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DM 10km Straßenlauf - Nils Voigt und Eva Dieterich holen die nationalen Titel |
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Deutscher Meisterschaftstag über
10 Kilometer in Uelzen
Nils Voigt und Eva Dieterich holen die nationalen Titel
Uelzen erlebte an diesem
Meisterschaftssonntag einen kompletten Tag im Zeichen des deutschen
Straßenlaufs. Örtlicher Ausrichter der Deutschen Meisterschaften war der SV
Rosche 1921, organisatorisch angeführt von Ditmar Grote, der mit seinem Team die
Titelkämpfe in die Region geholt hatte. Für Uelzen war es dabei nicht die erste
große Laufmeisterschaft: Bereits 2021 wurden hier die nationalen Titel über zehn
Kilometer vergeben.
Dass die Veranstaltung
überhaupt unter so guten Bedingungen stattfinden konnte, war noch wenige Wochen
zuvor keineswegs selbstverständlich. Nur drei Wochen vor dem Rennen lag auf den
Straßen noch Schnee bei Temperaturen um minus sechs Grad. Entsprechend groß war
die Erleichterung bei Veranstaltern und Athleten, dass sich das Wetter
rechtzeitig drehte und am Wettkampftag nahezu ideale Laufbedingungen herrschten.
Bereits am Vormittag füllten sich die Straßen der Innenstadt mit Zuschauern,
Betreuern und Athleten, denn auf dem Programm standen gleich drei nationale
Titelrennen. Um 11 Uhr starteten zunächst die Männer, eine Stunde später folgte
das Rennen der Frauen und um 14:30 Uhr bildeten die Meisterschaften der
Seniorenklassen ab M50 und W50 den Abschluss des Tages.
Damit entwickelte sich in der
33.000 Einwohner zählenden Stadt am Rand der Lüneburger Heide ein kompakter,
intensiver Meisterschaftstag. Die Strecke durch die Innenstadt erwies sich als
zuschauerfreundlich und sportlich anspruchsvoll zugleich. Wendepunktpassagen,
enge Kurven und ein rhythmischer Rundkurs verlangten den Athleten taktisches
Gespür ab. Gleichzeitig bot die Strecke genügend Raum für schnelle Zeiten.
Im Rennen der Männer sollte
schließlich Nils Voigt mit einem entschlossenen Angriff die Entscheidung
herbeiführen. Im Rennen der Frauen triumphierte Eva Dieterich nach einem mutigen
Rennen und langer Führungsarbeit. Und am Nachmittag zeigten die erfahrenen
Athletinnen und Athleten der Seniorenklassen eindrucksvoll, dass
Leistungsfähigkeit im Laufsport keine Frage des Alters ist.
Wer an diesem Tag an der
Strecke stand oder den Livestream verfolgte, bekam genau das zu sehen, was
Meisterschaftsrennen auszeichnet: taktische Entscheidungen, Tempoverschärfungen
und Athleten, die im entscheidenden Moment bereit sind, alles zu riskieren.
11 Uhr: Das Männerrennen beginnt mit einer offenen Titeljagd
Schon vor dem Start war klar,
dass dieses Rennen eine besondere Dynamik entwickeln könnte. Der Titelträger des
Vorjahres, Simon Boch, war zwar gemeldet, befand sich jedoch im Trainingslager
in Kenia und stand letztlich nicht an der Startlinie. Auch andere deutsche
Spitzenläufer wie Mohamed Abdilaahi oder Richard Ringer fehlten.
Dadurch entstand eine
ungewöhnlich offene Ausgangslage. Mehrere Athleten konnten sich berechtigte
Hoffnungen auf den Titel machen. Besonders im Fokus standen Nils Voigt vom TV
Wattenscheid, der bereits 2021 in Uelzen Deutscher Meister geworden war, Florian
Bremm von Franconia Athletics als amtierender Hallenmeister über 3000 Meter, der
erfahrene Marathonläufer Hendrik Pfeiffer sowie Johannes Motschmann aus Berlin.
Schon beim Aufwärmen rund um
den Startbereich wurde deutlich, dass ein hochklassiges Feld mit zahlreichen
Athleten mit Bestzeiten um 28 Minuten am Start stand. Viele Athleten brachten
Bestzeiten im Bereich von 28 Minuten mit. Entsprechend konzentriert war die
Atmosphäre kurz vor dem Start.
Frühe Tempoarbeit und ein schnelles Sortieren des Feldes
Pünktlich um 11 Uhr fiel der
Startschuss. Gelaufen wurden fünf Runden auf einem zwei Kilometer langen
Rundkurs durch die Innenstadt. Die Bedingungen waren nahezu ideal. Rund elf Grad
Temperatur, kaum Wind und eine trockene Strecke boten beste Voraussetzungen für
schnelle Zeiten.
Das Feld setzte sich zunächst
geschlossen in Bewegung. Doch schon nach wenigen hundert Metern begannen sich
die Kräfteverhältnisse zu sortieren. Florian Bremm zeigte sich früh an der
Spitze und übernahm überraschend offensiv die Tempoarbeit. Eigentlich hätte ein
ruhiger Rennverlauf seinem starken Endspurt entgegenkommen können. Stattdessen
entschied er sich für eine aktive Rolle.
Neben Bremm positionierten sich
Voigt, Pfeiffer und Motschmann aufmerksam im vorderen Teil des Feldes. Dahinter
bildeten sich erste Lücken. Aus einer größeren Gruppe entwickelte sich schnell
eine kompakte Spitzengruppe.
Schon nach der ersten Runde
wurde für die Zuschauer entlang der Strecke deutlich, dass sich das Feld schnell
sortieren würde. Das Tempo war hoch und die Favoriten hielten den Rhythmus
konstant.
Vier Namen, drei Medaillen
Je länger das Rennen dauerte,
desto klarer wurde, dass die Medaillen aus dieser Spitzengruppe vergeben würden.
Voigt, Bremm, Pfeiffer und Motschmann liefen lange gemeinsam an der Spitze.
Keiner wollte frühzeitig eine Entscheidung erzwingen.
Erst rund zwei Kilometer vor
dem Ziel bekam die Formation erste Risse. Johannes Motschmann musste eine kleine
Lücke hinnehmen und verlor langsam den Kontakt zur Spitze. Damit blieben drei
Athleten übrig, die den Titel unter sich ausmachen sollten.
Voigt übernahm jetzt häufiger
die Initiative. Bremm hielt sich aufmerksam im Windschatten, während Pfeiffer
mit seiner großen Erfahrung versuchte, den Rhythmus der beiden mitzugehen.
Dann kam die letzte Runde.
Der entscheidende Angriff
Nils Voigt wusste genau, dass
ein reiner Spurt gegen Bremm ein Risiko darstellen würde. Der Läufer aus Franken
besitzt enorme Endgeschwindigkeit. Also entschied sich Voigt für eine andere
Strategie.
Noch vor dem finalen Abschnitt
erhöhte er das Tempo deutlich. Es war kein kurzer Antritt, sondern eine lange
Beschleunigung. Schritt für Schritt baute er Druck auf.
Bremm versuchte zu reagieren,
konnte die Lücke jedoch nicht mehr vollständig schließen. Auch Pfeiffer musste
einige Meter abreißen lassen. Das Feld war endgültig auseinandergezogen.
Mit jedem Meter wurde klarer,
dass Voigt genau den richtigen Moment gewählt hatte.
Der Titel bei den Männern geht erneut an Nils Voigt
Als Voigt auf die Zielgerade
einbog, war der Titel praktisch entschieden. Der Wattenscheider lief
kontrolliert dem Ziel entgegen und überquerte die Linie nach 27:56 Minuten als
Deutscher Meister.
Florian Bremm folgte in 28:05
Minuten auf Rang zwei und bestätigte seine starke Form. Hendrik Pfeiffer
sicherte sich mit 28:08 Minuten Bronze. Johannes Motschmann erreichte nach
ebenfalls starkem Rennen Platz vier.
Podium Männer
1. Nils Voigt - TV Wattenscheid
01 - 27:56
2. Florian Bremm - Franconia Athletics - 28:05
3. Hendrik Pfeiffer - Düsseldorf Athletics - 28:08
12 Uhr: Das Frauenrennen verspricht Spannung
Nur eine Stunde später standen
die Frauen an der Startlinie. Auch hier war die Ausgangslage hochinteressant.
Titelverteidigerin Esther Pfeiffer war ebenso am Start wie mehrere Athletinnen
mit internationalen Erfahrungen.
Besonders viel Aufmerksamkeit
erhielt Lisa Merkel aus Tübingen. Sie hatte Anfang des Jahres in Valencia mit
31:01 Minuten eine herausragende Zeit erzielt und gehörte damit zu den
schnellsten deutschen Läuferinnen der Saison.
Hinzu kamen Gesa Krause, die
mehrfache Europameisterin über 3000 Meter Hindernis, Dominika Meyer, Hanna Klein
sowie Elena Burkard. Und mit Eva Dieterich stand eine Athletin im Feld, die in
den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht hatte.
Schon am Start war spürbar,
dass dieses Rennen viele mögliche Szenarien zuließ.
Ein großes Feld bleibt lange zusammen
Der Start bestätigte diesen
Eindruck. Anders als bei den Männern blieb die Spitzengruppe zunächst groß.
Mehrere Läuferinnen wechselten sich an der Spitze ab. Niemand wollte früh die
komplette Verantwortung für das Tempo übernehmen.
Lisa Merkel, Dominika Meyer,
Esther Pfeiffer, Gesa Krause, Hanna Klein, Elena Burkard und Eva Dieterich
liefen lange dicht beieinander. Die ersten Kilometer verliefen kontrolliert,
aber dennoch zügig.
Erst mit zunehmender Renndauer
begann sich das Feld zu sortieren.
Eva Dieterich übernimmt die Initiative
Eine Läuferin fiel dabei
besonders auf: Eva Dieterich. Die Athletin des LAV Stadtwerke Tübingen zeigte
sich immer wieder an der Spitze und erhöhte mehrfach das Tempo.
Diese Tempoverschärfungen
hatten Wirkung. Nach und nach verloren einige Athletinnen den Anschluss. Hanna
Klein musste als erste aus der Spitzengruppe abreißen lassen. Später folgten
auch Dominika Meyer und Lisa Merkel.
Schließlich blieb ein Trio
übrig: Eva Dieterich, Elena Burkard und Esther Pfeiffer.
Ein Finale voller Spannung
Die Schlussphase entwickelte
sich zu einem packenden Meisterschaftsduell zwischen Eva Dieterich, Elena
Burkard und Esther Pfeiffer. Esther Pfeiffer wollte ihren Titel verteidigen.
Elena Burkard brachte enorme Endschnelligkeit mit. Eva Dieterich hatte über
viele Kilometer die Führungsarbeit übernommen.
Trotz dieser Belastung blieb
sie stabil und hielt das Tempo weiterhin hoch. Auf den letzten Metern wurde das
Rennen zu einem offenen Schlagabtausch.
Esther Pfeiffer musste kurz vor
dem Ziel leicht abreißen lassen. Damit fiel die Entscheidung zwischen Burkard
und Dieterich.
Ein Sieg nach mutigem Rennen
Als die beiden Läuferinnen auf
die Zielgerade einbogen, lag Dieterich noch knapp vorne. Elena Burkard setzte
zum Endspurt an, kam jedoch nicht mehr ganz heran.
Nach 31:54 Minuten überquerte
Eva Dieterich die Ziellinie und gewann den deutschen Meistertitel. Nur eine
Sekunde dahinter folgte Elena Burkard in 31:55 Minuten. Titelverteidigerin
Esther Pfeiffer erreichte in 32:01 Minuten Rang drei.
Gesa Krause belegte Platz vier,
Lisa Merkel Rang fünf.
Podium Frauen
1. Eva Dieterich - LAV
Stadtwerke Tübingen - 31:54
2. Elena Burkard - LG farbtex Nordschwarzwald - 31:55
3. Esther Pfeiffer - Düsseldorf Athletics - 32:01
14:30 Uhr: Die Meisterschaften der Senioren
Am Nachmittag gehörte die
Strecke schließlich den erfahrenen Läuferinnen und Läufern der Altersklassen. Um
14:30 Uhr fiel der Startschuss für die Deutschen Meisterschaften der Senioren ab
M50 und W50.
Diese Wettbewerbe besitzen
innerhalb der deutschen Leichtathletik eine besondere Bedeutung. Viele Athleten
bleiben dem Laufsport über Jahrzehnte treu und erreichen auch im
fortgeschrittenen Alter beeindruckende Leistungen.
In Uelzen zeigte sich diese
Stärke eindrucksvoll. Zahlreiche Athleten liefen Zeiten, die auch im Hauptfeld
respektabel gewesen wären. Besonders bemerkenswert war die Konstanz vieler
Teilnehmer, die seit vielen Jahren im Wettkampfsport aktiv sind.
Die Atmosphäre entlang der
Strecke war dabei besonders herzlich. Zuschauer und jüngere Athleten feuerten
die erfahrenen Läufer lautstark an. Für viele Teilnehmer war dieser Wettbewerb
nicht nur eine Titelchance, sondern auch ein Wiedersehen mit alten Weggefährten.
Auch sportlich wurde im
Seniorenrennen noch einmal stark gelaufen. Als erster Athlet überquerte Matthias
Weippert vom TC Fiko Rostock die Ziellinie. Der Jahrgang 1976 erreichte das Ziel
nach 34:09 Minuten und war damit der schnellste Läufer des Mastersrennens
insgesamt.
Bei den Frauen erreichte Tanja
Saretzki von der LG Hohenfels als erste Läuferin das Ziel. Die Athletin des
Jahrgangs 1971 lief 40:44 Minuten und war damit die schnellste Teilnehmerin im
Feld der Seniorinnen.
Im Gegensatz zu den Rennen der
Männer und Frauen wird im Masterslauf allerdings kein Gesamtsieger über alle
Altersklassen ermittelt. Die offiziellen Titel werden ausschließlich in den
jeweiligen Altersklassen vergeben (zum Beispiel M50, M55, W50 usw.). Weippert
und Saretzki waren somit die schnellsten Athleten im Lauf, während die Deutschen
Meistertitel innerhalb der einzelnen Altersklassen entschieden wurden.
Bei den Frauen setzte sich
Tanja Saretzki von der LG Hohenfels durch. Die Läuferin des Jahrgangs 1971
gewann in 40:44 Minuten und wurde damit erste Finisherin im Rennen der
Seniorinnen.
Diese Ergebnisse unterstreichen
eindrucksvoll das hohe Leistungsniveau der Mastersläuferinnen und -läufer in
Deutschland. Viele der Athleten verfügen über jahrzehntelange Wettkampferfahrung
und laufen auch jenseits der 50 weiterhin auf bemerkenswertem Niveau. Für
zahlreiche Zuschauer entlang der Strecke gehörte dieser Lauf deshalb zu den
emotionalen Höhepunkten des Tages.
Damit bildeten die
Seniorenrennen einen würdigen und sportlich starken Abschluss dieses
Meisterschaftstages.
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Der
Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer in Uelzen boten einen kompletten
Lauftag mit drei hochklassigen Wettbewerben. Das Rennen der Männer
entwickelte sich zu einem taktischen Duell, das Nils Voigt mit einem perfekt
gesetzten Angriff für sich entschied.
Das Frauenrennen hingegen
lebte von mutiger Tempoarbeit und einem dramatischen Finale, in dem Eva
Dieterich ihren Vorsprung ins Ziel rettete.
Zusammen mit den Leistungen
der Senioren zeigte sich in Uelzen einmal mehr die große Bandbreite des
deutschen Laufsports.
Ein Meisterschaftstag, der
in Erinnerung bleiben wird. Für den örtlichen Ausrichter, den SV Rosche 1921
mit dem verantwortlichen Ditmar Grote an der Spitze, verliefen die
Titelkämpfe ebenso erfolgreich wie bereits 2021. Mit einer reibungslosen
Organisation und einer stimmungsvollen Veranstaltung empfahl sich das Team
damit beim Deutschen Leichtathletik-Verband durchaus für weitere
Austragungen nationaler Meisterschaften in der Zukunft. |
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Autor und Copyright: Detlev Ackermann, Laufen-in-Koeln Foto: Thomas Eickmann
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