klar zuzuordnen.
Damit wurde ein Zustand
formalisiert, der faktisch schon länger bestand: Der Severinslauf war weniger
ein klassischer gemeinnütziger Vereinslauf als vielmehr eine privat initiierte
Veranstaltung mit enger Bindung an einen Laufladen und eine
Sportmarketing-Struktur. Der zuvor genutzte Vereinsrahmen wirkte damit
rückblickend eher wie eine organisatorische Hülle, um die Veranstaltung über das
Verbandssystem laufen zu lassen.
Diese Organisationsform ist
grundsätzlich legitim. Viele Laufveranstaltungen werden privatwirtschaftlich
organisiert und leisten dennoch einen wichtigen Beitrag zur lokalen Laufszene - entscheidend ist dabei vor allem Transparenz hinsichtlich Trägerschaft und
Struktur.
Spendenaufruf in neuem Kontext
Vor diesem Hintergrund erhält
die aktuelle Spendenaktion eine andere Einordnung. Die Initiative dazu ging von
Bernd Höft aus. Es geht nicht um die Rettung eines gemeinnützigen Vereinslaufs,
sondern um die Finanzierung einer privat organisierten Traditionsveranstaltung.
Das persönliche Engagement
hinter dem Lauf kann weiterhin groß sein. Strukturell bleibt jedoch
festzuhalten: Träger ist kein gemeinnütziger Sportverein, sondern eine
privatwirtschaftliche Organisationsform. Damit verschiebt sich auch die
Perspektive auf die aktuelle Finanzierungsfrage.
Teilnehmerentwicklung und Dynamik
Bereits vor der aktuellen
Spendenaktion deutete sich an, dass der Lauf nicht mehr die frühere Dynamik
erreichte. Die Teilnehmerzahlen waren zuletzt leicht rückläufig, was auf eine
Phase der Konsolidierung hindeutete. Der Lauf blieb zwar ein fester Bestandteil
der lokalen Laufszene, zeigte jedoch erste Anzeichen struktureller Ermüdung - sowohl organisatorisch als auch hinsichtlich der Teilnehmerentwicklung.
Langfristige Entscheidung mit Folgen
Die heutige Situation erscheint
weniger als plötzliche Krise, sondern eher als Folge einer langfristigen
organisatorischen Entscheidung. Wer sich bewusst von Verbandsstrukturen löst,
gewinnt größere Freiheit bei der Durchführung - verliert jedoch zugleich
institutionelle Einbindung, Planungssicherheit und Teile der sportlichen
Anerkennung.
Steigende Kosten, fehlende
Sponsoren und stagnierende Teilnehmerzahlen treffen privat organisierte
Veranstaltungen besonders stark, da ihnen eine breite vereinsbasierte
Trägerstruktur fehlt. Eine Spendenkampagne kann kurzfristig helfen, ersetzt
jedoch keine dauerhaft tragfähige Organisationsform.
Die eigentliche Kernfrage
Die Diskussion um den
Severinslauf berührt damit einen grundsätzlichen Punkt im Laufsport: Wie
tragfähig sind traditionsreiche, lokal verwurzelte Läufe, wenn sie nicht auf
einer gemeinnützigen Vereinsbasis stehen?
Der Severinslauf ist zweifellos
ein Stück Kölner Laufkultur. Gleichzeitig ist er heute formal eine privat
organisierte Veranstaltung mit enger Bindung an eine kommerzielle Struktur.
Genau dieses Spannungsfeld prägt die aktuelle Debatte.
Fehlende Innovation
Der Lauf ist sichtbar in die
Jahre gekommen. Streckenführung, Ablauf und Gesamtauftritt haben sich über lange
Zeit nur wenig verändert. In einer Laufveranstaltungslandschaft, die zunehmend
von neuen Formaten, Eventcharakter und zielgruppenspezifischen Konzepten geprägt
ist, fehlt es an erkennbarer Innovation.
Gerade darin könnte jedoch auch eine Chance liegen. Ein grundlegend neu
aufgesetztes Konzept - etwa mit überarbeiteter Streckeninszenierung, stärkerer
Einbindung des Veedels, Elite-Lauf und einem attraktiven Bühnenprogramm - könnte dem
Traditionslauf neue Impulse geben und ihn wieder zu einem echten
Publikumsmagneten machen.
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Ob
der Lauf 2026 stattfindet, hängt weniger von Spenden als von einer klaren,
langfristig tragfähigen organisatorischen Struktur ab. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln
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